Man arbeitet ja nicht täglich mit Ge-Leistungstransistoren - kennt jemand noch die Werbefigur "Oliver Germanium" aus den 70er und 80er Jahren ? Es gab mit seinem bärtigen Konterfei halbseitige Anzeigen in ED (Elecronic Design) und Electronics (McGraw Hill).
Mir fiel jetzt ein Transistorverstärker eines Fender Rhodes Pianos Suitcase in die Hände. Der Typ nennt sich 80W Peterson Design (der sog. 4-Pin Amp).
Die Endstufen werden betrieben mit 2x Delco 120725 an +/- 35 DC und 16 Ohm Last. Für die Vorstufen werden in einem seriengeregelten Netzteil 25V erzeugt.
Als ich das Teil stufenweise in Betrieb nahm, fehlten die 25V im Netzteil und beim Durchmessen fiel mir der ebenfalls darin befindliche Delco 120725 auf, den ich mit dem Ohmmeter, in der üblichen Weise mit einem Drehspul-Ohmmeter x10 Bereich durchmaß: B-E B-C Durchgang/Umpolen. Und noch C-E gemessen und da maß ich plötzlich Durchgang ca. 150 Ohm und noch mal umgepolt, auch Durchgang 20 Ohm. Kaputt, dachte ich sofort. Bevor die neuen kamen (Pärchen Delco 120725 79€ *), habe ich einen AD140 ins Netzteil eingebaut und dann waren die 25V da. Heute kamen die Delco, ich messe wieder den EC Durchgang mit der unterschiedlichen Ohmzahl, bei beiden (wahrscheinlich keine Neuware oder NOS, man sieht Schraubspuren am TO-3 Befestigungsloch).
Jetzt meine Frage: ist das vielleicht bei Germanium Transistoren normal? Oder ist da noch eine Flybackdiode drin? Anm.: mein Ohmmeter hat eine 3V Batterie drin.
Nein, keine Varta Stabbatterie aus den 80ern. Aber mein Ohmmeter ist tatsächlich aus den 70ern, ein ICE Milano Supertester 680E. Aber Messungen mit modernen DMMs ergeben das gleiche.
ist das vielleicht bei Germanium Transistoren normal?
Nö. Ge ist zwar nicht ganz so hochohmig im Sperrbetrieb wie Si, aber niederohmig ohne Ansteuerung der Basis in dem von dir gemessenen Bereich bedeutet kaputt.
Könnte wetten, das es keinen Umtausch gibt. Sie haben dich betrogen. Ausserdem hast du ja den AD140 zum Vergleich, der in der Schaltung spielt. Nimm die AD140 aus der Kiste und restauriere damit den Amp.
Die Schaltung liegt mir natürlich ebenfalls vor.
Das wird z.T. auch gemacht. In diesem Falle sollte der Amp aber restauriert werden zum Originalzustand.
In Hof in der Königstrasse Naehe Bahnhof, waere am Wochenende im Schaufenster eines geschlossenen Geschaeftes noch Sortierregale mit AD und BD Transistoren gestanden.
An Betrügen denke ich nicht gleich. Der Lieferant ist eigentlich sehr kulant und ich bin noch nicht überzeugt, daß die wirklich kaputt sind. Das BE/BC Durchlass/Sperrverhalten ist in Ordnung. Es gibt dummerweise kein Datenblatt des Delco 120725
Aber weshalb unbedingt Germanium? Einfach Silizium rein und Arbeitspunkt
neu einstellen.
Vor vielen Jahren hatte ich mal einen Minispion für 100MHz gebaut. Der wurde von einer einzelnen Solarzelle gespeist, also ca. 0.4V. Dieser Minispion bestand aus einem AF139. Welchen Si-Transistor diese Anwendung empfielst und welchen Arbeitspunkt?
Es gab mal Ge-Leistungstransistoren aus Ungarn.
5NU74, wenn ich mich richtig erinnere. Bei denen hätte man auch in alle Richtungen
nur Widerstände von einigen 100 Ω messen können.
Entsprechend fiel auch der Ruhestrom einer damit aufgebauten Endstufe aus.
Die brauchten eine wirklich gute Kühlung, sonst neigten sie zum thermischen
"Durchgehen".
Es kann also durchaus sein, dass die Transistoren so wie sind, in einer dafür
ausgelegten Schaltung normal funktionieren.
Aber immer auf die Temperatur der Kerlchen achten!
Wenn sie warm werden, werden die Restströme noch grösser.
Tipp:
Schalte eine KFZ-Glühbirne zwischen Stromversorgung und Verstärker.
Ohne Aussteuerung sollte die nur mild glimmen. ☺
Germanen, die lange gelgert wurden, leiden unter sog. "Tin Whisker", dabei wachsen winzige Kristalle (Dendriten) aus der verzinnten Oberfläche des Gehäuses und können Kurzschlüsse verursachen.
Jetzt meine Frage: ist das vielleicht bei Germanium Transistoren normal?
Bei Germanium Transistoren ist es normal, daß sie einen Reststrom haben.
Schließ mal Basis und Emitter kurz und messe nochmal Durchgang von
von Kolektor nach Emitter, dann müßte der Reststrom deutlich kleiner
sein. Der Reststrom sollte natürlich nicht so groß sein, daß sie
garnicht mehr zu gebrauchen sind.
Frage etwas OT: Die Leistungstransistoren der beiden Endstufen (Stereo) sind mit der üblichen Glimmerscheibe im TO-3 Umriß auf den Kühlkörper montiert. Da beidseitig etwas Wärmeleitpaste auf die Glimmerscheibe aufbringen, kann doch nicht schaden, oder?
Germanen, die lange gelgert wurden, leiden unter sog. "Tin Whisker",
dabei wachsen winzige Kristalle (Dendriten) aus der verzinnten
Oberfläche des Gehäuses und können Kurzschlüsse verursachen.
Die hätten aber vermutlich dann weniger als 100Ohm.
Aber mein Ohmmeter ist tatsächlich aus den 70ern, ein ICE Milano
Supertester 680E.
Oh, das Messgerät hatte ich früher auch einmal. Das war damals super und
hat mir lange Zeit sehr gute Dienste geleistet!
Diese Geräte hatten den Vorteil, das sie keinen, störanfälligen Drehschalter
hatten. Dafür war dann die Bedienung etwas umständlicher. Die höhere Genau-
igkeit moderner Digitalmultimeter wird sowieso bei Schaltungsentwicklungen
nur selten benötigt
Endstufen mit Trafo-Phasenumkehr waren auch in den 6-Transistor Taschenradios gang und gäbe.
Erst Treiberstufe und Endstufe mit Trafo, irgendwann kam man dann auf die Ide nur
die Treiberstufe mit Trafo zu machen. Als es dann genügend NPN und PNP Transistoren gab,
ging es dann bequem ohne Trafos.
Erst Treiberstufe und Endstufe mit Trafo, irgendwann kam man dann auf
die Ide nur
die Treiberstufe mit Trafo zu machen.
Sinnlose Streiterei ohne Bezug zur Ursprungsfrage.
Für die Röhrentheoretiker: Es gab auch da Gegentaktendstufen, deren Ansteuerung die Phasendrehung ohne Trafo per Röhre machte. Der Ausgangstrafo ist natürlich nicht verzichtbar, 8 Ohm direkt an der Röhre geht nicht.
Lange her, haben wir Transistorverstärker mit Ausgangstrafo gefertigt, Brücke mit 300 Watt Sinus aus +/- 28 Volt. Die Eingangsimpedanz des Übertragers schätze ich auf knapp ein Ohm.
Die Schaltung ist schon etwas verrückt. Da hat wohl ein Röhrenfreak
versucht einen Transistorverstärker zu bauen. OK, das war früher nicht
so einfach.
Übrigens, mein erster selbstgebauter Verstärker war auch ein
Röhrenverstärker.
mfg Klaus
Ach. Dann seh dir mal die Schaltungen der amerikanischen PolizeiSirenen von Federal Signal an. Da steckt ein dicker 100Watt RingkernTrafo drin, zwei dicke Transistoren und selbstverständlich ein etwas kleinerer Treibertrafo für die Phasenumkehr. Bei Mikrofonbetrieb wird auch ordentlich(!) Ruhestrom verbraten, im Signalbetrieb wird das abgeschaltet.
Ich habe knapp 15Ampere bei 12V im Sirenenmodus (yelp) am Netzteil gemessen.
Deine Germanium-Transistoren haben sich einige milliampere Ruhestrom. Das ist ja schon der Messstrom im Widerstandbereich. Klar, dass das Multimeter in beiden Richtungen fast das gleiche anzeigt.
Bemerkenswert, was es damals für leistungsfähige Germanium Transistoren gab. GD180 oder GD243(?) war schon „viel“, maximal hat man mal einen ASZ1015 gesehen. Und die Kisten hatten auch immer einen TreiberTrafo. Waren in den alten Vermona Regent 1000H nicht sowas verbaut, oder waren die „etwas neuer“ mit Silizium aufgebaut?
Heute kamen die Delco, ich messe wieder den EC Durchgang mit der
unterschiedlichen Ohmzahl, bei beiden
Bei einigen mA Reststrom der Ge-Leistungstransistoren wird Deine "Messung" so nicht zuverlässig funktionieren. Mach es wie Manfred oben schon schrieb: mit Messschaltung od. ähnlich wie im EK https://www.elektronik-kompendium.de/sites/slt/1506291.htm
...
Für die Röhrentheoretiker: Es gab auch da Gegentaktendstufen, deren
Ansteuerung die Phasendrehung ohne Trafo per Röhre machte. Der
Ausgangstrafo ist natürlich nicht verzichtbar, 8 Ohm direkt an der Röhre
geht nicht.
...
Und die Röhrenpraktiker konnten Single-Ended Push-Pull Verstärker für 25...50W Ausgangsleistung an 4 Ohm Lautsprechern ganz ohne Übertrager mit passenden Röhren bauen.
OT: Deine Schaltung mit der teuren Doppeltriode 6S33S (russisch 6C33C) aus der MIG25 hat 2 verschiedene Hersteller: Uljanowsk und später schlecht nachgebaut von Svetlana.
Quelle: https://www.frihu.com/roehrentechnik/6c33c/
Nachteil der eisenlosen Schaltung ist natürlich, dass man diese Lautsprecherdrähte nie anfassen sollte, da keine solide galvanischen Trennung zu erwarten ist und die Elkos 4700µF/200V nicht besonders kleine Maße und Preise haben werden.
Zurück zum Thema Ge-Tansistoren und Reststrommessung des TO
OT: Deine Schaltung mit der teuren Doppeltriode 6S33S (russisch
6C33C) ...
Nachteil der eisenlosen Schaltung ist natürlich, dass man diese
Lautsprecherdrähte nie anfassen sollte, da keine solide galvanischen
Trennung zu erwarten ist und die Elkos 4700µF/200V nicht besonders
kleine Maße und Preise haben werden.
Zurück zum Thema Ge-Tansistoren und Reststrommessung des TO
Naja, die russische 6C33C hatte Pollin mal sehr preiswert im Angebot, glaube so um 25€ war das.
Mit dem 220V(230V) Trenntrafo für die Anodenspannung der OTL-Endstufe mit den 6C33C hat man eine galvanische Trennung der Spannungen der Lautsprecheranschlüsse.
Aber richtig, ohne den Trenntrafo hat man keine galvanische Trennung und davor wird dann auch gewarnt, wenn man aus Kostengründen auf den Trenntrafo verzichtet.
Ich kenne Delco von US-Autoradios und die haben für ihre Produkte US-Halbleiter umgestempelt. Es könnte sich lohnen den Originalhersteller herauszufinden.
Evtl. haben sie auch brauchbare Paare zusammengestellt? Statron hat z.B. auch gern speziell ausgemessene Transistoren benutzt. Evtl. hilft auch eine parametrische Suche. Leider bin ich mir nicht sicher, ob das auch bei den Ge-Oldies irgendwo möglich ist.
Ich kenne Delco von US-Autoradios und die haben für ihre Produkte
US-Halbleiter umgestempelt. Es könnte sich lohnen den Originalhersteller
herauszufinden.
Das wird Motorola sein, aber die hatten in der Zeit einige in Frage kommende Germanen.
Und wenn man dem Datenblatt zum DTG-110B trauen kann (siehe Anhang, das findet man zum DTG-110B) kommt der von der "Germanium Power Devices Corporation", heute "GPD Optoelectronics".