Hi,
ich frage mich folgendes:
wenn ich einen Handelsüblichen PC betrachte mit drehenden Festplatten
und Lüftern usw... der sagen wir mal mit einem 300Watt Netzteil
ausgestattet ist und im Normalbetrieb 180-200Watt aufnimmt, wieviel
dieser Energie wird wohl in Wärme umgesetzt?
Wenn ein Prozessor 10A und 5V aufnimmt wenn er voll ausgelastet ist,
wird dann die gesamte Energie auch in Wärme umgewandelt, wenn nicht,
worin denn dann?
Gruß,
Jens
Naja, wenn ich einen Ventilator mit 60Watt Energieaufnahme habe, wird
wohl nicht alles in Wärme umgesetzt, denn das Teil muss sich ja auch
noch drehen...
Wenn ich Elektrolyse betreibe wird wohl auch nicht alles in Wärme
umgesetzt...
Wenn ich eine LED betreibe gibts doch mehr Licht als Wärme, oder?
Wenn ich nun einen Prozessor betreibe... Kann ich mir das so vorstellen
das die Wärmeabgabe 1:1 der Leistungsaufnahme entspricht?
Könnte man das "Rechnen" als Abfallprodukt das es "um sonst" dazu gibt
bezeichnen?
Dann könnte also jeder Herd gleichzeitig noch rechnen und einen Topf
Wasser heiß machen, ohne das das Rechnen "extra" kostet?
Jens
jens schrieb:> Dann könnte also jeder Herd gleichzeitig noch rechnen und einen Topf> Wasser heiß machen, ohne das das Rechnen "extra" kostet?
Wenn du da anstatt der Herdplatte einen Prozessor einbaust und den
sinnlos vor sich her rechnen laesst ja. Wobei sin/cos funktionen das was
Wasser eher kochen lassen als simple Additionen.
>Wenn ich eine LED betreibe gibts doch mehr Licht als Wärme, oder?
Schoen waers.
jens schrieb:> Naja, wenn ich einen Ventilator mit 60Watt Energieaufnahme habe, wird> wohl nicht alles in Wärme umgesetzt, denn das Teil muss sich ja auch> noch drehen...
Und in was denkst Du wird die kinetische Energie des sich bewegenden
Gases endgültig umgesetzt?
jens schrieb:> Wenn ich Elektrolyse betreibe wird wohl auch nicht alles in Wärme> umgesetzt...
Natürlich, denn Du speicherst einen Teil der eingesetzten Energie in
chemischer Energie, das wäre vergleichbar mit einem Gewicht, daß du
mechanisch hochhebst/ziehst, das hat dann Lageenergie.
Wenn Du nachweisen kannst, daß ein Ergebnis einer Rechnung einen
Energiespeicher darstellt, dann denke ich hast Du Chanchen auf den
Nobelpreis :-)
> Naja, wenn ich einen Ventilator mit 60Watt Energieaufnahme habe, wird> wohl nicht alles in Wärme umgesetzt, denn das Teil muss sich ja auch> noch drehen...
Alles, denn auch die bewegte Luft prallt an die Wand und verwandelt sich
dort in Wärme.
> Wenn ich Elektrolyse betreibe wird wohl auch nicht alles in Wärme> umgesetzt...
Richtig, da gibt es ein chemisch anderes Endprodukt, welches du
raustragen kannst.
> Wenn ich eine LED betreibe gibts doch mehr Licht als Wärme, oder?
Nein.
Erstens weniger Licht als Wärme, zweiten wird auch das LIcht welches auf
deinen Schreibtisch fällt und letztlich auf deine Netzhaut zu Wärme.
> Wenn ich nun einen Prozessor betreibe... Kann ich mir das so vorstellen> das die Wärmeabgabe 1:1 der Leistungsaufnahme entspricht?
Sicher.
> Dann könnte also jeder Herd gleichzeitig noch rechnen und einen Topf> Wasser heiß machen, ohne das das Rechnen "extra" kostet?
Bewegter Propeller, bewegte Luft, Licht, oder Bitschubserei ist nur ein
Umweg auf dem Weg zur Wärme. Deine Herdplatte macht keine Umwege (aber
deren Wärme geht durch deinen Magen).
@ jens:
Ich mag mich irren, aber ich meine zwischen den Zeilen Deiner Frage und
aus Deiner Replik auf die erste Anwort zu lesen, dass Du danach fragst,
ob das Rechnen selbst als ein Energie umwandelnder Vorgang zu betrachten
ist.
Die Antworten so weit stimmen. Sämtliche Energie, die über das Netzteil
in den Rechner kommt wird entweder in Wärme (oder durch den Lüfter in
kinetische Energie, was aber letzlich auch Wärme bedeutet) umgesetzt.
Man könnte demnach tatsächlich auf einem Rechner kochen und dabei
sämtliche Energie nutzen, die man hineinsteckt. Das gilt unabhängig
davon, ob man etwas "sinnvolles" rechnet oder auch nur von 0 bis 2^16
zählt und dann wieder von vorne beginnt.
Aber ich will mich, wie ich hoffe in Deinem Sinn, trotzdem einmal der
Frage nähern, ob das Rechnen selbst ein Energieumwandlungsprozess ist.
Es scheint, naiv betrachtet (und dagegen ist grundsätzlich nichts
einzuwenden) etwas paradox, das der Rechner etwas tut, ohne das die
dafür nötige Energie in der Energiebilanz fehlt. Das er etwas erzeugt,
nämlich Information, ohne das an anderer Stelle etwas fehlt. Wir
behaupten ja das alle Energie in Wärme umgesetzt wird.
Dazu muss man in Betracht ziehen, das "Information" immer und
grundsätzlich in physikalischen Zuständen "repräsentiert" wird. Sie ist
auf Papier niedergeschrieben, in der neuralen Aktivität unseres Gehirns
enthalten und eben, im Fall des Computers als Ladezustand eines
Kondensators oder Schaltzustand einer mehr oder minder komplexen
Transistorschaltung (Gatter, Flip-Flop) dargestellt.
Im Umkehrschluss kann man sagen, das es keine Information ohne physische
Repräsentation gibt. (Sehen wir mal von metaphysischeren
Betrachtungsweisen ab).
Wir manipulieren also beim Rechnen nicht die abstrakte Information
sondern deren Repräsentation. Wir radieren einen Bleistiftstrich aus,
laden oder entladen einen Kondensator oder änderen den Zustand eines
Transistors von durchgesteuert in gesperrt und umgekehrt.
Aber ist "Information" tatsächlich immer verkörpert und ist sie es
vollständig? Gibt es keinen keinen Zipfel der, für sich betrachtet eine
Existenz unabhängig vom materiellen und energetischen hat? Wenn ich
Informationen miteinander verrechne und so in einen neue umwandle (man
beachte die Energie-Information-Äquivalenz: Man kann Information nicht
erzeugen nur umwandeln), braucht das nicht immer Energie?
Nimmt man das geschriebene Wort, so könnte man die Frage so formulieren.
Wenn ich schreibe, so verbrauche ich Tinte dafür. Wenn ich sehr klein
und immer kleiner schreibe, gibt es dann eine Grenze ab der ich keine
Tinte mehr brauche, aber dennoch eine Information vorhanden ist? Die
Antwort ist: Nein. Um die Information abzulesen muss sie irgendwie
materialisiert sein. Ergo brauche ich immer ein Mindestmaß an Tinte
dafür. Mache ich durch einen zusätzlichen Strich aus einem Minus ein
Plus, so brauche ich wieder Tinte dafür.
OK. Das war natürlich nur eine Analogie zum Computer. Da ist das alles
scheinbar inmateriell, der Strom, die Ladung wie die Information. Gilt
die Analogie hier noch? Ja, sie gilt. Obwohl nicht sichtbar ist Ladung
und Strom eine materielle Eigenschaft. Elektronen haben, wie die Tinte
eine Masse. Ein Vorrat davon (in einem Kondensator z.B.) ist
erschöpfbar.
"Information" ist nicht Tinte. Sie ist auch nicht Energie oder besteht
aus Energie.
Die erste der obigen Fragen habe ich aber noch nicht beantwortet: Ist
"Information" immer und grundsätzlich materiell repräsentiert? Nun, das
ist nie abschliessend zu beantworten. Man kann nur sagen, das wir bisher
keinen Weg gefunden haben Information unabhängig von einem materiellen
oder energetischen Träger aufzubewahren geschweige denn inmaterielle,
nicht-energetische Information mit der ersten Art in Wechselwirkung
treten zu lassen. Aus dem selben Grunde haben wir noch keine Weg
gefunden Information auf einem nichtmateriellen, nichtenergetischen Weg
miteinander zu verknüpfen und damit in neue Information umzuwandeln.
Das ganze beruht, letztendlich auf folgender Aussage: Information für
sich genommen ist kein physikalischer Zustand oder Vorgang. Sie benötigt
immer einen materiellen oder energetischen "Träger". Daher muss auch
eine Speicherung oder Umwandlung in dem Paradigma von Materie und
Energie stattfinden.
Die oben, nebenbei erwähnte Energie-Information-Äquivalenz könnte man
hilfsweise als Grundlage einer Denkfigur benutzen. Wenn Information
etwas ist, das unabhängig von Materie und Energie ist, dann ist sie
vorher vorhanden und bei der Manipulation der materiellen
(energetischen) Konfigurationen im Rechner wird die Information
sozusagen parallel manipuliert und damit umgewandelt und ausgegeben.
Damit stimmen beide Bilanzen.
Etwas abstrakt das Ganze, aber darauf läuft Deine Frage hinaus (wenn ich
sie recht verstanden habe). Kannst Du mit der Erklärung etwas anfangen?