Ich werde demnächst an der Uni privat organisierte Kurse zur
Vorbereitung auf die Prüfungen geben. Beim Zusammenstellen der
Unterrichtsmaterialien bin ich nun auf eine heikle Frage gestossen: Ich
muss ja fast zwingend auf Material des Professors zurückgreifen, um
beispielsweise Übungen durchzubesprechen oder Fragen zum Skript zu
beantworten.
Wie gesagt, es geht nicht darum, dass ich meinen Kurs mit den Folien und
Übungen des Professors durchführe, sondern dass ich die Möglichkeit
brauche, gewisse Teile der Vorlesung (insbesondere Übungen) nochmals im
Detail durchzubesprechen und daher fast gezwungenermassen OHP-Folien
dieser Dokumente anfertigen muss.
Es sei noch erwähnt, dass dieses Material vollständig öffentlich
zugänglich ist und ich die Vorlesung damals ebenfalls besucht haben,
also liegt alles ebenfalls bereits in meinen Unterlagen.
Wie sieht das urheberrechtlich aus?
Warum fragst du nicht einfach den Prof, ob etwas dagegen spricht?
Mein Regelungstechnik-Prof hat damals selbst ein Tutorium angeboten
(dadurch hätte man sich eigentlich die Vorslesung sparen können...)
Profs sind i.d.R. daran interessiert, sich von ihren Studenten möglichst
einfach zu trennen.
Wenn die Studenten noch mit einem Lächeln im Gesicht (und einem
Abschluss in der Tasche) die Hochschule verlassenm, dann finden die
Profs das auch sehr angenehm.
Wenn man den Profs Arbeit für lau abnimmt, sind die bestimmt nicht
abgeneigt, das etwas zu fördern.
Deine Aktion scheint ja sehr geheim zu sein...
> Deine Aktion scheint ja sehr geheim zu sein...
Nein, überhaupt nicht. Die Kurse finden sogar in Räumen der Uni statt.
Gewisse Profs mögen diese Kurse aber überhaupt nicht - dann ist es eben
auch gut möglich, dass er mir die Verwendung der Unterlagen explizit
verbietet. Dass er hingegen einfach so von sich aus aktiv wird, ist eher
unwahrscheinlich, aber ich möchte in einem solchen Fall rechtlich nicht
völlig im Regen stehen.
Hallo,
auf jeden Fall freundlich mit den entsprechenden Professoren sprechen.
Mir würde es als Prof. überhaupt nicht gefallen, wenn ich mitbekommen
würde, dass irgendwo großartig mit meinen Unterlagen öffentlich
gearbeitet wird, und zwar unabhängig von der rechtlichen Lage. Es ist
einfach ein Gebot der Höflichkeit und des Respekts, sich mit dem Prof.
abzustimmen! Also sei ein Mann und spreche das mit dem Prof. ab. Ich
kann mir kaum vorstellen, dass er das Ganze grundsätzlich ablehnt. Zur
Not musst Du dann halt andere Lehrmaterialien organisieren.
> Zur Not musst Du dann halt andere Lehrmaterialien organisieren.
Das ist ja genau das Problem: Ich muss mit diesen Materialien arbeiten
können. Die Studenten bereiten sich mit den Übungen und den
Vorlesungsfolien auf die Prüfung vor und wollen in so einem Kurs dann
logischerweise dazu auch Fragen beantwortet haben.
@ [][][] (Gast):
Aufgrund der Urheberrechtslage hier in Deutschland wirst du um ein
Gespräch mit dem Prof nicht herum kommen. Und Abmahnungen werden recht
schnell recht teuer. Ansonsten mußt du Materialien suchen, die das Thema
ähnlich behandeln, aber frei verfügbar sind.
Gruß
Jadeclaw.
Es kommt vielleicht etwas darauf an, was du mit "privat organisiert"
meinst.
Darunter kann man jede Form von Lerngruppe verstehen.
Wenn sich die Studenten dann ihre Unterlagen selbst mitbringen
(sie bekommen die ja von den Profs irgendwie im Rahmen der
Vorlesungen und offiziellen Übungen), ist das problemlos.
Wenn du dagegen kommerziell auftrittst und dafür Unterlagen
zur Verfügung stellst, müssen diese entweder von dir sein oder
die Urheber damit einverstanden sein. Ohne geht es nicht.
Du hast ja keinen Anspruch darauf, daß die Urheber einverstanden
sind.
Klaus Wachtler schrieb:> Wenn du dagegen kommerziell auftrittst und dafür Unterlagen>> zur Verfügung stellst, müssen diese entweder von dir sein oder>> die Urheber damit einverstanden sein. Ohne geht es nicht.>> Du hast ja keinen Anspruch darauf, daß die Urheber einverstanden>> sind.
Oh je - ich hoffe mal, dass es kein kommerzieller kram ist. Wir hatten
an unserer Uni mal Leute, die fuer einen Klausurvorbereitungskurs
Eintritt genommen haben. Das ist dann irgendwann aufgeflogen und da gab
es eine Menge Aerger: Die Uni fand das naehmlich nicht so witzig, dass
in ihren Raeumen kostenpflichtige Veranstaltungen angeboten werden und
hat dann auch direkt mal Kosten in Rechnung gestellt. Die Uni hat die
Leute abgemahnt, u.a. wegen Urheberrecht.
Die Fachschaft fand es auch nicht besonders witzig, dass versucht wird
eine zwei-klassen-uni aufzubauen, die ueber den Geldbeutel bestimmt
wird.
Dabei war alles voellig unnoetig: Im Nachgang haben die Leute sogar nen
Hiwivertrag angeboten bekommen (von Fachschaft und Prof) und sind damit
gehaltlich deutlich besser gefahren. Frag doch wirklich lieber mal beim
Prof oder bei der Fachschaft nach, es ist ueberhaupt kein Problem fuer
so ein zusaetzliches Programm Gelder zu bekommen (hiwi-gehalt,
Kopierkosten, Raeume).
Dann ist alles ganz legal und bestenfalls unterstuetzt euch die FS / der
Prof noch mit altklausuren, etc.
Eine Frage: an welcher uni bist du denn?
Nicht fragen sondern machen. Entschuldigen ist immer besser als
schlafende Löwen zu wecken. Gilt in der Wissenschaft uneingeschränkt.
Kennt ihr die Story vom Cyclotron? Da war mal ein Student an einer
Ostküstenuni und der brauchte für seine Doktorarbeit ein Cyclotron
(evtl. war es auch ein anderes Großgerät). Aber als es geliefert werden
sollte, haben die Lastwagenfahrer gestreikt. Naja, hat er nen Laster
gemietet, ist selbst hin, hat das Teil geholt und der Uni die Liferung
in Rechnung gestellt. Hätte er vorher gefragt, wär er nie durchgekommen.
Nachzulesen in Classic Feynman