Step-Up Transistor laufend defekt

OP #7403751
Lesenswert?

Hallo, für einige Solarmodule (345Wp) habe ich step-up-Laderegler gebaut. Eingang jeweils 1 Modul, Ausgang LiFePo4 15s(->ca 50V). Der Schalttransistor Tr1(CSD19536) geht in unregelmäßigen Abständen kaputt (Kurzschluss zwischen Drain und Source).

Ich habe schon andere Transistoren (150V statt 100V max. UDS) probiert, ohne Verbesserung.

Gerne liefere ich noch weitere Angaben.

Ich hoffe, dass mir jemand helfen kann, meine(n) Fehler zu finden.

Grüße Wilhelm

Angehängte Dateien:
#7403763
Lesenswert?

Wilhelm W. schrieb:

Ich habe schon andere Transistoren (150V statt 100V max. UDS) probiert, ohne Verbesserung.

Gerne liefere ich noch weitere Angaben.

Ich hoffe, dass mir jemand helfen kann, meine(n) Fehler zu finden.

Das Zauberwort lautet EMV. Genauer, der Abschaltvorgang des Transistors ist kritisch. Wenn dein Ausgangsstrompfad nicht HF-tauglich ist, gibt es "nette", sehr kurze Überspannungspulse am Drain und killen dir irgendwann mal den MOSFET. Zeig uns dein Layout.

Wozu sollen D9 uznd D10 gut sein? Angstdioden?

http://www.lothar-miller.de/s9y/categories/40-Layout-Schaltregler

Gast #7403774
Lesenswert?

D10 ist ein riesen Klopper d.h. hat eine große Kapazität. Die treibst Du fröhlich mit. Sinnlos ist die außerdem.

Was regelt den die ganze Chose? Was schützt den Transistor gegen Überstrom, was verhindert Überspannung?

Ist das wieder eines dieser direkt MCU geregelten Netzteile (dsPIC) deren MCU Regelkreis zu langsam ist und mit brachialem Aufwand fast alles schlechter macht als ein dediziertes Schaltwandler IC?

(Firma: Funkenflug Industries) #7403778
Lesenswert?

Naja wenn er am Eingang nur ein PV-Modul hat... damit kriegt er keinen IRFB4110 getötet, zumindest nicht wegen Überstrom.

Aber was mir gerade noch eingefallen ist, wäre es möglich, daß der Akku am Ausgang von einem BMS abgeschaltet wird oder so? Das mögen solche Wandler gar nicht wenn sie dann nicht bei hochlaufender Ausgangsspannung abgeschaltet werden.

#7403822
Lesenswert?

Mark S. schrieb:

33µs Zeitkonstante für den Stromsensor finde ich gewagt. In der Zeit steigt der Strom um 50A.

Da sehe ich auch den Knackpunkt. Bei 33V und 22uH steigt der Spulenstrom um 1,5A/us. Wieviel us dauert es dann, bis der Sättigungsstrom der Speicherdrossel überschritten wird?

Wer sagt denn, daß die Schaltung mit Pulsstrombegrenzung arbeitet? Wenn man es richtig macht, reicht eine Messung des mittleren Stroms, die kann deutlich langsamer erfolgen. Weder das Solarpanel noch der Akku sind schnelle, dynamische Komponenten.

Gast #7403823
Lesenswert?

Mark S. schrieb:

Arno R. schrieb:

33µs Zeitkonstante für den Stromsensor finde ich gewagt. In der Zeit steigt der Strom um 50A.

Da sehe ich auch den Knackpunkt. Bei 33V und 22uH steigt der Spulenstrom um 1,5A/us. Wieviel us dauert es dann, bis der Sättigungsstrom der Speicherdrossel überschritten wird?

Geht schnell, zu schnell.

Angehängte Dateien:
Gast #7403881
Lesenswert?

H. H. schrieb:

7A RMS out bei 350Wp.

Schon, aber der Wirkungsgrad wird eben nur sehr wenig besser.

0,3V bei 7A, verteilt auf die beiden Dioden nach DB. 0,3 x 7 x 2 = 4,2W. <1% gesammt, aber 4,2W die man am Halbleiter wegkühlen muss.

Mit einem zweiten IRFB4110 als synch Gleichrichter sind das ca. 0,05W. Da braucht es nicht mal einen KK.

#7403940
Lesenswert?

Dein R33 ist "etwas" zu niederohmig ;-) Die Masseverbindung zwischen IC3 (Treiber) und TR1 (MOSFET) ist ungünstig. Da kann vom Drain ordentlich induktiv was einkoppeln, außerdem klingelt dein Gate dann mehr. Die Masseanbindung von C13 ist auch schlecht.

Zeichne die Stromschleifen ein und staune.

http://www.lothar-miller.de/s9y/categories/40-Layout-Schaltregler

Richtiges Designen von Platinenlayouts

"Masseflächen können eine Schaltung deutlich verbessern, wenn sie richtig benutzt werden. Sie können aber auch genau das Gegenteil bewirken, wenn sie als automatisches Wundermittel betrachtet werden."

OP #7404106
Lesenswert?

Hier schon mal alle Angaben. die ich ohne weitere Messungen machen kann. (Messungen morgen, wenn die Sonne mitspielt)

D4, D9 und D10 sind tatsächlich Angstdioden, die kann ich natürlich weglassen

Stimmt, der Wandler ist von einem dsPIC33 gesteuert. Geregelt wird auf MPP, d.h. die Einschaltdauer der PWM wird nachgeführt, bis die aufgenommene Leistung maximal ist. Bei 140 KHz dauert ein Takt ca 7,14µs, Einschaltdauer liegt unter 45% (30V -> 50V), also bei max 3,2µs. Heute lag die Einschaltdauer zwischen 30% und 40%

Solarmodul-Daten (LG340N1T-V5) Leerlaufspannung: 40,8V; Spannung im MPP: 34,4V; Kurzschlussstrom: 10,38A; Strom im MPP: 9,89A

Der angeschlossene Akku hat kein Batteriemanagement (nur Balancer), die Überwachung nach oben erledigen die hier behandelten Wandler.

Die Diode D1 statt Synchron-Mosfet hat für mich den Vorteil, dass ich zum Zusammenschalten mehrerer Module keine weitere Diode benötige.

Nach http://schmidt-walter-schaltnetzteile.de/smps/aww_smps.html fängt mit 22µH und 140KHz der nichtlückende Betrieb bei ca 1,25A an. Macht es Sinn, bei darunter liegenden Strömen die PWM-Frequenz zu erhöhen? Der letzte Defekt heute erfolgte bei ca 5A Ausgangsstrom.

Grüße Wilhelm

(Firma: Funkenflug Industries) #7404220
Lesenswert?

Wie gesagt, Überstrom glaube ich nicht. Der IRFB4110 hat kein Problem damit, ein 10..12A Solarmodul immer wieder komplett kurzzuschließen.

Zu heiß wird das Ding ja wohl hoffentlich nicht werden, das sollte de TE ausschließen können.

Ich glaube da müsste man mal Messungen mit dem Oszi machen, aus der Ferne wird das eher schwierig.

(Firma: Hobbytheoretiker) #7404223
Lesenswert?

Wilhelm W. schrieb:

D4, D9 und D10 sind tatsächlich Angstdioden, die kann ich natürlich weglassen

Die Angstdiode D10 haette auch direkt an Drain und Source liegen müssen. Im Layout ist die Schleife zu groß.

Was mir noch im Datenblatt auffällt, wäre der Mosfet hat rund 10nF Gate-Kapazität. Der Treiber ist für rund 1nF Lastkapazität.

https://www.infineon.com/dgdl/Infineon-IRFB4110-DataSheet-v01_01-EN.pdf?fileId=.... Wegen dieser ID funktionieren gepostete Links nicht.

https://ww1.microchip.com/downloads/en/DeviceDoc/21415D.pdf

#7404238
Lesenswert?

Max M. schrieb:

Da gibt es mehrere mögliche Gründe: a. Überspannung b. Überstrom c. Übertemperatur d. SOA überschritten

Hey, das kann man doch in Rammstein-Manier vertonen

Ü-berspannung, Ü-berstrom, Ü-bertemperaturrrrrr!!! Ü-bersprechen, Ü-berlasten, Ü-berladen, Ü-berhitzen!!!

https://www.youtube.com/watch?v=NeQM1c-XCDc

Dein Layout ist Fluch und Segen, mein CE-Zertifikat kann ich dir nicht geben!

;-)

#7404647
Lesenswert?

Wilhelm W. schrieb:

IE_2A.png 1 MB IE_1.2A.png 1,2 MB IE_0.7A.png 1,2 MB

Siehe Bildformate!!! Entweder macht man direkt digitale Screenshots mit dem Oszi und exportiert über den USB-Stick oder man macht, warum auch immer ein Photo mit dem Smartphone/Digitalkamera und speichert als JPG. Siehe Anhang!

Hier noch Bilder der Drain-Spannung

Sieht etwas komisch aus. Langesame Flanken, vor allem die fallende, die eigentlich sehr schnell sein sollte, und ein komisches Ausschwingen in dem einen Bild.

Ich wiederhole mich. Auch wenn du wahrscheinlich keine Lust hast.

Beitrag "Re: Step-Up Transistor laufend defekt"

Angehängte Dateien:
Moderator (Firma: Titel) Persönliche Seite #7404674
Lesenswert?

Falk B. schrieb:

und ein komisches Ausschwingen in dem einen Bild.

Mich würde die zugehörige Gatespannung interessieren.

Falk B. schrieb:

Zeichne die Stromschleifen ein und staune.

Mir scheinen die auf den ersten Blick etwas geräumig/unsortiert...

Wilhelm W. schrieb:

Hier noch Bilder der Drain-Spannung

Screenshots, die digital im jeweiligen Gerät gemacht werden, bitte als PNG, GIF oder WEBP.

Fotos, auch solche von Bildschirmen, bitte als JPG.

Hier noch Bilder der Drain-Spannung

Womit gemessen (analoge Bandbreite)? An welcher Stelle sind Masseklemme und Tastspitze angebracht?

BTW: ein Bildschirmraster ist beim Ablesen oft hilfreich.

#7404755
Lesenswert?

Wie heir schon erwähnt, sind die Schaltflanken viel zu langsam. Ursache ist vermutlich ein zu schwacher Treiber. Dadurch ist der Mosfet zu lange in einem halb eingeschalteten Zustand mit hoher Verlustleistung, so dass er letztendlih den Hitzetod stirbt. Im halb durchgeschalteten Bereich sind Mosfets auch oft thermisch instabil, da die Gate.Source Schewellspannung mit steigender Temperatur sinkt und es in Bereichen zu einem lokalen thermischen "Weglaufen" ähnlich dem Durchbruch 2.Art bei Bipolartransitoren kommen kann. Hier ein Artikel der NASA zu diesem wenig bekannten Problem: https://www.nasa.gov/sites/default/files/files/NESC-TB-10-01_Power_MOSFET_Thermal_Instability-1-28-10_NRB_TECH_BULLETIN_FINAL.pdf

Ich würde es mal mit einem stärkeren Treiber probieren.

#7404780
Lesenswert?

Wilhelm W. schrieb:

Der Schalttransistor Tr1(CSD19536) geht in unregelmäßigen Abständen kaputt (Kurzschluss zwischen Drain und Source).

Offensichtlich stocherst Du im Dunklen. Deine Schaltflanken sind nicht steil. Der TC427 ist mir auch zu schwach. Der Output Widerstand beträgt 6 Ohm. Selbst wenn Du zwei Outputs parallel schaltest dann hast Du immer noch 3 Ohm. Mit welcher Spannung wird der TC427 betrieben?

Ich kann Dir nur empfehlen mit LTspice zu simulieren. Würth stellt für so gut wie jede Induktivität ein Modell bereit. Ob TI für den MOSFET ein Modell hat ist fraglich. Die sind bei Modellen oft proprietär. Aber man kann unter LTspice in der Liste der MOSFET nach ähnlichen Typen suchen, Gate Charge & Ron ... .

Aber wenn es nur die flachen Flanken wären, dann würde der MOSFET heiß werden. mfg Klaus

#7404822
Lesenswert?

Klaus R. schrieb:

Wilhelm W. schrieb:

Der Schalttransistor Tr1(CSD19536) geht in unregelmäßigen Abständen kaputt (Kurzschluss zwischen Drain und Source).

Offensichtlich stocherst Du im Dunklen. Deine Schaltflanken sind nicht steil. Der TC427 ist mir auch zu schwach. Der Output Widerstand beträgt 6 Ohm. Selbst wenn Du zwei Outputs parallel schaltest dann hast Du immer noch 3 Ohm. Mit welcher Spannung wird der TC427 betrieben?

Hier mal ein Treiber, der 10nF Last schnell und bis 9A treiben kann:
http://www.ti.com/general/docs/lit/getliterature.tsp?genericPartNumber=ucc27321&fileType=pdf

#7405092
Lesenswert?

Das Ganze sieht hoffnungslos unterdimensioniert aus. Die Drossel mit Sättigung bei 15,5A ist für 11A sehr knapp. Die Elkos 220µF vertragen vielleicht 1A Ripple, da lachen die 11A darüber. Für hohe Frequenzen hätte ich nen Haufen MLCCs vorgesehen. Auch die Leiterzüge sind verdammt schmal, selbst bei 105µ Dicke.

Sich nur auf die Software zu verlassen, kommt mir auch riskant vor. Ich hab deshalb einen ATtiny261 zur Steuerung verwendet, der hat in Hardware eine Schnellabschaltung über den Analog-Komparator direkt auf die PWM-Ausgänge (Fault Protection Unit). Man kann damit die Steuerung gefahrlos optimieren ohne ständig neue Transistoren zu füttern.

Antwort schreiben

Bitte melde dich an, um einen Beitrag zu schreiben.

oder

Mit Google-Account einloggen

Die Registrierung ist kostenlos und dauert nur eine Minute.

Jetzt registrieren