Mit dem Stundensatz bei Selbständigen ist das so eine Sache. Das ist
sehr konjunkturabhängig und dies meint durchaus "Tagespreise"! Ich habe
es schon erlebt, daß ein und dieselbe Firma mal 3 Euro draufgelegt hat,
weil sie etwas schnell haben wollte und jahreszeitbedingt, keiner
verfügbar war.
Da gibt es die unterschiedlichsten Randbedingungen, einmal sind es
Vorgaben von der Geschäftsleitung, einmal die Dauer und vieles mehr.
Wichtig sind auch psychologische Grenzen, wie runde Summen. Ich kann
mich errinnern, daß es vor drei Jahren noch unglaublich schwer war, von
einem Dienstleister mehr als 50 zu bekommen. Alle drängten sich bei 48+
und 49+. Als dann aber erstmal die Schallmauer durchbrochen war, gab es
kein Halten mehr und schnell waren statt 51,- auch mal 53 beim selben
Kunden drin. Im Moment sind die Stundensätze so ziemlich frei
verhandelbar, so kann man sehr wolh mal 1-2 Euro mehr verlangen, wenn
das Projekt weitergeht. Die Dienstleister sind schwer am kämpfen und
gezwungen, Projekte reinzuholen. Da verzichten viele auf Gewinn und
geben einen Euro mehr, bevor man zu lange zögert und der Kunde einen
anderen nimmt. (Die haben ja immer noch genug, und bevor sie garnichts
haben ... :D)
Und dann gibt es da noch die Grenze, welche die Einkäufer beim Endkunden
festlegen: Da sind die Projektnehmer in einzelne Kategorien unterteilt
und die Dienstleister bekommen für einen Projektnehmer einer bestimmten
Kategrie einen Maximalsatz. Damit sind quais feste sperren installiert,
die auch der Einsteller nicht überwinden kann, selbst wenn er will,
andererseits muss auch der Vermittler des Dienstleisters eine
Mindestspanne halten. Die Folge ist, daß einige Firmen große
Schwierigkeiten haben, Projektnehmer zu finden. Da sich Einsteller,
Vermittler und Projektnehmer aber einig sind, daß sie zusammenarbeiten
wollen (wenn es z.B. um Verlängerung geht, weil es keinen Sinn macht,
einen Neuen reinzunehmen), müssen sie gewissermaßen Dienstleister und
eigenen Einkäufer austricksen, in dem sie zwar geringere Stundensätze
und Marchen akzeptieren, hinterher aber mehr Stunden schreiben.
Bei mir ist es z.B. so, daß ich noch einen Vertrag für die Pflege eines
alten Projektes habe, wo ich rund 10h Auslastung habe. Ich schreibe dann
monatliche Rechnungen mit einer Anzahl von durchschnittlich 15 Stunden.
Obwohl ich bei der Firma nur einen geringen Stundensatz hatte und habe,
liege ich so im Topbereich. Alles ist es klar, aber dem Abteilungsleiter
ist es wichtiger, daß das Projekt klappt. Kosten kann er rechtfertigen,
geplatzte Projekte kosten seinen Kopf.
Auch der normale Stundensatz ist nicht immer ein Massstab: Bei einem
Kunden war es so, daß es immer einen Frühstückskaffe und einen
Nachmittagskaffee gab. Das ganz sind rund 20min privates Gequatsche -
oft waren es 30min. Die kriegen das komplett bezahlt und ich musste sie
auch nicht rausrechnen. Damit sind das rund 30 Euro extra am Tag, was
wieder 3,- Euro mehr sind.
Auch gut ist, wenn man viel für den Kunden fahren muss: Man kann ohne
Weiteres 3-4 Euro mehr die Stunde bekommen, wenn man auf
Kostenabrechungen gegen desn Dienstleister oder dem Kunden verzichtet,
da die dann weniger Arbeit haben. Da die Zeit bezahlt ist, ist es einem
gleich. Man hat aber automatisch mehr geschäftliche km auf dem Tacho und
kann so noch einiges an privaten km unterbringen. Ich habe mit
"Kundenkilometern" im letzten Jahr meinen g-Anteil um 20% erhöht und
gleichzeitg den p-Anteil umd 30% gesenkt. Macht zusammen 0,7 / 1.2 =
halbe Kosten für den privaten Anteil und damit brutto 800,- im Jahr. Ist
nochmal ein Euro mehr. So werden aus 53,- schnell 58,-.