EGSler schrieb:
>Ich wollte euch EGSler mal fragen wann ihr in eurer
>Ausbildung ein Metallverarbeitungspraktikum gemacht
>habt ?
Du möchtest sicher was moderneres wissen, nicht von so einem alten Eisen
wie mir. Ich schreib trotzdem mal was:
Gut, es ist schon eine Weile her. Als Fernmeldehandwerker-Azubi, machte
ich bei der Post (heute Telekom) von 1975-1978 etwa 2-3 Monate
Werkstoffbearbeitung. Metalle und Kunststoffe. Und zwar sofort am Anfang
der Ausbildung, um nicht gleich verwöhnt zu werden. Erst mal alles rund
um Feilen, Sägen, Schlichten, Bohren, Drehen, um am Ende ein absolut
sauberes Werkstück hin zu bekommen. Die habe ich teilweise heute noch zu
Hause: Zapfenstück, Lackierblech mit entsprechenden Aussparungen,
Anreiß-Körner-Bohrplatte (um defekte Gewinde von Maschinenschrauben
wieder gängig zu machen, sehr kniffelig, mehrteilig, da war
Gewindeschneiden und Nieten drin, wobei die Nietköpfe unsichtbar
weggefeilt werden). Wobei nicht Nieten aus der Nietzange, sondern
richtig massive wie beim Schmied, und sogar noch selbst gemacht. Alles
in der betriebseigenen Werkstatt. Mit genauester Bewertung nach einem
Bewertungsschlüssel und Notensystem, und anschließender praktischer und
theoretischer Prüfung. Ja, ich hatte da auch Schlosser und
Schmiedemeister als Lehrmeister. Es ist mir nicht schlecht bekommen,
nutze diese Kenntnisse heute noch, wo immer sie nötig sind. Vor allem,
waren sie als Grundlagen für den späteren Kundendienst nötig und
sinnvoll. Man sollte ja später alleine ohne fremde Hilfe alles montieren
können, was nötig ist. Hatte damals Bekannte bei der Bahn und Telenorma,
Siemens, wo es ähnlich war.
Die Jahrgänge vor mir, hatten auch mal 9 Monate Werkstoffbearbeitung.
Einen Würfel feilen, war damals als kniffeliges Werkstück angesagt.
Strafarbeiten, gab es damals schon erheblich weniger als in der Zeit
davor, aber wenn, dann mußte man auch mal eine Scheibe von Hand von
einer Eisenbahnachse (d=10cm) absägen...
Heute braucht man das handwerkliche nicht mehr so, da haben sie z.B.
Kunststoff-Schrumpfmuffen, die sich von selbst in Form ziehen. Oder
LSA-Kontakte (Löt- und Schraubfreie Anschlüsse). Es ist aber nicht
schlecht, zu wissen, daß man nicht 2 linke Hände hat... ;-)
Die neueren Telekommunikationselektroniker haben so gut wie keine
handwerkliche Ausbildung mehr. Die müssen nur mal mit einem
Schraubenschlüssel eine Erdkabelmuffe auf und wieder zu schrauben
können, und vielleicht hier und dort noch einen Draht mit dem
Elektrolötkolben löten können.
EGSler schrieb:
>Ich bin jetzt im 3. Lehrjahr und hab noch garnichts, bis auf
>3mal kurz was bohren und feilen, in der Richtung gemacht
Sicher ohne fundierte Grundkenntnisse. Gibt es da in deiner Gegend nicht
öffentliche Lehrwerkstätten, wo du z.B. im Rahmen der Ausbildung mal
einen Monat hin kannst? In meiner Gegend, westliches RP, gab es sowas.
Da schickten dann Kleinstbetriebe, z.B. eine 3-Mann-Heizungsbaufirma,
auch mal ihre Azubis hin, damit die fundiert Grundkenntnisse über Metall
lernen. Die betriebliche Ausbildung und Berufsschule, können das nicht
immer alles bewältigen.
Johannes M. schrieb:
>in der Zeit haben wir auch das Gehäuse für unsere eigene
>Lötstation gebaut.
Wir schmiedeten Aschenbecher für die Tische der Werkskantine. Sie waren
nicht die schönsten, aber auch nicht so häßlich, damit sie nicht geklaut
wurden, und eines Tages keiner mehr da war. ;-)