Platinenherstellung

Gast #621383
Lesenswert?

Guten Abend Forumuser,

Ich möchte meine ersten Gehversuche mit der Herstellung von Platinen 
machen. Soweit ist das ja kein Problem, aber aus finanziellen Gründen 
kann ich mir kein Ätzgerät oder andere Geräte zur Herstellung von 
Leiterplatinen leisten. Ich habe mir gedacht, dass es bestimmt eine 
andere Methode existiert mit der ich mein Ziel erreichen kann. Ich habe 
etwas gegoogelt und wurde auch fündig. Ich habe auf der Seite von einem 
gewissen Herrn Thomas Pfeifer, eventuell ist diese Person hier schon 
bekannt, eine Anleitung zur Herstellung von Platinen gefunden. Diese 
Anleitung habe ich mir mehrmals durchgelesen und habe bezüglich dieser 
Anleitung schon eine Frage. Und zwar wird bei Herr Pfeifer's Methode 
Kupferplatinen ohne Fotolack benutzt. Da ich meine Bestellungen 
hauptsächlich nur bei Reichelt mache, muss ich so eine Platine 
bestellen. Ich habe diese gefunden:
http://www.reichelt.de/?SID=25GRWz-n8AAAIAABraXDU33accaeab1a84f3b3ce5eca695b0b675;ACTION=3;LA=4;GROUP=C92;GROUPID=3370;ARTICLE=7407;START=0;SORT=artnr;OFFSET=1000

Allerdings steht da "ohne Photobeschichtung", kann ich darunter 
verstehen das  diese kein Photolack besitzt, wie es in der Anleitung 
gefordert wird oder verstehe ich da etwas falsch ?

Danke !

MfG,
P.K.
Gast #621808
Lesenswert?

Also ich habe angefangen mit dem Starter Set von Pollin. Da haste direkt 
ne Photoplatine dabei die du benutzen kannst. Du druckst einfach das 
Layout auf Folie aus. Falls dein Drucker einstellbar ist dann nimm die 
maximale farbdichte damit das Layout blickdicht wird. Einfach auflegen 
auf die Platine und belichten. Dabei mit ner Glasplatte abdecken damit 
das Layout bündig auf der Platine liegt.
Ich hab meine erste Platine mit ner stinknormalen Schreibtischlampe 
belichtet. Dauert ewig aber funktioniert (das hat ca. 30 min belichtung 
gebraucht).
Anschließend in den Entwickler schmeißen und danach ätzen. Fertig

Bevor jetzt wieder alle anfangen zu meckern: Ja ich weiß das eine 
Belichtung mit ner Halogenlampe nicht grade optimal ist und die 
belichtungszeit viel zu krass ist. Fakt ist aber: Es funktioniert für 
den Anfang.

Das ätzen dauert auch sehr lange (>2 Stunden) ohne heizung aber geht 
auch.

Also wenn man das ganze mal einfach testen will und nicht viel Budget 
hat funktioniert es für den Anfang!
Gast #621811
Lesenswert?

Hier meckert keiner.
Andernfalls ist es konstruktive Kritik.

Ich habe meine ersten Platinen damals vor fast 30 jahren mit einer 
Röhrchenfeder und spezieller wasserfester Ausziehtusche handgemalt. 
Gebohrt wurden die dann mit angeschliffenen Nähnadeln mit einer 
selbstgebauten Ständerbohrmaschine.
Es gab halt kaum was in der ehemaligen DDR, nichtmal Bohrer um 1mm.

So habe ich angefangen, und wenn einer mit dem Pollin Ätzsatz anfängt, 
warum nicht.
Erfahrungen sammeln, optimieren, bessere verfahren ausprobieren, so 
funktioniert die ständige weiterentwicklung auch im privaten 
Hobbybereich.


Aber eine Anmerkung

Eine Ätzzeit von größer 2 Stunden ist wirklich nicht normal. Hier kann 
es zu massiven seitlichem Unterätzen der leiterbahnen kommen, diese 
werden schmaler oder lösen sich ganz ab.

Falls es Eisen 3chlorid als Ätzsuppe ist: die Lösung kann so 
Konzentriert wie möglich gemacht werden,Und ein schwenken der Schale 
hilft auch viel beim ätzen.

Es gibt noch den Wattebauschtrick für eilige Sachen.
Einen wattebausch in einer Wäscheklammer klemmen und dieses ständig mit 
Eisen 3Chlorid getränkt über die Platine wischen, Ätzzeit bei RT etwa 15 
min. Auch können so gezielt stehengebliebene Kupferinzeln "wegradiert" 
werden.


Frohes Schaffen
Platinenbauer
Gast #621825
Lesenswert?

In einem alten DDR Elektonikbüchlein der 60er Jahre wurde vorgeschlagen 
die Plastkschale mit der Ätzflüssigkeit auf einen Lautsprecher(Stand) zu 
stellen und mit 50HZ über einen Trafo und Reostat 
(Leistungspotentiometer) so ansteuern bis kräftige Interferenz und 
Wellenbewegungen sichtbar sind. Diese kräftige Wellenbewegungen 
beschleunigen den Ätzvorgang ungemein. Habe ich selber mit grossem 
Erfolg ausprobiert und die Ergebnisse sind wirklich ausgezeichnet. Das 
mache ich jetzt schon seit vielen Jahren so.

(Die Elektronikbastler in der DDR waren immer schon sehr einfallsreich!)

Die Platine muss allerdings übriegens mit der Kupferfläche nach unten 
schauen. Umgekehrt sind die Ätzergebnisse nicht so gut. Für die 
Platinenhalterung verwende ich eine selbstgebauten Spannzangenhalter 
welcher die Platine ein paar mm über den Schalenboden schweben lässt.

Mit einer 75W Reflektorlampe kann man das Fe3Cl wegen der dunklen Farbe 
in ein paar cm Abstand innerhalb von 20 Minuten auf 40 Grad erwärmen.

Damit lassen sich Platinen in ungefähr 10 Minuten komplett ätzen. Die 
Qualität der geätzten Platinen ist ausgezeichnet.

Gruss,
Gerhard

Antwort schreiben

Bitte melde dich an, um einen Beitrag zu schreiben.

oder

Mit Google-Account einloggen

Die Registrierung ist kostenlos und dauert nur eine Minute.

Jetzt registrieren