Hallo,
Ich habe ein Zahnriemenrad aus Karbon als Ersatz für ein Alu-Rad
gedruckt. Mechanisch funktioniert das einwandfrei, aber ich habe
Bedenken, ob das Karbon-Material womöglich langfristig den Keilriemen zu
stark abnützt. Hat jemand Erfahrung damit?
Paul schrieb:> Ich habe ein Zahnriemenrad aus Karbon als Ersatz für ein Alu-Rad> gedruckt.
Kannst Du ein Foto schicken? Wie druckt man Carbonfasern? Also Vacuum
Laminatverfahren, Kohlenstoffaser als Verstärkungsfaser in einer
Epoxidmatrix, ... da komm ich mit, aber dieses störrige Zeugs
verdrucken? Wie machst Du das?
https://www.konstruktionspraxis.vogel.de/carbonteile-aus-dem-3d-drucker-a-744752/
----Das ETH Spin-off 9T Labs bietet nun eine Alternative: Es hat einen
3D-Drucker entwickelt, der Carbon-Teile ausgibt.
https://www.9tlabs.com/----
Hast Du diesen Drucker oder etwas selbst konstruiertes?
Würde mich über Info freuen.
Gruß, Bernd
Bernd schrieb:> Wie druckt man Carbonfasern?
Es gibt Filamente mit kurzen Carbonfasern drin. Ruinieren die
Messingdüsen ziemlich schnell (es gibt Edelstahldüsen, die länger
halten, aber andere Nachteile haben), sollen™ dafür etwas mehr
Festigkeit und dem Verkäufer viel mehr Geld bringen.
Da dort die Faserenden eben auch an der Oberfläche erscheinen können,
ist die Frage durchaus berechtigt. Ich kann mir eine stärkere abrasive
Wirkung vorstellen, aber praktische Erfahrung habe ich da nicht. Ein
Makro-Bild von so einem Zahnrad mag bei der Einschätzung helfen.
Paul schrieb:> Zahnriemenrad aus Karbon als Ersatz für ein Alu-Rad
Das Karbonrad ist wahrscheinlich nur gekaufte Zeit. Wenn ein Alu-Rad
gekillt wurde, würde ich mir eher allgemein Gedanken über die
Dimensionierung der Konstruktion machen. Normalerweise ist irgendwo eine
Spannrolle, die bei Überlastung Stöße abfangen könnTE...
Dass das Alu-Rad defekt ist, wurde ja nicht geschrieben. Manchmal will
man einfach nur einen anderen Durchmesser.
Generell kann ein 3d-gedrucktes Teil den Riemen durchaus beschädigen,
wenn die Geometrie nicht stimmt (Zahnteilung, Rundlauf, Zahnform) oder
die Oberfläche zu rauh ist.
Letzteres wäre das einzige, auf was die Kohlefaser Einfluss haben
könnte. Wenn die Oberfläche glatt ist und bleibt, ist
kohlefaserverstärkter Kunststoff nicht schädlicher für den Riemen als
anderer Kunststoff.
Walter T. schrieb:> Wenn die Oberfläche glatt ist und bleibt, ist> kohlefaserverstärkter Kunststoff nicht schädlicher für den Riemen als> anderer Kunststoff.
Für den Antriebsriemen nicht, aaaber ich hätte da ernsthafte
gesundheitliche Bedenken, einfach weil, wie Jack V schrieb:
----Da dort die Faserenden eben auch an der Oberfläche erscheinen
können,
ist die Frage durchaus berechtigt. Ich kann mir eine stärkere abrasive
Wirkung vorstellen ----
und dann eben auch lungengängige Carbonpartikel freigesetzt werden und
das ist ein echtes Teufelszeug. Kann jetzt auf die Schnelle nichts
zitierfähiges finden, kann mich aber dunkel an eine Studie zu
Carbonfasern in Laminaten von Windturbienenblades erinnern, die durch
UV-bedingte Delamination aus der Oberfläche derselben austraten un die
weite Umgebung verseuchten, und auch beim Entsorgen ( Verbrennen in der
Zementherstellung ) nicht unschädlich wurden, Stichwort Asbestose. Da
scheint ein Aluminiumrad auf jeden Fall die bessere Wahl zu sein.
Gruß, Bernd
Hallo Bernd, also bei mir handelt es sich um ein einzelnes kleines
Zahnriemenrad bei relativ langsamen Umdrehungen. Das ganze Rad hat keine
2g, wenn es hie zu Abrasion kommt, dann über Monate vielleicht im
Bruchteil eines Mikrogramms. Kann mir also nicht vorstellen, dass das
gesundheitlich relevant ist - aber trotzdem danke für diesen Aspekt:-)
Bernd schrieb:> kann mich aber dunkel an eine Studie zu> Carbonfasern in Laminaten von Windturbienenblades erinnern, die durch> UV-bedingte Delamination aus der Oberfläche derselben austraten un die> weite Umgebung verseuchten,
Danke Walter T. So ist es- mein Zahnrad ist nicht defekt, ich möchte in
meiner Konstruktion nur ein maßgeschneidertes Rad (T2.5, 16 Zähne,
beidseitig kugelgelagert mit Innendurchmesser 4mm). Da ich das nicht
gefunden habe, hab ich es mir kurzerhand mal aus ASA ausgedruckt. Hat
gut funktioniert, weshalb ich einen Schritt weiter ging und sehen
wollte, ob es nicht auch über die Prototypenphase hinaus eine
Möglichkeit wäre. Nachdem der Druck mit dem Karbon-Material auf Anhieb
so gut geklappt hat, möchte ich jetzt nur diverse Bedenken zerstreuen
oder eben nicht...
Walter T. schrieb:> Dass das Alu-Rad defekt ist, wurde ja nicht geschrieben. Manchmal will> man einfach nur einen anderen Durchmesser.>> Generell kann ein 3d-gedrucktes Teil den Riemen durchaus beschädigen,> wenn die Geometrie nicht stimmt (Zahnteilung, Rundlauf, Zahnform) oder> die Oberfläche zu rauh ist.
Hallo Bernd, wie Jack V richtig geschrieben hat, handelt es sich um
Kunststoff-Filament mit Karbonfasern. In meinem Fall ist das
Trägermaterial PETG. Im Anhang ist ein Foto davon...
Bernd schrieb:> Kannst Du ein Foto schicken? Wie druckt man Carbonfasern?
Achso, wenn es kugelgelagert sein soll, ist es sicher nicht
handelsüblich.
Nur als Umlenkrolle zu gebrauchen.
Die gibt es ohne Zähne.
Was soll das Ganze also?
Genauso ist es - als Umlenkrolle. Du hast Recht - ich hab die ohne Zähne
auch bei mir - aber das ist ja auch nicht ganz ideal, wenn der
Zahnriemen über die zahnlose Umlenkrolle läuft. Was ist also das
geringere Übel?
Fehlkonstruktion.
Warum passen die Achsabstände nicht?
Langlöcher sind nicht möglich?
Wei haben die Altvorderen es nur geschafft, Zahnradgetriebe
herzustellen?
Achsabstände sind fix und nur minimal mittels Langloch veränderbar.
Standardmäßig gibt es keinen passenden Riemen in meiner Länge (T2.5 gibt
es mit 120 und 145mm, ich bräuchte etwas genau dazwischen.
Über Sonderlängen bzw. Umlenk- oder Spannrollen habe ich vor kurzen in
einem eigenen Thread diskutiert - deswegen jetzt die Lösung mit der
Umlenkrolle.
Beitrag "Re: Zahnriemen T2.5x6 Sonderlänge gesucht."
Prinzipiell gibt es beides- Umlenkrolle mit Zähnen und Spannrolle von
der glatten Seite. Weshalb findest du die gezahnte Rolle problematisch?
Normal sind die Achsabstände so genau, dass man keine Spannrolle
braucht.
Paul schrieb:> Über Sonderlängen bzw. Umlenk- oder Spannrollen habe ich vor kurzen in> einem eigenen Thread diskutiert - deswegen jetzt die Lösung mit der> Umlenkrolle.
Kenne ich.
Hast du da keine Antworten erhalten?
Wenn du unbedingt willst, dann setze in ein käufliches Rad ein
Kugellager ein.
Wo ist ein Problem?
michael_ schrieb:> Kenne ich.> Hast du da keine Antworten erhalten?
Ich habe erfahren, dass (selbst-)Konfektionieren auch problematisch ist,
und dass Umlenk- oder Spannrollen eine Lösung wären;-)
michael_ schrieb:> Wenn du unbedingt willst, dann setze in ein käufliches Rad ein> Kugellager ein.> Wo ist ein Problem?
Natürlich geht das auch, aber selbst drucken ist wesentlich einfacher
und billiger - womit wir wieder bei meiner Ausgangsfrage wären, ob
nämlich mein selbstgedrucktes Rad in irgendeiner Weise problematisch
sein könnte.
Also zwei Fragen nun:
1. Ist die Konstruktion an sich so grundfalsch, wenn die Achsabstände
nicht anders lösbar sind?
2. Kauf-Alu-Rad vs. Karbon-Druck-Rad: Vor- und Nachteile?
Paul schrieb:> Weshalb findest du die gezahnte Rolle problematisch?
Eine Umlenkrolle an der gezahnten Seite ist erst einmal unproblematisch.
Der Umschlingungswinkel der an- und abtreibenden Rollen wird dadurch
kleiner, deswegen werden Rollen an der glatten Seite bevorzugt. Aber
grundsätzlich ist es unproblematisch.
Das Kohlefaser-Material hat hier aber auch keinerlei Vorteile gegenüber
dem ohne diese.
Das sieht für mich nach GT2 aus. Da habe ich mit 3d-gedruckten
Zahnrädern eher schlechte Erfahrungen. Bei drei gleichen Zahnrädern (32
Zähne) - eines 3d-gedruckt, eines aus PVC gefräst, eines aus Alu
bestellt - hatte das 3d-gedruckte immer ein weitaus niedrigeres Moment,
bevor der Riemen übersprang, als die anderen beiden. Bei 0,4 mm Düse war
das extrem, bei 0,2 mm Düse immer noch deutlich merkbar.
Will sagen: Wenn das gedruckte Zahnrad den Zweck hat, den Polygoneffekt
zu mindern, würde ich sicherheitshalber gegentesten, ob der bei einer
glatten Spannrolle nicht sogar besser ist.
Vielen Dank, Walter T., du scheinst dich gut auszukennen auf diesem
Gebiet:-)
Walter T. schrieb:> Eine Umlenkrolle an der gezahnten Seite ist erst einmal unproblematisch.> Der Umschlingungswinkel der an- und abtreibenden Rollen wird dadurch> kleiner, deswegen werden Rollen an der glatten Seite bevorzugt. Aber> grundsätzlich ist es unproblematisch.
In der Skizze siehst du den Umlenk-Winkel. Ursprünglich war der Winkel
(ohne der Umlenkrolle (U)) natürlich optimaler - sollte aber machbar
sein, oder?
Walter T. schrieb:> Das Kohlefaser-Material hat hier aber auch keinerlei Vorteile gegenüber> dem ohne diese.
Nicht, was die Laufeigenschaften betrifft, und auch nicht, was die
Oberfläche im 3D-Druck betrifft, aber es ist einfach dichter und hat
extrem gute Layerhaftung, scheint mir also innerhalb der 3D-gedruckten
Varianten am verlässlichsten zu sein.
Walter T. schrieb:> Das sieht für mich nach GT2 aus. Da habe ich mit 3d-gedruckten> Zahnrädern eher schlechte Erfahrungen. Bei drei gleichen Zahnrädern (32> Zähne) - eines 3d-gedruckt, eines aus PVC gefräst, eines aus Alu> bestellt - hatte das 3d-gedruckte immer ein weitaus niedrigeres Moment,> bevor der Riemen übersprang, als die anderen beiden. Bei 0,4 mm Düse war> das extrem, bei 0,2 mm Düse immer noch deutlich merkbar.
Es ist klar, dass durch den 3D-Druck die Drehmoment-Übertragung geringer
ist. Ich erwarte mir da durch Karbon auch nicht wirklich eine
Verbesserung. Es handelt sich bei mir um ein T2.5-Profil (mehr dazu
weiter unten)
Walter T. schrieb:> Will sagen: Wenn das gedruckte Zahnrad den Zweck hat, den Polygoneffekt> zu mindern, würde ich sicherheitshalber gegentesten, ob der bei einer> glatten Spannrolle nicht sogar besser ist.
Ich verstehe, was du meinst - aber wenn das Profil übereinstimmt, MUSS
doch der Polygon-Effekt geringer sein als mit glattem Rad, oder nicht?
Weil du dich so gut auskennst, möchte ich dich noch ganz allgemein
fragen, ob du in meiner Situation möglicherweise einen anderen Ansatz
besser fändest. Zur Erklärung:
1.Wie gesagt, der Achsabstand zwischen bewegter Welle und Antrieb ist
(bis auf minimale Justage mittels Langloch) festgelegt.
2. Die Zahnriemenscheiben sind vom Verhältnis her festgelegt (16:22),
von der Anzahl her wären geringfügig mehr Zähne bei gleichem Verhältnis
möglich.
meine Fragen dazu:
1. Die Umlenkrolle - wie der Name schon sagt - muss doch eigentlich kaum
Roationskräfte aufnehmen können, also lediglich die Spannung des Riemens
"aushalten". Das "Durchrutschen" ist also hier weniger problematisch als
an den anderen beiden Rädern, richtig?
2. gibt es vielleicht doch eine Lösung mit anderem Zahnriemen? Ich habe
bei meinen Recherchen keinen Zahnriemen finden können, der von der Länge
her passt - lediglich MXL ,aber der hat eine geringere Zahnhöhe und nur
ca. 1/4 der Zugkraft, was auch bei Alu-Riemenrädern problematisch wird
in meinem Fall. Da bin ich glaube ich mit meiner Lösung mit Umlenkrolle
"stabiler" unterwegs. Kennst du ein anderes Riemen-System, dass ähnlich
gute Zugkräfte wie ein T2.5-Riemen(120N)hat und das es in meiner
gewünschten Riemenlänge (130 +/- 3mm) und passenden Rädern gibt?
Natürlich musst du jetzt nicht für mich recherchieren - ich meine nur,
falls du aufgrund deiner Erfahrung gleich auf Anhieb sagst: "Ja klar,
das könnte man besser so oder so lösen..."
Vielen Dank jedenfalls für deine Mithilfe!
Paul schrieb:> Vielen Dank, Walter T., du scheinst dich gut auszukennen auf diesem> Gebiet:-)
Hält sich in Grenzen. Bin zwar Maschinenbauingenieur, aber Riementriebe
habe ich außerhalb von der Klausur damals auch nur im Hobbybereich
ausgelegt.
Paul schrieb:> In der Skizze siehst du den Umlenk-Winkel. Ursprünglich war der Winkel> (ohne der Umlenkrolle (U)) natürlich optimaler - sollte aber machbar> sein, oder?
Was an der Konstruktion schon einmal richtig gewählt ist, ist dass die
Umlenkrolle dichter an der großen Riemenscheibe ist. Dadurch ist der
Umschlingungswinkel an der kleinen Scheibe größer.
Paul schrieb:> Es ist klar, dass durch den 3D-Druck die Drehmoment-Übertragung geringer> ist.
Verstehe ich nicht. Eine Umlenkrolle muss kein Drehmoment übertragen.
Kann sie ja auch gar nicht, mit einem Kugellager in der Rolle.
Paul schrieb:> Ich verstehe, was du meinst - aber wenn das Profil übereinstimmt, MUSS> doch der Polygon-Effekt geringer sein als mit glattem Rad, oder nicht?
Leider jein. Bei einem präzisen Zahnprofil ist er geringer als mit einer
glatten Rolle. Bei einem völlig falschen Zahnprofil viel, viel größer.
Bei Toleranzabweichungen eben irgendwo dazwischen.
Paul schrieb:> 1.Wie gesagt, der Achsabstand zwischen bewegter Welle und Antrieb ist> (bis auf minimale Justage mittels Langloch) festgelegt.
Mit den Langlöchern in dieser Richtung besteht quasi keinerlei
Spannmöglichkeit. Die kann man also auch weglassen. (Lässt sich ja im
CAD leicht ausmessen, wieviel der Umfang des Systems zunimmt, wenn man
den Motor um 5 mm verschiebt.)
Paul schrieb:> Die Zahnriemenscheiben sind vom Verhältnis her festgelegt (16:22),
Also 32 und 44 Zähne? Das klingt doch sehr vernünftig. Warum ist dann
die Spannrolle so klein?
Walter T. schrieb:> Verstehe ich nicht. Eine Umlenkrolle muss kein Drehmoment übertragen.> Kann sie ja auch gar nicht, mit einem Kugellager in der Rolle.>
Da hast du Recht. Was ich meinte war, dass sie sich aber mitdrehen
können soll. Ohne Profil wäre es ja auch denkbar, dass sich die Rolle
(Z.B durch eine Unwucht) in einer Position "einfrisst" und der
Keilriemen drüberschleift.
> Leider jein. Bei einem präzisen Zahnprofil ist er geringer als mit einer> glatten Rolle. Bei einem völlig falschen Zahnprofil viel, viel größer.> Bei Toleranzabweichungen eben irgendwo dazwischen.
Hast du wieder Recht. Ich werde das testen...
> Mit den Langlöchern in dieser Richtung besteht quasi keinerlei> Spannmöglichkeit. Die kann man also auch weglassen.>
Spannmöglichkeit ist gering, aber doch vorhanden (habs in der Praxis
getestet)
> Paul schrieb:>> Die Zahnriemenscheiben sind vom Verhältnis her festgelegt (16:22),>> Also 32 und 44 Zähne? Das klingt doch sehr vernünftig. Warum ist dann> die Spannrolle so klein?
Nö, Antriebsrad hat 22 Zähne, angetriebene Welle um Umlenkrad jeweils
16Z...