Die Zeitschrift "Elektronik" führt jedes Jahr eine Leserbefragung zum
"Produkt des Jahres" durch. Mit schöner Regelmäßigkeit gewann dort die
Leiterplatten CAD-Software "Eagle". In diesem Jahr darf sie da aber
scheinbar nicht teilnehmen, weil sie vorher von der Redaktion
aussortiert wurde. Viele andere Programme dürfen da gleich gar niemals
teilnehmen, weil sie in der "Elektronik" nicht inserieren. Ich habe
jetzt erst verstanden, was dieses Siegel "Produkt des Jahres" also wert
ist: Nichts.
Manchmal dauert es eben länger, bis man was kapiert. Die "Elektronik"
ist nach meiner Meinung sowieso schon lange ein wenig herunter gekommen.
Es ist mittlerweile ein reines Werbeblatt. Früher war das mal anders.
Wenn man heute einen Artikel liest, stellt man fest, dass der
Schreiberling zufällig Applikationsingenieur bei der Firma ist, die das
im Artikel beschriebene Produkt herstellt. Alle Artikel sind meines
Erachtens somit gekaufte Werbefläche. Welcher Elektroniker würde für
eine solche Zeitschrift noch Geld ausgeben? Wer will etwas auf deren
Gütesiegel geben? Ich nicht.
> Wenn man heute einen Artikel liest, stellt man fest, dass der
Schreiberling zufällig Applikationsingenieur bei der Firma ist
Mit andern Worten, er ist kompetent? Horror.
> ...stellt man fest, dass der> Schreiberling zufällig Applikationsingenieur bei der Firma ist, die..
Das ist schon seit Jahrzehnten so und übliche Praxis bei allen
Fachzeitschriften.
Festangestellte Experten für die unendliche Vielfalt an Themen kann sich
kein Verlag leisten. Selbst die Chefredakteure sind schon lange keine
gestandenen Elektroniker mehr, sondern nur 'Milchreisgesichter' mit
Null-Ahnung, und schlimmstenfalls einem BWL-Studium.
Das sich eine Zeitschrift durch den Verkauf von Werbefläche finanziert
soll garnicht so selten sein.
Das Prädikat 'Produkt des Jahres' ist, wie alle Juryentscheidungen
subjektiv. Da hab' ich nie was drauf gegeben. Schon garnicht habe ich
mir deswegen Eagle gekauft.
Sowas kostet Geld?
Da steht zwar ein Preis drauf, ich bin aber sicher, meine Firma bezahlt
nicht dafür.
Ich finde die ganzen Zeitschriften ganz gut geeignet, um sich auf dem
Laufenden zu halten, mal ein paar neue Teile zu sehen für die man sich
vorher nicht so interessiert hat.
Nur muss ich mal wieder einen Berg davon durchblättern und entsorgen...
In der Hinsicht tut sich meiner Meinung nach Heise positiv hervor, die
Artikel sind kompetent und eigentlich immer unabhaengig geschrieben. Ich
brauch mir nur anschauen wie die den ersten K10-Rechnertest zerfetzt
haben ;) Leider macht heise ja keine Elektronik-Zeitschriften aber in
letzter Zeit haben die oefter mal kleinere (aber auch groessere)
Projekte veroeffentlicht, ne Zeit lang war da ja garnichts mehr. Finde
ich schoen. Aber ich hab schon die ein oder andere
Elektronik-Zeitschrift an der FH abgestaubt, teilweise mit Preisen von
10EUR und mehr. Und die Artikel sind in der Tat sehr oft
Produktbeschreibungen/Werbung... so offensichtlich dass es ja schon fast
peinlich ist. Das ist schon sehr bedauerlich. Gibt es ueberhaupt eine
brauchbare Elektronikzeitschrift?
Michael
>Es ist mittlerweile ein reines Werbeblatt.
Und aus genau diesem Grund lese ich diese Zeitschrift (über die Firma).
Man bekommt so schnell einen Überblick über neue Produkte und so
entstehen oft neue Designideen.
Da bin ich ganz der Meinung von Carmen.
> Und die Artikel sind in der Tat sehr oft> Produktbeschreibungen/Werbung... so offensichtlich dass es ja schon fast> peinlich ist. Das ist schon sehr bedauerlich.
Wer das bedauerlich findet darf nicht in der Entwicklung arbeiten.
Auch der reine Anzeigenteil ist äusserst wichtig und interessant, ist er
doch ein Spiegel der 'Stand der Technik'.
Das mag schon sein, aber ein technischer Bericht sollte sachlich und
unbefangen sein, es muessen auch die Schwaechen und Grenzen eines
Systems beleuchtet und moegliche Alternativen aufzeigt werden. Um
Lobeshymnen auf Produkte zu singen kannste auch nen Wirtschaftler
benutzen. Der Anzeigenteil hat seine Daseinsberechtigung aber wenn sich
die Texte so lesen als haette man sie aus Marketing-Kampagnien kopiert
leidet die Glaubwuerdigkeit empfindlich.
> Der Anzeigenteil hat seine Daseinsberechtigung aber wenn sich> die Texte so lesen als haette man sie aus Marketing-Kampagnien kopiert> leidet die Glaubwuerdigkeit empfindlich.
Marktschreierische Elemente sind in den Anzeigen der
Elektronik-Fachzeitschriften ganz selten. Da aber auch hier die
Nachteile eines Produktes nicht genannt werden, bleibt es deine Aufgabe
herauszufinden, wo die Schwächen des Produktes liegen.
Das Gleiche passiert dir beim Besuch einer Fachmesse.
> tut sich meiner Meinung nach Heise positiv hervor, die
Artikel sind kompetent und eigentlich immer unabhaengig geschrieben
Heise hat Probleme mit verständlichem Deutsch. Wenn ein Artikel nicht
mindestens 42 oftmals unnötige Fachbegriffe pro Absatz enthält, kriegt
der Autor anscheinend kein Geld.
>Heise hat Probleme mit verständlichem Deutsch. Wenn ein Artikel nicht>mindestens 42 oftmals unnötige Fachbegriffe pro Absatz enthält, kriegt>der Autor anscheinend kein Geld.
Computer(Linux)-Freaks reden halt so und schließlich muss man die
Zielgruppe möglichst perfekt ansprechen.
Golli wrote:
> Computer(Linux)-Freaks reden halt so und schließlich muss man die> Zielgruppe möglichst perfekt ansprechen.
Ist das etwas verwerfliches?
> Computer(Linux)-Freaks reden halt so
Ja? Besonders schlimm fand ich immer die Artikel zu Firmen-Software. Ein
irres Gestolpere durch Begriffe, die 10% der Leser kennen. Kostprobe:
In einer eigenen Breakout-Session berichteten sie von ihren Erfahrungen.
[...] Auch wenn sich niemand konkret äußern wollte, sind die Pläne, XML
nativ im Notes Object Store abzulegen, offenbar weit vorangeschritten
[...] Im vierten Quartal will Lotus eine generische Version der DRS im
Betatest haben, die auch anderen eine Entwicklung ähnlich
funktionierender Anwendungen erlaubt [...] Das neue Produkt ist
weitgehend identisch mit ONEstones Prozessware 1.6; die wesentliche
Neuerung ist die Anpassung an die kurz bevorstehende Version von
Domino.Doc [...] Prozesse im Workflow werden nicht von Person zu Person,
sondern von Stelle zu Stelle weitergeleitet.
> haettest wenigstens nen technischen Text als Beispiel genommen ;)
Lies das hier mal Deiner Oma vor:
Bei den 45-nm-Xeons (Harpertown) findet man den Fehler im Specification
Update vom Dezember nicht, vielleicht noch nicht. Das andere Gehäuse
kann sich aber unterschiedlich verhalten, zudem sind sechs Layer und
mehr sowie andere Chipsätze in dieser Szene üblich, sodass leichte
FSB-Anomalien hier wohl keine Rolle spielen dürften. Als Ausgleich gibt
es aber noch acht weitere, teils durchaus übel klingende neuerkannte
Fehler, die zum Teil auch schon bei den älteren 65-nm-Core-2-Duo-Chips
zu finden sind. So wird die Maske für NMIs (nicht maskierbare
Interrupts, die dem Namen zum Trotz im PC doch maskiert werden können)
in bestimmten Fällen bei VM-Entry-Fehlern nicht korrekt zurückgesetzt.
Zwei weitere Fehler der 45-nm-Chips betreffen ironischerweise den TLB,
der ja auch AMD bei den Phenoms und Barcelonas Kummer macht (siehe
Artikel auf S. 80 in c't 02/08). Und auch bei Intel kann es dann unter
„rare conditions“ dazu kommen, dass der Prozessor hängen bleibt. Andere
rare Konditionen können zudem dafür sorgen, dass gemischte streaming
(MOVNTDQA) und non-streaming (MOV ...) Ladebefehle den Prozessor ins Aus
versetzen und dergleichen mehr. Dagegen klingt AMDs TLB-Bug ja fast noch
harmlos.
>In der Hinsicht tut sich meiner Meinung nach Heise positiv hervor, die>Artikel sind kompetent und eigentlich immer unabhaengig geschrieben.
Unabhängig sind die Artikel schon lange nicht mehr geschrieben.
Kommerzielle Produkte werden bei den kleinsten fehlern zerissen und als
unbrauchbar bezeichnet, bei OpenSource heißt es selbst bei der
unbedienbarsten Alpha.-Version, dass diese schon ganz brauchbar ist und
nur noch kleine Schwächen hat. Dies und dieses ewige MS-Bashing von
heise waren der Grund, dass ich die ct in die Tonne gekickt habe
Objektive Berichterstattung sieht anders aus.