Hallo!
Ich steh gerade vor der Suche nach dem ersten richtigen Job als
Ingenieur. Da stellt sich mir die Frage, ob ich als Anfänger lieber bei
den großen Firmen suche, oder bei kleineren Firmen. Was sind da die Vor-
und Nachteile von großen/kleinen Firmen?
-Große Firmen können es sich erlauben einen Neuen erst mal
richtig einzuarbeiten. Außerdem ist das soziale Umfeld (Kantine,
Betriebsrat, flache Strukturen, Einkommen, etc.) meist günstiger.
Die Strukturen sind meist hierarchisch, was durchaus Vorzüge hat,
wogegen die Nachteile kaum eine Rolle spielen. Man ist dort meist
ein unbedeutendes Rad im System. Jobs sind dafür hier sicherer als
in Kleinunternehmen.
-In einer Klitsche wird wegen des Kostendrucks gleich volle Leistung
bei möglichst kurzer Einarbeitung erwartet. Ein sozial günstiges
Umfeld ist dort eher selten. Außerdem sind die Strukturen eher
patriarchisch organisiert was nicht unbedingt dem Betriebsklima
zu Gute kommt. Man hat da jedenfalls erheblich mehr Druck und Angst
um den Job als in einem Großunternehmen. Karriere ist hier
wahrscheinlich genauso schnell möglich, wie ein Rausschmiss.
Ich habe da schon einiges erlebt und würde die erste Variante
stets vorziehen. War jedenfalls meine beste Zeit.
Hallo,
ich kenne eine sehr kleine Firma 1990-2000, eine sehr große Firma über
einen Dienstleister 2001-2008 und jetzt wieder eine kleine Firma.
Wichtig ist herauszubekommen wie gut die Firma läuft. Die Größe ist
nicht so wichtig.
Ist "Kapital" vorhanden wirst du gute Arbeitsbedingungen und nette
Kollegen finden. Kommst du in eine Firma die am "abkacken" ist, dann
Hilft nur noch beten. Da gibt es keine vernünftigen Arbeitsmittel mehr,
und fachliche Hilfe wirst Du nur eingeschränkt bekommen, weil Du
Konkurent bist und jeder seinen Hintern retten muß.
In Kapital Magazin steht als Faustformel für kleine Unternehmen
mindestens Umsatz > 20 Millionen
sonst ist die Kapitaldecke so dünn, dass man zu wenig Möglichkeiten hat.
Ich habe damals den Fehler gemacht und bei einem kleinen Laden
angefangen, da wird einem echt die ganze Zeit auf die Finger geschaut,
und die Arbeitszeit hält auch keiner fest - heißt wenn du 5 Minuten
früher gehen willst gabs immer mecker und wenn du eine Stunde länger da
warst "ganz normal".
Meistens ist da so knapp kalkuliert, dass man sich einen Ausfall nicht
erlauben kann - ein Projekt in den Sand gesetzt kann das aus für den
ganzen Laden bedeuten. Sowas erhöht den Druck der auf einem lastet
gewaltig, zumindest war das bei mir so; gibt vielleicht Leute mit einem
dickeren Fell ;-)
Hallo Leute,
ich habe auch mal in einer kleineren Firma gearbeitet. Das Betriebsklima
war OK, und da ich für die Projektumsetzung in meinem Bereich selbst
verantwortlich war, hatte ich auch ziemlich viele Freiräume.
ABER: wie gesagt hatte ich in meinem Bereich auch die Verantwortung für
die Umsetzung der Projekte. Die Sache mit Überstunden ist in kleinen
Firmen zumeist auch sehr problematisch, soll heißen: werden wenn
überhaupt ungenau erfasst und dann, je nach Lust und Laune der
Vorgesetzten, gezahlt oder als Freizeitausgleich gewährt oder keines von
beidem oder auch nur teilweise, aber bei der Auszahlung wieder irgendwie
nicht so ganz nachvollziehbar usw.
Die Bezahlung ist in kleinen Firmen extrem schlecht, sehr unregelmäßige
Arbeitszeiten wegen unterschiedlicher Projektbelastung. Meist sind die
Arbeitszeiten aber deutlich höher als vertraglich vereinbart.
Praktisch keine Aufstiegsmöglichkeiten. Bei Flaute sofort Kurzarbeit,
Resturlaub nehmen, Minuszeiten auf dem Arbeitszeitkonto, Entlassung oder
Insolvenz. Da ist bei größeren Firmen mehr Kontinuität zu erwarten.
Problematisch auch so Nebensächlichkeiten wie Urlaubsplanung.
Nicht zuletzt machen sich Zeiten in kleinen Firmen in einem
Arbeitszeugnis nicht so gut.
Also ich kann nur empfehlen, möglichst nicht in kleinen Firmen
anzuheuern.
>empfehlen, möglichst nicht in kleinen Firmen anzuheuern.
Die Einen sagen so, die Anderen so. Wenn Bezahlung, Arbeitszeit und
Klima in Ordnung sind, kann auch eine kleine Firma durchaus
entwicklungsfähig sein. Bill Gates hat auch mal in der Garage
angefangen.
Unterschied ist: in großen Firmen gibt es mehr Spezialisierung. In
kleinen Firmen bist Du evtl. auch noch für die Beschaffung von
Bohnerwachs zuständig.
> ...ihm gehörte sie.
Allerdings
Ist aber echt merkwürdig, laut VDE ist der Mittelstand doch viel besser
als sein Ruf.
Ich habe allerdings auch keine guten Erinerungen:
Das schlimme bei mir war, dass sich nicht nur die Arbeitszeit nach der
Auftragslage gerichtet hatte, sondern die Gehaltszahlungen auch. Ich
habe da teilweise Monate auf mein Geld gewartet - und der Laden hatte
immerhin 100 Mitarbeiter. Die Freunde anzuschnorren, weil gerade das
Auto repariert werden muss, war auf Dauer echt nicht drin :-(
Und sich anschließend bei einem der Großen zu bewerben, kommt einer
Bewerbung ohne Berufserfahrungen gleich – klar man weiß ja immernoch
nicht wie der Hase da läuft.
Es kann auch geschehen, dass man in einer kleinen Firma ein zu grosses
Projekt alleine durchzieht und niemand das genau mitbekommt. Die Termine
verschieben sich dauernd. Auch sehr lehrreich.
oszi40 schrieb:> Bill Gates hat auch mal in der Garage> angefangen.
Nein, hat er nicht. Das waren Hewlett und Packard, die Apple-Gründer,
aber nicht Billy-Boy.
Mike Hammer schrieb:> -Große Firmen können es sich erlauben einen Neuen erst mal> richtig einzuarbeiten.
Das stimmt so nicht, zumindest nicht immer. In einer großen
Aktiengesellschaft, in der alles so lange optimiert wird bis nichts mehr
gut ist ;-) kann es durchaus passieren, dass die Personaldecke so dünn
ist dass für eine wirklich gründliche Einarbeitung niemand die Zeit hat
(weil alle so unter Projektdruck stehen).
Klaus schrieb:> Ich steh gerade vor der Suche nach dem ersten richtigen Job als> Ingenieur. Da stellt sich mir die Frage, ob ich als Anfänger lieber bei> den großen Firmen suche, oder bei kleineren Firmen. Was sind da die Vor-> und Nachteile von großen/kleinen Firmen?
Kleine Firmen sind sehr langweilig, da nur wenige Menschen da sind, aber
man kann relativ frei und breitbandig arbeiten. Konzerne sind was die
Arbeit angeht sehr von Fachidioten besessen.
Ich finde das Beste ist eine Firma von insgesamt 100 bis 500
Mitarbeitern ;-)
Ich kann die Bevorzugung grosser Firmen nicht ganz verstehen...
In der grossen Firma ist oft die sozialle Absicherung besser, das stimmt
wohl... jedoch ist es oft so das Prozesse dir genau vorgeben wie etwas
und was zu machen ist... diese Prozesse ziehlen natuerlich darauf ab das
du moeglichst schnell und effektiv deinen Job machst... Also ich fand
die Arbeit dort eher langweilig... aber eben nur meine Meinung... ich
bevorzuge eher kleinere Firmen...
In der kleinen Firma ist der Druck doch meist etwas hoeher... man
uebernimmt auch maist schneller Verantwortung ..
Während meines Studiums habe ich als Werkstudent bei zwei großen Firmen
gearbeitet. War an sich ganz okay, aber ich finde man ist dort (auch als
richtiger Angestellter) bloß ein kleines Rädchen in einem großen
Getriebe. Wenn 500 Leute an einer Software arbeiten kann man sich mit
dem Produkt nicht wirklich identifizieren. Eigene Gestaltungsspielräume
sind da auch gleich Null.
Deshalb habe ich mich jetzt für den Berufseinsteig nur auf den
Mittelstand konzentriert und fange bald bei einer Firma mit 70
Mitarbeiten an, von denen nur 20 in der reinen Entwicklung tätig sind
(und ich bin einer davon). Mal sehen wie es wird, aber noch bin ich
optimistisch.
Auf "lange Sicht" (nächster oder übernächster Arbeitgeber) könnte ich
mir auch vorstellen wieder bei einer großen Firma anzufangen (wegen der
sozialen Absicherung etc.)
Ich denke, ein Wechsel von klein nach groß ist besser als umgekehrt.
Just my 2 cents!
.,- schrieb:> Und sich anschließend bei einem der Großen zu bewerben, kommt einer> Bewerbung ohne Berufserfahrungen gleich – klar man weiß ja immernoch> nicht wie der Hase da läuft.
Halte ich für ziemlichen Quatsch, da ein solcher Wechsel doch gang und
gebe ist. Mit Berufserfahrung ist ja nicht die Erfahrung in irgendeinem
großen Unternehmen gemeint, sondern die fachliche Erfahrung.
My 2 cents schrieb:> Halte ich für ziemlichen Quatsch, da ein solcher Wechsel doch gang und> gebe ist. Mit Berufserfahrung ist ja nicht die Erfahrung in irgendeinem> großen Unternehmen gemeint, sondern die fachliche Erfahrung.
Nein, das stimmt schon. Während der Wechsel von groß nach klein recht
unproblematisch ist, macht der umgekehrte Weg schon erheblich mehr
Schwierigkeiten.
kleine Klitschen haben nur Nachteile:
-viel weniger Geld, sogar weniger als Operator oder Bandarbeiter bei
Siemens
-viel Stress
-viele unbezahlte Stunden
-immer öfter kein Weihnachtsgeld
-man kann praktisch schneller gekündigt werden (kein Betriebsrat und
Gewerkschaften)
-beim Hausbau und Kredit Beantragung wirkt Müller & Sohn GmbH eher
Nachteilig (höheres Risiko)
-wegen flachen Hierarchien fast keine Chancen auf Aufstieg
-und beim Bewerben wird eine Klitsche wie Müller & Sohn GmbH im
Lebenslauf bei den Personaler bei den Großkonzernen nicht beeindrucken,
sogar wird man angesehen als Mensch ohne Erfolg abgestempelt.
Nach meinem Studium hatte ich sofort 2 Jobangebote von Kleinfirmen. Bei
einer hatte ich dann unterschrieben, der anderen notgedrungen abgesagt.
Noch kurz vor Beginn Vertrag, brach der Firma ein grösserer
Projektauftrag weg und ich war weg vom Fenster. Im nachhinein aber ein
Glücksgriff. Beide mittelständische Firmen haben innerhalb der nächsten
3 Jahre Konkurs angemeldet. Bei Klitschen kommt noch das Risko hinzu,
das von den Inhabern unfähige Familienangehörige (Juniorchef),
Ehegespons (Sekretariat)untergebracht werden. Innerhalb kürzester Zeit
kann so eine Firma dann den Bach runtergehen, da fähige Mitarbeiter
abwandern bzw. fatale Entscheidungen getroffen werden.
kleine Klitschen sind immer schlechte Wahl aber das Problem liegt
woanders. Nicht jeder kann bzw. hat eine Gelegenheit für einen
DAX-Konzern zu arbeiten. Die meisten arbeiten und arbeiten werden bei
Klitsche & Dorf GmbH. Die Konzerne werden weiter ihre Teile, die nicht
zum Kerngeschäft gehören, auslagern, so genannte Tarifflucht (siehe
MBTech oä.). Es entsteht 3 oder Mehrschichtige Gesellschaft:
1. Klasse: Tarifgebundene Konzerne
2. Klasse: Beamten
3. Klasse: gut Mittelstand
4. Klasse: kleine und – mittelgroße Klitschen
5. Klasse: Leiharbeiter
Daran sind auch die Konzerne „schuld“, da sie die nicht rentable
Tätigkeiten und Arbeiten an die Zulieferer delegieren und die wieder an
die weiteren gliedern der Kette. Der Kuchen je weiter hinten er ist
desto dünner schaut es aus. Die kleinen können fast keinen Gewinn daraus
machen, deswegen auch der Zeitdruck (viele Überstunden), Kostensenkung
(kleine Gehälter), also zusammengefasst Mädchen für alles.
Ich bin deswegen voll dafür, dass die Tarifen (z.B. IG-Metall) entweder
in allen Firmen (egal ob groß oder klein) gelten oder nirgends. Es kann
nicht sein, dass die einen nur davon profitieren und die anderen für die
gleiche Arbeit sich sorgen machen müssen, um über die Runden zu kommen.