Ich könnte jetzt ein Projekt bei der Siemens benennen, das einen
engagierten Techniker erfordert. Austesten von FPGA-Boards, kleine
Prozeduren in C, Auswertung mit Matlab, Arbeiten mit OSZ und LA,
Fehlersuche sowie typische Laborarbeit. Obwohl dies auf den ersten Blick
ein Technikerjob ist (früher hätte die Siemens dort auch einen TEchniker
drangestellt), wird hierfür ein guter Allround.Ing gesucht, wegen der
anspruchsvollen und komplexen Fehlerbilder.
Da sich da aber keine interner findet, weil die internen Ingenieure oft
zu jung und unerfahren sind und aus Bequemlichkeitsgründen lieber das
bischen Rest an Entwicklung machen möchten, das noch nicht nach Aussen
gegeben wird, kriegen nun die Selbständigen das Projekt angeboten:
Dienstleister XY bietet 6-9 Monate zu 56,- die Stunde. Dafür hätte es
noch vor 3 Jahren gerade 45,- gegeben! Das wäre im Prinzip was für Dich,
aber man wird dich nicht nehmen: Keine Referenzen, keine
Projekterfahrung, kein Zutrauen in Deine Leistung, da kein Titel. so ist
es leider.
Das Problem ist, daß die Ingenieure, die Siemens zu den für die PAs,
akzeptablen Konditionen noch fest einstellen kann, nicht die Creme de la
Creme darstellen: Dieses Mittelmass besetzt aber die denkenden
Positionen und zugleich die interessanten Projekte in der Entwicklung.
Und: Sie backen genau DIE Fehler ein, die dann aufwändig gesucht werden
sollen. Dort dürfen dann die hochqualifizierten Uniabsolventen mit
doppelter Berufserfahrung ran und zu wörtlich "Horrortarifen"
(Originalsatz eines Siemensprojektleiters) Fehler ausbügeln.
Die Vorgehensweise, Kompetentere an die denkenden und entwickelnden
Positionen zu setzen, ist zwar latent in den Köpfen vorhanden, aber sie
lässt sich einfach nicht realisieren. Die Erfindungspyramide ist
inzwischen total verzerrt. Dassalbe Phänomen lässt sich bei Firmen wie
Conti, Bosch und vielen anderen Großen beobachten.