Also sinc (sin(x)/x) ist das keiner. Sondern einfach zuerst eine sich
aufschaukelnde Schwingung (waehrend beim Aufstehen elektromagentische
Energie zugefuehrt wird), danach eine gedaempfte Schwingung, d.h.
U(t) = U(0) * exp(-t/tau) * sin(2*pi*f*t)
Warum das ganze so schoen sinusfoermig ausschaut, kann ich Dir schon
erklaeren. Hoere Dir den Clip nochmals genau an: Das Oszi hat 100 MHz
Bandbreite. Die Schwingung hat ca. 100 MHz. Daemmert schon was? Klar,
Oberwellen (200 MHz, 300 MHz usw.) koennen vom Oszi nicht oder kaum
angezeigt werden, somit bleibt bloss die (sinusfoermige!)
Grundschwingung uebrig, ganz egal, wie das Signal wirklich aussieht. Mit
einem 10-GHz-Oszi wuerde man eventuell ganz was anderes sehen.
Die Erklaerung, die der nette Mann gibt, ist meiner Meinung nach auch
etwas zu simpel (bzw. falsch). Was man da wirklich sieht, sind
Reflexionen im Koaxialkabel; das eine Ende (bei der Tastspitze) ist mit
9 MOhm abgeschlossen, das andere (am Oszi) mit 1 MOhm. Wenn das Kabel 50
Ohm Impedanz hat, heisst dass, praktisch 100% Reflexion an beiden Enden:
Reflexionskoeffizient rho = (Z_load - Zo) / (Z_load + Zo),
wobei Z_load = 1 oder 9 MOhm, Zo ca. 50 Ohm, also rho ~ 1 = 100%
Jedes einmal eingekoppelte Signal "schwappt" also eine schoene Zeit lang
zwischen den beiden Enden hin und her. Ein typischer Tastkopf hat ein
Kabel mit ca. einen Meter Laenge, das ist eine Laufzeit von ca. 5-7
Nanosekunden (Laenge mal sqrt(Dielektrizitaetskonstante) dividiert durch
(Lichtgeschwindigkeit)
T_pd = Laenge * sqrt(eps_r) / c_licht
Ein Rundlauf braucht also 2*Tpd = 10 bis 14 ns, somit ist die Frequenz
der Reflexionen ca. 70 bis 100 MHz. Also genaus das, was man sieht. Die
Eingangskapazitaet des Oszis ist da voellig sekundaer, es dominiert der
induktive und kapazitive Belag (verteilt ueber die gesamte Laenge) des
Koaxialkabels.
Wolfgang