Elko rauh in AEG-Stroboskop von 1955 ersetzen

OP #7986723
Lesenswert?

Ich habe ein historisches AEG-Stroboskop aus den 50ern, bei dem ich mich angesichts des Glättungselkos am Eingang nichtmal traue, es probehalber einzustecken. Das weiße Gebrösel oben am Überdruckventil scheint nämlich nicht bloß der Rest des Gummistopfens, sondern eher der Rest des Elektrolyts zu sein. Kapazität messen geht nicht, weil die Anschlußdrähte "verschlaucht" unzugänglich sind und nicht ohne weiteres gelöst werden können.

Ungefähr passende Elkos aus der Bastelkiste hätte ich einige, aber ich weiß nicht, was das Stroboskop von dem "Elko rauh" C1, C2 mit 2x16µF 450/550V erwartet.

Dem Schaltplan nach hängt C1 nicht direkt an Netzspannung, sondern an der 250V-Sekundärwicklung eines Trafos, siehe grünes Sternchen. Und der zweite an derselben Stelle hinter einem 10k Widerstand.

Der eigentliche Blitzstrom für die Entladung kommt dagegen von den (Folien?)-Kondensatoren mit 2,75 oder 3,75µF (ich nehme an S1 ist die Intensität) rechts beim roten Sternchen. Die über 4k eher gemütlich vom ersten Elko geladen werden.

Das Stroboskop kann bis 250 Hz, was dann wohl den Rippelstrom von C1 bestimmt. Den auch nur zu schätzen fehlt mir jedoch der intellektuelle Zugang. Bzw. das nötige Fachwissen. :)

Ich habe alte axiale Elkos aus Neonröhren-Vorschaltgeräten. Siemens 43588, extra für hohe Rippelströme, Longlife, Industrie pipapo. Datenblatt im Anhang ("Epcos" ist falsch, aber ich kann den Namen nicht mehr ändern) mit 450V Nennspannung und ausdrücklich angegebene 600V Spitze. Die Spannung ist gar nicht mehr im Datenblatt, aber es sagt für die 350V-Version bei 22µF einen ESR von grob 2 Ohm und einen Rippelstrom von 0,5A. (Der China-Transistortester bestätigt den ESR und die Kapazität.)

Wenn ich das laienhaft anwende, komme ich bei 0,5A * 200V auf 100W mögliche Dauerleistung, die die Blitzröhre wohl gar nicht kann. Die tatsächliche Leistung muß also niedriger liegen, und der Rippelstrom wiederum niedriger als diese.

TLDR: Paßt also so ein 450V, 22µF Elko statt der 16µF? :)

Ich habe leider nur welche mit 10 und 22µF. Das dürfte aber anstelle der 16 unkritisch sein, sowohl bei C1 und erst recht beim C2, der ja nur eine Glättung für den Steuerteil macht?

Alternativ hätte ich auch aktuelle Rubycon BXA aus Schaltnetzteilen mit "nur" 400V, 10µF. Die sind aber winzig im Vergleich zu den Siemens.

Allzuviel will ich gar nicht basteln,denn sonst komme ich von Hölzchen auf Stöckchen und am Ende könnte man das ganze Stroboskop durch blitzende LEDs mit einem Mikrocontroller ersetzen.

Angehängte Dateien:
: Bearbeitet durch User
#7986739
Lesenswert?

Sehr schönes Gerät mit schöner Anleitung (AEG Messwesen: Bedienungsanweisung für Lichtblitz-Stroboskop LS3 und Zusatzgeräte TPW/V 56502 August 1955).

Es gibt 3 Blitzkondensatoren: C14 (0µ75), C13 (2µ0) und C12 (3µ0) laut Plan, bei Dir sind größere eingebaut. 250 Blitze pro Sekunde gehen sicher nur in Schalterstellung S1-7 / dunkel. Die orange blitzende Lampe (Röhre 2: Sylvania / GeneralRadio Strobotron 631-P1, FERRANTI NSP1 Cold Cathode Tetrode Gas Discharge Tube oder Sylvania 1D21SN4) leuchtet dann wegen der geringeren Kondensatorspannung nur sehr dunkel, weil der W11 (4k0) "nicht mit dem Laden nachkommt". Weiß mit Xenon kam erst später.

Gut, dass Du nicht eingesteckt hast: 1: vorher von 220 auf 240 V umlöten 2: die Elkos haben die Formierung verloren, d.h. man muss sie sehr behutsam und langsam (mindestens eine Stunde) wieder an Spannung gewöhnen (Stelltrafo oder Vorwiderstand). 3. Macht man das nicht, kann Dir der Elko um die Ohren fliegen (selbst schon erlebt).

Ich kenne ein ähnlich altes Teil mit Neon-Blitzröhre, das leuchtet schön orange. C1 ist sicher nur mit schwachem Rippelstrom belastet. Das Gerät hat maximal 35 VA (Pdf Seite 2 oben). Die Multivibratorröhre ist eine EDD11.

: Bearbeitet durch User
#7986746
Lesenswert?

Der 2x16µF Becher muß auf jeden Fall sofort raus, bevor das Gerät Spannung bekommt. Die ersatzweise 22µ 450V sollten vorher schon mal langsam formiert werden. Hintergrand ist, dass etwas höhere Stromspitzen zu erwarten sind, die die originalen Gleichrichter knechten könnten. Da frühere Elkos große Toleranzen +100/-50% hatten, hätte ich von der Kapazität her in der Siebung keine Sorgen.

#7986776
Lesenswert?

Wollvieh W. schrieb:

Ungefähr passende Elkos aus der Bastelkiste hätte ich einige, aber ich weiß nicht, was das Stroboskop von dem "Elko rauh" C1, C2 mit 2x16µF 450/550V erwartet.

Eigentlich nichts besonderes. Es ist einfach ein Doppelkondensator. Das "rauh" hat keine anwendungstechnische Bedeutung. Soll nur eine damalige "Hochtechnologie" andeuten, bei der die Elektroden-Folien angeraut wurden, um die wirksame Oberfläche zu vergrößern, bzw. die Kapazitätsdichte zu erhöhen, resultierend in kleineren geometrischen Abmaßen.

Ansonsten gehen sicherlich auch 22µF, denn die alten Elkos hatten ehh massiv große Toleranzen, so dass die 22µF keine sonderliche Herausforderung darstellen.

#7986808
Lesenswert?

Die Bestellnummer des 450V-Doppelelkos von F&T heißt SZ22045025040, im alten Datenblatt (siehe unten) stimmt es noch, im neuen steht fälschlich S22045025040.

Datei: C:\eigen\kond\wüstens_SZ-ELKOS.pdf Titel: Microsoft Word - FTCap2003.doc Autor: js Erstellt am: 15.01.2004 09:01:50 Geändert am: 15.01.2004 10:02:47 Anwendung: ADOBEPS4.DRV Version 4.50 PDF-Urheber: Acrobat Distiller 5.0.5 (Windows) PDF-Version: 1.4 PDF-Optimierungen: Schnelle Webanzeige Dateigröße: 212,75 KB (217.858 Bytes) Anzahl der Seiten: 4 Seitengröße: 21,0 x 29,7 cm (A4)

Jan Wüsten verkauft die 550V-Version für gutes Geld, scheinbar eine Custom-Version, da sie nicht im Katalog steht. https://www.die-wuestens.de/k1.htm KON6616 SZ16055025040 Doppelelko 16+16uF 550V für 19 Euro KON6632 SZ32055025054 Doppelelko 32+32uF 550V für 22 Euro https://www.die-wuestens.de/kd/SZ-ELKOS.pdf https://www.die-wuestens.de/kd/KON6616.pdf https://www.die-wuestens.de/kd/KON6632.pdf

Die ähnliche SH-Serie hat 105°C, gibt es aber nur als Einzel-Elko.

: Bearbeitet durch User
Gast #7986927
Lesenswert?

Arno H. schrieb:

Den Eingangsspannungswähler würde ich auf 240V setzen.

Japp.

Wollvieh W. schrieb:

Ungefähr passende Elkos aus der Bastelkiste hätte ich einige, aber ich weiß nicht, was das Stroboskop von dem "Elko rauh" C1, C2 mit 2x16µF 450/550V erwartet.

Dann nutze doch Deine Passenden, ansonsten steht alles im Plan - da gibts zwei Eich- und ein Regelwiderstand, das Gerät läuft netz- oder fremdsynchron, erwartet demnach keine spiegelglatten Experimente, aber auch keinen allzu rauen Wechselstrom. Das damalige rauh betrifft nur die interne Elektrodenoberbläche und ist obsolet bzw. irreführend bei der Wahl.

Ich bliebe bei den Werten im Schaltplan und nähme heute z.B. 2x16/400 aus 2x(10 + 5) parallel, ein µ gehört der Toleranz. Danach würde ich das Gerät nach Anleitung nachjustieren und gut ist. Die Stahlröhren vertragen das locker.

Wem auch die historische Optik was bedeutet kann sich spielen und den Originalbecher aushöhlen, neu beschriften, lackieren usw.

#7986932
Lesenswert?

Zur Unterscheidung von Elkos mit geätzter (rauh) Anodenfolie stand auf den Typen mit ungeätzter Folie gelegentlich auch "glatt" drauf.

Kann man auch gut sehen wenn so ein Elko zerlegt wird. Die alten glatten Folien glänzen wie Haushalts-Alufolie und die geätzten sind mattgrau und fühlen sich wie feines Schleifpapier an.

Gast #7986937
Lesenswert?

Dieter W. schrieb:

Kann man auch gut sehen wenn so ein Elko zerlegt wird. Die alten glatten Folien glänzen wie Haushalts-Alufolie und die geätzten sind mattgrau und fühlen sich wie feines Schleifpapier an.

Oh, als Lametta für Weihnachtsdeko also noch gut, oder für Sinnvolleres? Der Elkoböller ist ja bekannt. Mir ist einer im Zimmer explodiert - war ein Sonderangebot, da lernte ich lautstark, keinem Sonderangebot zu trauen, das nicht sofort verzehrt werden kann.

BTW wärs interessant ob Elektrolyt berührungsgiftig ist...

OP #7986980
Lesenswert?

Torsten B. schrieb:

Es gibt 3 Blitzkondensatoren: C14 (0µ75), C13 (2µ0) und C12 (3µ0) laut Plan, bei Dir sind größere eingebaut.

Ich denke mal, der Blechblock vorne links könnte einer davon sein.

Die orange blitzende Lampe (Röhre 2: Sylvania / GeneralRadio Strobotron 631-P1, FERRANTI NSP1 Cold Cathode Tetrode Gas Discharge Tube oder Sylvania 1D21SN4) leuchtet dann wegen der geringeren Kondensatorspannung nur sehr dunkel, weil der W11 (4k0) "nicht mit dem Laden nachkommt". Weiß mit Xenon kam erst später.

Klingt interessant, ein orangenes Strobo wäre was besonderes. Dazu muß ich aber erstmal an die Röhre herankommen. Dieses Jahr nicht mehr. :)

Gut, dass Du nicht eingesteckt hast: 1: vorher von 220 auf 240 V umlöten 2: die Elkos haben die Formierung verloren, d.h. man muss sie sehr behutsam und langsam (mindestens eine Stunde) wieder an Spannung gewöhnen (Stelltrafo oder Vorwiderstand).

Das habe ich mal mit einem Broncolor-Studioblitz aus den 70ern gemacht. Die Elkos sahen aus wie ein Bündel Dynamit aus einem Western und der Umgang mit ihnen hat sich auch ähnlich angefühlt. :)

C1 ist sicher nur mit schwachem Rippelstrom belastet. Das Gerät hat maximal 35 VA (Pdf Seite 2 oben). Die Multivibratorröhre ist eine EDD11.

Das heißt, vom ESR und zulässigem Rippelstrom paßt praktisch jeder moderne Elko?

Frank L. schrieb:

Der Becherelko sieht aus als hätte er eine M18 Zentralbefestigung. Wenn du keine fliegenden Basteleien haben willst könnte ein F&T Serie SZ der passende Ersatz sein, allerdings als 22+22µF/450V. Ich hänge das DB mal an.

Das ist ja interessant, daß es sogar Doppelelkos noch in neu gibt. Eigentlich sind die ja ausgestorben wie axiale Typen.

Thomas W. schrieb:

Curious Marc repariert gerade was ähnliches: https://youtu.be/6zEnetFmy00

Witzig. Von dem habe ich gerade auch außerhalb Youtube gehört (bzw. gesehen), in der Arte-Doku "Silicon fucking Valley".

Karl B. schrieb:

Ein gemeinsame Minus-Wickel und zwei Plus-Wickel. Und Elektrolyt riecht wie Salmiakgeist.

Das ist ja schon fast Alu-Blech und nicht mehr nur Folie. Kein Wunder vertragen die älteren Typen höhere Belastungen.

Nach meiner Erinnerung war "Elko rauh" aber nicht nur höhere Kapazität, sondern auch mehr Strom(-verträglichkeit) und geringerer ESR. Waren Blitzelkos nicht auch rauh?

: Bearbeitet durch User
Gast #7986993
Lesenswert?

Jens G. schrieb:

Karl B. schrieb:

Und Elektrolyt riecht wie Salmiakgeist.

Jetzt musst Du nur noch erklären, wie Salmiakgeist riecht.

Stechend.

Silvester schrieb:

BTW wärs interessant ob Elektrolyt berührungsgiftig ist...

Du fällst sofort um ...

Ganz tot! Oder sogar noch töter...

Die alten Elkos hatten üblicherweise einen Borsäure/Ammoniumborat-Puffer in Wasser mit Ethylenglykol oder Glycerin als Elektrolyt.

Gast #7986999
Lesenswert?

Jens G. schrieb:

H. H. schrieb:

Jens G. schrieb:

Karl B. schrieb:

Und Elektrolyt riecht wie Salmiakgeist.

Jetzt musst Du nur noch erklären, wie Salmiakgeist riecht.

Stechend.

Stimmt. Ich war jetzt irgendwie bei Ammoniumchlorid, aber das heißt ja nur Salmiak.

"Die ich rief, die Geister Werd’ ich nun nicht los."

#7987002
Lesenswert?

Moin,

Wolle, wäre es Dir bitte gelegentlich möglich zusätzliche Nahbilder der Konstruktion hier vorzustellen? Ich finde diese Ära der Elektronik sehr interessant und "photogen". Auch eine Gesamtaufnahme des Gehäuses und Blitzreflektor würde mich sehr interessieren.

Wünsche auch viel Erfolg bei der Reparatur. Stroboskope sind sehr nützliche Geräte und meines hat mir vor vielen Jahren beim Design einer CNC-Spindel sehr geholfen das Laufverhalten bei sehr hohen Umdrehungszahlen zu verfolgen und Lager Fehler zu analysieren. Glückwunsch zu diesem schönen Messgerät.

Gruß, Gerhard

#7987051
Lesenswert?

(ich nehme an S1 ist die Intensität) rechts beim roten Sternchen.

S1 ist der Schalter, mit dem man den Frequenzbereich (einstellt. Bei hoher Frequenz gibt es nur noch dunkle Blitze. 1: 3,75 - 15 Hz ( 225 - 900 RPM) 2: 15 - 60 Hz ( 900 - 3600 RPM) 3: 60 - 250 Hz (3600 - 15000 RPM) Ich baue generell gerne NTCs zur Einschaltstrombegrenzung ein, so etwas: NTC, 33 Ω, ±20 %, 3.6 W, 3300 K, 0.017 W/K, 90 s, THT, B57237S0330M000 Bürklin 80E6588 2,06 @1 1,29 @10 Euro https://www.buerklin.com/de/p/tdk-epcos/heissleiter/b57237s0330m000/80E6588/

Beim Einbauen aufpassen: der NTC muss heiß werden können, also die Anschlussdrähte lang lassen. Je stärker er gekühlt wird, umso mehr heizt er. Bei dieser geringen Last wird er kaum warm. Leider sind die hochohmigeren (47, 60 und 120 Ohm) nicht auf Lager.

: Bearbeitet durch User
OP #7987132
Lesenswert?

NTCs findet man zuverlässig zum Ausschlachten in Schaltnetzteilen. Anhand der Leistungsklasse (des Netzteils) kann man sogar grob die gewünschte Größe aussuchen. Und das selbst feiertags und in der tiefen Nacht, bei Selbstauslötung nach EU-Recht.

Aber für mich ist die Wertebestimmung für das Gleichgewicht, das sich da zwischen Leiten und Heizen einstellen soll, ein böhmisches Dorf mit sieben Geißlein, äh Ziegeln.

Dem Selengleichrichter dürfte es wohltun, wenn er nicht ganz so gequält wird.

Allerdings sitzt der Ladeelko hier ja nicht direkt am Netz, sondern hinter einem Trafo, der naturbedingt nicht ganz soviel Kurzschlußstrom liefern kann wie das Kraftwerk Sottrup-Höcklage.

Antwort schreiben

Bitte melde dich an, um einen Beitrag zu schreiben.

oder

Mit Google-Account einloggen

Die Registrierung ist kostenlos und dauert nur eine Minute.

Jetzt registrieren