Mit dem "Ruf" ist es immer so eine Sache. Ich kann mich noch darin
erinnern, dass vor einigen Jahren Dinge wie "Exzellenzinitiative"
gestartet werden sollte und "Leuchttürme" unter den Hochschulen gesucht
werden sollten. Natürlich war dann jede Hochschule bemüht ihr Image
aufzupolieren, denn es geht wie immer auch um Geld. Auf diese Weise
einen Ruf zu definieren, sehe ich kritisch.
Ich kenne auch noch die sog. "Ranking-Listen" der Blättchen Focus,
Spiegel und entsprechende Sonderausgaben von Zeitungen. Dort wird
versucht, der Frage nazugehen, wo es sich am besten studiert und welche
Hochschule bei Bewerbungsempfängern am besten ankommt. Ich muss
gestehen, dass ich die endgültige Bewertung nie so ganz verstanden habe.
Aber einige Punkte machen schon sehr stutzig. So werden u.a. folgende
Punkte bewertet (=gerankt"):
- "Ausstattung". Ausstattung sehe ich persönlich als sehr unwichtig an.
Solange es nicht gerade durchs Dach tropft ist mir die Ausstattung einer
Hochschule ziemlich egal. Wenn z.B. die an der Hochschule verfügbaren
Computer ins Verhältnis gesetzt werden zur Studentenzahl, so macht das
für mich wenig Sinn. Jeder hat einen Computer zu Hause, ansonsten lässt
sich ein alter, brauchbarer PC für einen Kasten Bier besorgen. Wenn in
Übungen z.B. Matlab gebraucht wird, kann man sich auch zu zweit oder
evt. zu dritt einen PC teilen, darin sehe ich auch kein Problem. Fördert
die Teamfähigkeit, die angeblich doch so wichtig ist für Ing.s.
- "Betreuungsverhältnis". Sehe ich auch als weniger relevant. Ob ein
Prof jetzt 100 oder 500 Studenten betreut, in beiden Fällen ist eine
Individualbetreung nicht ansatzweise möglich. Es kommt eher auf die
persönliche Bereitschaft der Mitarbeiter einer Fakultät an, sich auch
mal ne Stunde hinzusetzen und einer Lerngruppe was zu erklären. Diese
Bereitschaft ist meiner Erfahrung nach extremst(!!) unterschiedlich
stark ausgeprägt. Sie reicht von mehreren Stunden Zeit nehmen bis
komplett abwimmeln.
- "Anzahl der Patente". Auch solche Zahlen sind für den, der noch
studiert und sich durch Klausuren kämpfen muss auch nicht so relevant.
- Auch solche Dinge, wie Anzahl der Bücher in der Bibliothek sehe ich
als eher unwichtig. Ntürlich ist es schön, wenn bestimmte Standardwerke
in ausreichnder Anzahl zur Verfügung stehen und sich nicht 60 Studenten
auf 5 Bücher stürzen. Aber ein Buch kann man auch günstig kopieren. (Für
die Juristen: Ein Buch zu kopieren ist natürlich nicht legal, und
deshalb nicht anzuraten.)
Wenn du mit "Ruf" aber meinst, wie sehr du den Bewerbungsempfänger
beeindruckst, dann zählen auf einmal ganz andere Kriterien. Hier ist
eine gewisse Größe und ein hoher Bekannheitsgrad von Vorteil. Stichwort
"Stallgeruch", von manchen Hochschulen werden (fast) ganze Jahrgänge bei
bestimmten Unternehmen eingestellt. Das Unternehmen versucht so, das
Risiko für sich zu verringern, in dem es auf die gleichbleibende
Qualität der Absolventen vertraut. Oder der Abteilungsleiter stellt
bevorzugt Leute ein, die auf der gleichen Hochschule waren wie er
selbst. Ob das jetzt gut ist, steht auf einem anderen Blatt.