Hallo,
ich bin einer freiberuflicher Embedded-SW-Entwickler seit 2005. Davor
war ich angestellt. Habe seit 2005 ganz gute Projekte gehabt und
entsprechend verdient.
Seit 10/2008 bin ich nun auftragslos. 2 Vorstellungsgespraeche kuerzlich
blieben erfolglos. Mein Alter ist 42.
An sich wuerde ich gerne eine Pause machen, vielleicht 1-3 Jahre bis zum
naechsten Aufschwung. Ich habe geringe Fixkosten, regelmaessige
Einnahmen von 670EUR monatl. durch meine Eigentumswohnung und auch
Wertpapier-Anlagen. Finanziell komm ich durch ohne staatl. Versorgung,
wenn auch bescheiden. Bin sowieso kein Konsum-Fanatiker. Meine priv.
Krankenversicherung betraegt nur 142EUR monatl., wohnen kann ich
kostenlos in einem etwas runtergekommen renovierungsbeduerftigen
Haeuschen auf dem Land, die sonstigen Lebenshaltungskosten sind niedrig.
Es erscheint mir sinnvoller, autodiktisch am Ball zu bleiben, d.h.
selbst ein paar Mikrocontroller-Schaltungen zu bauen, oder neue
Faehigkeiten z.B. Fremd-Sprachen lernen,
als irgendetwas unterbezahltes und uninteressantes zu machen.
Die Aussicht auf weiteren Konjunktur-Rueckgang und Inflation motiviert
mich nicht auf weitere Kapital-Anhaeufung.
Die einzige Sorge ist: Wie stelle ich so eine Auszeit in meinem Profil
dar?
Welche Berufsbezeichnung habe ich als Erwerbsloser, Privatier
vielleicht?
Haben andere Erfahrungen mit diesem Lebensstil gemacht?
Gruesse, Softy
Wenn möglich wäre eine Weiterbildung in speziellen Bereichen eine gute
Idee.
Im Embedded Bereich:
- FPGA/CPLD Programmierung
- Embedded Linux (falls nicht schon vorhanden)
- etc.
Also einen Bereich wählen, in dem man z.B. noch keine Erfahrungen
gesammelt hat oder nur sehr wenig. Der Bereich sollte allerdings auch
gefragt sein ;-)
Bei ner 40h Woche hat man meistens keine Zeit für eine Weiterbildung.
Also wenn es sich anbietet, dann schauen, was man dazulernen kann.
Dann kann man das auch als "Fortbildung, Praktika, etc." im Lebenslauf
angeben. Auf jeden Fall besser als eine Lücke oder Arbeitslos....
Entwickel doch einfach ein Produkt, was man vielleicht auch verkaufen
kann. Wenns nicht klappt kannste das als Lernen abhaken, wenn doch
kriegst du dafür vielleicht doch etwas Geld. Ansonsten klingt
Weiterbildung doch ganz gut. Und bewerben kannste dich ja parallel immer
noch, 2 Vorstellungsgespräche klingt jetzt nicht gerade viel.
>>Seit 10/2008 bin ich nun auftragslos.>>Unfassbar! Ich kriege laufend irgendwelche Anfragen wegen embedded>Software-Geschichten. Was kannst Du denn?
Nee, erst seit 3.11.08, aber das macht auch keinen grossen Unterschied.
Anfragen hatte ich auch ein paar, aber das waren Laufzeiten mit > 9
Monate oder fraglichen Branchen (z.B. Waffen/Kriegs Industrie), oder
Einsatzort unpassend ...
Ich machte in den letzten 4 Jahren Atmel 8-Bit (Atmega169, Atmega48
...), Infinieon C167, und AVR32 Projekte. Allerdings nur bei 2
verschiedenen Firmen in der Automotive Zulieferindustrie und
Messtechnik. Diese beiden Firmen beauftragten mich jeweils mehrfach
abwechselnd. Stundensatz hatte ich 50-60EUR.
Beide beschaeftigen gerade keine Externe.
Privat habe ich mir kuerzlich ein Grasshopper-Board besorgt und recht
gut in Embedded Linux eingearbeitet.
Mein Problem ist, dass ich mich verbal schlecht verkaufen kann.
Auch stelle ich fest, dass viele Projekt-Anbieter mit selbst
beigebrachten Know-How nichts anfangen koennen. Die akzeptieren nur
Firmen-Referenzen.
> Entwickel doch einfach ein Produkt, was man vielleicht auch verkaufen> kann. Wenns nicht klappt kannste das als Lernen abhaken
Genau das will ich ja. Bin Hobbymusiker und moechte aus dem AVR32Grasshopper einen Software-Synthesizer basteln.
Verkaufen kann man das zwar schlecht, da es auf PC-Basis schon recht
viele solcher Produkte gibt, aber es reizt mich einfach.
Ob man das als berufliche Taetigkeit darstellen kann und vom Finanzamt
dann die Vorsteuer ausbezahlen laesst, ist fraglich. Aber es gibt ja
auch keine grosse Ausgaben, das meiste ist SW-Entwicklung mit
Open-Source-Tools (GNU).
In solch einer Zeit habe ich den Sprung vom Auftragsentwickler zum
eigenen Software-Produkt geschafft. Daran habe ich 2 Jahre ohne
Bezahlung gearbeitet. Hat sich aber gelohnt und mit 50 habe ich mich aus
dem Geschäft weitestgehend zurückgezogen.
Als freier Mitarbeiter war ich, realistisch gesehen, auch nicht mehr als
ein Angestellter. Zwar mit mehr Geld aber doch völlig von Anderen
abhängig. Erst das eigene Produkt hat mich richtig auf die Füße gestellt
und unabhängig gemacht.
Genau genommen habe ich 2 Anläufe gebraucht. Die erste Entwicklung habe
ich nach einem Jahr abgebrochen. Aber mit der Zweiten hat es dann
geklappt.
Wer muß denn wissen, daß Du nur bis 10/2008 freiberuflich entwickelt
hast. Du kannst doch auch jetzt Pause machen und im Lebenslauf steht
weiterhin freiberufliche Entwicklung von Soft-/Hardware. Wer soll das
Dir widerlegen? So ehrlich sind die AG ja auch nicht. Hauptsache, Du
bleibst in der Auszeit halbwegs am Ball.
> Seit 10/2008 bin ich nun auftragslos. 2 Vorstellungsgespraeche kuerzlich> blieben erfolglos. Mein Alter ist 42.
Woran sollte denn jemand merken, dass du während deiner
Selbstständigkeit nichts zutun hattest? Selbst wenn du deine
Selbstständigkeit beenden würdest, auch das kann keiner feststellen.
Oder verstehe ich da was falsch?
>Woran sollte denn jemand merken, dass du während deiner>Selbstständigkeit nichts zutun hattest? Selbst wenn du deine>Selbstständigkeit beenden würdest, auch das kann keiner feststellen.>Oder verstehe ich da was falsch?
Bei meinen Bewerbungen als Angestellter (1994-2002) musste ich immer die
Arbeitszeugnisse praesentieren und lueckenlos meinen Lebenslauf
nachweisen.
Bei Projektgespraechen als freier Mitarbeiter hat mich nie jemand danach
gefragt. (Einmal habe ich diese Papiere hervorgezogen, aber das hat dem
IT-Vermittler nicht gepasst, vermutlich wegen den Adressdaten.)
Allerdings weiss ich nicht, ob es GRUNDSAETZLICH so ist, dass man seinen
CV nicht nachweissen muss. Jemand koennte ja nach den Projekt-Vertraegen
fragen ?
> Bei meinen Bewerbungen als Angestellter (1994-2002) musste ich immer die> Arbeitszeugnisse praesentieren und lueckenlos meinen Lebenslauf> nachweisen.
Wenn ich das richtig verstanden habe, ist er selbstständig.
Mich als Vollselbständigen hat auch nie ein Kunde gefragt, wie lange ich
keine Aufträge hatte - also keine Panik!
Bilde dich weiter, in Richtung Hardware kann es nie schaden. VHDL ist
gut.
Ein eigenes Produkt ist, wie bereits festgestellt, absolut optimal. Die
Erfahrung habe ich auch.
Wie gut bist du in der Hardware? Kannst du an dieser Stelle selbständig
weiterarbeiten, wenn Aufgabenstellung und Stromlaufplan (kommentiert mit
Rückfragemöglichkeiten) vorliegen?
Geh über Messen (nicht zwingend Elektronik) und bekomme heraus, was dein
ultimates Eigenprodukt mit deiner Software sein könnte.
Wenn du es weißt, melde dich hier wieder, ich bin derjenige, der die
Harware beherrscht und die Werkzeuge und Mittel hat.
Warten, bis die Krise zu Ende ist, ist sinnfrei. Da kannst du auch auch
im schlechtesten Falle versuchen, etwas auf die Beine zu stellen, was
eventuell schiefgehen kann. Weiterwarten kannst du dann immer noch.
Hallo, haette ein Projekt auf AVR48, muesstes aber schon gut in dessen
Programmierung sowie embedded Prog sein.
Wie kann ich dich erreichen, email, icq, .. .
genau , locker bleiben ... auch wenns schwerfällt bzw man net von der
zB Bank massiv belästigt wird.
btw war ich vor Jahren statt ALO ein wenig selbstständig , nur genau das
nahm man bei Versuchen wieder AN zu werden als u.a. Absagegrund
Weil man angeblich nicht mehr für Teamarbeit im weitesten Sinne zu
gebrauchen sei . So nach dem Motto , man ist kein befehlsempfangender
Arbeitssoldat gewesen und damit eine potentielle Störquelle oder wie ?
Wie man an anderen Stellen lesen kann ist gerade in bold germany "es"
ein Problem, wenn man länger als 3 Monate out of work ist, im Sinne,
ob man denn überhaupt noch arbeitsfähig sei .
Also dumme Fragen wirste schnell zu hören bekommen im Grunde muß man mit
der gleichen Frechheit zurückantworten.
@ gast (Gast)
>Hallo, haette ein Projekt auf AVR48, muesstes aber schon gut in dessen>Programmierung sowie embedded Prog sein.>>Wie kann ich dich erreichen, email, icq, .. .
ger1035 at gmx DOT de
>Weil man angeblich nicht mehr für Teamarbeit im weitesten Sinne zu>gebrauchen sei .
In den letzten Jahren war meine Freiberufler-Taetigkeit fast identisch
mit einer Angestellten-Taetigkeit, d.h. Arbeitsplatz vor Ort, Team,
Team-Leiter.
Lediglich eine andere Vertragsform.
In der Tat wuerde mir der Uebergang zum AN schwerfallen, aber mehr wegen
den gesetzlichen Vorgaben (Sozialversicherungs-Abgaben, vorgeschriebenes
Arbeitspensum, festgesetzter Schritt in die Alters-Ruhe, ...).
Ich finde es unverschaemt, dass fuer freie Buergern diese obigen Dinge
geregelt werden wie fuer unmuendige Kinder.
Ich wuerd die Zeit mal in ein eigenes Produkt stecken. Wie viel Zeit du
da reinsteckst ist deine Sache, das kann 10-14Uhr taeglich sein, oder
auch 7-22Uhr. Vielleicht wird's ein Erfolg, vielleicht auch nicht. Wenn
man da nicht mit ueberzogenen Vorstellungen rangeht...
Man kann die Technik falsch machen, man kann aber auch den Verkauf
falsch machen.
Lustig:
> fraglichen Branchen (z.B. Waffen/Kriegs Industrie)
Das ist die einzige Branche die seit 10.000-Jahren Konjunktur hat.
Aber man muss wohl ein romantischer Gutmensch sein um hier Aufträge
abzulehnen.
>Aber man muss wohl ein romantischer Gutmensch sein um hier Aufträge>abzulehnen.
Es gibt Leute die tun alles, wenn man ihnen Geld gibt, selbst wenn sie
die eigene Mutter umbringen.
Von solchen Leuten lebt der Krieg. Einige erfinden die
Toetungs-Instrumente, andere benutzen sie.
Kriege hats schon gegeben, da war das Geld noch nicht erfunden.
Kriege leben vom Hass der Menschen zueinander. Da brauchts kein Geld und
keine Waffenerfinder.
Und die eigene Mutter wird immer noch mit dem Küchenmesser ermordet.
Es ist inkonsequent gegen Militär- und Waffenentwicklung zu
demonstrieren, aber gleichzeitig die Küchenmesser nicht abschaffen zu
wollen.
Also lass deine Skrupel fallen und geh in die Waffenindustrie!
Geld ist nicht alles! Und sich deswegen für eine Waffenindustrie
prostituieren zu lassen kann gerade nicht die Erfüllung sein.
TexasInstrument bsp. liefert nicht ans Militär! Das halte ich für eine
mutige und gute Entscheidung.
gruss
>Es gibt Leute die tun alles, wenn man ihnen Geld gibt, selbst wenn sie>die eigene Mutter umbringen.>Von solchen Leuten lebt der Krieg. Einige erfinden die>Toetungs-Instrumente, andere benutzen sie.
Wie sagte mein Uropa zu seiner Schuld im 2. Weltkrieg. Ich habe
zugesehen, dass ich mich auf der richtigen Seite des Ofens befand. Das
brauchen noch nicht mal geldgierige Leute sein, die zu Schandtaten
bereit sind. Es reicht wenn die Not groß genug ist. Bespiel unsere
Hartz4 gestählten Schaffner. Die sind zum Teil recht konsequent und
setzen auch mal kleine Kinder aus. Vergrößert man Druck weiter, werden
sicherlich viele Menschen bereit sein, ohne mit der Wimper
Erwachsene/Kinder zu töten, falls es die Führungselite fordert.
Man will ja schließlich seinen Arsch am Kacken halten.
Not gepaart mit Uniform, das ist eine brisante Mischung. Es gilt dann
das Prinzip des Highlanders: "Es kann nur einen geben!"
> TexasInstrument bsp. liefert nicht ans Militär! Das halte ich für eine> mutige und gute Entscheidung.
Ich stelle mir gerade vor, alle westlichen Technologiefirmen würden ihre
Waffenentwicklung einstellen...
Aber, wenn du weisst, dass im Westen genug andere die notwendige
Drecksarbeit machen, kann man es sich sehr leicht im Schaukelstuhl
bequem machen.
> TexasInstrument bsp. liefert nicht ans Militär!
Äh, Beweise. Früher haben sie intensiv für das Militär gebaut. Ok, sie
haben ihre Rüstungssparte vertickt, aber das sie da ganz raus sind...
ich glaube das jetzt einfach mal nicht.
Ansonsten öffne irgendeine Application Note für irgendeinen IC von TI
und such nach 'military'.
>Ansonsten öffne irgendeine Application Note für irgendeinen IC von TI>und such nach 'military'.
das ist historisch! Auch im Automotivebereich orientiert man sich an den
Werten, die für military gelten.
TI liefert nicht unbedingt direkt, aber deren Chips sind definitiv in
zumindest einem Rüstungsprodukt vertreten!