Karbit, kennt das noch wer

Gast #1752885
Lesenswert?

Ein früherer Nachbar, Gas- Wasser- Scheiße- Monteur, hatte noch einen 
Karbid-Schweißbrenner. Der ging genau so gut wie die späteren 
Schweißgeräte mit Acetylen-Flaschen. Die Gerätschaften, Schläuche und 
Brenner, waren die selben wie heute. Es war aber etwas 
wartungsintensiver, und zwar, die Rückstände aus dem Behälter zu 
entfernen. Der Behälter, optisch ähnlich einem großen Milcheimer der 
Bauern, sah innen immer aus wie stark mit Kalkstein überzogen.

Von meinem Onkel, mittlerweile 80, weiß ich noch, daß sie bei der Bahn 
Karbid-Lampen hatten. Die Bahnen selbst, hatten wohl als Scheinwerfer 
auch mal Karbidlampen.

Im Bergbau war es zur Beleuchtung auch üblich.

Und wir hatten Angler am Ort. Eine leere Bierflasche mit 
Schnappverschluß, mit Karbid und Wasser gefüllt, trieb die Fische 
betäubt an die Oberfläche eines Weihers. Das soll allerdings verboten 
sein.

Ein wenig nachzulesen gibt es hier:

http://de.wikipedia.org/wiki/Carbide
#1755736
Lesenswert?

Jawoll, das gute Karbid. ;-)
Ich hatte einen sogenannten "Entwickler" dafür. Das ist das Gefäß, was 
Wilhelm weiter oben beschrieb. Es entstand unter Zugabe von Wasser 
Azethylen. Ein Sauerstofffläschchen dazu und man kann prima autogen 
schweißen. Der verbleibende Karbidschlamm ist schneeweiß und als prima
Anstrich für Ställe geeignet, weil die Herren Insekten daran keinen
Gefallen finden, hat man dann Ruhe vor Mücken und solchem Getier.

MfG Paul
Gast #1755774
Lesenswert?

Paul Baumann schrieb:

>Der verbleibende Karbidschlamm ist schneeweiß und als prima
>Anstrich für Ställe geeignet, weil die Herren Insekten daran
>keinen Gefallen finden, hat man dann Ruhe vor Mücken und
>solchem Getier.

Über diese Art der Verwendung fand ich bisher nichts. Kellerwände kalken 
war ja lange modern. Der Karbidschlamm riecht wohl nicht sehr angenehm, 
etwas nach Stinkbombe (Schwefelwasserstoff), da Schwefel als Rückstand 
bei der Karbidherstellung entstand.

Aber: Tolle Anwendung, wenn das einfach so geht.
Gast #1755987
Lesenswert?

Wir hatten früher Russische Imitationshandgranaten die mit Karbit 
funzten.
Das waren Teile. Ein Langes PCV Rohr mit Schraubverschluss(Darinn befand 
sich das Karbit)musste man(n) mit Wasser befüllen und den Deckel (In den 
Deckel war ein sehr starker Gummi) wieder aufschrauben. Ja und das 
Werfen nicht vergessen, weil die Dinger sehr laut waren ;-).
#1756475
Lesenswert?

Wilhelm Ferkes schrieb:
> Jens G. schrieb:
>
>>Aber eigentlich ist Schwefel nicht dabei.
>
> Richtig. Monophosphan heißt die Verunreinigung. Hab nochmal nachgesehen.
> Riecht aber nicht besser.

Ja, das war früher als Phosphin bekannt. Stinkt nach Knoblauch, ist hoch 
giftig und wird in der Schädlingsbekämpfung z.B. in Getreidelagern gegen 
Nager und Insekten eingesetzt.

Bei der Reaktion von Carbid mit Wasser wird es nur in Spuren freigesetzt 
und fällt wegen seines intensiven Geruchs trotzdem auf.
Gast #1756520
Lesenswert?

Uhu Uhuhu schrieb:

>Ja, das war früher als Phosphin bekannt. Stinkt nach Knoblauch, ist
>hoch giftig und wird in der Schädlingsbekämpfung z.B. in
>Getreidelagern gegen Nager und Insekten eingesetzt.

In der Schweißflamme selbst riecht es nicht mehr. Allerdings, für 
Tüftler und Bastler, sollte man das Azetylen nicht einfach so mal 
anzünden, denn es rußt wie der Teufel. Das Gas ist zur freien 
Verbrennung damit ungeeignet. Die Rußentwicklung verschwindet erst bei 
Sauerstoffzufuhr (aus der Sauerstoffflasche) im Brenner.
OP #1757508
Lesenswert?

Florian *.* schrieb:
> Wenn Du genug hochgehen laesst, platzt den Fischen die Schwimmblase
> durch die Druckwelle, sie treiben nach oben und Du brauchst Sie nur noch
> einsammeln.

das verstehe ich jetzt nicht ganz. Bin zwar kein Fischer aber ich nehme 
doch an, dass wenn die Schwimmblase reißt die Fische dann zu Bodenn 
sacken würden. Gerade die Schwimmblase verschafft den Fischen ja den 
Auftrieb...
#1757942
Lesenswert?

Ich kann doch in diesem Punkt auch nur das erzaehlen was mir meine zu 
diesem Zeitpunkt noch nicht verstorbenen Ahnen berichteten.
Leider ist mein Zugang zu Explosivstoffen so beschraenkt, dass 
Experimente zu aufwaendig sind.
Ich glaube aber nicht dass der Fisch das Organ fuer Abtrieb 
zusammendrueckt. Da ist kein Muskel an der Blase.

Ich kann diese Aussage oben also nicht verifizieren.
Vieleicht ein Fall fuer die Sendung mit der Maus?
#1758046
Lesenswert?

Florian *.* schrieb:

> Ich kann diese Aussage oben also nicht verifizieren.
> Vieleicht ein Fall fuer die Sendung mit der Maus?

Das würde mich auch interessieren.
Was ich aus Wikipedia zusammengesucht habe funktioniert das eher so:

Wenn ein Fisch abtauchen will, dann geht mehr Sauerstoff in die 
Schwimmblase, die sich aber wenig ausdehnt. Dadurch wird die Dichte der 
Lufmasse in der Blase höher und der Fisch sinkt ab.

Zum Aufsteigen muss Luft aus der Blase raus, die Dichte sinkt und der 
Fisch steigt auf.


Wie das jetzt aber ist, wenn die Blase platzt ... keine Ahnung.
#1758142
Lesenswert?

Karl heinz Buchegger schrieb:
> Zum Aufsteigen muss Luft aus der Blase raus, die Dichte sinkt und der
> Fisch steigt auf.

Nein, umgekehrt. Das Aufsteigen wird durch Flossenschlag eingeleitet. 
Dabei sinkt der Wasserdruck und die Schwimmblase dehnt sich aus. Es muss 
Gas entfernt werden, damit die Gesamtdichte des Fisches konstant bleibt, 
denn die Dichte des umgebenden Wassers ist ja aufgrund der 
Inkompressibilität nicht vom Druck abhängig.

Beim Abstieg ist es umgekehrt, auch hier wieder: Einleitung durch 
Flossenschlag, danach Auftrieb konstant halten durch Zuführung von Gas 
in die Schwimmblase.

Damit ist auch klar, was beim Dynamitfischen passiert: wenn kein Gas aus 
der Schwimmblase entfernt (bzw. zugeführt) wird, kommt es zu positiver 
Rückkoppelung, der Auftrieb steigt (sinkt) immer weiter, und der Fisch 
schiesst an die Wasseroberfläche (oder sinkt zum Grund). Wenn die 
Schwimmblase platzt, bleibt das Gas trotzdem im Fisch, und derselbst 
Ablauf kann stattfinden.

Dazu muss natürlich erstmal der Aufstieg irgendwie anfangen, das ist 
wohl ein eher zufälliger Vorgang, dazu passend sinken beim 
Dynamitfischen (laut Wikipedia) ca. ein Drittel der Fische auf den 
Grund, während der Rest an die Oberfläche steigt.

Andreas
#1758145
Lesenswert?

Hab in diversen Aquarisikforen nachgeschaut und hab das hier gefunden:
(Man beachte das Datum. :))

http://www.springerlink.com/content/m7615h442160v1k8/

Fazit:
Die Schwimmblase steht unter einem hoeheren Druck als das umgebende 
Medium.
Wenn sie verletzt wird, expandiert Gas in den Fisch und seine 
Verdraengung nimmt zu. Nun bekommt der Fisch hierdurch unerwuenschten 
Auftrieb und zeigt das bekannte Verhalten an der Wasseroberflaeche.

http://de.wikipedia.org/wiki/Archimedisches_Prinzip
Angehängte Dateien:

Antwort schreiben

Bitte melde dich an, um einen Beitrag zu schreiben.

oder

Mit Google-Account einloggen

Die Registrierung ist kostenlos und dauert nur eine Minute.

Jetzt registrieren