Andrew Taylor schrieb:
>> Im Gegensatz dazu ist beim
>> normalen Längsregler der Ausgangstransistor als Spannungsfolger geschal-
>> tet und und bringt dadurch keine zusätzliche Verstärkung mit sich.
>
> Obacht: Genau so ist es aber beim FS12/73 auch geschaltet, 8-)
Nein, das sieht nur auf den ersten Blick so aus (habe ich oben schon
geschrieben, da ich mich erst ebenfalls täuschen lassen habe). Aber
dadurch, dass die Regelschaltung am positiven und nicht am negativen
Netzgerätausgang "aufgehängt" ist, ändern sich die Verhältnisse
komplett.
Der positive Ausgang stellt das gemeinsame Bezugspotential dar. Der
Emitter des Ausgangsdarlingtons liegt (über das Amperemeter verbunden)
auf diesem Bezugspotential. Geregelt wird die Spannung am negativen
Ausgang, der über die Versorgungsspannungsquelle (Trafo und Gleichrich-
ter) mit dem Kollektor des Darlingtons verbunden ist. Damit ist in
Wirklichkeit der Kollektor der Ausgang des Transistorverstärkers, die
Basis der Eingang und der Emitter der gemeinsame Berührpunkt von
Eingangs- und Ausgangskreis, was ganz klar einer Emitterschaltung
entspricht.
Die Verstärkung der Transistorschaltung ist bei Vernachlässigung des
Innenwiderstands des Amperemeters
At = S · Rl
S = Steilheit des Darlingtons
Rl = Gesamtlastwiderstand (Parallelschaltung aus externem
Lastwiderstand und Gegenkopplungsspannunsgteiler)
Sie kann also bei entsprechend großem Rl deutlich größer als 1 werden,
was bei einer Kollektorschaltung nicht möglich ist.
Zur Schleifenverstärkung As kommt noch die Differenzverstärkung Ad des
Opamps hinzu, so dass
As = Ad · S · Rl
Da die Steilheit der Transistoren stark streut, wäre die Schleifenver-
stärkung unkontrollierbar hoch, wenn da nicht noch das Amperemeter mit
seinem Innenwiderstand wäre, der als Emitterwiderstand eine Stromgegen-
kopplung bewirkt, so dass man in der obigen Formel das ungenaue S durch
ein genaueres 1/Ri ersetzen kann.
Dass dieser Widerstand wichtig ist, erkennt man u.a. auch daran, dass im
Schaltplan als Alternative zum Amperemeter "oder R27" angegeben ist.
Weglassen sollte man den Emitterwiderstand also keinesfalls, was eben-
falls für die Emitterschaltung spricht, da beim Spannungsfolger dieser
Widerstand keinen Sinn ergeben würde.
> Du vergißt dabei, das es einige hunderttausend HP- und Gossen-Konstanter
> ebenfalls sind.
Ich bezweifle nicht, dass die HP- und Gossen-Geräte von guter Qualität
sind. Wenn aber der Funkschau-Autor schreibt, er habe lediglich die
Grundidee von HP übernommen, ist das für mich keine Garantie, dass seine
Entwicklung ebenso gut funktioniert wie die von HP :)
> Der wirklich bestehcende vorteil der FS12/3 ist IMHO die universelle
> Verwendbarkeit, die hohe Nachbausicherheit und die wirklich
> sprichwörtliche Gutmütigkeit der Schaltung.
Das mit der Gutmütigkeit ist so eine Sache: Wenn man die Schaltung un-
verändert nachbaut, glaube ich schon, dass sie funktioniert. Sobald man
aber Bauteile ändert oder gar versucht, die Schaltung zu vereinfachen,
hält man recht schnell einen Oszillator in Händen. Egon ist es genau so
ergangen, als er versuchte, die Schaltung auf ihre wesentlichen Kompo-
nenten zu reduzieren.
Macht man entsprechende Vereinfachungen bei einem Spannunsgregler mit
Emitterfolgerausgang (einschließlich dem Weglassen jeglicher Komponenten
zur Frequenzkompensation), wird der Regler bei Laständerungen zwar hef-
tig klingeln, aber mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit keine ungedämpften
Schwingungen erzeugen, wie sie bei Egon aufgetreten sind.