Hallo Shrek,
wenn auch schon etwas Zeit zurückliegt, zeigt die Anzahl der
Bilddownloads doch die Aktualität - und den Inhalt des Beitrags für mich
schwer nachvollziehbar.
Zu messen ist eine Temperatur (mit Pflicht:)
P1) an einem Analogeingang eines µC
P2) durch einen PT100
Vorab angemerkt: die Schaltung wirkt zusammengeschustert und nicht
wirklich durchdacht (wie auch Anja andeutete), daher ein kurzer
Überblick:
Bei einem PT-100 handelt es sich um einen mit hoher Genauigkeit
verfügbaren Temperatursensor, der in professioneller Prozesstechnik
nahezu allgegenwärtig ist.
- ein TSic201 kann alternativ direkt (statt PT100 und der ganzen
Schaltung) an den Analogeingang des µC angeschlossen werden.
(alternativ LM35, bei anderem internen Prinzip)
- volldigital arbeiten der TSic206, der DS18B20, (je mit eigenem
Protokoll) und Sensoren anderer Hersteller mit I2C-Interface
Darüber hinaus werden nichtlineare Halbleiter (NTC) als billige
Massenware eingesetzt.
Zurück zum PT100, für den es zwei Anwendungsfälle gibt:
- 2-Draht-Betrieb in einer langen Stromschleife:
temperaturabhängige Verlustleistung und damit nichtlineare
Eigenerwärmung des Sensors (geringer bei PT1000), dafür kann leicht ein
Verstärker gebaut werden, der den Strom in eine Spannung für den µC
wandelt/verstärkt.
- 4-Draht-Betrieb (oder 3-Draht wie im Bild) führen Sense-Leitungen mit
der Spannung des PT-100 zum Messwandler. Diese sollten
verdrillt/geschirmt sein und zudem in der Wandlerschaltung
tiefpassgefiltert. (Wo PT100-Sensoren sitzen sind oft Pumpen nicht weit,
die störende Wechselspannung einkoppeln). Darauf wird im Bild nicht
eingegangen, ebensowenig auf die von Anja angedeutete Unzulänglichkeit
der Schaltung:
Es gibt eine Spannungsreferenz im Linearregler und eine davon
unabhängige im µC. Läuft eine von beiden Spannungen weg, verfälscht es
das Messergebnis (Anja kann ein Lied von Präzisionsspannungsquellen
singen). Im Anwendungsfall ist das aber gar nicht erforderlich, denn
wenn sowohl Eingang wie auch Ausgang aus der gleichen Referenz leben,
kompensiert sich ein Großteil dieses Fehlers selbst
(radiometrische/relative Messung statt absolut).
Etwas kritisch ist der OPV dann aber doch, schließlich ändert der PT100
seinen Wert mit ca. 0.4% pro K nicht gerade viel. Heißt konkret:
Die Schaltung stabilisiert die Spannung vom PT100 (und einem
Spannungsteiler) -> zwei unity-gain-buffer.
Der verwendete OPV sollte daher explizit dafür (eine Verstärkung von
1/direkte Rückkopplung geeignet sein). Danach wird fast die volle
Spannung Messspannung als Offset abgezogen (gute Linearität nahe GND
wäre gut, der LM324 ist da ;-( und anschließend im vierten OPV über
nahezu den vollen Betriebsbereich verstärkt.
Linearität ist hier dennoch nicht so wichtig, da das Eingangssignal nahe
GND bleibt (auch da ist der LM324 nicht gut). Spürbar ist aber, dass die
bisherigen Offset-Fehler der OPV mit verstärkt werden...und die sind
kaum kalibrierbar.