Forum: Analoge Elektronik und Schaltungstechnik Kondensator über Relaisausgang


von khs (Gast)


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Habe hier eine Platine mit Printrelais, die vermutlich
für eine Pumpensteuerung diente (Wilo).
Darauf sind über die offenen Relaiskontakte Kondensatoren
mit ca. 80 pF gesetzt.
Bisher habe ich das in anderen Steurungen noch nicht gesehen.
Welche Vor- und/oder Nachteile hat das, bzw. wann ist das zu
empfehlen und wann nicht?

Gruß
Hans

von Stefan (Gast)


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Die Kondensatoren reduzieren die Abstrahlung von HF Störungen im Moment 
des Aus-Schaltens und wenn die Kontakte beim Umschalten prellen.

von khs (Gast)


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Danke für die Antwort.

Habe festgestellt, daß dadurch ein Phasenprüfer auch bei offenem
Kontakt anzeigt.
Der (Blind-)Stromverbrauch dürfte wohl im Mikrobereich liegen.
Kann man dies in Verbindung mit µCs grundsätzlich empfehlen,
oder gibt es auch Nachteile?

Gruß
Hans

von Amateur (Gast)


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>Der (Blind-)Stromverbrauch dürfte wohl im Mikrobereich liegen.

Vor allem sollte von man von Phasenprüfern möglichst großen Abstand 
halten.
Damit kann man prima feststellen ob die Hauptsicherung drinnen ist, 
alles andere ist aber mit Vorsicht zu genießen.

Übrigens den gleichen Abstand den auch Mikroprozessoren 5V (--) zu 230V 
halten.

von khs (Gast)


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>Übrigens den gleichen Abstand den auch Mikroprozessoren 5V (--) zu 230V
halten.

Hatte da auch schon ein Projekt, wo ich nur durch Optokopller zwischen
µC und Relais klar kam.
Einer meinte mal: "Nur Feiglinge bauen Optokoppler ein."
War vielleicht auch nicht ganz ernst gemeint.

Gruß
Hans

von Amateur (Gast)


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Sag' nichts gegen Optokoppler.

Die haben schon ihre Daseinsberechtigung.

Vor allem in größeren Gebilden kann es vorkommen, dass Masse nicht 
gleich Masse ist.
Bei Anlagenübergreifenden Schaltungen habe ich schon 
Potentialunterschiede von mehr als 10V erlebt. Da freut sich jeder µP 
über den "optischen" Abstand.

von Erich (Gast)


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>Kondensatoren mit ca. 80 pF

>Habe festgestellt, daß dadurch ein Phasenprüfer
>auch bei offenem Kontakt anzeigt.

Bei 80 pF ??
Wohl kaum.
Entweder sind es nF oder keine Kondensatoren.
--> Auch einmal den Ohmwert an R-L-C Meßbrücke ermitteln.
Foto des Bauteils?

Gruss

von Kai K. (klaas)


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>Habe hier eine Platine mit Printrelais, die vermutlich
>für eine Pumpensteuerung diente (Wilo).
>Darauf sind über die offenen Relaiskontakte Kondensatoren
>mit ca. 80 pF gesetzt.

Netzspannungsvaristoren sieht man ab und zu über die Relaiskontakte 
geschaltet, um den Abschaltfunken zu unterdrücken, wenn eine induktive 
Last abgeschaltet wird. Das hilft die Lebensdauer der Relaiskontakte zu 
verlängern und verringert teilweise ganz extrem die EMI.

Ein S20K275 bringt nur rund 600..700pF Anschlußkapazität mit, was für 
den Einschaltmoment wichtig ist. Ist die Kapazität dann nämlich zu groß, 
fließen wieder zu große Kontaktströme, die die Relaiskontakte wieder 
schädigen können. Mit weniger als 1nF kommen hochgwertige Netztrelais 
aber eigentlich klaglos zurecht.

Der Varistor ist übrigens direkt bei der induktiven Last besser 
aufgehoben, weil damit die Stromschleifenfläche drastisch verkleinert 
wird, was die EMI noch weiter reduziert.

Varistoren heute bitte nur noch mit in Reihe geschalteter 
Temperatursicherung verbauen. Dafür gibt es heute von EPCOS fertige 
Module. Ohne diese Maßnahme kann ein defekter oder alter (!) Varistor in 
Flammen aufgehen.


(EMI = electromagnetic interference)

von khs (Gast)


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Danke für die ausführliche Beschreibung.

Da sollte ich mir die Teile doch noch mal genauer vornehmen,
habe jetzt auch eher das Gefühl, daß es Varistoren sind.
Mal sehen, ob aus dem Aufdruck heute noch was zu identifizieren ist,
das Alter dürfte über 20 Jahren sein.

>Ohne diese Maßnahme kann ein defekter oder alter (!) Varistor in
>Flammen aufgehen.

Da war nichts vorgesehen, und wenn es solche sein sollten,
werde ich sie am sichersten wohl ganz auslöten.
Eine Überwachung scheint mir da zu aufwendig für die max. 100 Watt
Motoren, die ich damit steuern will.

Gruß
Hans

von khs (Gast)


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Also die Dinger habe ich jetzt ausgelötet, darauf steht
250 V
592-PH
9235

Nachdem keinerlei Farad-Angabe zu finden ist, dürften es wohl
Varistoren sein, im alldatasheet.com fand ich dazu nichts.

Gruß
Hans

von khs (Gast)


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P. S.: 72 pF konnte ich messen, Wiederstand > 20 MOhm,
mit einem Multimeter gemessen.

von Daniel (Gast)


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Hi, ich habe mich grade hier eben ein gelesen und habe hier viellecith 
etwas was dir helfen könnte.
Hier kannst du dich vielleicht ein wenig einlesen
 http://kondensator.eu/diode/
ich hoffe ich kann dir helfen
Mfg Daniel

von Kai K. (klaas)


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>Also die Dinger habe ich jetzt ausgelötet, darauf steht
>250 V
>592-PH
>9235

"592-PH" müßte ein Varistor von Philips sein. Deine gemessenen 72pF 
machen absolut Sinn, wenn es sich um eine kleinere Bauform handelt, 
worauf die "592" schließen läßt.

Hier das Datenblatt eines wohl ähnlichen Typs:

http://www.vishay.com/docs/29081/23815925.pdf

Weglassen würde ich das Teil über den Relaiskontakten aber auf gar 
keinen Fall. Abschaltfunken sind tückisch und können Digitalschaltungen 
völlig lahmlegen.

von khs (Gast)


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Danke für die Antworten und Links.

>Weglassen würde ich das Teil über den Relaiskontakten aber ...

Einerseits wollte ich sicher gehen, nachdem Kai von der
Entflammgefahr schrieb, andererseits hatte ich früher schon auch 
Probleme
mit µC-Projekten, die ich mir nicht erklären konnte,
und die ich dann nur mit Hilfe von Optokopplern in Griff bekam.
Wie es sich beim jetzigen Projekt verhält, wird sich zeigen,
bisher mit nur einem angesteuerten Relais scheint es stabil zu sein.

Gruß
Hans

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