Hallo Timo,
die Berechnung in deinem Beispiel ist eine sehr vereinfachte Rechnung,
die nicht unterscheidet zwischen Gleichspannungsverstärkung und
Wechselspannungsverstärkung. Das ist solange kein Problem, wie
Offseteffekte vernachlässigt werden können.
Hier rechnet man so:
Wegen Ued liegt an R1 nicht mehr Ue an, sondern Ue - Ued. Deswegen
fließt durch R1 der Strom
Ir1 = (Ue - Ued) / R1
Da kein Strom in den OPamp hineinfließen soll, was auch eine
vereinfachte Annahme ist, fließt der Strom Ir1 unverändert auch durch R2
und verursacht dort den Spannungsabfall
Ur2 = (Ue - Ued) / R1 x R2
Jetzt muß man ein bißchen mit den Vorzeichen aufpassen, da der
invertierende Verstärker ja eine Phasendrehung von 180° mithineinbringt.
Das macht man so:
Ur2 = Ued - Ua
Wenn also der Strom durch Ir2 von links nach rechts fließt, ist das
Potential links positiver als rechts. Das drückt die obige Gleichung
aus.
Jetzt formt man um, setzt ein und erhält schließlich:
Ua = Ued x (1 + R2 / R1) - Ue x R2 / R1 (*)
Wenn man jetzt einfach setzt
V = Ua / Ue = Ued / Ue x (1 + R2 / R1) - R2 / R1
und nichts von der Existenz von Ued weiß, erhält man eine Verstärkung,
die natürlich nicht länger gleich V = - R2 / R1 ist! Damit weiterhin V
= - R2 / R1 die Gleichspannungsverstärkung ist, muß der Einfluß von Ued
eliminiert werden, entweder durch Wahl eines "offsetspannungsfreien"
OPamps oder durch einen Offsetabgleich, der Ued = 0 setzt.
Die Wechselspannungsverstärkung ist aber immer noch V = - R2 / R1, weil
man dann den Gleichspannungsterm Ued einfach unberücksichtigt läßt. Das
sieht man so:
Wenn man in Gleichung (*) Ue = Ueampl x sin (w x t) einsetzt, erhält
man:
Ua = Ued x (1 + R2 / R1) - Ueampl x R2 / R1 x sin (w x t)
Also enthält die Ausgangsspanung wieder eine Sinusschwingung und eine
überlagerte Gleichspannung:
Ua = Ued x (1 + R2 / R1) + Uaampl x sin (w x t)
mit Uaampl = - Ueampl x R2 / R1
Durch Vergleich der Amplituden erhält man:
Vwechsel = Uaampl / Ueampl = - R2 / R1
Also hat die Offsetspannung Ued keinen Einfluß auf die
Wechselspannungsverstärkung!
Kai Klaas