Hallo!
Stefan wrote:
> Bin mir allerdings nicht wirklich sicher wie ich das nachmessen kann?!?
Ich kenne weder dieses Funk-IC noch Deine Schaltung, aber ich vermute
mal, daß da - wie so üblich - ein T/R-Schalter drin ist, entweder extern
oder intern im IC.
D. h. also, daß Du einmal im Empfangsbetrieb und einmal im Sendeberieb
messen mußt.
Für den Empfangsbetrieb ist ein NWA wunderbar geeignet, hier schaltet Du
das Funk-IC einfach in den Empfangsbetrieb und mißt S11. Du solltest
allerdings aufpassen, welche Leistung der NWA abgibt, mehr als 0 dBm
sollte man da keinesfalls in den Antenneneingang hineinjagen. Weniger
ist besser (z. B. -20 dBm), hängt aber davon ab, wie empfindlich die
Eingangssufen sind. Der Grund liegt darin, daß das Funk-IC im
Emfangsbetrieb eine kleine Spannung an seinem Antenneneingang erwartet.
Wenn man da eine vergleichsweise hohe Spannung anlegt, kann es sein, daß
da nichtlineare Verzerrungen auftreten, die die Messung verfälschen.
Wenn Du einen vektoriellen NWA (VNA) zur Verfügung hast, dann
dokumentiere einmal return loss im interessanten Frequenzbereich
(Empfangsfrequenz +/- paar MHz) und einmal S11 als Smith-Diagram. Wenn
Du nur einen skalaren NWA zur Verfügung hast, dann eben nur return loss.
Für den Sendebetrieb ist der NWA möglicherweise nicht so hilfreich, weil
sich der Generator des NWA und die Sende-Frequenz des Funk-ICs
überlagern und es daher ein nicht vorhersehbares Durcheinander
(Interferenz) gibt. Außerdem kann es sein, daß der Eingang des NWA
allergisch auf angelegte Fremd-HF reagiert, wenn diese zu groß ist.
Du kannst probieren, das Funk-IC auf geringstmögliche Sendeleistung zu
stellen (sagen wir mal z. B. -60 dBm oder noch weniger) und mit dem NWA
wie im Empfangbetrieb zu messen (also return loss und S11). Wenn Du
plausible Ergebnisse bekommst, dann freu Dich und dokumentiere diese.
Sollte das nicht zum gewünschten Erfolg führen, weil Du z. B. die
Sendeleistung nicht weit genug reduzieren kannst, dann gibt es noch eine
andere Möglichkeit:
Verwende einen Doppelrichtkoppler und ein Doppel-HF-Millivoltmeter (oder
zur Not zwei Einkanal-HF-Millivoltmeter).
Als Richtkoppler für den Frequenzbereich 100 MHz bis 2 GHz eignet sich
z. B. HP/Agilent 778D, als Doppel-HF-Millivoltmeter ein R&S NRVD mit
entsprechenden Meßköpfen. An den DUT-Port des Doppelrichtkopplers
schließt Du Deine Schaltung an, an den Source-Port einen
Präzisionsabschluß, wie er im Cal-Kit eines Networkanalyzers vorhanden
ist. Ein billiger Abschluß ist hier nicht brauchbar.
An die Meßausgänge des Doppelrichtkopplers schließt Du das
HF-Millivoltmeter an. Das NRVD kann die beiden Signalpegel direkt
miteinander verrechnen und das Ergebnis als return loss in dB anzeigen.
Das ist sehr praktisch, denn nun gibst Du mit Deinem Funk-IC eine
Frequenz auf den Ausgang (CW, keine Modulation!) und kannst direkt
return loss ablesen. Wenn Du nun mit dem Funk-IC verschiedene Frequenzen
auf den Ausgang gibst (z. B. 40 Punkte im Abstand von jeweils 50 kHz
oberhalb der Sendefrequenz, und 40 Punkte im gleichen Abstand unterhalb
der Sendefrequenz), kannst Du im Bereich der Sendefrequenz +/- ein paar
MHz sehr schön Deine Anpassung sehen. Verwende dabei eine Leistung knapp
unterhalb der maximalen Sendeleistung, die das Funk-IC hergibt. Wenn das
Teil z. B. 5 dBm maximal kann, dann mache Deine Messungen bei 3 dBm.
Trage das in ein Diagramm auf, und Du hast einen Plot ähnlich wie bei
einer Messung mit einem NWA.
Generell solltest Du mit Deinem Anpaßnetzwerk eine Anpassung besser als
20 dB return loss hinbekommen (entspricht einem SWR von 1,2). 13 dB
return loss (entsprechend SWR 1,5) funktionieren in der Praxis zwar auch
noch, aber bei einer Diplomarbeit kann man sich schon etwas mehr Mühe
geben! :-)
CU