Johannes schrieb:
> Aber da sollte nicht so viel Unterschied sein, oder?
Ähh, doch.
Die unter Windows üblichen Dateisysteme FAT16/32 und NTFS erlauben schon
während des Bootvorganges Schreibzugriffe, was Windows auch sehr stark
nutzt. NTFS ist zwar ein sog. Journaling-Dateisystem, was theoretisch
Inkonsistenzen bei Abstürzen verhindern soll, aber trotzdem können
Probleme auf Applikationsebene auftreten.
Bei normalen Desktop-Linux-Distributionen sieht es ähnlich aus.
Um nun jedoch einen zuverlässigen, jederzeit unterbrechbaren Bootvorgang
zu ermöglichen, ist es wichtig, unveränderliche bzw. selten
veränderliche Dateisystembestandteile von den veränderlichen sauber zu
trennen. Hierfür genügt es nicht, sie in unterschiedliche Verzeichnisse
zu packen, sondern es sollten wirklich unterschiedliche Dateisysteme und
ggf. auch Typen sein.
Bei Linux-/UNIX-Systemen ist es kein Problem, solch eine Aufgliederung
vorzunehmen, d.h. im einfachsten Fall für /, /boot, /bin, /usr, usw. ein
oder mehrere DAteisysteme gleich mit der Read-Only-Option zu montieren
(Eintrag "ro" in /etc/fstab) und /var, /tmp, usw. mit Schreibzugriff zu
versehen.
Man sollte jedoch unbedingt für den Fehlerfall die Möglichkeit vorsehen,
einen Dateisystemcheck OHNE Benutzereingriff durchführen zu können,
z.B. durch geeignete fsck-Optionen. Und noch besser ist es, im Falle
einer gescheiterten Dateisystemrekonstruktion auf eine zur Laufzeit
frisch erzeugte Version zurückgreifen zu können. Die Vorlage hierfür
sollte dann schon in dem/n unveränderlichen Dateisystem(en) bereitliegen
oder per Shellskript erzeugt werden können.
Aber egal, wie man vorgeht: Um ein zuverlässiges System zu erhalten,
muss man sich genau verdeutlichen, welche Komponente welche Dateien
verändern oder temporär/dauerhaft erzeugen kann. Und da ist ein
Linux-System wesentlich besser zu durchschauen als ein Windows-System.
Letztere sind schon deswegen problematisch, weil ständig schreibend auf
die Registry zugegriffen wird.