Diese Frage beschäftigt mich auch seit längerem.
Es geht ja um folgendes:
Zuerst muss man unterscheiden zwischen der "normalen"
http://de.wikipedia.org/wiki/Verschiebungsblindleistung und
http://de.wikipedia.org/wiki/Verzerrungsblindleistung, welche durch
nichtsinusförmigen Strom entsteht.
Zumindest letztere ist leicht mit einem Solarwechselrichter zu
kompensieren, da der gelieferte Strom dazu einfach genauso
nichtsinusförmig ist wie der verbrauchte. Dazu reicht eine einfache
Brücke.
Verschiebungsblindleistung ist schwerer zu kompensieren, da beide
Stromrichtungen fließen müssen, also ein 4-Quadrantensteller notwendig
ist.
Es könnte durchaus für einen kompensierenden Strom von den EVUs mehr
Geld geben, da er die Verlustleistung in den Leitungen, Trafostationen
und Generatoren erheblich reduziert.
Ein Beispiel: ein unkompensiertes PC-Netzteil zieht 200W. Da am Eingang
ein Gleichrichter mit dickem C sitzt, wird der C nur nachgeladen, wenn
die mmomentane Netzspannung betragsmäßig höher ist als die C-Spannung.
Das Verhältnis Stromflußdauer/Periodendauer nennt man
http://de.wikipedia.org/wiki/Stromflusswinkel.
Das bedeutet, dass z.B. in 10% der Zeit, nämlich genau am
Sinus-Scheitel, die gesamte Leistung geliefert wird. Das ist nur
möglich, wenn ein entsprechend hoher Strom fließt. Da die
Verlustleistung P = R mal I zum_ Quadrat ist, entsteht eine sehr hohe
Verlustleistung.
Außerdem bewirken ebenso die hohen Frequenzanteile erhöhte Kupfer- und
Eisenverluste im EVU-Netz.
Deshalb ist ja inzwischen Vorschrift, dass alle Verbraucher > 70W eine
PFC haben müssen, und das ist auch gut so.
Die Idee ist, dass Dein Solarwechselrichter lokal z.B. den
impulsförmigen Strom liefert, den gerade Nachbars PC braucht. So werden
die Langstrecken-Übertragungsverluste niedrig gehalten.
Bei uns in der Fa. (über 100 PCs) war das schon mal ein Problem: die
Hauptsicherung (3x 125A-Automat) flog und die Leitungen wurden warm,
trotzdem die zulässige Effektivleistung lange noch nicht ausgereizt war.
Ich habe sogar schon überlegt, ob man nicht eine zentrale
Gleichspannungsversorgung (mit einmaliger PFC) einführen sollte, aber
die Absicherung von DC ist sehr aufwendig, da ein beim Abschalten
entstehender Lichtbogen nicht mit 100 Hz unterbrochen wird, und deswegen
schwer zu löschen ist (habe natürlich über elektronische Sicherung
nachgedacht).
Der Netz-Sinus hat inzwischen eine am Oszi deutlich sichtbare Delle!