Texas Instruments hat offenbar den weit verbreiteten Audio-Verstärkerbaustein NE5532 durch einen Chip mit anderer interner Topologie und abweichenden technischen Eigenschaften ersetzt, aber den Namen beibehalten und nur durch einen Index K ergänzt. Maximale Betriebsspannung, ESD-Festigkeit und Slewrate sind reduziert. Bei industriellen Anwendern fallen Geräte deswegen durch den Qualitätscheck. Das betrifft nicht nur den NE5532, Texas Instruments hat auf Anfrage in ihrem Support Forum bestätigt, dass in den OpAmps NE5532, LM833, MC33078, and RC4580 der gleiche geänderte Die steckt. https://www.headphonesty.com/2026/07/industry-trusted-op-amp-rebuilt-boards-failing/
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Gab es wirklich keine PCN? Wir kriegen regelmäßig Benachrichtigungen, selbst wenn sich nur der Rollendurchmesser oder die Verpackungsschachtel ändert.
Die haben den normalen Revisionsprozess nicht eingehalten, ausgelassen, vergessen - wie auch immer man das bezeichnen möchte. https://www.eevblog.com/2026/06/05/eevblog-1752-texas-instruments-screwed-up-the-ne5532/
Al schrieb: > und nur durch einen Index K ergänzt Nein, TI hat nur eine neue Revision des Datenblatts herausgegeben, und nur das trägt den Buchstaben "K". Die Chipbezeichnung ist dieselbe geblieben. Das Datenblatt heißt jetzt SLOS075K, die Vorgängerversion hingegen SLOS075J Neu: https://www.ti.com/lit/ds/symlink/ne5532.pdf Alt: https://docs.rs-online.com/ad79/A700000006723677.pdf (Der Name steht jeweils in der zweiten Zeile der Seitenüberschrift rechts oben) Darüber hat sich schon vor einiger Zeit recht ausführlich Dave Jones (nicht für seine schöne Stimme bekannt) in einem seiner eevblog-Videos echauffiert.
Marek N. schrieb: > Gab es wirklich keine PCN? Laut Dave Jones gab es eine, aber die Bezeichnung des Bauteils wurde trotz einiger erheblicher Änderungen (siehe verlinkte Datenblätter in meinem vorherigen Post, hier z.B. maximale Betriebsspannung oder Slew Rate) nicht verändert. Ein sorgfältig vorgehender Hersteller hätte dem Bauteil wenigstens ein neues Suffix spendiert, also sowas wie NE5532A, B etc.
ist seit Jahren bei TI üblich: lese das aktuelle Datenblatt, das gilt für die aktuelle Produktion. wenn man ALLE Änderungen wissen will, muß man halt alle Dabla Versionen von A bis K im Abschnitt "Revision" durcharbeiten. Aber dann hätte Dave ja nix mehr zu palavern😁😁😁
Das betrifft wohl auch die altbekannten TL072. Die Rauschspannungen sind im Vergleich zu früher deutlich höher. Es sieht so aus als ob der NE5532 von bipolar- komplett auf CMOS-Technologie umgestellt worden ist. Mit dem Original hat das nicht mehr viel zu tun. Bei OnSemi gibt es wohl noch die originale Version. Das alles ist natürlich bitter für die echten Audio-Freaks - für TI eine verschwindend kleine Käufergruppe. Abgesehen davon bietet TI ein reichhaltiges Portfolio an besseren Alternativen - natürlich nicht zum Preis eines NE5532.
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Ja, aber es wird sich beim Bestücker kaum abbilden lassen. Ich spezifiziere in der BOM den Hersteller und das Bauteil. Selbst die Verpackung ist mir in den allermeisten Fällen egal. Ich kann aber unmöglich in der BOM spezifizieren: Verbaue bitte nur Bausteine bis zu dem und dem Datecode, oder nur aus der Fab. Solche Klimmzüge kann ich nur machen, wenn ich eine neue Teilenummer anlege für ein "selektiertes" Bauteil und in der Prüfvorschrift exakt definiere, nach welchen Kriterien das Bauteil ausgewählt und unter der neuen Nummer eingelagert werden soll. Irre aufwändig! Wir haben so ein paar Feenstaub-Bauteile, die bei Vollmond von Jungfrauen ausgemessen und eingetütet werden, wie z.B. Ringkerne mit eng toleriertem AL-Wert, Optokoppler mit gematchtem CTR oder Kondensatoren mit ausgemessenem Leckstrom... Bei Allerwelts-Teilen wie TL07x*) oder NE5532, die in einem bestehendem Design seit zig Jahren laufen würde ich sagen: Tschüß TI, ich such mir nen anderen Hersteller, der mich nicht über den Tisch zieht und mir rechtzeitig Bescheid gibt, dass sich elektrische Parameter (Versorgungsspannung!) ändern und nicht erst, wenn der Krug in Brunnen gefallen ist und mir die Baugruppen reihenweise beim Endtest ausfallen. *) Gerade der Wechsel von JFET auf CMOS wäre beim Rauschen nicht akzeptabel. Beim TL07x hat es sich jetzt z.B. um 6 dB verschlechtert!
Mark S. schrieb: > as alles ist natürlich bitter für die > echten Audio-Freaks - für TI eine verschwindend kleine Käufergruppe. > Abgesehen davon bietet TI ein reichhaltiges Portfolio an besseren > Alternativen - natürlich nicht zum Preis eines NE5532. Ja, das wird dazu führen das die "goldohren-Audiophilen" bzw. deren Händler nun peu a peu die Altbestände horten, und so wird der Preis für NOS NE5532 alsbald sehr deutlich steigen. Mann muss sich halt immer bewusst machen: Wenn ich ein 30 JAhre altes Gerät wieder korrekt reparieren will -- muss ich wohl das NOS Teil nehmen. Dann zahle ich das auch. Für eien Neuentwicklung schaue ich sicher nicht mehr nach 5532. Daher passt das mit der sehr kleinen Käufergruppe. Und das ws Dave da anspricht, erinnert sowieso sehr stark an Zwergenaufstand einer/für eine zahlenmässig und kaufkraftmässig für TI völlig uninteressanten Zielgruppe... Aber es schafft ihm halt Klicks.
Marek N. schrieb: > Wir haben so ein paar Feenstaub-Bauteile, die bei Vollmond von > Jungfrauen ausgemessen und eingetütet werden, wie z.B. Ringkerne mit eng > toleriertem AL-Wert, Optokoppler mit gematchtem CTR oder Kondensatoren > mit ausgemessenem Leckstrom... Ja, aber dann habt ihr sicher auch ein Endprodukt, das nicht mal eben für 1,99€ verramscht wird -- sondern ein teures Gerät. Und dann zahlt das Euch letztlich der Kunde. OK, verstandne -- eure Marge würd natürlich profitabler wenn ihr nicht selektieren müsstet. Doch Euer Design erzwingt es, somit: Mann muss diese Pille halt schlucken, auch wenn es nicht gut schmeckt .-)
Dass der NE5532 nur von einer kleinen Käufergruppe nachgefragt wird, ist eine unbegründete Vermutung. Es ist ein heute noch in Millionenstückzahlen verwendetes Bauteil.Ein Industriestandard.
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Al schrieb: > Dass der NE5532 nur von einer kleinen Käufergruppe nachgefragt wird, ist > eine unbegründete Vermutung. Es ging darum, dass der 5532 bei den Goldohren recht beliebt war. Die für die Beliebtheit sorgenden Parameter haben sich geändert. Jetzt wird er nicht mehr so beliebt bei den Goldohren sein. Und diese Gruppe der Goldohren stellt nur einen kleinen (und daher für TI unwichtigen) Teil der großen Käufergruppe dar. So war es gemeint, zumindest hab ich es so verstanden.
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Al schrieb: > Maximale > Betriebsspannung, ESD-Festigkeit und Slewrate sind reduziert. Bei > industriellen Anwendern fallen Geräte deswegen durch den Qualitätscheck. Keine Reserven? Wenn man die Specs eines ICs maximal ausreizt hat man in der Entwicklung eh was falsch gemacht.
J. T. schrieb: > Die > für die Beliebtheit sorgenden Parameter haben sich geändert. Jetzt wird > er nicht mehr so beliebt bei den Goldohren sein. Die "paar" Nanovolt mehr Rauschen hört doch eh kein Schwein.
Wastl schrieb: > Die "paar" Nanovolt mehr Rauschen hört doch eh kein Schwein. Lös dich mal von dem Bastler Scheuklappendenken, dass rauscharme OpAmps nur was für Goldohren sind. Diese OpAmps werden in der Sensorik und in Messanwendungen eingesetzt. Gerade in industriellen Anwendungen kommt es oft auf geringes Rauschen an.
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Wastl schrieb: > Die "paar" Nanovolt mehr Rauschen hört doch eh kein Schwein. Du wirst dich gewaltig wundern. Goldohren sind ja keine Schweine, daher können die sogar wenige Femtovolt hören :D
Al schrieb: > Lös dich mal von dem Bastler Scheuklappendenken, dass rauscharme OpAmps > nur was für Goldohren sind. Wo hätte ich das behauptet?
J. T. schrieb: > daher können die sogar wenige Femtovolt hören :D Klar, die hören das Rauschen schon wenn sie den Aufdruck auf dem Gehäuse des OpAmps sehen.
J. T. schrieb: > Und diese Gruppe der Goldohren stellt nur einen kleinen (und daher für > TI unwichtigen) Teil der großen Käufergruppe dar. Glaube ich nicht. Der NE5532 ist in praktisch allen Audio Geräten verbaut, oder aber der TL072. Das Segment ist nicht so klein, da diese OPV auch in vielen Konsumer- und Industrial Geräten drinnen sind. Zumindest wo noch +-15V verwendet wird. Und es gibt nachwievor keinen OPV der an die (gemessenen) THD+N Werte des NE5532 rankommt und halbwegs leistbar war. Die technischen Fortschritte sind vor allem im niedrigeren Leistungsverbrauch und in Rail-To-Rail Stufen. Das High-End Segment verwendete auch gerne den LM4562 bevor TI den runiniert hat. Die Marktkonzentration ist schon sehr nahe an einem Monopol.
Wastl schrieb: > Al schrieb: >> Lös dich mal von dem Bastler Scheuklappendenken, dass rauscharme OpAmps >> nur was für Goldohren sind. > > Wo hätte ich das behauptet? Stimmt. Deine Anmerkung "das hört sowieso kein Schwein" ist vom Grund her so uberflüssig, dass man sie nicht ernst nehmen muss.
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Andrew T. schrieb: > sondern ein teures Gerät Ja, wir bauen Analytik-Geräte an der Grenze des physikalisch Machbaren. Dimensioniert wird selbstverständlich nicht nach "typical", sondern immer nach "worst case". Es gilt die Devise: Wir geben nicht mal einen Vorwiderstand für ne LED ungeprüft frei. -- Dazu muss ich aber wissen, dass sich was geändert hat. FunFact: Vor paar Jahren hat sich tatsächlich das Binning von einigen LEDs geändert und wir standen vor dem Problem, wie sieht das beim Kunden aus, wenn er fünf alte Geräte im Labor stehen hat und ein neues dazu bekommt, sehen alle grünen LEDs gleich aus? -- Standen schon kurz davor uns ein optisches Spektrometer dafür zuzulegen. Not so Funny Fact: Vor nicht allzulanger Zeit hatte ich die Ehre, unsere Digital-ICs von Nexperia auf TI zu migrieren. Einige Parameter in den Datenblättern unterschieden sich in der Tat. Da ich das aber zu dem Zeitpunkt durch Messungen validieren konnte, war es nicht so schlimm. Wenn sich aber irgendann mal schleichend die Timings ändern steht man halt da und wundert sich, warum es "plötzlich" nicht mehr geht.
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