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Forum: Analoge Elektronik und Schaltungstechnik Keramikkondensator vs. Folienkondensator


Autor: Peter X. (vielfrass)
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In Schaltungen im Automotive Bereich (Steuergeräte etc.) werden 
heutzutage eigentlich nur noch Keramikkondensatoren eingesetzt. Liegt 
wohl daran, das Folienkondensatoren nur bis 100°C zulässig sind. Als 
einzigen Vorteil von Folienkondensatoren sehe ich den geringeren 
Temperaturkoeffizienten von Folienkondensatoren, sowie eine geringere 
Spannungsabhängigkeit der Kapazität. Sind die Tage des Folienkondensator 
gezählt? Folienkondensatoren nur noch in speziellen Analogschaltung wo 
diese Eigenschaften wichtig sind?

Wien ist es mit tan delta Keramikkondensator vs. Folienkondensator?

Bye bye WIMA

Autor: Bernd G. (Firma: LWL flex SSI) (berndg)
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Keramikkondensatoren mit hoher Dielektrizitätskonstante sind eher nur 
für Gleichspannung geeignet.
Polare Dielektrika (hohes Epsilon rel.) haben leider auch immer einen 
grossen Verlustwinkel.
NPO ist Material mit nichtpolarisiertem Dielektrikum.
Styroflex und alle andere Materialien mit Epsilon so bis etwa 10 (die 
meisten Folien) sind nicht oder nur schwach polarisiert.
Deshalb stirbt die Folie erst mal nicht.
Folie wird gebraucht bei niedrigsten dielektrischen Verlusten, kleinen 
Polarisationsspannungen (sozusagen Remanenz - ganz wichtig für den 
Integrationskondensator von Dual-/Quad-Slope A/D-Wandlern, hier gehen 
von den Folienkondensatoren auch nur spezielle Polycarbonatfolien- MKC, 
FKC-Typen)  und hohen Spannungen.

Kein Vorteil ohne Nachteil.

Hier dazu: Beitrag "Kondensatortyp mit wenig Verlusten"

Autor: Peter X. (vielfrass)
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@Bernd G.:   Sehr qualifizierter Beitrag! Besten Dank!

Autor: Falk Brunner (falk)
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Soweit ich das sehen kann wird im Leistungsbereich (dicke A und viele V) 
immer Folie verwendet, Keramik selten. Eben weil man sich dort nicht 
viel Verluste leisten kann und verlutarem Keramikkondensatoren wenig 
Kapazität haben und viel kosten. Im Kleinsignalbereich auf der Platine 
ist das natürlich wieder anders, hier ist Baugrösse ein wichtiges 
Kriterium.

MFG
Falk

Autor: Elektrolyt (Gast)
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Ich bewundere die kompetenten Antworten und finde das Thema auch 
interessant...

@Falk: ich meine, ich habe vor einiger Zeit mal gelesen, dass du in so 
einer Branche tätig bist (Dicke A´s viele V´s)??? Ist das die Erfahrung?
Ich glaube, dass ich im Hochspannunglabor auch nur Folien gesehen habe.

Mir wurde hier im Forum mal gelehrt, dass für Anwendungen (Kleinsignal), 
wo irgendwelche Zeitkonstaten eine Rolle spielen, Folien besser geeignet 
sind als Keramik?!

MFG Elko

Autor: Dieter Werner (dds5)
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>Soweit ich das sehen kann wird im Leistungsbereich (dicke A und viele V)
>immer Folie verwendet, Keramik selten.

Im Hochfrequenzbereich gibt es fast nur Keramik weil die durch den 
Aufbau bedingt sehr kleine parasitäre Induktivitäten haben.

Ich habe hier aus einem alten HF-Generator keramische Wulstrandplatten 
mit 500pF und 10kV. Die Dinger haben 20cm Durchmesser und vertragen laut 
Datenblatt 20A Blindstrom.

Autor: Falk Brunner (falk)
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@ Elektrolyt (Gast)

>@Falk: ich meine, ich habe vor einiger Zeit mal gelesen, dass du in so
>einer Branche tätig bist (Dicke A´s viele V´s)???

Stimmt, ich mach da aber nur das Nebengeschäft, Steuerung etc.

>Mir wurde hier im Forum mal gelehrt, dass für Anwendungen (Kleinsignal),
>wo irgendwelche Zeitkonstaten eine Rolle spielen, Folien besser geeignet
>sind als Keramik?!

Naja, Keramik ist nicht gleich Keramik. Die teuren NPOs sind teilweise 
besser als Folie, nur halt eben klein in der Kapazität und teuer.

MFG
Falk

Autor: Benedikt K. (benedikt) (Moderator)
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Dieter Werner wrote:
>>Soweit ich das sehen kann wird im Leistungsbereich (dicke A und viele V)
>>immer Folie verwendet, Keramik selten.

Ich habe etliche Keramik Cs mit 750pF die für 10kV oder mehr ausgelegt 
sind.
Die bestehen aus einem runden Keramikblock mit etwa 1,5m Durchmesser und 
1,5cm Länge dessen Enden metallisiert sind.
Der Vorteil davon ist, dass die nahezu unzerstörbar sind. Wenn die 
Spannung zu hoch wird springt außenrum ein Funke über, und weiter 
passiert nichts.
In Öl getaucht habe ich die auch schon für 50kV verwendet.

Auch im HF Bereich sind keramische scheibenkondensatoren wegen ihrer 
Robustheit alles andere als selten.
Wie z.B. hier zu sehen ist:
http://www.hcrs.at/BSBGANT.HTM

Autor: Bernd G. (Firma: LWL flex SSI) (berndg)
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Noch eine Ergänzung zum Sinn keramischer Kondensatoren im HF- und 
HF-Leistungsbereich:

Im Gegensatz zu Folienkondensatoren mit einem durch das Folienmaterial 
fest vorgegebenen und nicht einstellbaren Temperaturkoeefizienten der 
Kapazität (TKC) gibt bzw. gab es  sehr viele Keramiksorten, die einen
TKC-Bereich von üblicherweise -1500e-6/K über Null hinweg bis etwa 
+150e-6/K abdecken. Davon ist heute nur noch die Sorte mit TK = 0 
übriggeblieben.
Mit den TKC-gerichteten Kondensatoren lassen sich freilaufende 
LC-Schwingkreise und Filter bei geschickter Dimensionierung 
temperaturkompensiert betreiben, d.h. Frequenzen und Filterabgleich 
laufen
auch bei starken Temperaturänderungen nur geringfügig weg.
Früher (TM) hätte man also keinen Fernseher ohne die TK-gerichteten 
Kondensatoren stabil zum Laufen bekommen, von selektiven Mikrovoltmetern 
oder anderen Schmäckerchen mal ganz abgesehen.

PS: Heute nehme ich mir auch einen DDS-Stein her oder implementiere mir 
eine DDS im Spartan. Schluchz.

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