Hab mal ein paar Extremtests gemacht:
Die Testkandidaten:
a) ein Handy LCD mit Transportschaden. Aufgrund des gebrochenen Glases
ist schon Luft eingedrungen, was zu einer Oxidation der
Flüssigkristalle geführt hat.
Da LCDs bekanntlich ja von Gleichspannung zerstört werden, habe ich
erstmal eine Wechselspannung von rund 1MHz angelegt und diese langsam
auf 10kV erhöht. Am Anfang leuchten nur alle Segmente auf, irgendwann
gab es dann eine spontane Selbstenzündung, aber davon abgesehen: Keine
bleibenden Schäden.
Der nächste Test: ein auf 5kV geladener 2nF Kondensator.
Wenn man mit dem 5kV Kabel über das LCD fährt, leuchten die Segmente
auf, verschwinden aber wieder sobald das Kabel weg ist.
Im LCD funkt es heftig. Die horizontalen und Vertikalen Balken
verschwinden nach einigen Minuten wieder. Der braune Fleck wird dagegen
größer und bleibt: Aufgrund des Stromflusses ist das Flüssgkristall
durch elektrolytische Effekte zerstört.
b) ein 7 Segment Display aus irgendeiner Anzeige. An sich noch voll
funktionisfähig (zumindest vor dem Test).
Diesmal bin ich sanfter vorgegangen:
An das LCD wird ein Netzteil 0-10kV, 1mA angeschlossen.
Der Strom von 1mA stellt sich bei nichtmal 1kV ein, da die Punkte auf
der rechten Seite eine leitfähige Verbindung mit < 1MOhm darstellen.
Die Punkte sind durch elektrolytische Effekte zersetzes
Flüssigkristall.
Davon abgesehen, dass diese Punkte wachsen, funktioniert das LCD aber
noch einwandfrei, zumindest wenn die zusätzliche ohmsche Belastung dem
LCD Treiber nichts ausmacht.
Fazit: LCDs sind wie alle elektronischen Bauteile empfindlich gegenüber
ESD. Solange man aber nicht auf einige kV aufgeladen, sich über ein
geerdetes LCD entläd, passiert nichts.
Es muss nichtmal Hochspannung sein, die ein LCD zerstört, es reichen
auf wenige Volt. Nur dauert es dann etwas länger.