Hallo Leute,
ich entwickle seit über einer Dekade beruflich Elektronik.
Früher Serienprodukte für die Industrie, heute sehr Erfolgreich in einem
kleinen F&E Trupp Prototypen und Machbarkeitsstudien.
In meinem Früheren Job gehörte auch dazu, Elektronik als Dienstleistung
anderer zu "Debuggen" - das war so die Zeit wo auf RoHS umgestellt
wurde. Da kann ich mich noch an Fälle erinnern, in dem "einfach" das
Lötprofil und die Lötpaste getauscht wurde und dann... nach nicht
reproduzierbarer Laufzeit der Baugruppe (100 - 5.000) Betriebsstunden
machte es Peng und die Tantals explodierten ohne Vorankündigung. Nach
langer (gut ein halbes Jahr) suche mit dem Hersteller der Tantals wurde
dann festgestellt, das die Tantals, die eigentlich Bleifrei waren eine
Erhöhung der Lötpeaktemperatur um 30 Grad nicht aushielten...
Dann gab es da noch schlechte Designes, die beim ersten Einschaltpeak /
beim ersten Auftreten eines Ripples sich ihrer Tantals erledigten. ->
Schönes Beispiel hierbei: Ein Kunde bat um Hilfe weil Ihm seine Tantals
beim Abschalten Starben. Eine genaue Analyse ergab, das es eine Crowbar
gab, die nicht nur bei Überspannung, sondern auch bei Unterspannung
(welche nunmal auch beim Abschalten auftritt) aktiviert wurde. ;-)
Ich hab da mal einen Tollen Spruch von einem "Alt-Ingeneur" gehört, der
wirklich passend ist: Tantals sind wie Säuferlebern -> Gerne Voll und
wenn möglich auf gleichem Pegel :-P
Kurzum all diese Ereignisse in meiner Vergangenheit prägten mich -> Mach
um Tantals einen Bogen!
Klar sind mir die HF-Eigenschaften von Tantals bekannt, aber bislang
habe ich noch keine Designes gemacht, in denen ich diese Eigenschaften
brauchte.
Auch lies mich das Auftauchen von Hochkapazitiven MLCC Kerkos die heute
locker die 100µF - 330µF schaffen das wegrationalisieren von Tantals
locker wegstecken. - Und wenn ich doch mal etwas mehr Kapazität brauche,
dann hallt low ESR Elkos...
Kürzlich hatte ich die Möglichkeit einige embedded PC-Mainboards
verschiedener Serien von Fujitzu zu sehen, und auch da konnte ich
nirgends mehr Tantals erblicken - (Mein Acer Laptop besteht subjektiv
Betrachtet zu 25% seines Volumens auch den gelben und schwarten
Klötzchen - spielt aber natürlich in einer ganz anderen Preislieger).
Zur Info: meine Systeme sind zumal große digitale Systeme mit vielen
FPGA, DSP und Prozessoren mit dutzenden Amperes Phasenströmen bei denen
es in erster linie nicht auf Kostenoptimierung sondern auf Funktion
ankommt.
Meine Schlussfolgerung wäre jetzt, wenn es auf lange Haltbarkeit und
Funktion ankommt (ohne HF Anwendungen), dann ist die Wahl weg von
Tantals sinvoll - ist jedoch auf den Preis zu optimiern, dann sind
Tantals zu bevorzugen.
Stimmt das?
Könnt Ihr da etwas aus euren Erfahrungen berichten?
Hallo Harry,
ich habe in einer F&E-Abteilung für Medizintechnik gearbeitet. In den
Checklisten für die Freigabe der Elektronik-Designs gab es für Tantals
extra den Punkt: "Schaltung verwendet keine Tantal-Kondensatoren".
Bei der Vermeidung von Tantals bist Du also nicht allein :-)
LG
Jens
Nachdem mir ein Tantal Elko richtig mit offener Flamme abgebrannt ist,
verwende ich auch nur noch MLCC Kerkos. Allerdings war das nicht die
Schuld des Tantal Elkos sondern die vom Bestücker. Der hatte den falsch
herum bestückt. :-)
Bei MLCC Kerkos ist halt nur zu beachten, dass die Kapazität sinkt, wenn
die angelegte Spannung steigt. Also ich nehm da vorsorglich welche für
25V, auch wenn sie nur 5V Spannung abbekommen.
Dank moderner Spannungsregler und der Notwendigkeit, aus EMV-Gründen
Multilayer PCBs zu verwenden, sind Tantalelkos glücklicherweise bis auf
ganz wenige Spezialeinsätze obsolet geworden. Keramik macht´s.
Na wunderbar,
dann bin ich ja nicht alleine.
RTFM schrieb:> Tantals sind auch wegen der zweifelhaften Rohstoffgewinnung abzulehnen
Danke für diesen Punkt!
Jens schrieb:> ich habe in einer F&E-Abteilung für Medizintechnik gearbeitet. In den> Checklisten für die Freigabe der Elektronik-Designs gab es für Tantals> extra den Punkt: "Schaltung verwendet keine Tantal-Kondensatoren".
Im Automobilbereich sieht es ähnlich aus. Manche Kunden erlauben
Tantals, wenn der Strom begrenzt ist (z.B. am Ausgang eines kleinen
50mA-LDO. Ansonsten sind die Dinger ausgestorben.
Es gab zu viele Fälle von rapider Korrosion. Auch wenn dank
selbstverlöschender Kunststoffgehäuse kein Auto abbrennt, der Qualm und
der Schrecken für den Fahrer reicht für den Imageschaden.
Jetzt mach ich mir Sorgen - ich habe einen recht großen Tantal parallel
zu einem 1S LiPo - aber zu heiß gelötet oder verpolt hab ich ihn
natürlich nicht -was könnte passieren?
Rainer Unsinn schrieb:> ich habe einen recht großen Tantal parallel> zu einem 1S LiPo - aber zu heiß gelötet oder verpolt hab ich ihn> natürlich nicht -was könnte passieren?
Im Fall einer ruckartigen Entladung oder Ladung könnten die Tantals sich
und das umliegende Material zerlegen. Direkt an einer niederohmigen
Quelle sollte man Tantals ohnehin nicht betreiben, da die Stoßströme
beim Anschalten der Quelle an die Tantals sehr heftig sein können.
Solange Akku und Tantals immer verbunden sind, ist die
Wahrscheinlichkeit eines Schadens gering. Wenn der Akku jedoch
tiefentladen ist und das Ladegerät mit genug Power angeklemmt wird,
machen die Tantals unter Umständen dicke Backen.
Hallo Harry, mach ich genauso.
Es wurde eigentlich schon alles gesagt, zusammenfassend:
- Tantal zu heikel
- Rohstoffgewinnung fraglich
- Kerkos: Spannung zu Kapazitätsverlauf beachten. Ich nehm immer 50V,
dann hab ich meist auch etwa den realen wert wie er im Schema steht (bei
5V/3.3V Schaltungen)
Knut Ballhause schrieb:> Im Fall einer ruckartigen Entladung oder Ladung könnten die Tantals sich> und das umliegende Material zerlegen.
Na tolle Wurst: Für die "Ruckartige Entladung" brauche ich den ja
gerade, damit er bei einer kurzen Lastspitze einspringt und die Spannung
nicht so stark einbricht. Also der Akku wird über ein Kabel angesteckt
(Modellflugzeug) und niemals tiefenentladen.
Sehr gut. Dann kann ich die ja alle ohne schlechtes Gewissen entsorgen.
Die obigen Fragen habe ich mir auch schon öfter gestellt.
Ich bin in den letzen 10 Jahren auch keinem mehr auf Platinen begegnet.
Sollte ich mal einen in alten Schaltungen finden kann ich diesen einfach
gegen Elko's tauschen? Solange kein Spezialfall vorliegt?
soul eye schrieb:> Es gab zu viele Fälle von rapider Korrosion. Auch wenn dank> selbstverlöschender Kunststoffgehäuse kein Auto abbrennt, der Qualm und> der Schrecken für den Fahrer reicht für den Imageschaden.
Mal ganz abgesehen von den 1500-2500 EUR, die dann das neue Steuergeraet
kostet.
wendelsberg
@RTFM (Gast)
>Tantals sind auch wegen der zweifelhaften Rohstoffgewinnung abzulehnen
Mal mal sehen, ob die Kupfergewinnung, allen voran in Chile, sooo viele
besser ist. Was da an Schlacke übrig bleibt, ist keine Muttererde. OK,
Chile finanziert damit seinen Staatshaushalt und keinen Bürgerkrieg,
aber schön ist auch was anderes.
Ich bin auch dabei, Tantals rauszuschmeißen. Aber auch Elkos bis
22µF/25V ersetze ich durch Keramik (X7R). Die Keramik mit kleinem
Temperaturbereich nehme ich nicht.
Rainer Unsinn schrieb:> Also der Akku wird über ein Kabel angesteckt> (Modellflugzeug) und niemals tiefenentladen.
Wenn die Tantals auf der Platine sitzen und der Akku angesteckt wird,
hast Du eine Zeitbombe gebaut. Der Stromstoß aus dem Akku in den
entladenen Tantal kann zur Feuerfalle werden. Es gibt einige
Spezialtantals (Polymer), die dieses Verhalten nicht haben und trotzdem
extrem niederohmig sind. Vielleicht solltest Du soetwas in Dein Flugzeug
bauen. Oder aber eine Latte von X7R-Kondensatoren (bspw. 10x 22µF/16V),
wenn dafür Platz ist.
Harry schrieb:> dann bin ich ja nicht alleine.>> RTFM schrieb:>> Tantals sind auch wegen der zweifelhaften Rohstoffgewinnung abzulehnen>> Danke für diesen Punkt!
Mach drei draus :)
Ich mache seit über 20Jahren einen Bogen um Tantal ndchdem es in einem
hochvolumigen Consumerprodukt zu "Hitzeentwicklung" gekommen war - war
ich nicht der Entwickler aber dann doch mit der Aufarbeitung der
Problematik mit betraut. Seitdem kommt mir in kein Design mehr Tantal
OT: Das Thema Tantal wurde sogar in einem Tatort aufgegriffen. Da hieß
das dann politisch korrekt "Coltan".
rgds
Falk Brunner schrieb:> Mal mal sehen, ob die Kupfergewinnung, allen voran in Chile, sooo viele> besser ist. Was da an Schlacke übrig bleibt, ist keine Muttererde. OK,> Chile finanziert damit seinen Staatshaushalt und keinen Bürgerkrieg,> aber schön ist auch was anderes.
OT:
Yep, und über die Goldgewinnung und den Abbau fün Edelsteinen wollen wir
in manchen Ländern am besten auch nicht reden. Müsste ich dann auch auf
die Ni-Au Schicht auf den Leiterplatten verzichten.
rgds
Hmmm,
ich habe in den letzten Wochen mehrere alte Flukes restauriert.
Zumindest in den größeren Monstern sind hunderte Tantals (Tropfenform)
verbaut. Noch sind die drin, ich hatte aber überlegt sie zu ersetzen.
Die meisten zum Abblocken diverser Spannungen, da sollten doch auch
Al-Elkos gehen. Die gab es damals ja auch, warum hat mann auf teurere
Tantals gesetzt?
Old-Papa
Old Papa schrieb:> ich habe in den letzten Wochen mehrere alte Flukes restauriert.
Ich denke das "sind" die Spezialfälle in denen man Tantals auch Braucht!
Die große Zeit der Tantal Elkos war bevor es Low ESR AL Elkos und MLC im
µF Bereich gab. Damals hatte man nicht so gute Alternativen und auch
noch nicht die negativen Erfahrungen.
Ich meide die Dinger auch - dafür hab ich schon zu viele Defekte
gesehen. Da half manchmal auch kein Widerstand zur Strombegrenzung - da
ist dann statt des Tantal Elkos der Widerstand verkohlt.
Eine Weile wurden Niob-Kondensatoren als Tantal-Alternative angeboten -
was ist aus denen geworden?
Wir haben auch noch ein >10 Jahre altes Design mit vielen Tantals an den
Spannungsreglern. Beim ersten Einschalten knallt meistens einer davon
und verbrennt mit einer kleinen Flamme.
Wenn das überstanden ist, passiert es nur noch selten. Anscheinend fehlt
ein Formier-Vorgang, wie er für die Restaurierung alter Röhrengeräte
empfohlen wird, also langsames Hochfahren um den Elko "an Spannung zu
gewöhnen".
Christoph Kessler (db1uq) schrieb:> Beim ersten Einschalten knallt meistens einer davon> und verbrennt mit einer kleinen Flamme.
Genau, das ist dann der Burn In Test ;-)
Knut Ballhause schrieb:> Wenn die Tantals auf der Platine sitzen und der Akku angesteckt wird,> hast Du eine Zeitbombe gebaut. Der Stromstoß aus dem Akku in den> entladenen Tantal kann zur Feuerfalle werden. Es gibt einige> Spezialtantals (Polymer), die dieses Verhalten nicht haben und trotzdem> extrem niederohmig sind. Vielleicht solltest Du soetwas in Dein Flugzeug> bauen. Oder aber eine Latte von X7R-Kondensatoren (bspw. 10x 22µF/16V),> wenn dafür Platz ist.
Also genau genommen ist es ein bedrahteter, großer Tantal (220uF) als
"Perle" mit 2 Beinen. Aber ich habe ja gerade gestaunt, WIE klein die
X7R/X5R geworden sind. Da werde ich mal einen Umbau in Betracht ziehen.
Finde es ja immer interessant wieviel man gerade die klassischen
Tropfen-Tantals in den 80ern auf PC-Steckkarten verbaut hat, und das
wahrscheinlich oft genug quer über die sehr niederohmige 5V-Schiene...
ohne dass das Zeug den Leuten dauernd um die Hörner geflogen ist...
wusste man damals was man tat oder hatte man einfach viel Glück?
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OT: Das Thema Tantal wurde sogar in einem Tatort aufgegriffen. Da hieß
das dann politisch korrekt "Coltan".
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'Coltan' ist das Erz, das Tantal enthält, das hat mit 'politisch
korrekt' nix zum Tun. http://de.wikipedia.org/wiki/Coltan. Dort auch
infos zu den Abbaubedingungen in Zentralafrika.
Cheers
Detlef
Ich frage mich gerade, ob es überhaupt sinnvoll ist, über einen Lipo mit
600mAh und 20C/40C so eine "kleinen" Kapazität zu löten.. Hab das auch
eher aus "Angst" gemacht. Die Motoren ziehen im Extremfall zusammen
kurzzeitig 12A, und ich will damit einen brown-out auf dem
Controller-Board vermeiden (wird vom gleichen Lipo gespeist, über einen
voltage booster). Gerade jetzt wenn es so kalt ist, bringen die Lipos
draußen nur knapp dei Hälfte..
Rainer Unsinn schrieb:> und ich will damit einen brown-out auf dem> Controller-Board vermeiden
Da hilft es eigentlich nur, eine getrennte Spannungsversorgung auf dem
Board zu realisieren, die Controller und Peripherie am Leben hält, wenn
die Motoren die Spannung kurz in den Keller ziehen. Wird jetzt aber
Off-Topic.
Ein Kondensator parallel macht vor allem Sinn, wenn er deutlich dichter
an der kritischen Stelle ist. Das ist dann vor allem was gegen
Funkstörungen und kurze Überschwinger / Einbrüche auf der Spannung.
Direkt am Akku macht der Kondensator wenig Sinn, aber direkt am
Fahrtenregler schon.
Knut Ballhause schrieb:> Da hilft es eigentlich nur, eine getrennte Spannungsversorgung auf dem> Board zu realisieren, die Controller und Peripherie am Leben hält, wenn> die Motoren die Spannung kurz in den Keller ziehen. Wird jetzt aber> Off-Topic.
Ja, würde ich gerne so machen, aber ich hab keinen Schaltplan und
offtopic ist es auch, deshalb mach ich mal nen eigenen Thread auf dafür.
Paul Baumann schrieb:> In manchen Ländern werden intensiv Messingbergwerke betrieben.> Darüber> redet außer mir auch niemand....> ;-)> MfG Paul
...genau. Und daneben steht meist eine Gummischmiede...
mse2 schrieb:> Paul Baumann schrieb:>> In manchen Ländern werden intensiv Messingbergwerke betrieben.>> Darüber>> redet außer mir auch niemand....>> ;-)>> MfG Paul>> ...genau. Und daneben steht meist eine Gummischmiede...
Das heißt "Pariser" du Lümmel...
Aber Messingbergwerk ist schon der Knaller
Old Papa schrieb:> Cyblord ---- schrieb:>> Aber Messingbergwerk ist schon der Knaller>> ... und ist genauso alt wie "Ambossfett", "Getriebesand".... ;-)
War mir nicht bekannt. Die beiden anderen kenn ich hingegen :-)
Wie problematisch ist eigentlich die Schwingneigung beim Abblocken, im
Vergleich Tantal, MLCC?
Ist es hier gängige Praxis bei Verwendung von MLCCs einen
Serienwiderstand mitzuverbauen oder treten da kaum Probleme auf?
Mfg
Michael
michi099 schrieb:> Ist es hier gängige Praxis bei Verwendung von MLCCs einen> Serienwiderstand mitzuverbauen oder treten da kaum Probleme auf?> Mfg> Michael
Wie sinnvoll ist es nach LOW-ESR zu rufen und dann Serienwiderstände zu
verbauen? Oder versteh ich was falsch?
Old-Papa
Keramik schwingt "besser". Gegen hochfrequentes Schwingen empfiehlt sich
das oben erwähnte Multilayer-Design mit durchgehenden Versorgungslagen.
Das kommt aber auf das Projekt und die Anforderungen an.
Old Papa schrieb:> Wie sinnvoll ist es nach LOW-ESR zu rufen und dann Serienwiderstände zu> verbauen? Oder versteh ich was falsch?
Einen Vorteil hat das schon: Man kennt den ESR einigermassen. Bei
Standard-Elkos ist das nicht unbedingt gegeben.
"Anscheinend fehlt ein Formier-Vorgang"
Der wohl in manchen Datenblättern konkret empfohlen wird!
"...Coltan-Problematik..."
Kommt auch immer ein bisschen drauf an wie langlebig das Produkt sein
soll.
Jörg Esser schrieb:> Ich bin in den letzen 10 Jahren auch keinem mehr auf Platinen begegnet.
wieder entdeckt auf dem Raspberry PI B, ich wunderte mich auch, als
Puffer C für die USB Ports und doch zu schwach, ein starker USB
Verbraucher wlan o.ä. lässt den PI trotzdem abschmieren.
Etwas noch zu Tantals.
Wenn sie sich verabschieden, dann meist mit einer kleinen Stichflamme
und entsprechender Wärmestrahlung.
Das kann unter schlechten Bedingungen zu Bränden führen...
Mani
Was man bei MLCC (Kerkos) nicht vergessen sollte:
Speziell die Typen mit mehr µF haben die unangehme Eigenschaft, bei
DC-Belastung viel Kapazität zu verlieren.
Das geht bis hin dazu, dass nur noch 20% bei Nennspannung vorhanden
sind. Da ist der tolle 10µ 10V bei 5V plötzlich nur noch 4µ wert und das
Schaltnetzteil schwingt.
Das ist blöd, weil dadurch jeder von diesen Teilen genau geprüft werden
muss und sie unterinander nicht austauschbar sind. Die Hersteller gehen
mit diesen Informationen auch nicht gerade hausieren. Man kann es aber
nachlesen - zumindest bei Kemet, AVX und Murata.
Tantals dagegen haben das Problem nicht. Das Verhältnis Größe zu
Kapazität ist auch besser als bei MLCC. Der ESR ist oft ist besser als
bei Elkos.
Tantal sind auch mechanisch nicht solche Mimosen wie große Kerko
Bauformen die man für große Kapazitäten braucht (ich nehm nie, nie
wieder 1812er Kerkos her...). Die Bauformen sin auch schön flach - im
Gegensatz zu Elkos.
Bleiben halt die üblichen Probleme damit:
- Eine etwas blutige Geschichte (Coltan...)
- ESR ist schlechter als Kerkos
- Teurer als Elkos
- FIT-Wert höher als Kerkos (immerhin besser als Elkos)
Summa sumarum nehm ich die Tantal dann, wenn ein Kerko zu groß wäre und
ein Elko einen zu großen ESR hat. Beispiel: Bei einem USB-Hub der 150µ
am Host. Oder wenn es vom Platz her nicht ander geht.
Sonst schaue ich, dass ich mit MLCC und Elkos auskomme.
Moin,moin
Folgendes Dokument beschreibt umfangreich und denoch kompakt die
Unterschiede beim Einsatz von Tantal gegenüber Keramik:
http://www.kemet.com/Lists/TechnicalArticles/Attachments/93/2008-11%20Update%20-%20Ceramic%20versus%20Tantalum.pdf
Hauptnachteile (Tabelle 4 auf Seite 6):
-gepolt
-entzündlich
-RC-Leiter (?)
-Temperaturabhängige Betriebseigenschaften
Auch die angesprochene Probleme beim bleifrei Löten werden erklärt (S.6
ertser Abschnitt) und dabei die Lötdauer als Problem ausgemacht.
Die Entzündbarkeit macht diese Bauteile eigentlich zum NoGo, laut
Dokument hat man bspw. durch den Ersatz des MnO2 durch leitfähiges
Polymer an der Kathode die Entzündbarkeit besser im Griff (S.4 erste
beide Abschnitte).
MfG,
Ich denke, man sollte vielleicht berücksichtigen, welche Lasten man
bedienen muss und wie man den Tantal dimensioniert.
Ich habe einem Step-Up von 1,5V nach 5V das Fiepen abgewöhnt, indem ich
die original verlöteten MLCC durch 10µF Tantals ersetzt habe. Ausgelegt
ist das Board für etwa 600mA.
Da ich einen Bericht im Netz gefunden hatte, der die Problematik etwas
präziser erläutert hatte, habe ich aber gar nicht erst 6,3V-Tantals (in
dem Bericht war genau so einer abgeraucht) - sondern mindestens 10, die
anderen 16V Nennspannung.
Ich fühle mich dadurch nun nicht unbedingt suizidal.
@ Knut Ballhause (Firma: TravelRec.) (travelrec) Benutzerseite
>Keramik schwingt "besser". Gegen hochfrequentes Schwingen empfiehlt sich>das oben erwähnte Multilayer-Design mit durchgehenden Versorgungslagen.>Das kommt aber auf das Projekt und die Anforderungen an.
Ja. Ich hab hier ein Board mit 16 LED-Ausgängen und einem TLC5940. Die
LEDs werden mit bis zu 100ma/Kanal und 1-8kHz PWM getaktet. Dachte ich
mir, pack mal pro 2 LEDs einen 10uF Kondensator dran, 10V Typ in 1206.
Ha, schöner MIST! Die Dinger pfeifen! Der Mikrophonieeffekt läßt grüßen!
Also raus den Murks und dicker Elkos rein, außerdem hab ich den Filter
jetzt mal simuliert. Mit 8x 330uF sieht das deutlich besser aus.
Oh, interessant, das war mir neu. Ich habe paar unterschiedliche AVX TAJ
hier. Leider weiß ich nicht, von wann das Dokument ist - aber die haben
bei AVX inzwischen wohl Sicherungen eingebaut.
http://www.avx.com/docs/techinfo/analtant.pdf
Ein anderes Thema sind Keramikkondensatoren mit sehr geringem ESR am
Eingang von Schaltreglern. Die verursachen ein so großes Überschwingen,
dass die max. zulässige Eingangsspannung des Schaltregler-IC
überschritten werden kann. Einfach Austauschen gegen die Tantals könnte
so Probleme machen.
Jörg Esser schrieb:> Ich bin in den letzen 10 Jahren auch keinem mehr auf Platinen begegnet.
Also ich mache ja erst seit drei Jahren hobbymäßig mit Elektronik, aber
mir sind schon einige Platinen mit Tantal begegnet.
Old Papa schrieb:> Hmmm,> ich habe in den letzten Wochen mehrere alte Flukes restauriert.> Zumindest in den größeren Monstern sind hunderte Tantals (Tropfenform)> verbaut. Noch sind die drin, ich hatte aber überlegt sie zu ersetzen.> Die meisten zum Abblocken diverser Spannungen, da sollten doch auch> Al-Elkos gehen. Die gab es damals ja auch, warum hat mann auf teurere> Tantals gesetzt?>> Old-Papa
Eben!
Dann möchte ich doch mal die erfahrenen Kollegen hier fragen: Wie viele
Tantals sind denn euch schon abgebrannt und aus welchem Anlass?
Also ich habe extra Tantals gekauft, weil die für die elektronischen
Gehörschutze eben gut passen.
Wenn die Ohren warm werden, dann muss man den Gehörschutz halt in die
Ecke werfen.
F. Fo schrieb:> Also ich habe extra Tantals gekauft, weil die für die elektronischen> Gehörschutze eben gut passen.
Ist auch gut gegen kalte Ohren im Winter geeignet, musst nur genug
Tantals einbauen: je nach Außentemperatur z.B. einmal die Minute einen
zünden ;)
Peter Dannegger schrieb:> Tantals (die braunen Tropfen) sind oft in älteren Geräten abgebrannt,> die lange Zeit nicht benutzt wurden und immer nur beim> Einschaltstromstoß.
Oh ja, bei mir diese Woche erst. Da haben sich auf einem 286er Mainboard
zwei Stück davon mit Feuerwerk verabschiedet. Allerdings nicht sofort,
sondern erst nach ein paar Minuten.
da heng ich mich doch gleich mal mit einer frage an :D
in datenblättern tauchen die dinger ja immer noch als empfohlene
beschaltung auf (z.b. 10 uF bei den pics)
aber was nimmt man da jetzt stattdessen?
vorallem wenn man auch am steckbrett damit arbeiten will
mir schwahnt irgendwie dass ich mir ein paar MLCCs selber bedrahten
muss...
smashIt schrieb:> in datenblättern tauchen die dinger ja immer noch als empfohlene> beschaltung auf
Datenblätter sind immer gerne etwas behäbig. Da kann man kaum erwarten,
daß sie schnell auf aktuelle Bauteile geändert werden, wenn es nicht
unbedingt notwendig ist.
smashIt schrieb:> in datenblättern tauchen die dinger ja immer noch als empfohlene> beschaltung auf (z.b. 10 uF bei den pics)> aber was nimmt man da jetzt stattdessen?> vorallem wenn man auch am steckbrett damit arbeiten will
Als Erstes, übe Rechtschreibung. Als Nächstes nimmst Du einfach einen
10uF Tantal mit ausreichender Spannungsfestigkeit und alles wird
funktionieren. Oder einen 10uF Elko. Bei PICs im TQFP-Gehäuse sitzen die
Kondensatoren eh auf der Adapterplatine.
smashIt schrieb:> da heng ich mich doch gleich mal mit einer frage an :D>> in datenblättern tauchen die dinger ja immer noch als empfohlene> beschaltung auf (z.b. 10 uF bei den pics)> aber was nimmt man da jetzt stattdessen?> vorallem wenn man auch am steckbrett damit arbeiten will>
Polymer-Elko, z.B. OS-CON.
F. Fo schrieb:
> Old Papa schrieb:>> Die meisten zum Abblocken diverser Spannungen, da sollten doch auch>> Al-Elkos gehen. Die gab es damals ja auch, warum hat mann auf teurere>> Tantals gesetzt?
Schätzungsweise hat man denen noch weniger vertraut als den Tantals.
Al-Elkos sind doch deutlich hochohmiger und vor allem trocknen sie aus,
Tantals sind vom Start weg trocken. Also wenn Lebensdauer eine Rolle
spielt... Der Ausfallmechanismus von Tantals ist schließlich bekannt und
beherrschbar.
> Dann möchte ich doch mal die erfahrenen Kollegen hier fragen: Wie viele> Tantals sind denn euch schon abgebrannt und aus welchem Anlass?
Ein Beispiel: auf einer Baugruppe von ~1985 waren 10 Tantals (1u/35V
@12V, 4u7/16V @6V), gebaut wurden über die Jahre ~2300 Stück und viele
davon dürften noch im Dauerbetrieb laufen. Diese und ähnliche Platinen
sind jedenfalls nicht wegen defekter Tantals aufgefallen.
Apropos Statistik: wie viele Autos sind wegen Kurzschlüssen in
zerbrochenen Keramik-Cs abgebrannt? Ich schätze mal, mehr als wegen
kaputten Tantals.
Schaulus Tiger schrieb:> Apropos Statistik: wie viele Autos sind wegen Kurzschlüssen in> zerbrochenen Keramik-Cs abgebrannt? Ich schätze mal, mehr als wegen> kaputten Tantals.
Wenn die Teile kritisch sind und auch mal herbe Stöße abbekommen, nehme
ich bei den großen Keramik-C-Bauformen (1206 und größer) 2 in Reihe
damit ein Kurzschluss in einem davon nicht zum Problem wird.
Ich hab mit automotive nix am Hut, glaube aber mal irgendwo gelesen zu
haben daß sowas dort auch von den Herstellern gefordert wird.
Ein wesentlicher Vorteil von Tantal Elkos gegenüber Low ESR AL Elkos
ist, das der kleine ESR wert auch bei niedrigen Temperaturen oder mit
dem Alter erhalten bleibt, und die meist kleinere Bauform (mit der
nötigen Reserve bei der Spannung relativiert sich der Vorteil aber).
Auf dem Steckbrett kommt es meist nicht geringe Baugröße, den Betrieb
unter 0°C oder über Jahrzehnte an. Kritische Schaltungen die sehr kleine
ESR / ESL Werte brauchen passen auch nicht so gut aufs Steckbrett. Da
kann man also in aller Regel auch low ESR AL - Elkos oder Polymer Elkos
nehmen.
Schaulus Tiger schrieb:> Apropos Statistik: wie viele Autos sind wegen Kurzschlüssen in> zerbrochenen Keramik-Cs abgebrannt? Ich schätze mal, mehr als wegen> kaputten Tantals.
Da ist ja mal einer der meine (vorsichtige) Meinung teilt.
Gerade im Automobilbereich sollen die reichlich verbaut worden sein.
Wenn man bedenkt, dass gerade dort sehr hohe Spannungsspitzen möglich
sind, müsste das eigentlich sehr verwundern.
Gerade bei extremen Temperaturschwankungen würde ich eher zu Tantal als
zu Elkos greifen. Wenn es Keramik als echte Alternative gibt, dann würde
ich auch eher dazu greifen.
Wenn man weiß, dass sie brennen können, dann muss man ja nicht gerade
ein "leicht entflammbares" Gehäuse drum rum bauen.
Die MLCC im Automobilbereich haben beonderen internen Aufbau. Da gehen
die Elektroden nicht bis ans andere Ende (Brüche immer an den
Anschlüssen), oder es ist eine Reihenschaltung von 2 Kondensatoren und
es werden auch spezielle flexible Beschichtungen bei den Anschlüssen
verwendet.
Fürs Steckbrett: Die 100nF Kerkos gibts bedrahtet. Für alles weitere
Elko
Für den automotive Bereich gibt es spezielle Typen, die bei Bruch keinen
Kurzschluss machen. Von TDK z.B. gibt es solche Typen, die zusätzlich
auf "bleche" geschweißt werden, damit diese auch Stöße oder
Piezo-Vibrationen aufnehmen ohne die Lötstellen zu belasten.
Tantal-Elkos waren lange Zeit die einzigen Elkos, die den
MIL-Temperaturbereich abgedeckt haben. Wenn auch bei sonstiger
hochwertiger Technik der Temperaturbereich von -55 bis +125°C gefordert
war, gab es keine Alternative.
Für die Optimisten empfiehlt sich ein Blick auf die zulässige
Verlustleistung der jeweiligen Gehäuse, siehe z.B. Seite 11 unten im
Link.
http://www.vishay.com/doc?40002
Ach ja, die missverständlichen +25°C bedeuten nicht die
Umgebungstemperatur, sondern daß sich die Eigentemperatur um 25K erhöht
hat.
Inzwischen gibt es aber Gleichwertiges bei anderen Technologien, so daß
Ta-Elkos nach und nach ersetzt werden können.
Bei Vishay gibt es extra eine bedrahtete Serie mit 3 Pins, um
Falschpolungen beim Bestücken auszuschließen (299D).
Arno
Rainer Unsinn schrieb:> ich habe einen recht großen Tantal parallel> zu einem 1S LiPo - aber zu heiß gelötet oder verpolt hab ich ihn> natürlich nicht -was könnte passieren?
Rauslöten. Alubecher rein.
Rainer Unsinn schrieb:> ich will damit einen brown-out auf dem> Controller-Board vermeiden (wird vom gleichen Lipo gespeist, über einen> voltage booster)
Dann entkopple das Controller-Board über eine Diode und einen eigenen
Kondensator als Alubecher oder Kerko. Der muss dann nur den Strom des
Controllers puffern, nicht den Gesamtstrom.
F. Fo schrieb:> Wie viele> Tantals sind denn euch schon abgebrannt und aus welchem Anlass?
Tantals noch keine, aber 2 100n X7R im 1206 an 24V (für 63V gerated).
Die hatten aber beim Einlöten mechanischen Stress und sind
wahrscheinlich angebrochen gewesen. Haben je ein hübsches Löchlein auf
der Platine hinterlassen.
MLCC's sind wirklich sehr empfindlich.
Ich setze keine größer als 0805 ein 1206 mir sind schon in einigen
Designs abgebrannt nach mechanischer beanspruchung.
@ F. Fo (foldi)
>Dann möchte ich doch mal die erfahrenen Kollegen hier fragen: Wie viele>Tantals sind denn euch schon abgebrannt und aus welchem Anlass?
Noch keine. Selbst hin und wieder verpolte Tantals an 5 oder 3,3V sind
nur heiß geworden!
Danke Falk, von dir höre ich so was gern.
Ich hatte mir extra einen ganzen Schwung gekauft.
Wenn die jahrelang im Kfz eingesetzt wurden, ohne dabei jede zweite
Karre abzufacklen, dann kann das meiner Meinung nach nicht so schlimm
sein.
@ F. Fo (foldi)
>Danke Falk, von dir höre ich so was gern.
Gut, aber ich bin als Einzelperson nicht repräsentativ. Ausserdem habe
ich keine Großserienprodukte entwickelt oder betreut, wo vielleicht 1000
oder 10.000 Boards mit vielen Tantalkondensatoren drauf gebaut wurden.
>Wenn die jahrelang im Kfz eingesetzt wurden, ohne dabei jede zweite>Karre abzufacklen, dann kann das meiner Meinung nach nicht so schlimm>sein.
Sehe ich auch so. Meiner Meinung nach wird die Thematik etwas
übertrieben. Das Zeug wurde und wird TONNENWEISE verbaut, ohne dass es
massenhaft abfackelt!
https://de.wikipedia.org/wiki/Tantal#Verwendung
Wenn man den Zahlen glaubt, wurden 2077 ca. 840t Tantal für
Kondensatoren verarbeitet. Wenn man mal einen durchschnittlichen
Kondensator ganz grob mit Gehäusegröße C (6x3x2,5mm^3) ansetzt und die
Dichte von Tantal mit 16,6g/cm^3, kommt man auf ca. 0,7g.
https://www.mikrocontroller.net/articles/Kondensator#Praxis
Das macht eine Weltjahresproduktion von 1,2 Milliarden Stück.
Wahrscheinlich ist es eher das Doppelte, weil es auch kleinere
Kondensatoren gibt. Bei 5000 Stück pro Rolle immerhin 480.000 Rollen!
Und dass MLCC keine kompromisslosen Heilsbringer sind, wurde schon
mehrfach genannt.
- Stark sinkende Kapazität bei erreichen der Nennspannung, je nach Typ
bis runter auf 10%!
- Mechanische Empfindlichkeit
Falk, du hörst aber auch die Stimmen der anderen hier. Ich habe mir so
was gedacht. Da sagt einer was, das wird durch ein öffentliches
Geschreibsel unterstützt und die Mehrheit trägt das dann so weiter.
Hier hat in diesem Beitrag keiner von nennenswerten Bränden durch Tantal
berichtet.
Wenn man um die Gefahr weiß, dann achte man beim Design darauf und vor
allem kommt da ein entsprechender Flammschutz drum rum.
Keramik im Mikrofonweg überträgt durch die Piezokermaischen Effekte jede
Vibration und andere "komische" Töne 1zu1 in den elektrischen Zweig.
Hier kann man aber auch gute elkos einsetzen. Hier kommt es mitunter auf
geringe Restströme an.
Mir ist in einem neuen Design aber auch schon einmal, völlig unerwartet,
alles "in gelb" also voll mit Tantals ... begegnet.
Axelr.
Axel R. schrieb:> Keramik im Mikrofonweg überträgt durch die Piezokermaischen Effekte jede> Vibration und andere "komische" Töne 1zu1 in den elektrischen Zweig.
Deswegen hatte ich in den elektronischen Gehörschutz auch Tantal
eingebaut.
Man "hört" den Unterschied.
Axel R. schrieb:> Keramik im Mikrofonweg überträgt durch die Piezokermaischen Effekte jede> Vibration und andere "komische" Töne 1zu1 in den elektrischen Zweig.
In Mikrofonwege gehören Folienkondensatoren, wenn es der Platz zulässt.
BTW: Auch ich habe schon mehrere Tantals brennen sehen. Da war von
Einschaltstromstoß, Überspannung und Ripple-Überlastung alles dabei.
Aber die Entwicklung geht ja weiter und viele Hersteller haben
inzwischen gute Alternativen zu Tantal-Kondensatoren und da ist für
jeden Einsatzzweck etwas dabei.
Ich habe die Tantals überall rausgeschmissen.
Gründe dagegen wurden ja ausreichend genannt. Vom deutlich höheren Preis
wurde noch gar nicht geredet - oder habe ich es überlesen?
Ich habe noch keine Anwendung gehabt, wo ein Ersatz gegen Keramik, Elko
oder Folie nicht möglich war.
Abgerauchte Tantals habe ich in meinem Leben schon mehr als genug
gesehen. Mit Glück sind sie einfach nur defekt, meist sind jedoch schon
deutliche Überhitzungserscheinungen zu sehen. Naja, die Geräte, in denen
es richtig gebrannt hat, bekommt man eher nicht zu Reparatur zu sehen,
sondern nur der Brandsachverständige :-)
Ich mach nebenbei den Service für alte Abgastester, die vom Hersteller
nicht mehr repariert werden (Oldtimer-Bedarf, nur CO, also für aktuelle
Abgasmessungen eh nicht mehr einsetzbar). 8 gut bestückte
Analogsteckkarten, es sind zu 99% immer die Tantals an den OPs defekt.
Und jedesmal ringe ich mit mir, ob ich nun gleich alle austausche oder
nur die defekten....
F. Fo schrieb:
> Hier hat in diesem Beitrag keiner von nennenswerten Bränden durch Tantal> berichtet.
Falk Brunner schrieb:
> Meiner Meinung nach wird die Thematik etwas übertrieben.> Das Zeug wurde und wird TONNENWEISE verbaut, ohne dass es> massenhaft abfackelt!
Die Aussagen muss man differenzieren. Tantals brennen sehr wohl leicht
und heftig -- wenn sie überlastet werden. In den meisten Schaltungen
werden sie aber nicht überlastet und fallen deshalb auch nicht aus. Dazu
gehört allerdings auch, dass sie deutlich unter der aufgedruckten
Nennspannung betrieben werden.
Der große Unterschied zu anderen Bauteilen: normale MnO2-Tantals bringen
ihren eigenen Brandbeschleuniger mit. Dazu kommt noch, dass sie bei
Überlast einen Kurzschluss produzieren, aber gemeinerweise keinen
satten, weil, dann könnte ja eine Sicherung auslösen ;) Die Kombination
aus hoher Verlustleistung und dem Sauerstoff aus dem MnO2 ergibt dann
das Feuerwerk.
F. Fo schrieb:
> Wenn man um die Gefahr weiß, dann achte man beim Design darauf
wie bei jedem anderen Bauteil auch...
> und vor allem kommt da ein entsprechender Flammschutz drum rum.
wie bei jedem anderen Ba -- ähh, man könnte auch Polymer-Tantals kaufen,
die brennen so gut oder schlecht wie AVRs und haben allgemein etwas
bessere Eigenschaften als die klassischen Tantals, z.B. deutlich höhere
Strombelastbarkeit.
F. Fo schrieb:> Falk, du hörst aber auch die Stimmen der anderen hier. Ich habe mir so> was gedacht. Da sagt einer was, das wird durch ein öffentliches> Geschreibsel unterstützt und die Mehrheit trägt das dann so weiter.>> Hier hat in diesem Beitrag keiner von nennenswerten Bränden durch Tantal> berichtet.
Nicht korrekt.
Wir hatten in einem Consumergerät mit >1M Stück bei dem es auf hohe
Packungsdichte ankam Probleme damit. Ist >10 Jahre her.
rgds
Nach Jahrzehnten Reparaturpraxis kann ich auch sagen das ich defekte
Tantals mehrfach erlebt habe, davon auch welche die spektakuläre
Verabschiedungen veranstaltet haben.. aber: In Summe ist die Anzahl
defekter Tantals im Verhältnis zu vorgefundenen Tantals überhaupt eher
gering.
Defekte Keramik-Cs hatte ich mehr auszuwechseln als defekte Tantals und
von Alu Elkos reden wir besser nicht.
Das Problem an den Dingern ist halt das sie fast immer mit Kurzschluß
und Feuerwerk sterben wenn sie an einer Versorgungsrail hängen, während
Alu Elkos elektrisch einfach nicht mehr da sind. Das macht die Dinger
halt auffällig. Die Anzahl der Defekte an sich ist aber eher als
übersichtlich zu bezeichnen.
Just my 2 cent,
Holm
Wir haben auch mit der Zeit alle Tantals rausdesignt. Die Chance, dass
Tantals mit falscher Spannungsfestigkeit eingesetzt oder verpolt
bestückt sind, ist definitiv größer als null.
Der nahezu ausschließliche Einsatz geschalteter Energieversorgungen
ergibt in Konsequenz einen deutlich höheren Anteil verbauter Keramik-
und Folien - Kondensatoren. Wobei wir schon lernen mussten, dass größere
Keramikkondensatoren bruchempfindlich sein können, für mansche Spulen
gilt das leider auch. Lieber ein paar kleinere Kondensatoren parallel
als ein Riesending, lautet die bisherige Erkennnis.
---> Es bleibt schwierig. Aber ein gebrochener Kondensator ist weniger
schlimm als ein abgefackelter.
Holm Tiffe schrieb:
...
> Das Problem an den Dingern ist halt das sie fast immer mit Kurzschluß> und Feuerwerk sterben wenn sie an einer Versorgungsrail hängen, während> Alu Elkos elektrisch einfach nicht mehr da sind. Das macht die Dinger> halt auffällig. Die Anzahl der Defekte an sich ist aber eher als> übersichtlich zu bezeichnen.
...
> Holm
Heißt das nicht im Umkehrschluß, dass öfter der Entwickler seine
Hausaufgaben nicht gemacht hat und die Tantals dadurch ausserhalb der
Spezifikation betrieben wurden?
Von Hitachi gibt es dazu ein umfangreiches Dokument, siehe Anhang.
Arno
Die von Hitachi genannten 30 Prozent unter der nominellen
Maximalspannung oder besser 50%, sind bei mir nicht eingehalten. Es sind
gelbe SMD-Typen Größe D oder X (AVX oder Kemet?) 100µ 16V an ca. 13V die
gern abfackeln.
Alu-Elkos auf PC-Platinen, das dürften low-ESR-Typen sein, lupfen gern
nach einigen Jahren den Deckel, aber da brennt nichts ab.
Bei 13V (+ Schwankungn durch Ripple, schräg einfallenden Erdstrahlen,
Osmose oder was auch immer) mit 16V-Tantal puffern - wer würde auf diese
Idee kommen? Das ist ein fehlerhaftes Design. Zumindest meiner Meinung
nach. Dass man bei Tantal einen ordentlichen Puffer braucht, ist doch
nicht neu, sondern eine schon viele Jahre alte Erkenntnis?
Ah interessant ...
"Tantal-Elektrolytkondensatoren mit festem Elektrolyten sind empfindlich
gegenüber niederohmigen Ein- bzw. Ausschaltvorgängen. Fehlstellen,
winzigste mechanische Beschädigungen oder Verunreinigungen im
Dielektrikum erwärmen sich bei sehr schnellen Änderungen des
elektrischen Feldes und verändern die Struktur des Dielektrikums. Aus
einer amorphen wird eine kristalline Struktur, das kann unter Umständen
zum Kurzschluss führen. Aus diesem Grund war es früher Vorschrift,
Tantal-Elektrolytkondensatoren mit einem Vorschaltwiderstand von drei
Ohm pro Volt zu betreiben." (wikipedia)
@crazyhorse:
Just mit dem Fehler haben wir für unsere Garage auch einen Abgastester
erworben. Nach Analyse der Schaltung wurde dann klar dass es sich um ein
symmetrisches Netzteil +-15V handelte, die Negative Schiene dümpelte
aber bei -0,irgendwas V rum. Ursächlich waren auch dort Tantalperlen die
durchlegiert waren und einen Kurzschluss verursacht hatten. Da sie
überall als Abblockkondensatoren an den OpAmps verbaut wurden und
teilweise einfach als Stütze bei langen Leiterbahnen war es gar kein
Problem die gegen Kerkos und Elkos zu ersetzen. Läuft einwandfrei und
die Werte passen auch ;-)
Das zweite Projekt bei dem Tantal Ärger gemacht hat war ein Lima-SDR
AFU-Transceiverbausatz. Das Design ist erst wenige Jahre alt, aber auch
hier sind Tantals vorgesehen und nach Baubuch auch recht knapp
dimensioniert. Irgendwann ist einer davon niederohmig geworden, das
äußerte sich zuerst durch ein Fiepen aus der Stromversorgung und dann
kam der Magic Smoke raus.
Auch hier weiß ich jetzt, dass die Schaltung mit Kerkos und Elkos als
Stütze und zum Abblocken ihre Funktion zur Zufriedenheit erfüllt.
Tantal? Nach Möglichkeit dann mal eher nich so...
"6. Long-term Stock
Before using capacitors that have been stored for more than 2 years,
please contact Hitachi AIC"
Also keine Elektronik auf Halde produzieren und nach ein paar Jahren
einsetzen wollen...
Christoph Kessler (db1uq) schrieb:
[..]
>> Alu-Elkos auf PC-Platinen, das dürften low-ESR-Typen sein, lupfen gern> nach einigen Jahren den Deckel, aber da brennt nichts ab.
..das kannst Du so nicht sagen. Ich habe schon oft Schaltnetzteile bzw.
Wandler repariert bei denen dann doch der magische Qualm gekommen war
weil der Rest der Schaltung nicht damit klar kam das Alu-Elkos taub
wurden.
Der Qualm kommt halt nur von woanders..
Ich baue jedenfalls oft Tantals wieder ein wenn sie ursprünglich auch
drin waren, beispielsweise in TEK Meßtechnik, weil ich mir denke das die
Rednecks sich dabei was gedacht haben.
Gruß,
Holm
Was wohl nocb nicht so recht hier geschrieben wurde: Es kommt öfters
vor, daß Tantals noch vor dem ersten Einschalten recht satte
Kurzschlüsse bilden. Klar, das kann man auf zu viel Srom beim ersten
Einschalten schieben. So genau hatte ich das damals nicht untersucht
(Ich war im Testfeld). Vermutlich war aber der Bestücker/Wellenlöter das
Problem.
Damals (20+ Jahre) waren Tantals die bessere Elektronik gegenüber
Al-Elkos. Geräte hat man mit Tantals deutlich höherwertiger eingestuft.
Tantals waren auch deutlich teurer, dafür kleiner und flacher und auch
bei -20°C benutzbar.
Naja, Geschichte. Die Jungs in Afrika werden vermutlich bald nichts mehr
zu beißen haben. Wie hoch war denn der Prozentsatz den zweifelhafte
Umstände in Afrika förderten? Gibts da noch andere Minen in anderen
Regionen?
Angeblich soll es auch helfen die Nominalspannung weit, weit
überzudimensionieren, also 35V-Typen bei 12V, 16V-Typen bei 5V usw zu
nehmen... zumindest beim Einzelnachbau irgendwelcher alten Schaltungen
kann man das ja tun...
Wenn ich mir alte Mainboards ansehe, dann ist genau das früher gemacht
worden. Die gelben Tropfen haben 16V Spannungsfestigkeit an der
5V-Schiene, und 25-35V an +/-12V
Warum werden dann falsche Spannungswerte draufgedruckt? Ich meine, wenn
man eh nur die Hälfte nutzen kann/soll - was soll der Quatsch?
Überdimensioniert habe ich auch immer, aber sicher nicht immer das
Doppelte...
Wißt ihr denn, woraus die Keramiken vom MLCCs bestehen? Da sind
Tantalate und Niobate drin. Also Salze, die Tantal und Niob enthalten.
Nicht so viel, wie in einem Tanatalelko, aber bei massivem Einsatz
kommen halt auch nennenswerte Mengen zusammen.
Ich habe vor 20 Jahren bewußt einen Tantalelko eingesetzt, weil es
damals keine Alternative gab.
In meinem Renault 19 fiel nach 3 Jahren die Analogquarzuhr aus. Als es
Herbst wurde, ging sie erst nach dem Mond und dann garnicht mehr. Also
habe ich das Ding aufgemacht und reingeguckt. Aus den 12V wurde mittels
Z-Diode die Spannung für den Schrittmotor gewonnen. Um den Stromimpuls
des Schrittmotors abzupuffern war da ein 85°C Wald und Wiesenelko. Der
wurde bei sommerlichen Temperaturen halt taub (wen wundert es) und wie's
kühl wurde, schrumpfte die verfügbare Kapazität weiter. Der, der das
entwickelt hat, sollte gesteinigt werden.
Ich habe einen Tantaltropfen und einen kleinen KerKo parallel eingebaut
und die Uhr lief wieder und tat es, bis ich die Karre abgestoßen habe.
Renault wollte für eine neue Uhr (ebenfalls mit Sollbruchstelle) fast
den Gegenwert eines Chronometers kassieren :-)
H.Joachim Seifert schrieb:> Warum werden dann falsche Spannungswerte draufgedruckt? Ich meine, wenn> man eh nur die Hälfte nutzen kann/soll - was soll der Quatsch?
Sieh das "16V" als Spannungskategorie, nicht als SI-Einheit. Das heisst
halt "verwendbar bis ca 6 Volt".
Auf Deiner Armbanduhr steht auch "water proof 50M", was bedeutet, dass
man sie beim Geschirrspülen anlassen darf.
Cyblord ---- schrieb:> mampf schrieb:>> äh ... sind nicht nahezu alle smd-kondensatoren tantals?>> Nein, heute sind das meist Kerkos (Keramik).
Ich würde mal behaupten, ab 1uF aufwärts sind die allerwenigsten Kerkos
...
mampf schrieb:> Cyblord ---- schrieb:>> mampf schrieb:>>> äh ... sind nicht nahezu alle smd-kondensatoren tantals?>>>> Nein, heute sind das meist Kerkos (Keramik).>> Ich würde mal behaupten, ab 1uF aufwärts sind die allerwenigsten Kerkos> ...
Sondern?
Christoph Kessler (db1uq) schrieb:> Ein anderes Thema sind Keramikkondensatoren mit sehr geringem ESR> am Eingang von Schaltreglern. Die verursachen ein so großes> Überschwingen, dass die max. zulässige Eingangsspannung des> Schaltregler-IC überschritten werden kann. Einfach Austauschen gegen die> Tantals könnte so Probleme machen.
Jap, steht hier ganz verständlich drin:
http://cds.linear.com/docs/en/application-note/an88f.pdf
10uF und 100uF Kerkos sind schon lange üblich - wenn man davon ein paar
für Bastelprojekte braucht kann man die gut aus alten
Slot-1-Prozessormodulen ernten :)
Andy D. schrieb:> 10uF und 100uF Kerkos sind schon lange üblich - wenn man davon ein paar> für Bastelprojekte braucht kann man die gut aus alten> Slot-1-Prozessormodulen ernten :)
Viele Prozzis haben auch auf der Unterseite KerKos drauf
H.Joachim Seifert schrieb:> Warum werden dann falsche Spannungswerte draufgedruckt? Ich meine, wenn> man eh nur die Hälfte nutzen kann/soll - was soll der Quatsch?
Ist kein Quatsch, aber Spannung ist eben nicht das Einzige, was ein Elko
auszuhalten hat.
Bei Kondensatoren mit höherer Nennspannung ist das Dieelektrikum dicker,
und zum Ausgleich muss dann die Fläche der Elektroden steigen um die
gleiche Kapazität zu erhalten.
Wegen der größeren Fläche sinkt der Widerstand des Elektrolyten, der in
der Hauptsache für den ESR verantwortlich ist.
Als Ergebnis haben Kondensatoren mit höherer Nennspannung zwar eine
größere Baugröße, aber bessere ESR-Werte und es sind größere
Wechselströme zulässig, bzw. sie erwärmen sich weniger.