> "Eine Polstelle bewirkt einen Abfall des Betrages der
> Übertragungsfunktion ab einer Grenzfrequenz."
> Ich dachte Polstellen drücken nach oben? Und wie krieg ich aus
> ner Polstelle die zugehörige Grenzfrequenz?
Der Pol drückt nach oben. Der Pol hat aber nur einen bestimmten
"Wirkungskreis" irgendwann geht's auch wieder runter. Denk daran, dass
negative Frequenzen eine Spiegelung der positiven sind. Beachten muss
man auch noch, dass in einem Bode-Diagramm wie man's normalerweise sieht
die Frequenzachse logarithmisch skaliert ist. In den Bilder oben ist die
imaginäre Achse linear!
> "Ebenfalls (bei einer Polstelle, Anmerkung von mir) erfolgt eine
> Phasendrehung bei der Grenzfrequenz um -90 Grad."
Die Phase ist definiert als:
Wenn man sich klar macht, dass s = a + jb ist und man etwas
Trigonometrie anwendet kommt man da schnell drauf.
An einer Polstelle (bzw. der Grenzfrequenz) gilt
Damit ist die Phase
Negativ wird die Phase, da der Pol im Nenner vorkommt.
> "Je weiter ein Pol vom Ursprung der komplexen Ebene entfernt ist, um so
> schneller ist das System. Dabei ist zu beachten, dass ein System mit
> einem rechts ( " langsam") liegenden
> Pol nicht durch das Einbringen eines weiter links liegenden Pols
> schneller gemacht
> werden kann. Rechts liegende Pole dominieren in der Regel das
> Systemverhalten."
> Was heisst Schneller? Schwingt sich schneller ein? Warum sind
> rechts liegende Pole dominant?
Da muss man erstmal bissel Klarheit schaffen. Rechts liegender Pol meint
immernoch Pol links der imaginären Achse (negativer Realteil), aber eben
weit rechts in der linken Halbebene (nach bei der imaginären Achse).
Stell dir nun wieder vor du bewegst dich auf der imaginären Achse. Ein
Pol liegt bei -1 und einer bei -100. Wessen Auswirkungen spürst du am
ehesten? Die des nahen Pols, er dominiert damit das Verhalten.
Zum Thema Geschwindigkeit. Hinter all diesen Übertragungsfunktionen und
Systemen stecken lineare Differentialgleichungen mit konstanten
Koeffizienten (nur deshalb funktioniert die Laplacetransformation). Die
Lösung einer solchen Differentialgleichung hat immer die Form:
r_i ist darin das s.g. Residuum und p_i ist der Pol. Die e-Funktion
klingt umso schneller ab, je grösser p_i ist. Hier sieht man auch wieder
das Problem der Stabilität. Liegt der Pol in der rechten Halbebene
(positiver Realteil) wird das Argument der e-Funktion positiv und sie
klingt eben nicht mehr ab.
Man kann sich das auch so erklären. Zerlegt man eine
Übertragungsfunktion mittels Partialbruchzerlegung in Teilsysteme:
So ist der Einfluss des Teilsystems auf die Gesamtsystemeigenschaften
umso grösser, je grösser das Verhältnis von Residuum zu Pol ist
(natürlich Absolutwerte).
> "Eine Nullstelle bewirkt einen Anstieg des Betrages der
> Übertragungsfunktion sowie eine Phasendrehung um +90 Grad bei der zu der
> Nullstelle gehörenden Grenzfrequenz."
> Nullstelle und Anstieg? Warum wieder Phasendrehung?
Wie gesagt es kommt immer auf den Standpunkt an. Befindet man sich im
Tal ist es ein Aufstieg, befindet man sich am Berg ist es ein Abstieg.