>Es wird aber wahrscheinlich ein Ringkerntransformator und somit
>ein Trafo sein welcher für Schutzklasse I vorbereitet ist.
>Um den Fall zu verdeutlichen wird der Schutzleiter am Gehäuse
>leitend befestigt. Die Schaltungsmasse wäre gleichzeitig der "Minus-Pol"
>des Labornetzgerätes und somit könnte man diese "Schaltungsmasse" auch
>berühren. ( War das wichtig für die richtige Wahl des Kondensators? )
In diesem Fall müßte der Minuspol geerdet werden.
Besorg dir doch einfach einen Schutzklasse II Ringkerntrafo, die gibt es
ja immer öfter.
>1.
>Die WIMA MP3 Kondensatoren haben eine Bemessungsspannung von nur 250VAC
>-
>Sind diese für diesen Zweck auch richtig?
Wie schon gesagt, wenn es denn ein Schutzklasse II Trafo ist, dann
kannst du die Schaltungsmasse weich erden. Welche Spannung dieser Cap
aushalten muß, hängt auch davon ab, wie weit du die Schaltungsmasse
floaten lassen willst. Manchmal schaltet man ja die Ausgänge von
Labornetzteilen ja in Serie. Das muß der Cap dann natürlich aushalten.
Denk daran, daß dieser Kondensator auch ESD aushalten muß. Also 1nF/50V
keramisch, nur als Beispiel, geht dann in die Hose!
Du kannst den MP3 schon verwenden, so 10...100nF. Ein Y-Cap oder
zumindest ein X-Cap ist aber wesentlich robuster.
>2.
>Wie positioniere ich diesen Kondensator richtig?
>Ich habe an den Anschlusspins des Printrafos 2 Masseflächen welche
>auf einer Wannenbuchse gehen womit eine zweite Leiterkarte mit Spannung
>versorgt wird.
Ich kenne deine Schaltung jetzt nicht, aber jede Masse einer erzeugten
Versorgungsspannung sollte einen sehr kurzen HF-PFad zum geerdeten
Gehäuse haben, am besten dort, wo der Schutzleiter festgemacht wird,
oder sich das Netzfilter befindet. Also führst du die erzeugte Spannung
zu dieser Stelle zurück und verbindest die jeweilige Masse über einen
Cap mit dem Gehäuse. Auf diese Weise können über das Netz eindringende
Störungen sofort wieder über den Schutzleiter zur Erde zurückgeführt
werden, ohne daß sie all zu weit ins Innere der Schaltung vordringen
können. Schalte über jede Diode des Gleichrichters dazu 10...47nF Caps.
Falls du die Ausgänge des Labornetzteils an einer anderen Stelle durch
das Gehäuse führst, machst du dort noch mal einen solchen Cap direkt von
der Minuspol-Buchse zum Gehäuse. Über die Anschlüsse des Labornetzteils
schaltest du noch einmal einen solchen Cap. Dann kann ESD von jedem der
Pole direkt zum Gehäuse abfließen.
>3.
>Was ist mit "Weich" geerdet gemeint?
Das Erden für HF aber nicht für DC, also beispielsweise mit einem
Kondensator. Man sagt dazu im Angelsächsischen auch "Hybrid Grounding".
Das Ziel des Weich-Erdens ist es, Störungen wie bei einer direkten
Erdung zur Erde zurück zu schicken, ohne für DC oder 50Hz aber eine
direkte Verbindung zu haben, beispielsweise um Brummschleifen zu
unterdrücken aber auch um die Ausgangsspannungen von Labornetzteilen in
Serie schalten zu können.
Vergiß nicht, dem Cap einen hochohmigen Widerstand parallel zu schalten,
damit sich dort keine störenden DC-Potentiale bilden können. 1M ist
gewöhnlich ausreichend. Falls der Cap mit Surge beansprucht wird, muß
dieser Widerstand natürlich auch Surge aushalten können. Dafür gibt es
spezielle Widerstände.
Kai Klaas