Hallo!
Ich habe eine Verständnisfrage. Ich bin zwar Kommuniationselekroniker
kann mir das geschriebene aber nicht erklären. Und zwar mache ich
hobbymäßig Modellbau. Es gibt im Internet Anleitungen für
Begrasungsanlagen (Geräte, die Hochspannung erzeugen um das Gras
mithilfe der elektrostatischen Anziehungskraft stehen zu lassen).
Ich habe folgende Seite gefunden:
http://www.opendcc.org/elektronik/begrasungsgeraet/Begrasungsgeraet.html
Da wird über einen Trafo aus einer 12V-Wechselspannung eine Spannung von
230V erzeugt. Die darauf folgende Kaskadenschaltung von
Villardschaltungen verdoppeln diese Spannung um insgesamt 8x. Bei 230V~
sind das 325V Scheitelspannung x 8 Stufen = 2,6KV
1. Frage
Wieso ist hier von 4,5KV die Rede?
2. Frage
Gehen wir davon aus es wären die 4,5KV. Warum droht dann
Stromschlag-Gefahr? Der Begrenzungswiderstand ist dort mit 10 Meg
angegeben. Laut ohmschen Gesetz I=U/R
I = 4500 / 10.000.000 Ohm = 0,00045 = 450µA
Einen so kleinen Strom merkt der menschliche Körper doch nicht oder
liege ich da falsch? Da würde ein 9V-Block mehr Strom durch den Körper
jagen, wenn man ihn berühren würde oder mache ich einen Denkfehler?
I = 9V / 3K (Körperwiderstand) = 3mA
Schöne Grüße aus Südhessen,
Alex
Alex schrieb:> 2. Frage>> Gehen wir davon aus es wären die 4,5KV. Warum droht dann> Stromschlag-Gefahr? Der Begrenzungswiderstand ist dort mit 10 Meg> angegeben.
Stromschlag bedeutet nicht gleich Lebensgefahr. Denk einfach mal an
statische Aufladung - das Knistern, den kleinen Stich und der (große)
Schreck -> das kann böse Folgen haben im Gegensatz zum Strom in diesem
Fall.
Hallo mhh,
Danke für Deine Antwort. Was meinst Du mit knistert? Ein akustische
Geräusch?
Wenn ja, dann verstehe ich das nicht.
Wenn man einen geladenen Elko über eine Drahtbrücke entlädt kann das
schön knallen und man erschreckt und kann z.B. von einer Leiter fallen -
aber nicht bei 10 MOhm, oder? Da gibt es sicher nicht mal Funken würde
ich denken.
Doch, einen Funken kann es geben, auch bei kleinem Strom. Direktes
Berühren ist also wohl beseer als die kleine Luftstrecke, wo sich ein
Funken bzw. eine Gasentladung aufbauen kann. In Luft bei 4.5 kV kann das
mehr als ein cm sein, je nach Umgebungsbedingungen (Feuchte!).
Alex schrieb:> aber nicht bei 10 MOhm
Frage wäre ob dieser eine Widerstand für diese Spannung lt.Datenblatt
geeignet ist. Sonst ist er nur eine bessere Funkenstrecke.
Ein ausreichend geladener MP-Kondensator 0,1 uF kann auch nach Tagen
noch ein böses Zucken verursachen (war typischer Lehrlingsstreich).
Nicht nachmachen!
Alex schrieb:> Wenn ja, dann verstehe ich das nicht.
Noch nie an die Autotür gefasst und eine "gewischt" bekommen?
Und ja, als Funkenüberschlag ist es manchmal auch zu hören.
Oha... doch noch einige hier im Forum unterwegs...
>Noch nie an die Autotür gefasst und eine "gewischt" bekommen?
doch, natürlich habe ich schonmal vom Auto eine gewischt bekommen...
aber da habe ich ja auch keinen 10Meg-Widerstand zwischen Auto und Hand.
>Frage wäre ob dieser eine Widerstand für diese Spannung lt.Datenblatt>geeignet ist. Sonst ist er nur eine bessere Funkenstrecke.
Gilt der Nennwert nicht für alle Spannungen? Schon klar, dass ich bei
4,5KV keine 0603 SMDs nutzen sollte... aber bedrahtete Widerstände
sollten doch keine Probleme machen, oder?
>Doch, einen Funken kann es geben, auch bei kleinem Strom. Direktes>Berühren ist also wohl beseer als die kleine Luftstrecke, wo sich ein>Funken bzw. eine Gasentladung aufbauen kann. In Luft bei 4.5 kV kann das>mehr als ein cm sein, je nach Umgebungsbedingungen (Feuchte!).
Das mit der Funkenbildung wusste ich nicht... ich dachte das ist
abhängig vom Strom und nicht von der Spannung. Man merkt, dass ich in
den 3,5 Jahren Lehrzeit nur mit Spannungen <24V zu tun hatte :D
Alex schrieb:> 1. Frage>> Wieso ist hier von 4,5KV die Rede?
Weil die Schaltung eigentlich das 16fache liefert, das wären rund 5,2kV
im Leerlauf. Aber die beiden Trafos und auch sonstige Verluste werden
dies auf die 4,5kV reduzieren.
Alex schrieb:> 2. Frage>> Gehen wir davon aus es wären die 4,5KV. Warum droht dann> Stromschlag-Gefahr? Der Begrenzungswiderstand ist dort mit 10 Meg> angegeben.
Naja, die Hauptgefahr sehe ich in dem einzigen, mickrigen
10MOhm-Widerstand. Der ist niemals für 5kV ausgelegt!
Zur eigenen Sicherheit sollten die 10Meg durch eine Reihenschaltung von
ausreichend spannungsfeste Widerstände ersetzt werden und auch
überschlagsfrei angeordnet werden.
Außerdem weist der Autor des verlinkten Beitrags auch die Tatsache hin,
dass hier eingangsseitig Netzspannung verarbeitet wird und der Aufbau
fachgerecht ausgeführt werden muss.
mhh schrieb:> Aber Deine Schuhsohlen.
Hallo Alex,
was mhh damit sagen will: DU bist in diesem Fall ein kleiner
Kondensator, der sich sehr schnell (Schpratzzzzel) auflaedt, obwohl der
GLEICHStrom durch den Widerstand "Schuhsohle" gering ist.
Bei den Hochspannungserzeugern, die Du meinst, ist das aehnlich:
Der Dauerstrom ist zwar durch den Vorwiderstand niedrig, es gibt aber,
bedingt duch alle Metallteile/Leitungen/PLatten, die am Ausgang des
10MOhm angeschlossen sind, einen Kondensator, der sich beim ANfassen
gaaaanz schnell entladen kann, egal wie langsam er aufgeladen wurde!
Gruss
Michael
>Das mit der Funkenbildung wusste ich nicht... ich dachte das ist>abhängig vom Strom und nicht von der Spannung. Man merkt, dass ich in>den 3,5 Jahren Lehrzeit nur mit Spannungen <24V zu tun hatte :D
Du brauchst Spannung, um Strom zu erzeugen (nicht andersherum).
Das ist genau wie in einem Wasserleitungssystem - ohne Wasserdruck
(Spannung) läuft kein Wasser (Strom)
....Ich bin zwar Kommuniationselekroniker...
jaja, kann viel und weiss nichts, genauso wie Mechatroniker
und Laboringineure und wie sie alle heißen, scheiß neue Gesellschaft,
nur noch Luftnummern und Vollidioten.
Grüße
Bedenke, dass der allgemeine Beruf "Elektroniker" sehr weitreichend ist
und in 3,5 Lehrjahren nicht auf simple Analogbastelei konzentriert.
Also bitte mit solchen Aussagen aufpassen.
Nicht jeder ist ein allwissender Überflieger in seinem Beruf.