Ich habe hier eine ältere Registrierkasse mit VFD. Bei diesem sind die
ersten 6 Stellen -wohl aufgrund geringer Benutzung - und das G-Segment
(Mittenstriche bei 8) sehr schwach. Auch auf den "hellen" Segmenten sind
die fluorezierenden Flächen nicht gleichmäßig ausgeleuchtet.
Ich nehme an, dass daran die Alterung des Displays Schuld hat. Ist das
möglich?
Kann man das Display ähnlich wie alte Nixies wieder auffrischen? Und was
wäre dabei zu beachten?
Witzig ist, dass anscheinend nicht wie auf einigen Audio-Seiten
beschrieben die häufig genutzten Elemente gealtert sind, sondern die
wenig genutzten am stärksten gelitten haben.
Gemessen hab ich jetzt Heizspannung 5Vac direkt ausm Trafo,
Anodenspannung 31V aus Einweggleichrichtung mit ZD stabilisiert, die
Spannung hat einen Ripple von 20mV, scheint also nicht am Elko zu
liegen.
Auf der Rückseite der Kasse ist noch ein kleineres Display, da sind alle
Segmente voll da.
Ich habs mit ner UV-LED probiert, hat nichts gebracht (so eine richtig
fette mit 50 Einzelchips, Kühlung und 300mA bei 20V).
Dann hab ich alles auf 888 gesetzt und mal über Nacht stehenlassen. Ist
fast wie neu. Ich hab jetzt noch die Option, die Heizspannung zu erhöhen
(sind ca. 2,5Vdc, nix ac wie oben geschrieben), aber ich werds wohl
erstmal lassen.
Hat jemand eine Erklärung für den Effekt? Kathode-Poisioning wie bei den
Nixies fällt ja eher aus. Zerstörung der Leuchtschicht bei den
meistgenutzten Segmenten kanns auch nicht sein, die waren ja noch am
besten. Eine Ablagerung auf der Leuchtschicht, aber woher?
Hallo,
wohl Zwischenschichtbildung der Katode oder ähnliche Vergiftung
derselben.
Röhren verlieren Emmission wenn sie lange ohne Anodenstrom betrieben
werden.
VFD sind Röhren, die Anoden sind die Segmente, die Katode ist der
beschichtete Heizfaden.
Wenn die Segmente nicht eingeschaltet werden, wird da ähnliches
passieren wie bei den Röhren.
Du hast vermutlich den richtigen Weg zum Regenerieren gewählt.
Gruß aus Berlin
Michael
Meine Erfahrung mit VFD's
Heizspannung nicht zu hoch wählen, sonnst gibt's seltsame Effekte.
Im Dunkeln sollten die Heizfäden nur so gerade eben sichtbar glühen.
Michael U. schrieb:> wohl Zwischenschichtbildung der Katode oder ähnliche Vergiftung> derselben.
Passt deshalb nicht, weil es sich hier ja nicht um indirekt geheizte
Oxidkatoden handelt (wie bei Rundfunkröhren), sondern um eine direkt
geheizte Katode, die noch dazu von allen gemeinsam benutzt wird.
Damit wären insbesondere die nachgedunkelten g-Segmente überhaupt
nicht zu erklären.
Mike Hammer schrieb:> Könnte dieser Effekt für verantwortlich sein:> http://de.wikipedia.org/wiki/Sputtern
Nein. Sputtern braucht (schwere) Ionen. Das ist eine Vakuumröhre
(wie der Namen schon sagt ;-).
Ist aber interessant. Ich habe hier auch noch ein paar russische
VFDs (jeweils eine Röhre pro Anzeigestelle), die teilweise schon
mächtig dunkel geworden sind. Möglicherweise kann man die ja auch
damit reaktivieren.
Jörg Wunsch schrieb:> Michael U. schrieb:>> wohl Zwischenschichtbildung der Katode oder ähnliche Vergiftung>> derselben.>> Passt deshalb nicht, weil es sich hier ja nicht um indirekt geheizte> Oxidkatoden handelt (wie bei Rundfunkröhren), sondern um eine direkt> geheizte Katode, die noch dazu von allen gemeinsam benutzt wird.> Damit wären insbesondere die nachgedunkelten g-Segmente überhaupt> nicht zu erklären.
Ich denke mal, es werden schon beschichtete Heizfäden sein, das Problem
liegt ja mehr im Katodenmaterial als im direkt/indirekt heizen.
Allerdings hast Du mit den g-Segmenten völlig recht, die wären damit
garnicht zu erklären.
Andererseits weiß ich natürlich nicht, was da bei den VFD als
Leuchtschicht benutzt wurde. Bei den magischen Augen erholte sich da
eigentlich garnichts.
Unbenutzte Flächen blieben da voll leuchtfähig, verbraucht waren nur die
Bereiche, die genutzt wurden.
Also schon interessant, das Verhalten des VFD.
Gruß aus Berlin
Michael
Bei VFD's von Noritake Itron (teuer und gut) gibt es sogar einen
speziellen "Refresh Mode" um ältere Displays respektive solche mit wenig
genutzen Segmenten aufzufrischen. Dieser Mode macht nichts anderes wie
alle Punkte auf maximale Helligkeit einzustellen....empfohlen wird, ihn
eine gewisse Zeit (exakte Angabe ist mir entfallen, ich glaub es war von
Stunden die Rede) eingeschaltet zu lassen.
Vor den Ziffern laufen 4 Heizdrähte, sieht man auf dem Bild. Es waren
definitiv die Anodensegmente betroffen, die wenig benutzt wurden. Auf
der Kasse stand halt die meiste Zeit 0.00, und das waren die hellsten
Segmente.
Deswegen hatte ich Kathode poisioning oder wie das heisst eigentlich
ausgeschlossen, Sputter kommt auch eher nicht in Frage.
Oxidation des ungenutzten Leuchtstoffes, die bei Benutzung reversibel
ist. Aber was soll da im Vakuum oxidieren?
>Oxidation des ungenutzten Leuchtstoffes, die bei Benutzung reversibel>ist. Aber was soll da im Vakuum oxidieren?
Nichts, fehlt ja der Sauerstoff, allerdings können freie
Ionen im Vakuum schweben die aus dem Materialgefüge stammen
(Vermutung). Die können ja durch den Elektrodenfluss aus dem
Verband gerissen worden sein und lagern sich dann aufgrund von
Ladungsunterschieden auf den wenig benutzten Segmenten ab und
wenn man dann die Dinger reaktiviert, werden die wieder freigesetzt,
so die Theorie.
Besser eine Theorie als überhaupt keine Idee warum das so ist.
http://www.noritake-itron.com/subpages/applicnotese/vfdhandleapn.htm#storageStorage
... One of the general characteristics of VFD is that it loses
uniformity of brightness if subject to prolonged storage.
Therefore, when stored in excess of 3 months, it is recommended to
re-age the VFD by illuminating the entire display area under typical
specified conditions for several hours to reverse this effect.