Was passiert mit einem SMD-Keramik-Vielschicht-Kondensator (0805), wenn
man zu lange daran herumbrutzelt? Kurzschluss? Verlust der Kapazität?
Gar nichts? Ich habe heute meine erste Platine gelötet und mir anfangs
einen abgebrochen. Manche wurden mehrmals ge- und entlötet - sicher
länger als die 3 Sekunden @ 250 Grad aus dem Datenblatt (Lötstation
steht auf 350 Grad).
Wenn etwas ZUVERLÄSSIG funktionieren soll ist man besser dran die
Grenzwerte einzuhalten, aber beim Basteln ist das eher unkritisch. Ich
habe auch schon einige Bauteile (auch ICs) nicht ganz
spezifikationsgemäß mehrfach ein- und ausgelötet, und bisher hat alles
funktioniert.
Vor allem müssen die Kupferpads möglichst gut das Zinn annehmen. Ich
schleife mit dem Polibloc von Seno vorher kurz fein ab und gehe gleich
danach einmal mit einem No-Clean Fluxerstift drüber (kurz trocknen
lassen). Ein wenig dünnes Lötzinn auftragen und die Fläche ist plan
verzinnt. Das SMD-Bauteil lässt sich dann einwandfrei innerhalb kurzer
Zeit auflöten (eingestellte Temp. der Station rund 330 Grad C. reicht
nahezu für alles). Falls mal zu lange gelötet wurde hilft frisches Zinn
u. Fluxerstift.
PS: nicht immer ist die feinste Lötspitze die beste Wahl. Mit der
Meißelform lässt sich ganz gut eine dünne Zinnschicht (die sich nicht
auftürmt) über die Leiterbahn ziehen.
330°? Weichei!
Ich habs immer eilig beim Löten, meine steht auf 400°. Und das ist
weniger Stress für die Bauteile, geht ruckzuck. Ich hasse es wie die
Pest, lange an einer Lötstelle rumzubrutzeln. Und das passiert
automatisch, wenn mal etwas Wärmekapazität dranhängt. Und bleifrei tu
ich mir mir bei meinen Prototypen auch nicht mehr an. Ist mir
scheissegal, was die ausgekaspert haben. Bleifreies Lot hat die
Müllabfuhr geholt, und ich habe das gute alte Sn60 wieder rausgeholt.
> Das SMD-Bauteil lässt sich dann einwandfrei innerhalb kurzer
Zeit auflöten
Ich kam mit der Anleitung aus dem SMD-Löt-Tutorial hier nicht zurecht.
Angeblich soll man das Pad verzinnen, das Bauteil darauf legen,
andrücken, löten. Das ist mit den kleinen Teilen schwierig. Nach einiger
Zeit habe ich gemerkt, dass es einfacher geht, wenn man das Pad
verzinnt, das SMD-Teil daran schiebt (bis zum Lötzinn, aber nicht
darauf), das Pad wieder aufheizt und das SMD-Teil hineinschiebt.
> eingestellte Temp. der Station rund 330 Grad C. reicht
nahezu für alles
Ich würde auch lieber bei 320-330 Grad löten, aber zu meinem Lötzinn
(das "halogenfreie" von Reichelt) heisst es: "nahezu rückstandsfrei ab
360 Grad". Deshalb bin ich höher gegangen. Hat nicht viel genutzt, am
Ende sah die Platine ziemlich bescheiden aus. Ich habe dann mit einer
Zahnbürste und Isopropanol gesäubert. Weiss jemand, woher der graue
Schleier nach dem Bürsten mit Isopropanol kommt? Ich dachte, das
trocknet rückstandslos (ist aus der Apotheke).
ich kann das Lötzinn hier
http://www.shop.display3000.com/pi21/pi22/pd90.html
nur wärmstens empfehlen. Die versprechen nicht zu viel denn es ist auch
für mich das beste bleifreie Lötzinn was ich bislang gelötet habe (und
das waren bestimmt schon 10 verschiedene Sorten); praktisch kein
Unterschied zu gutem bleihaltigem Zinn. Gibt es dort auch Halogenfrei,
habe ich aber nicht gekauft und getestet.
Das Reichelt Lötzinn dagegen ist Schrott.
Olli
Ich nehm 450°C (!) wer bietet mehr?!?!
Ich löte schon seit ich Kind bin und habe noch nie etwas damit zerstört
und glaub mir ich löt öfters länger als 3 Sekunden an einer Stelle,
obwohl ich hab mir noch nie dabei die Zeit abgenommen also kann ich das
jetzt nicht auf 100tel belegen g
Seit neuestem entlöte bzw. verlöte ich TQFP Gehäuse mit einem
Heißluftfön... da sind mehr als 400°C im Spiel und bei weitem länger als
12sec. Aber wie gehabt, habe noch nie etwas zerstört.
also die eigentlichen Temperaturanzeigen am Display sind doch meist
sowieso für die Katz. Das ist im besten Fall noch die Temperatur am
Sensor. Je nach Lötstation, Lötkolben und Lötspitze ist die Temperatur
an der Lötstelle selbst dann um viele Grad kühler.
In der Praxis muss man halt die Station so einstellen, dass man
vernünftig löten kann, sich kein verbranntes Flussmittel an der
Lötspitze oder auf der Platine bildet, das Flussmittel nicht in der
Gegend herumspritzt und wie der Teufel qualmt (aber das ist natürlich
auch Lötzinnabhängig - ich habe schon Zinne gelötet, die egal bei
welcher Temperatur beim Löten 1-2 weit herumgespritzt haben) ... dann
hat man die richtige Temperatur - ist es heißer ist es kontraproduktiv.
Wer 450° Grad braucht, hat entweder eine unterdimensionierte und
ungenaue Scheissstation (schreibt man das jetzt mit 3x"s"?) oder atmet
gerne die Dämpfe in vollen Zügen ein.
Je nach Lötzinn und Station sind eigentlich 300° bis 350°C die richtige
Einstellung.
Beim Heissluftfön gilt das gleiche: 400° am Heizelement. Am Bauelement
kommen weitaus weniger an. Lange herumbraten schädigen die aber dann
doch u.U. Richtig ist es so: Platine mit Bauelementen auf einem
Preheater auf 200° Aufheizen. Dann mit dem Heißluftlöter rangehen - dann
dauert das Löten eines TQFP auch nur ein paar Sekunden - das ist
schonend für Bauteile und Platine.
Olli
noch ein PS: ich habe "cm" vergessen: es soll heißen "spritzt 1-2 cm"
und noch an Dietmar E: der graue Schleier ist das Flussmittel - es löst
sich auf und du verteilst es fein auf der Platine. Hat man einen
Behälter mit Alkohol zum Einlegen der Platine dann löst sich das
Flussmittel auf, verbleibt aber natürlich in der Lösung. Je mehr
Platinen man damit reinigt, desto stärker wird der Schleier nachher.
Ideal wäre nochmal nachspülen mit sauberem Alkohol oder Spiritus.
Olli
Also ich verwende eine ERSA Digital 2000 und will jetzt nicht behaupten,
dass die "scheiße" ist... Prinzipiell hängt die nötige Löttemperatur vom
Bauteil ab. Ein SMD Bauteil mit 450°C zu verlöten ist wohl der Overkill,
einen DC/DC Wandler mit THT Pins von 1mm Durchmesser benötigt schon
einiges an Hitze, weil wie Olli schon festgestellt hat, an der
Löststelle selbst niedrigere Temperaturen vorherschen. Aus diesem Grund
braucht man für Verlötungen mit Masse-Flächen ebenfalls höhere
Temperaturen.
Am besten man nimmt ausreichend Flussmittel, dann werden die Lötzeiten
um einiges kürzer.
Was verwendest du als Preheater? Backrohr? Bei mir hats derzeit
finanziell nur für ein Heißluftgebläse (Mömax,10€) gereicht, aber
funktioniert tadellos. Sehr ratsam vor allem fürs Entlöten. Fürs
Verlöten wäre eine Hohl-Spitze sowieso besser, da es schonender für das
Bauteil ist.
Aber prinzipiell sollte man nicht zu viel Theorie in dieses Thema
stecken, man merkt ohnehin wie man am besten lötet. Wenn man etwas dabei
zerstört, dann sollte man sich wirklich über seine Löttechnik Gedanken
machen. In den meisten Fällen ist es aber egal ob du 3 Sec mit 350°C
lötest, oder 5 sec bei selber Temperatur.
Ich geh mit rund 350 Grad an meine Bauteile. Und wenns dann mal SMD sein
darf a'la 1206 bzw. 0805 dann werden die Pads vorher mit Kötlack SK10
"gepinselt" (Pinsel ansprühen und dann auf die Pad tupfen. Danach
Bauteil drauf und 10 Minuten warten. Damit kleben dann die Bauteile auf
der Platine und danach wird ohne vorverzinnen gelötet.... klappt super !
Hi!
Ich löte mit einer einfachen Digitalen Lötstation (40 e bei Reichelt)
und billigem Lötzinn SMD bis runter auf 0805 auf SMD-Lochraster bei 280
Grad im Display. Zum Verzinnen von 0,2er Kupferlackdraht gehe ich dann
auch schonmal auf 350 Grad hoch. Danach gehts dann wieder runter auf 280
Grad und dann werden damit 0603er LEDs verabelt.
Grüsse
Matthias