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Forum: Platinen Mit welches bleifreies Lötzin kommt man zum Erfolg?


Autor: AVRli (Gast)
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Hi Löter, ;-)

mein normales PB haltiges Lot ist nun alle und ich wollte nun auch auf 
das Bleifreie umsteigen, welche Erfahrungen habt ihr damit gemacht?

Was würdet ihr mir empfehlen?

Ich löte in SMD...


Gruß AVRli...

Autor: Platinenbauer .. (platinenbauer)
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Warum umsteigen?
Erstens kostet das Bleifreie Lsn97Cu3 schon ein kleines vermögen im 
Gegensatz zu den LSn63, und zweitens liegt die Löttemperatur etwas höher 
bei etwa 230Grad.
Und der gewohnte Anblick einer SnPb-Lötstelle (schön glänzend) ist auch 
nicht mehr vorhanden, die Lötstellen sehen matt aus, genau wie eine 
kalte Lötstelle...Da kommt man ins Grübeln bei einer eventuellen 
Fehlersuche.

Übrigens, gibt es laut Rohs noch Ausnahmen: es darf noch in der 
Steuerungstechnik, Millitärelektronik, Lebenserhaltende 
Medizinelektronik und kurioserweise in Haushaltselektronik 
(Küchenmaschinen) noch das alte Lötzinn verwendet werden. Na, warum 
wohl?

ich hatte mal ein paar meter LSn97Cu3 verlötet. Fazit: Muss nicht sein!

Gruß
Platinenbauer

das ganze Bleiverbotsspektakel dient nur den Kassenfüllen diverser 
Vereine und Metallerzeuger. Und was ist mit mit den zig ´Tausenden 
Bleiakkus in den Autos?? Bleiauswuchtgewichte für Autoreifen wurden ja 
verboten...

Autor: STS (Gast)
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Wenn Du die Produkte nicht veräußerst, bist Du auch nicht verpflichtet, 
die ROHS-Compatibilität einzuhalten. Tu Dir dann den Gefallen und bleib 
beim verbleiten Zinn.
Ansonsten:
Sind denn deine Leiterplatten auch Pb-frei? Hal bzw. chemisch Zinn 
sollten das sein, da sonst deine Mühen mit Pb-freien Lötzinn umsonst 
wären. Wie schon vom Vorredner gesagt, scheint die Bleifrei-Geschicht 
noch nicht frei von Überraschungen zu sein, da die Medizintechnik, Luft- 
und Raumfahrt als auch MIL Sonderregelungen haben. Die Angaben der 
LP-Hersteller für die Temperaturprofile beim Reflowofen scheinen auch 
noch reinstes Chaos zu sein (meine Meinung).

Autor: Jim (Gast)
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Hab bei Ebay Balver Röhrenlot gekauft. 1% Ag und etwas Kupfer. Geht sehr 
gut, die Lötstellen sehen auch kaum matt aus. Nur der Teil der zuletzt 
fest geworden ist. Ich kann es nur empfehlen umzusteigen, solange Du 
eine gut geregelte Lötstation besitzt. Dann kannst Du da mit 350 Grad 
recht gut löten. Ist aber der Lötkolben nicht high end wird es 
schwierig. Da ist dann fix das Flussmittel verdampft und der Zinn wird 
klebrig und fließt nicht. Sehr unschön. Aber es gibt von Aoyue 
(wiltec.de) oder so einen anscheinend ganz guten Bleifreikolben. Für ca. 
nen Hunni. Die Lötpaste von da ist auch nicht schlecht. So wegen SMD und 
so...

Autor: Jens (Gast)
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>Wie schon vom Vorredner gesagt, scheint die Bleifrei-Geschicht
>noch nicht frei von Überraschungen zu sein, da die Medizintechnik,
>Luft- und Raumfahrt als auch MIL Sonderregelungen haben.

Derzeit wird an einer Vereinfachung dieser Regelungen gedacht und man 
darf wohl davon ausgehen, dass langfristig auch die Sparten, die jetzt 
noch ausgenommen sind, auf bleifrei umstellen müssen.

Autor: Platinenbauer .. (platinenbauer)
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Glaube ich nicht, das die Ausnahmen in Kürze in der Rohs dann wegfallen 
könnten. Was wäre zum Beispiel, wenn eine beatmungsmaschine im 
Krankenhaus wegen einer unzuverlässigen Lötstelle ausfällt, oder ein ICE 
mit 300 Sachen auf ein Gegenzug donnert, weil auch hier fehlerhafte 
Lötstellen in der LZB  waren.
Und wer übernimmt dann die verantwortung und Kosten?

Das ganze Bleifreiszenario ist noch nicht gründlich erforscht und es 
gibt noch keine Langzeiterfahrungen unter Extrembedingungen.

Platinenbauer

@ AVRli

eigentlich LSn63 mit 1..2 % Cu drin, wegen den Lötspitzenanfressen. 
Ansonsten wenn du wirklich die Bleizinn-Liga verlassen willst LSN97Cu3, 
das silberhaltige lässt sich etwas schlechter löten und ist einiges 
teurer.

Autor: AVRli (Gast)
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Hallo,

danke für eure Antworten.
Nun bei mir geht's eigendlich darum das ich dachte es wäre für mich 
gesünder. Ich baue hier für unseren Modelbauclub die ein oder andere 
Sache auf, nun eine kleine Miniserie wo ca. 20 Platinen gelötet werden 
müssen.

Ist das ein hin und her... kaum zu glauben, da wird was festgelegt und 
alle ärgern sich schwarz darüber. Weil aber bekannt ist das es nicht 
zuverlässig ist, dürfen bestimmte Gruppen das alte weiter verwenden.

Kappiere ich so nicht, entweder oder.

Als Lötstation habe ich eine Weller WTCP 51 ich würde es trotzdem gerne 
mal probieren. Wer weiß was kommt und dann ist man darüber schon hinweg.

Gruß und einen schönen Sonntag, AVRli...

Autor: Jim (Gast)
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Naja Fakt ist auf jeden Fall das Blei arg gistig ist und wir froh sein 
sollten das es soweit als möglich verbannt wird. Müsste noch mit einer 
ganzen Reihe anderer Sachen passieren! Und die Ausnahmeregelungen sind 
doch im Nutzen aller. Dort wo das Risiko den Nutzen überschreitet darf 
weiterhin bleihaltig gelötet werden. Was wollt ihr denn mehr? Und auch 
gerade im Hobby, wo die Trennung zwischen wohnen und basteln oft nicht 
scharf ist, sollte jeder froh sein, wenn er soviel Blei wie möglich 
raushauen kann.

Autor: AVRli (Gast)
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Ok, dann werde ich mir auch mal mit diesem Bleifreien Zeug's befassen.

Da meine Lötstation nun nicht geregelt ist, also ich kann sie nicht 
herunter drehen, sollte ich mich nach einer anderen umsehen?

Gruß AVRli...

Autor: Jens (Gast)
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>Glaube ich nicht, das die Ausnahmen in Kürze in der Rohs dann
>wegfallen könnten.

Hat auch niemand geschrieben.

>Was wäre zum Beispiel, wenn eine beatmungsmaschine im Krankenhaus
>wegen einer unzuverlässigen Lötstelle ausfällt

Dann besteht Lebensgefahr für den Patienten.

>oder ein ICE mit 300 Sachen auf ein Gegenzug donnert, weil auch
>hier fehlerhafte Lötstellen in der LZB  waren.

Dann wird es Tote geben, wenn die redundanten Systeme auch versagen.

>Und wer übernimmt dann die verantwortung und Kosten?

In erster Linie der Betreiber oder aber der Hersteller, wenn im 
Fertigungsfehler nachgewiesen werden können.

Der Bereich Automotive ist übrigens auch von den Regelungen ausgenommen, 
dennoch verwenden die schon heute RoHS-konforme Bauteile. Warum? Weil 
die Bauteilehersteller teilweise nichts anderes mehr anbieten. Im 
übrigen kann man auch mit dem bleifreien Müll einwandfreie Lötstellen 
erreichen, wenn der Lötprozess entsprechend der Richtlinien durchgeführt 
wird. Wenn klein Hans mit seiner Weller mal ein AVR lötet und 'ne 
schlechte Lötstelle produziert, dann interessiert das erst mal niemand.

Autor: Platinenbauer .. (platinenbauer)
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@ Jim

Blei selbst ist nicht giftig, es wurde ja früher sogar für 
Trinkwasserrohre verwendet. Giftig sind vielmehr die löslichen 
Blei-Salze, welche aber im normalen Lötprozess nicht entstehen können, 
da hier nur ein Schmelzvorgang/stoffschlüssige verbindung auftritt, aber 
keine chemische Reaktionen mit dem Blei.

Da gibt es weit "gefählicheres Material" ich denke mal an Esparlampen 
oder Leuchtstoffröhren (enthalten Quecksilber) Ni-Akkus (Nickelsalze, 
als cancerogen eingestuft) oder auch die meisten Kunstoffe im haushalt 
(radio- fernsehergehäuse etc) welche im Brandfalle extrem giftige Gase 
freisetzen.

Und davon mal abgesehen, die Umstellung auf Pb-Frei hat einige 
Unternehmen reich gemacht, zb die Lötmaschinenhersteller. Es ist nicht 
möglich gewesen, in den alten Anlagen mit der neuen Legierung zu fahren, 
hier musste alles ausgetauscht werden. Fazit ist das Rohs von einer 
Lobby beschlossen und durchgesetzt worden. Umweltgründe oder sonstiger 
Humbug sind da nur zur Täuschung vorgeschoben.

Blei kommt in der natur als Erz vor. Das reine metall überzieht sich 
beim Liegen an der Luft mit einer sehr dünnen und sehr 
widerstandsfähigen oxidschicht bzw Carbonatschicht. (blaugraue oder 
weißliche Schicht) So kann es hunderte Jahre liegen ohne das irgendwas 
passiert oder es giftig wird. Bleikarbonat ist unlöslich in Wasser, 
siehe bsp Wasserrohre.Alles andere ist nur Panikmache.

Platinenbauer

Autor: Michael G. (linuxgeek) Benutzerseite
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Zu dem Thema "bleifrei" will ich auch mal meinen Senf abgeben. Wie schon 
gesagt wurde: Ich halte das auch fuer kostentreibenden Populismus - 
Maschinen muessen nachgeruestet werden und das Lot kostet ungleich viel 
mehr als das bleihaltige. Dazu kommt die meiner Meinung nach schlechte 
Verarbeitbarkeit. Fuer gedrillte Fertigungsmaschinen mag das OK sein, 
die koennen auch mal in ein paar Millisekunden einen Loetpunkt setzen 
aber im Hobbybereich? Naja... muss wirklich nicht sein. Und wie schon 
gesagt wurde: Solange Du halbwegs sachgemaesz mit dem Zeug umgehst 
besteht keine Gesundheitsgefahr, wenn Du viel loetest hol Dir halt einen 
Loetdampffilter.

Sicher Du kannst Dir das antun, aber ich wuerde Dir abraten und die 
Ergebnisse sind einfach schlechter. Ich mach mal schnell nen kleinen 
Vergleich fuer Dich.

Autor: Michael G. (linuxgeek) Benutzerseite
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OK ich konnte nicht mehr editieren...
So zum Bild: links geloetet mit Std-Loetzinn bei 350 Grad, rechts mit 
bleifrei 400 Grad. Bei 350 fliesst das naemlich garnicht erst richtig, 
stumpf wird es aber leider trotzdem. Der bleifreie Draht ist ein Edsyn 
L-Sn95,5AgCu0,7 wie er bei Reichelt immo 20EUR fuer 250g kostet.

Autor: Volker (Gast)
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Hier meine Erfahrungen zum Thema "bleifrei löten".

1. Nachdem ich mehrere Sorten (Legierungen) von verschieden Herrstellern
ausprobiert habe, verwende ich Flowtin TC von Stannol.
Flowtin TC KS115 mit Mikrozusätzen

Das Lötzinn fließt recht gut und die Lötstellen glänzen fast wie bei 
bleihaltigem Lot. Auf der Homepage von Stannol kann man sich 
hochauflösende Bilder der Lötstellen ansehen. Die Ergebnisse kann ich 
bestätigen.

2. Immer die größtmöglichen Soitzen verwenden, wichtig ist weniger die
eigentliche Spitze, sondern die Verbindung zur Heizung, damit habe ich
es geschafft bleifrei mit nur 320 Grad zu löten.

3. Nach ca. 30min löten mit einer Spitze nimmt diese immer schlechter
Zinn an, ob Abstreifschwamm oder Drehspäne, das Lötzinn perlt einfach
ab. Zudem wird die Wärmeübertragung durch die Oxydschicht miserabel-
Hier hilft bei mir nur noch ein Lötspitzenaktivator. Ich habe mal zum
Spass die matte Lötspitze mit verbleitem Zinn "bearbeitet" => das
Benetzungsverhalten wurde sofort wieder gut, auch mit bleifreiem... bis
wieder 30min um waren.


Fazit: Das Löten selbst macht keine großen Probleme, wohl aber das
Benetzungsverhalten der Lötspitzen. Hier habe ich auch noch keine Lösung
gefunden um auch nur halbwegs das Verhalten beim verbleiten Löten zu
erreichen. Es ist eine Katastrophe!
Was nicht unbedingt bleifrei glötet werden muss, löte ich weiterhin
verbleit.
Man kann nur hoffen, dass die Industrie noch bessere Produkte findet.
Ideal ist die Sache nämlich noch nicht.

Gruß Volker

Autor: Michael G. (linuxgeek) Benutzerseite
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Es gibt spezielle Spitzen zum bleifrei loeten -- klar, kann man ja auch 
Geld mit machen. Fuer einige Leotstationen werden Umruestkits angeboten. 
Also ich werde solange es geht bleihaltig loeten... danke fuer den Tipp 
mit dem Lot aber das hat auch nen ziemlich stolzen Preis. Ausser eine 
Uebermenge an PDFs konnte ich leider keine Bilder von den Loetstellen 
finden. Aber bei sowas bin ich auch misstrauisch vom Hersteller.

Autor: Volker (Gast)
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@Michael G.

http://www.stannol.de/Deutsch/index.htm

Dann ein Klick auf "Neu: bleifreie microlegierte Lote"

Dann bekommt man in etwa in der Mitte der Seite "Vergleich der 
Oberflächen"
angezeigt.
Ein Klick und schon bekommt man die Bilder zu sehen.

Autor: Michael G. (linuxgeek) Benutzerseite
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Hm... sieht ganz passabel aus - aber ne spezielle Spitze braucht man 
immernoch wie man liest. Naja jedem das Seine, die FH hat auch nicht 
umgestellt auf Bleifrei. Wer unbedingt glaubt, umsteigen zu muessen, 
soll das mal tun.

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