Forum: Mikrocontroller und Digitale Elektronik STMicroelectronics: Azure RTOS im Fokus


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von Tam H. (Firma: Tamoggemon Holding k.s.) (tamhanna)


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Der Codegenerator von STMicroelectronics bietet Entwicklern seit jeher die Möglichkeit, FreeRTOS in Projektskelette einzubinden. Auf einem Webinar demonstrierte STM nun die Azure RTOS-Integration, und sprach unter Anwesenheit eines Microsoft-Mitarbeiters über die zukünftige Echtzeitbetriebssystemstrategie.

Am Wichtigsten ist X-CUBE-AZRTOS-H7: das Erweiterungspaket für CubeIDE 1.6 bzw. CubeMX 6.2 ermöglicht die grafische Konfiguration von Azure RTOS für den STM32H7 – die von CUBE generierten Projektskelette nehmen so auf Wunsch die verschiedenen Module des ehemals als ThreadX bekannten Betriebssystems auf. CubeIDE 1.7, erwartet bit Mitte Juni, erweitert dann die Threading-Analysemöglichkeiten des Debuggers.

In nicht allzu ferner Zeit bekommen auch andere Controller Unterstützung für ThreadX – die Abbildung zeigt die offizielle Timeline.

Angemerkt sei, dass der Lizenzvertrag zwischen Microsoft und STMicroelectronics explizit für alle Controllertypen gilt. Wer Azure RTOS von Hand auf einen F1 oder F0 portieren will (explizite Aussage im Webinar), kann und soll dies tun. Explizit erwähnt wurde auch der WB, dessen zweiter Kern als “normally blackboxed” bezeichnet wurde: am M4-Kern darf man ThreadX einsetzen.

Vom Umstieg

STMicroelectronics bietet Entwicklern, die bisher mit anderen Echtzeitbetriebssystemen gearbeitet haben, Unterstützung beim Wechsel an. Neben der universell bekannten Compatibility Layer – denken Sie an eine Art Reimplementierung der API – für FreeRTOS gibt es, exklusiv für den STM32, auch ein solches Produkt für CMSIS OS. FreeRTOS erreicht damit bei STMicroelectronics “end of line”. Während das System für alle schon am Markt befindlichen Microcontroller weiter Unterstützung findet, steht es bei neuen Controllern (ab incl. Dem U5) nur noch zur manuellen Integration aus den GitHub-Quellen heraus zur Verfügung.

Vom Flurfunk

Wie immer gilt, dass das wirklich Interessante zwischen den Zeilen gesagt wird. STMicroelectronics plant – so es ob der pandemischen Situation möglich ist – in der gesamtem EMEA-Region 30 Workshops zum Thema abhalten. Im Bereich des GUI-Stacks standardisiert man sich nicht auf GuiX: die hauseigene TouchGFX-Lösung bleibt der bevorzugte Weg zur Realisierung von GUIs im Hause STM. Der Lizenzvertrag mit Microsoft gibt dem Entwickler aber auch hier Auswahlmöglichkeit – wer GuiX von Hand in sein Projekt integrieren will, muss keine Extrakosten bezahlen. Dieser paradiesische Zustand der Kostenlosigkeit endet, wenn man die “safety critical certification”-Aspekte von Azure RTOS in Anspruch nehmen möchte. Microsoft lässt sich die Herausgabe der notwendigen Dokumente laut STM entlohnen – erste Anlaufstelle ist hier der Field Application Engineer von STM. Über die diesbezüglichen Kosten hüllte man sich während des Webinars übrigens in Schweigen.

Fazit

Wer – im Moment – ein auf FreeRTOS basierendes Design mit STM-Mikrocontrollern umsetzt, muss sich keine Gedanken machen – die Plattform wird überall, wo sie schon vorhanden ist, weiter unterstützt. Bei neuen CPUs (ab incl. dem U5) sollte man die Situation allerdings reevaluieren: wer von CUBE abhängig ist, muss umdenken.


: Verschoben durch Admin
von Thomas W. (dbstw)


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Moin, -

das Webinar war schon recht interessant. Was man mitnehmen muss: 
FreeRTOS ist in ein - zwei Jahren depreciated und fuer die neue 
Controller wird da nicht mehr viel gemacht (so grosse technische 
Erfindungen waren wohl auch nicht mehr da. So ist das halt bei einer 
guten Erfindung).


Man muss sich so oder so im klaren sein: MS macht nichts fuer Umme. Wenn 
MS jetzt ein RTOS aufbaut, geht es natuerlich erstmal um 
Marktdurchdringung. Die Lizenzen fuer alle ST-Chips kosten MS nichts, 
IOT ist jetzt hot, wenn AZURE-RTOS dann die kritische Masse erreicht ist 
(genuegend Entwickler auf AZURE-RTOS) kann man die Lizenz fuer die 
Neuentwicklung auf eine neue Lizenz setzen, die vielleicht nicht so 
vorteilhaft sind. Aber vielleicht bin ich ja nur ein wenig negativ (so 
wie bei Qt oder MySQL, vielleicht sind Abos eigentlich eine gute Sache 
(TM)).

Eine Sache fiel mir noch auf: STMicro (oder MS) hatte sehr stark darauf 
hingewiesen, das sehr viele Komponenten bereits zertifiziert sind. Das 
ist einfach ein Vorteil, richtig monetaer.

Quidquid id est timeo Danaos et dona ferentes.

Gruesse

Th.

: Bearbeitet durch User
von Tam H. (Firma: Tamoggemon Holding k.s.) (tamhanna)


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Thomas W. schrieb:
> Man muss sich so oder so im klaren sein: MS macht nichts fuer Umme. Wenn
> MS jetzt ein RTOS aufbaut, geht es natuerlich erstmal um
> Marktdurchdringung. Die Lizenzen fuer alle ST-Chips kosten MS nichts,
> IOT ist jetzt hot, wenn AZURE-RTOS dann die kritische Masse erreicht ist

mE nach ist die Sache viel einfacher.

Nachdem Amazon Real Time Engineers gekauft hat...bekam man bei Microsoft 
das, was der Amerikaner FOMO nennt. Fear of Missing Out.

Und ja, natürlich will Microsoft irgendwann kassieren. Die Frage ist 
nur, was der Markt an Preis erlaubt - Amazon wird sich ja aus dem 
RTOS-Markt nicht zurückziehen...

von Operator S. (smkr)


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Gibt es eine Aufzeichnung des Webinars? Kann das jemand zur Verfügung 
stellen?

von Tam H. (Firma: Tamoggemon Holding k.s.) (tamhanna)


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Hallo,
STM schicken es normalerweise ein paar Tage nach dem Webinar an alle 
Teilnehmer raus. Wenn du mir ein Email sendest an tamhan aeht tamoggemon 
rundesding comm sende ich es dir wenn ich es bekomme.

von Tam H. (Firma: Tamoggemon Holding k.s.) (tamhanna)


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von J. V. (janvi)


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Ob das nun chinesische ESP32 (closed source HF Frontend) oder Microsoft 
ist was angeblich nichts kosten soll ist gleich suspekt. Vielleicht noch 
mit Hologramm Aufkleber und Lizenzaktivierung durch einen Microsoft 
Server? Oder noch besser einen Debugger in der Cloud als Abomodell so 
daß nebenbei die Applikationen gleich abgegriffen werden können? Auf 
meinen Controllern läuft kein Byte das ich nicht kenne. Vielleicht merkt 
MS ja wieder mal daß damit das Unternehmen nicht saniert werden kann und 
es gibt irgendwann auch einen Rohrkrepierer wie WindowsCE und Windows RT 
das schon waren.

: Bearbeitet durch User
von Philipp Klaus K. (Firma: Albert-Ludwigs-Universität) (pkk)


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Der Hauptnachteil von Azure ist, dass es nicht frei ist. Un die Lizenz 
ist auch recht restriktiv (z.B. Verbot der Portierung auf andere µC - 
Liste der erlaubten µC: 
https://github.com/azure-rtos/threadx/blob/master/LICENSED-HARDWARE.txt).

FreeRTOS ist frei (MIT).

von J. V. (janvi)


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Es hat den gleichen Nachteil wie auch github: Es wurde von Microsoft 
aufgekauft. Viele relevante Open Source Projekte wechseln deshalb 
zwischenzeitlich auf Gitlab

von Thomas W. (dbstw)


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Moin, -

Philipp Klaus K. schrieb:
> Der Hauptnachteil von Azure ist, dass es nicht frei ist. Un die Lizenz
> ist auch recht restriktiv (z.B. Verbot der Portierung auf andere µC -
> Liste der erlaubten µC:
> https://github.com/azure-rtos/threadx/blob/master/LICENSED-HARDWARE.txt).

das ist SO nicht ganz richtig: Du darfst das jederzeit portieren, aber 
wenn Du das Ergebnis verkaufen willst (oder vielleicht nur 
veroeffentlichen moechtest) musst Du eine Lizenz von MS erwerben (per 
Stueckzahl).

D.h.: Der Entwickler macht die Arbeit, MS bekommt den Lohn. Geniale 
Arbeitsteilung, oder?

> FreeRTOS ist frei (MIT).

Gruesse

Th.

von Gerd E. (robberknight)


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Ich seh die Gefahr von dem Azure RTOS eigentlich eher in der 
unkalkulierbaren Geschäftsstrategie. Also was passiert, wenn Microsoft 
in 2-3 Jahren merkt daß es sich nicht lohnt und sie lieber einen anderen 
Trend reiten wollen?

Die killen das dann ruck zuck und ohne großes Vertun. Siehe Windows 10 
Mobile, die Intel Quark Serie usw.

Dann hat man seine ganzen Produkte darauf aufgebaut und steht jetzt im 
Regen. Im Gegensatz zu einem OpenSource-Projekt darf man den RTOS-Teil 
hier auch nicht selbst weiterentwickeln (oder jemanden beauftragen das 
für einen zu tun).

Teilweise sind die Lizenzbedingungen von Microsoft auch so restriktiv, 
daß man nach einer gewissen Zeit die Produkte gar nicht mehr verkaufen 
darf, auch nicht in unveränderter Form. Ist z.B. bei Windows CE Lizenzen 
so.

von Gl (Gast)


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Für Hobby bestimmt Klasse, aber die kommerzielle Nutzung bei diesem 
Lizenzmodell wäre wahnsinnig.

von Tam H. (Firma: Tamoggemon Holding k.s.) (tamhanna)


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von ~Lolita~ (Gast)


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Nicht schlecht...

Ob Microsoft auch ne "Community Edition" herausrückt?
Der Flurfunk hat nämlich gerad gemeldet, das Renesas
wenigstens teilweise auf FreeRTOS setzt...  :-P

Jetzt, wo wir ja wissen, das auch Wolken brennen können,
muß auch der Freiwilligen Feuerwhr ein RTOS zur
Verfügung stehen.


mfg

von J. V. (janvi)


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Vielleicht ist es ja erst mal die Feuerprobe für ST Azure am U5 
einzuführen. Ein Low Power Chip ohne Ethernet wo doch ein einfach in 
Betrieb zu nehmender TCP/IP Stack zu den Stärken von Azure gehören 
dürfte. Die Unique ID des U5 passt hingegen wieder perfekt zu den 
Taschenspielertricks mit eventuell vorgesehenen Lizenmodellen

von Gerhard O. (gerhard_)


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Thomas W. schrieb:
> Quidquid id est timeo Danaos et dona ferentes

Beware of strangers bearing gifts...

von c-hater (Gast)


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Gerhard O. schrieb:
> Thomas W. schrieb:
>> Quidquid id est timeo Danaos et dona ferentes
>
> Beware of strangers bearing gifts...

Das ist zwar eine sehr freie Übersetzung, aber trifft durchaus den Kern, 
den die griechischen Klassiker vor über 2000 Jahren gemeint und den die 
Römer dann schön geklaut und in ihre eigene Kultur verwurstet haben...

Wer mehr darüber wissen will, kann in der Wikipedia unter 
"Danaergeschenk" nachschauen...

von ~Lolita~ (Gast)


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Die Engländer haben doch wirklich ne blumige Sprache! :-P

Gift wird ja bekanntlich in "Giftflaschen" aufbewahrt.
Das ist ne Flasche, die mit eigeschliffenen Glasstopfen
augerüstet ist, über den nochmal eine eigeschliffende
Glashaube gestülpt ist. Damit wirklich nichts rausdringen
kann.
Nur, warum will gerad Thales ein throjanisches Pferd
reiten? Und da gerad ein norwegisches?

mfg

von Tam H. (Firma: Tamoggemon Holding k.s.) (tamhanna)


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J. V. schrieb:
> Vielleicht ist es ja erst mal die Feuerprobe für ST Azure am U5
> einzuführen. Ein Low Power Chip ohne Ethernet wo doch ein einfach in
> Betrieb zu nehmender TCP/IP Stack zu den Stärken von Azure gehören
> dürfte. Die Unique ID des U5 passt hingegen wieder perfekt zu den
> Taschenspielertricks mit eventuell vorgesehenen Lizenmodellen

Sorry für die etwas langsame Antwort. Ich habe mir die Lizenzbedingungen 
jetzt mal angesehen - so schlimm sind die nicht.

Ich weiss, wir hassen alle Microsoft. Aber: die haben mittlerweile eine 
komplett andere Strategie. Der Desktop, wo man Leute zwingen kann, ist 
denen chiceegal. Die wollen Services verkaufen in der Cloud, und die 
sind sofern man keine AI-Payloads nutzt austauschbar wie Stringtangas. 
MQTT ist MQTT.

Außerdem ist SGS Thomson mE nach ein komplett anderes Tier als 
irgendeine Kleinbude im Mobilmarkt (Sendo, oder die damalige Nokia - aka 
dysfunktional is us, die hatten sogar eine Chorsängerin (!!!) als 
Qt-Managerin mal).

Wenn SGS das Gefühl hat, Microsoft f#ckt ihre Kunden, f#cken sie zurück. 
Das ist wie mit einer Universität oder einer Fachhochschule - bist du 
rechtsschutzversichert und gewillt, einen Frontalangriff zu starten, ist 
Ruhe im Karton.

von Johannes S. (jojos)


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es gibt auch Code für Cloud Anbindung mit entspannteren Lizenzen:

https://github.com/ARMmbed/mbed-os-example-pelion
https://github.com/ARMmbed/mbed-os-example-for-aws
https://github.com/ARMmbed/mbed-os-example-for-azure

Ausprobiert habe ich es noch nicht, mir fehlt noch Fantasie wozu ich es 
brauchen könnte.
Das Geschäftsmodell bei Clouds ist aber eigentlich nicht teurer Client 
Code, sondern Dienste die man per Abo bezahlt.

von J.V. (Gast)


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> die haben mittlerweile eine komplett andere Strategie.

Sehe ich nicht unbedingt. Alleine die Tatsache dass die zertifizierte 
Version  nicht seriös kalkulierbar in einer öffentlichen Preisliste 
steht (welche dann für jeden gilt) sondern individuell ausgehandelt 
werden will ähnelt dem OEM Geschäft bei Windows. Ansonsten hat sich 
Microsoft vor 30 Jahren nicht die Bohne für uC interessiert. Kein 
Compiler, keine Libs, sonst auch nix gescheites für umme. Selbst haben 
sie jahrelang einen Mitarbeiter gesucht der ihnen einen Plusplus 
Compiler schreibt. Am Geld lag das offensichtlich nicht.  Aber: Seit 
die uC TCP/IP Stacks haben und damit online gehen wird das 
Geschäftsmodell plötzlich interessant. Weil man das selbst nicht so 
hinkriegt (z. Bsp. MS-DOS) kauft man was einigermassen funktionierendes 
mit der Absicht auf, es im Markt  mit entsprechenden Methoden zu 
etablieren und sodann fortan zu vergolden um  die Rendite für die 
Investition wieder einzufahren

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