Die These, Radioaktivität sei der Antrieb der Evolution ist falsch .
Auch einen Mutationsdruck gibt es nicht - wahrscheinlich meinst du
Selektionsdruck .
Grob skizziert funktioniert die Evolution folgendermaßen:
Phase 1 : Erzeugen einer neuen Kombination von Genen
In einer Population kommen die meisten Gene in verschiedenen Varianten
vor - man spricht von Allelen .
Bei der Reifeteilung (http://de.wikipedia.org/wiki/Reifeteilung) wird
das in zwei (leicht unterschiedlichen) Kopien im Chromosomensatz
vorhandene Genom (je ein Satz des Vaters und einer der Mutter) auf zwei
Keimzellen verteilt, die anschließend nur noch über einen
Chromosomensatz verfügen. Hier setzt Stufe 1 des Würfelprozesses ein:
Welche Kopie aus der Vorläuferzelle in welcher Keimzelle landet, ist
zufällig.
Bei der Befruchtung verschmelzen zwei Keimzellen (Ei- und Samenzelle) zu
einer Zelle, die nun wieder über den doppelten Chromosonensatz verfügt.
Das ist Stufe 2 des Würfelprozesses: Welche Samenzelle sich mit der
Eizelle vereinigen kann, hängt nicht nur von deren Fitnes ab, sondern
ist stark von Zufälligkeiten bestimmt.
Bei der Befruchtung entsteht also eine neue Kombination der im
Elterngenom vorkommenden Allele.
Wenn dann das neue Individuum glücklich auf die Welt gekommen ist, setzt
die
Phase 2 : Test auf Fitnes
ein. Das Individuum muß die Geschlechtsreife erreichen - das kann es
aber - trotz starkem stochastischem Rauschen: Wievielen potetentiellen
Einsteins wurde die Karriere durch einen herabfallenden Dachziegel
vorzeitig beendet? - nur, wenn es fit genug ist, in seiner Umwelt
zurecht zu kommen. Hier setzt der Selektionsdruck durch die Umwelt
ein.
Hat er die Geschlechtsreife erreicht, geht das Spiel von vone los...
Es gibt neben dem Auswürfeln noch einige weitere Mechanismen, die
tatsächlich zu mutierten Genen führen können - z.B. Crossing Over und
Kopierfehler - das Allele-Auswürfeln ist jedoch der bei weitem häufigste
Prozeß.
Bei der Kopie von Genen können natürlich auf verschiedene Weise
Kopierfehler passieren - Ursachen gibt es viele - auch ohne
Radioaktivität. Die Mechanismen zur Unterscheidung eigen/fremd des
Immunsystems (Haupthistokompatibilitätskomplex
http://de.wikipedia.org/wiki/Haupthistokompatibilit%C3%A4tskomplex)
beruhen sogar geradezu auf bestimmten Kopierfehlern.
Wie man sich leicht vorstellen kann, führen massive
Chromosomenveränderungen, wie sie durch starke ionisierende Strahlung
entstehen können, meistens nicht zu einer brauchbaren neuen
Genkombination - falls es überhaupt zu einer Befruchtung kommt, ist die
Wahrscheinlichkeit, das der Fötus abstirbt hoch.