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Forum: Offtopic Wohnung Mieten


Autor: Da Dieter (dieter)
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Ich möchte demnächst eine neue Wohnung mieten. Das wird meine erste 
Wohnung nach dem Studentenwohnheim :-)

Ist es eigentlich üblich noch über den Mietpreis zu verhandeln? Also 
wenn in einer Anzeige (z. B. im immonet.de) eine Nettomiete angegeben 
ist, rechnet ein Vermieter da noch mit etwas runterhandeln, oder ist 
sowas bei Mieten unüblich?

Was eine Indexmiete ist, hab ich zwar ergooglet. Aber wird soetwas 
öfteres verwendet? Oder ist das eher selten? Weil der allgemeine 
Mietspiegel und der Index der Lebenshaltungskosten gehen ja nicht 
unbedingt parallel.

Viele Grüße,
Dieter

Autor: A. None (bastelmaniac)
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Man kann über die Miete reden.

Aber meine Erfahrung ist, dass die Vermieter nur sehr selten bereit sind 
die Miete zu senken. Sie sind ja auch meistens in der wesentlich 
komfortableren Situation mehrere Interessenten zur Auswahl zu haben. 
Irgendeiner wird den Mietpreis schon schlucken.

Relativ starke Hebel hast du nur dann, wenn die Wohnung offentsichtlich 
ungefragt ist und am besten auch den Grund dafür kennst. Den Grund/die 
Gründe solltest du schon sehr genau kennen, denn nur so kannst du 
entscheiden ob du damit leben kannst, oder nicht. Und auch nur so kannst 
du dann vernünftig Verhandeln.

Autor: Leo ... (-headtrick-)
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>Weil der allgemeine Mietspiegel
Gibts meines Wissens nicht.
Manche Kommunen haben einen, manche nicht.
Man kann versuchen zu verhandeln, sehe aber da kaum Chancen.
Viel übler ist die Unsitte der Vermieter Nachweise über
frühere Mietverhältnisse zu verlangen, weil Mietnomaden
die Branche gelegentlich aufgemischt haben.

Autor: Mike Strangelove (drseltsam)
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Kommt drauf an, wo Du suchst. In München brauchst Du gar nicht zu 
verhandeln, dann nimmt Dich keiner, in Berlin dagegen haste gute 
Chancen. Leipzig, Chemnitz ebenfalls, praktisch der ganze Osten.
Meine Erfahrungen nach 4 Wohnungen:

-Nettomiete lässt sich kaum verhandeln, aber die Vermieter versuchen 
Dich zu verarschen, indem sie die Nebenkosten runternehmen. Das zahlst 
Du dann aber nach einem Jahr nach!
-Schau auf jeden Fall, ob die NK realistisch sind. Allzuviel unter 2 
Euro pro m2 wirst Du nicht kommen. Vielleicht 1,80 Euro. Nimm keine 
Dachwohnung, Du heizt Dich blöd.
-Verhandlungsspielraum besteht so gut wie immer bei mietfreien Monaten. 
Sag Du hast noch ne alte Wohnung und Kündigungsfrist und würdest gern 
einen Monat kaltmietfrei haben. NK musst Du immer zahlen. Teilweise kann 
man die Leute bis 3 Monate kaltmietfrei runterhandeln, kommt aber auf 
die Region an.
-Kaution sollte man verzinst anlegen (Kautionssparbuch oä)
-Versuch ohne einen Makler auszukommen, also provisionsfrei bei einem 
privaten Besitzer oder einer Hausverwaltung anzumieten. Immobilienmakler 
sind widerliche, blutsaugende Insekten, die eigentlich in Zeiten des 
Internet keiner mehr braucht. In manchen Hochnachfragegebieten geht es 
aber meist nicht ohne (Köln, München, Stuttgart).
-Achte auf den Zustand des Hauses, Treppenhauses und der Wohnung. Sagt 
meist viel über die Vermieter aus.
-Pass auf bei Studis im Haus, teilweise können die Dich mit Lärm in den 
Wahnsinn treiben.
-Nicht zu viele Löcher bohren, die muss man alle wieder zuspachteln :-(

Viel Glück!

Autor: Juppi J. (juppiii)
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Mike Strangelove schrieb:
> Kommt drauf an, wo Du suchst. In München brauchst Du gar nicht zu
>
> verhandeln, dann nimmt Dich keiner, in Berlin dagegen haste gute
>
> Chancen. Leipzig, Chemnitz ebenfalls, praktisch der ganze Osten.

..wo hast du das her?
Etwa vom Vermieter Flüsterer.
;-))

Autor: Uhu Uhuhu (uhu)
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Mike Strangelove schrieb:
> -Nettomiete lässt sich kaum verhandeln, aber die Vermieter versuchen
> Dich zu verarschen, indem sie die Nebenkosten runternehmen. Das zahlst
> Du dann aber nach einem Jahr nach!

Na ja, so einfach ist das meistens nicht, denn dein Verbrauchsverhalten 
hat - wenn überhaupt - nur einer unter Kontrolle. Der Vermieter auf 
jeden Fall nicht.

> -Kaution sollte man verzinst anlegen (Kautionssparbuch oä)

Nicht sollte, die muß verzinst angelegt werden. Allerdings hat man da 
im Moment nichts davon.

> Immobilienmakler
> sind widerliche, blutsaugende Insekten, die eigentlich in Zeiten des
> Internet keiner mehr braucht.

Das sehen Vermieter anders. Aufgabe des Maklers ist für sie, die Solvenz 
des Mieters zu prüfen und die unseriösen Kandidaten fernzuhalten. In 
Gebieten mit Wohnungsknappheit wirst du ohne Makler nur mit sehr großem 
Aufwand qualitativ gute Wohnungen bekommen. (Es sei denn, du kommst über 
Beziehungen ran.) Drecklöcher gibts direkt.

Zudem ist Vermietung ohne Makler in Märkten mit knappem Angebot über 
Zeitungsanzeige kein Vergnügen. Da klingelt das Telefon von 0 Uhr bis 
Mitternacht und der letzte Penner meldet sich noch 3 Wochen nach 
Erscheinen der Anzeige morgens um 6 Uhr. Bei manchen Mietaspiranten muß 
man sich schon fragen, ob sie eine Wohnung wollen, oder nur Vermieter 
ärgern.

> -Achte auf den Zustand des Hauses, Treppenhauses und der Wohnung. Sagt
> meist viel über die Vermieter aus.

Beim Zustand der Wohnung gebe ich dir Recht, beim Treppenhaus nur 
bedingt, denn das hat ein einzelner Wohnungseigentümer nicht unbedingt 
unter Kontrolle. Bei gestandenen Altbauten muß man andere Maßstäbe 
anlegen, als bei Gebäuden neuerer Bauart.

Aber neben dem Gebäude sollte man sich auch den Vermieter ansehen - der 
erste Eindruck trügt nicht immer...

Autor: Mike Strangelove (drseltsam)
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Mag ja so sein Uhu, aber als Mieter habe ich vom Makler nun wirklich 
nix. Wenn es geht, auf jeden Fall ohne. Ich bin in allen Landesteilen 
bisher an vernünftigen Wohnraum auch ohne Makler gekommen. Ich kenne 
aber Leute, die sind aus Unwissenheit über Makler gegangen, wo sie eine 
ähnliche Wohnung auch so bekommen hätten. Wie gesagt, im Osten braucht 
es nirgendwo Makler.

ps Treppenhaus: Klar, Alter des Hauses zählt. Aber wo ich jetzt wohne, 
habe ich mich damals schon über Fußspuren in 1 m Höhe an den Wänden 
gewundert. Und ich wurde von den rücksichtslosen Studis auch nicht 
enttäuscht. Grummel. Nein, man zündet im Treppenhaus keine Kerzen an und 
haut dann ab, man kippt auch nicht den Inhalt seines Schuhschranks ins 
Treppenhaus und holt sich die Schuhe dann nach ner Woche zurück.

Autor: Wilhelm F. (ferkes-willem)
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In der Kölner Innenstadt kannte ich es vor gut 15 Jahren nur so, daß 
Wohnungen ausschließlich über Makler vermietet wurden. Es wurde mit 150 
Interessenten ein Besichtigungstermin vereinbart. Da ist nix mit 
Verhandlung, die Wohnung bekam der, der am solventesten ist, und den 
besten Eindruck macht.

In den 1990-er Jahren, damals gab es ja die Immobilienpreisexplosion, 
versuchte auch jeder Bauer 50km um Köln herum, schnell einen Kuhstall 
umzubauen, und nahe an den Kölner Preisen als Wohnung zu vermieten. 
Selbst erlebt.

Das war einer der Faktoren, die mich bei meiner Veränderung bewogen, 
dort erst mal ganz wegzuziehen...

Autor: Rufus Τ. Firefly (rufus) (Moderator) Benutzerseite
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So ähnlich sah der Wohnungsmarkt im zivilisierten* Teil Berlins vor 1990 
auch aus, um eine Wohnung zu bekommen, war es üblich, an den Vormieter 
größere Geldbeträge als "Abstand" zu zahlen, mit dem überlassene 
Einrichtungsgegenstände (Möbel, Teppiche oder auch schlichtweg Müll) 
bezahlt wurden. Bei Besichtigungsterminen wurden den Maklern durchaus 
Geldscheine in die Hand gedrückt oder auch Beischlafangebote gemacht, 
Kritik an der zur Besichtigung stehenden Wohnung war vollkommen 
ausgeschlossen.

Ich habe das ganze 1987 über mich ergehen lassen, eines der Highlights 
war eine innen komplett schwarz gestrichene (jede Fläche bis auf die 
Glasscheiben der Fenster!) Parterre-Wohnung in einem Hinterhaus. Auch 
bei der haben die Interessenten eifrig dem Makler ihre Kontaktdaten 
gegeben und nicht gewagt, irgendwelche Kritik am Zustand der Wohnung zu 
äußern.

In einem anderen Fall war die Wohnung bestenfalls in so etwas wie einem 
Rohbauzustand, die Wand zwischen einem der Zimmer und der Toilette 
zierte ein gut 1.5m² großes Loch, der Makler sprach aber vom 
"renovierten Zustand" der Wohnung, und niemand wagte es, darauf 
hinzuweisen, daß da von "renoviert" keine Rede sein könnte.

Das einzige, was man als Student noch ausschlagen konnte, waren 
Wohnungen ohne eigene Toilette, so etwas wurde dann an noch etwas 
bedürftigere vermietet.
Über richtige Badezimmer oder auch nur Heizungen verfügten diese 
Wohnungen allesamt nicht, auch die von mir dann schlussendlich 
ergatterte Wohnung konnte man nur mit dem Verfeuern von Kohle halbwegs 
warm bekommen.

Nein, ich rede hier nicht vom 19. Jahrhundert, schon vom 20.!

*) dem, der jetzt nicht so anstrengend Retro-Hip ist

Autor: Mike Strangelove (drseltsam)
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>Beischlafangebote gemacht
>Ich habe das ganze 1987 über mich ergehen lassen

Hehe, das lässt ja tief blicken ;-)

Autor: Rufus Τ. Firefly (rufus) (Moderator) Benutzerseite
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Die Angebote kamen von Studentinnen, nicht von mir. Als Mann war man da 
chancenlos. Das war man auch, wenn Papas Tochter auftauchte. Papa hatte 
immer den Bogen 'raus, das dickere Scheckheft, das dickere Auto und Papa 
konnte Mieten für sein Töchterchen zahlen, die andere schlucken ließen.

Autor: Uhu Uhuhu (uhu)
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Rufus Τ. Firefly schrieb:
> In einem anderen Fall war die Wohnung bestenfalls in so etwas wie einem
> Rohbauzustand, die Wand zwischen einem der Zimmer und der Toilette
> zierte ein gut 1.5m² großes Loch, der Makler sprach aber vom
> "renovierten Zustand" der Wohnung, und niemand wagte es, darauf
> hinzuweisen, daß da von "renoviert" keine Rede sein könnte.

Man kann mit einer Wohnung einen Menschen genau so töten wie mit einer 
Axt.

Heinrich Zille

Autor: Wilhelm F. (ferkes-willem)
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Rufus Τ. Firefly schrieb:

>Die Angebote kamen von Studentinnen,
>nicht von mir.
>Als Mann war man da chancenlos.

Wenn es doch aber eine Maklerin war, da hätte man doch drüber reden 
können... ;-)

Die Wohnung komplett in schwarz, das waren sicher Grufties oder Punker 
oder sonstige lichtscheue Gestalten. Berlin hat ja allerhand Spezies, 
sicher eher noch als Köln. Da siehst du selbst bei hellem Licht innen 
nichts mehr, und brauchst Baustrahler. Ein paar frühere Arbeitskollegen, 
die damals ihre erste Wohnung als WG gründeten, strichen sie komplett in 
Lila, einschließlich der Fensterrahmen und Türen. Hinterher erst sahen 
sie, daß das nicht so das Wahre war. Aber sie wurden für ihre Schrägheit 
immerhin unter den Kollegen berühmt, bzw. belächelt.

Autor: Juppi J. (juppiii)
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Rufus Τ. Firefly schrieb:
> Nein, ich rede hier nicht vom 19. Jahrhundert, schon vom 20.!

Meinst du etwa das damalige Westberlin,und Makler?;-)

Autor: Rufus Τ. Firefly (rufus) (Moderator) Benutzerseite
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Da ich das Wort "Makler" verwendet habe, ist davon auszugehen, daß ich 
auch "Makler" meinte. Ja, natürlich Westberlin, in Ost-Berlin gab es ja 
keine Wohnungsnot, jedenfalls nicht, wenn man die Ostalgiker fragt.

Autor: Juppi J. (juppiii)
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Rufus Τ. Firefly schrieb:
> Ost-Berlin gab es ja
>
> keine Wohnungsnot, jedenfalls nicht, wenn man die Ostalgiker fragt.


...das stimmt ,es gab immer nur Wohnungsuchende, und das in Massen;-O

Autor: Иван S. (ivan)
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Juppi J. schrieb:
> Rufus Τ. Firefly schrieb:
>> Ost-Berlin gab es ja
>>
>> keine Wohnungsnot, jedenfalls nicht, wenn man die Ostalgiker fragt.
>
> ...das stimmt ,es gab immer nur Wohnungsuchende, und das in Massen;-O

Blödsinn, bereits 1988 konnte Erich Honecker die dreimillionste fertige 
Wohnung im Rahmen des Wohnungsbauprogramms, welches 1970 in der DDR 
gestartet wurde, übergeben. Das macht Tag für Tag mehr als 400 neue 
Wohnungen. Selbst wenn man den Berichten der Subjekte glaubt, die 
Behaupten, es wären in der DDR zwischen 1970 und 1990 "nur" 1,92 
Millionen Wohnungen erbaut worden, so macht das immer noch tagtäglich, 
auch Sonn- und Feiertags über 250 neue Wohunungen.

Die heute auch so verteufelte DDR war eben sozialer, Wohnungsrecht war 
Menschenrecht. Natürlich wird dabei nicht - wie im 
neoliberal-kapitalistisch-imperialistischem System - die künstliche 
Knappheit zum Kapitalvorteil der Haus- und Grundbesitzer unterstützt, im 
Gegentum: Die effiziente zentralistische und weise Planung der 
realsoziliastischen Wirtschaftsform ermöglichte schnellen Neubau ohne 
weiterer Stärkung der Kapitalmacht. Die staatlich gelenkte 
Wohnungspolitik bot darüber hinaus Wohnbedürftigen auch schnelle 
Möglichkeit zum Bezug von erschwinglichen Unterkünften.

Daß bei so einer Konstelation natürlich Schmarozertum in Form der Makler 
von vornherein ausgeschlossen ist, liegt natürlich auf der Hand.

Vom Volk gebaut, für das Volk gebaut!
Unser Ziel: Planerfüllung zum Wohle der gesamten Gesellschaft.

Iwan

Autor: Juppi J. (juppiii)
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Иван S. schrieb:
> Blödsinn,

Da bist aber doch ein wenig Desinformiert.
Ich selbst habe habe fast 15 Jahre auf eine Wohnung passende Wohnung 
warten
müssen.
Erst als alles mögliche gemacht habe ,bis zum Ministerium,
hat es geklappt.

Da hatte ich aber schon lange Familie und Kinder.

Gruß

Autor: Uhu Uhuhu (uhu)
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Juppi J. schrieb:
> Ich selbst habe habe fast 15 Jahre auf eine Wohnung passende Wohnung
> warten
> müssen.

Jesus, äh Iwan spricht: "Juppi, du hast dich geirrt." ;-)

Autor: Иван S. (ivan)
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Uhu Uhuhu schrieb:
> Jesus, äh Iwan spricht: "Juppi, du hast dich geirrt." ;-)

Du legst mir Dinge in den Mund, die ich so nicht gesagt habe. Werder 
vertrete ich einen Allwissenheitsanspruch, noch bezichtige ich Jupp der 
Lüge. Bei meiner Meinung, daß das sozialorientierte System gegenüber dem 
Kapitalorientiertem im Vorteil sei, bleibe ich jedoch.

Vielleicht hätte er in der BRD ja noch länger warten müssen. Ob er das 
Geld für die Schmierung der Kapitalisten gehabt hätte ist nämlich auch 
fraglich.

Autor: Uhu Uhuhu (uhu)
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Иван S. schrieb:
> Bei meiner Meinung, daß das sozialorientierte System gegenüber dem
> Kapitalorientiertem im Vorteil sei, bleibe ich jedoch.

Dein Wort in Gottes Ohr, Herr Spekulant.

Autor: Wilhelm F. (ferkes-willem)
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Juppi, in einigen Dingen hast du sicher Recht.

Aus der Zeit des kalten Krieges, also der DDR, weiß ich noch, daß man da 
schon mal 10-15 Jahre auf einen Trabbi oder ein Telefon warten mußte.

Wo war denn da des Volkes Wohl?

Autor: Jörg Wunsch (dl8dtl) (Moderator) Benutzerseite
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Иван S. schrieb:
> Selbst wenn man den Berichten der Subjekte glaubt, die
> Behaupten, es wären in der DDR zwischen 1970 und 1990 "nur" 1,92
> Millionen Wohnungen erbaut worden, so macht das immer noch tagtäglich,
> auch Sonn- und Feiertags über 250 neue Wohunungen.

Allerdings sind dafür die Altbauten weitgehend verfallen, wenn auch
der größte Teil entsprechender Ruinen hier aus der Nachwendezeit
stammt.  Das liegt dann meistens am "Rückgabe vor Entschädigung"-
Prinzip: durch ungeklärte Eigentumsverhältnisse haben die Häuser dann
auch noch die Mieter verloren, und ein leeres Haus im miserablen
Zustand verfällt zusehends.  Davor waren sie alle noch irgendwie
bewohnt, und die Bewohner haben sich letztlich gekümmert, dass die
Bude auch noch bewohnbar war.

Wenn ich Rufus' Beschreibung lese, dann vermag ich nicht zu sagen,
welches der beiden Systeme in dieser Hinsicht das geringere Übel
war. ;-)

Wilhelm Ferkes schrieb:
> Aus der Zeit des kalten Krieges, also der DDR, weiß ich noch, daß man da
> schon mal 10-15 Jahre auf einen Trabbi oder ein Telefon warten mußte.
>
> Wo war denn da des Volkes Wohl?

Auto wurde per definitionem als Luxus deklariert. ;-)  Dafür konnte
man einigermaßen preiswert mit dem ÖPNV durch die Gegend gondeln,
und die vier Hauptfeinde des Sozialismus machen der neubundesdeutschen
Bahn mittlerweile deutlich mehr zu schaffen als seinerzeit der DR.
Die ist im Großen und Ganzen auch im Winter noch gefahren.

Autor: Rufus Τ. Firefly (rufus) (Moderator) Benutzerseite
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Jörg Wunsch schrieb:
> Wenn ich Rufus' Beschreibung lese, dann vermag ich nicht zu sagen,
> welches der beiden Systeme in dieser Hinsicht das geringere Übel
> war. ;-)

Das lässt sich auch nicht vergleichen, die Situation in Berlin war durch 
die Insellage eine außergewöhnliche -- es gab schlichtweg keinen 
"Speckgürtel" im Umland, weil es kein Umland gab. Obendrein gab es sehr 
lange eine Mietpreisbindung für nicht sanierten Wohnraum, so daß 
Wohnungen mit einfacher Ausstattung auch ziemlich niedrige Mieten zu 
zahlen waren, wenn man denn eine ergattert hatte. Sanierte bzw. 
neugebaute Wohnungen waren natürlich auch zu bekommen, nur waren da die 
Mieten entsprechend höher. Und dann gab es natürlich auch noch den 
sozialen Wohnungsbau.

Mein erstes Studentenloch hat knapp 150 DEM Nettokalt gekostet, hinzu 
kam halt verdammt viel Strom und verdammt viel Kohle (über eine Tonne 
pro Winter).

Mein jetziger Stromverbrauch ist trotz vierfacher Wohnungsgröße und 
Mitbewohnerin eher gesunken.

Wenn man bei der Wohnungssuche vollkommen anspruchslos war, konnte man 
natürlich auch damals recht problemlos irgendwas finden, was halt 
irgendwo lag. 50er-Jahre-Wiederaufbau-Butze, Neubau im westlichen 
Äquivalent der Plattenbausiedlung (die soziale Verwahrlosung dieser 
Viertel begann zeitgleich mit deren Errichtung), oder irgendwas in einem 
Außenbezirk, von dem aus man mit dem ÖPNV über eine Stunde ins 
Stadtzentrum benötigte, oder eine Kombination davon.

Mein Studentenloch war in Fußlaufweite von der Uni.

Autor: Jörg Wunsch (dl8dtl) (Moderator) Benutzerseite
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Rufus Τ. Firefly schrieb:
> Obendrein gab es sehr
> lange eine Mietpreisbindung für nicht sanierten Wohnraum, so daß
> Wohnungen mit einfacher Ausstattung auch ziemlich niedrige Mieten zu
> zahlen waren, wenn man denn eine ergattert hatte.

Also praktisch dasselbe wie in der DDR. ;-)

Autor: Rufus Τ. Firefly (rufus) (Moderator) Benutzerseite
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Nein, das ist ganz und gar nicht dasselbe gewesen - es gab kein Amt, bei 
dem man Anträge stellen musste, es gab keinerlei Voraussetzungen (Kind, 
Familiengröße o.ä.) die für eine Wohnung zu erfüllen waren.

Es gab lediglich eine vom Senat (der Berliner Stadtverwaltung, 
-Regierung konnte man das damals kaum nennen) gemachte flächenbezogene 
Miethöhenvorgabe, an die sich die Vermieter zu halten hatten. Die 
Vermieter waren sowohl Wohnungsbaugenossenschaften als auch 
Privatpersonen.

Die Mietpreisbindung war für manche Hausbesitzer übrigeng Grund, die 
Häuser gar nicht zu vermieten, sondern leerstehen zu lassen, und 
gezielt unbewohnbar zu machen, damit sie abgerissen und durch ein 
"schönes" neues Haus ersetzt werden konnten.

Das wurde als "wirtschaftlicher" als eine Sanierung angesehen, weil 
durch die Rattenkäfigbauweise von Neubauten mehr Wohnungen auf der 
gleichen Grundfläche unterzubringen waren.

Die sich Ende der 70er Jahre formierende Hausbesetzerbewegung entstand 
aus genau diesem Grund des Wohnungsleerstandes bei gleichzeitigem 
Unterangebot, damals wurden solche Häuser instandbesetzt, das heißt, 
nicht nur von kruden Spinnern bezogen, sondern bewohnbar gemacht. Was 
sich in vielen Fällen auch in nachträglicher Legalisierung durch 
entsprechende Verträge mit den Eigentümern ausgewirkt hat.

Auch hat man Ende der 70er Jahre in Berlin erkannt, daß Altbausubstanz 
nicht nur billigen Wohnraum, sondern auch lebenswerten Wohnraum bot, und 
der geplante Abriss ganzer Straßenzüge konnte gestoppt werden

Was sich derzeit "Hausbesetzer" nennt, hat mit den Zielen damaliger 
Hausbesetzer nicht mehr sehr viel gemein, wenn überhaupt irgendwas.

Autor: Jörg Wunsch (dl8dtl) (Moderator) Benutzerseite
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Rufus Τ. Firefly schrieb:
> Nein, das ist ganz und gar nicht dasselbe gewesen - es gab kein Amt, bei
> dem man Anträge stellen musste, es gab keinerlei Voraussetzungen (Kind,
> Familiengröße o.ä.) die für eine Wohnung zu erfüllen waren.

Nun, erstens hatte ich nicht umsonst einen Smiley dahinter gesetzt.
Das "Amt" war stattdessen der Makler, die Voraussetzungen das Geld
oder die "anderweitigen Gegenleistungen" ;-) an den Makler.  Ich habe
auch eine Wohnung ohne Kind bekommen damals, auch auf schräge Weise,
wenn auch anders schräg als deine Erfahrungen.

Die Folgen der Mietpreisbindung in diesem Teil des Landes waren dann
halt andere als in Berlin(W): es gab keine Hausbesitzer, die dadurch
dann nicht mehr vermieten wollten, dafür konnten die (kommunalen,
genossenschaftlichen oder privaten) Hausbesitzer oft nur die aller-
nötigsten Reparaturen noch irgendwie davon bestreiten.

Autor: Wilhelm F. (ferkes-willem)
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Rufus Τ. Firefly schrieb:

>Die sich Ende der 70er Jahre formierende
>Hausbesetzerbewegung entstand aus genau
>diesem Grund des Wohnungsleerstandes bei
>gleichzeitigem Unterangebot,

War das damals mit der Hamburger Hafenstraße nicht auch in der selben 
Zeit, und gleiches Spiel?

Ich erinnere mich noch daran, daß etwa 1980 ein Schulkamerad nach Berlin 
wollte. Entfernung immerhin schlappe 800-900km von hier. Erstens sprach 
er davon, daß man in Berlin von der Wehrpflicht befreit ist, und 
zweitens, gab es wohl auch noch sowas wie eine Berlin-Zulage.

In der Kölner Innenstadt wurde gelegentlich auf andere Art saniert: 
Altbauten mit günstigen Mieten, wo man die Bewohner nicht freiwillig 
heraus bekam: Da wurde schon mal samstags nachts oder an einem Feiertag 
nachts ein illegaler Bautrupp angeheuert, mit schwerem Gerät. Nach einer 
Viertelstunde waren sie wieder verschwunden. Danach war das Abflußrohr 
der Toilette an signifikanten Stellen in der Wand aufgebrochen, und die 
Suppe lief durchs ganze Haus, bzw. in die Wohnungen hinein. Da 
verschwindet manch einer dann schon von selbst, bis zum allerletzten.

Autor: Rufus Τ. Firefly (rufus) (Moderator) Benutzerseite
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Wilhelm Ferkes schrieb:
> Erstens sprach
> er davon, daß man in Berlin von der Wehrpflicht befreit ist, und
> zweitens, gab es wohl auch noch sowas wie eine Berlin-Zulage.

Beides trifft zu. Da Berlin nicht zur Bundesrepublik gehörte und das 
Vier-Mächte-Abkommen von den Westmächten eingehalten wurde, gab es in 
Berlin kein deutsches Militär, also keine Bundeswehr und natürlich auch 
keine "Feldjäger".

Die Berlin-Zulage diente der Kompensation der durch die Insellage 
hervorgerufenen Nachteile.

Bei meinem ersten Studentenjob war das reizvoll, da habe ich Netto mehr 
'rausbekommen, als Brutto auf meinem Gehaltszettel stand ...

> In der Kölner Innenstadt wurde gelegentlich auf andere Art saniert:

Das gab es in Berlin auch. Kaußen, nicht wahr?

Autor: Uhu Uhuhu (uhu)
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Rufus Τ. Firefly schrieb:
> Die Berlin-Zulage diente der Kompensation der durch die Insellage
> hervorgerufenen Nachteile.

Das war der berliner Speckgürtel - sozusagen bageldloser Speck.

Autor: Jörg Wunsch (dl8dtl) (Moderator) Benutzerseite
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Rufus Τ. Firefly schrieb:
> Da Berlin nicht zur Bundesrepublik gehörte und das
> Vier-Mächte-Abkommen von den Westmächten eingehalten wurde, gab es in
> Berlin kein deutsches Militär, also keine Bundeswehr und natürlich auch
> keine "Feldjäger".

Auch, wenn's nun endgültig OT ist: Ostberlin hatte auch keine NVA.
Das dürfte wohl mit ein Grund dafür gewesen sein, warum das
Wachregiment (die Leute, die die Botschaften und Regierungsgebäude
bewacht haben) dem MfS unterstellt war.  Die NVA war ringsum im Umland
postiert, Königs Wusterhausen, Bernau, Strausberg, Potsdam.  Nicht zu
vergessen die GSSD, die allein südlich Berlin wohl in einer Stärke
präsent war, die an die Gesamtstärke der NVA bald herangereicht haben
muss.  (Die Grenztruppen waren ja formal auch nicht NVA, wie auch der
BGS keine Bundeswehr war.)

Kalter Krieg halt, keiner hat dem anderen übern Weg getraut.

Autor: Wilhelm F. (ferkes-willem)
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Rufus Τ. Firefly schrieb:

>Das gab es in Berlin auch. Kaußen, nicht wahr?

Der alte Kaußen war wohl Kölner. Ich war zu Servicearbeiten auch schon 
mal in seinem Haus. Habe ihn aber nie gesehen. Das war selbst ein halbes 
Drecksloch von Altbau, aber in ausgezeichneter Innenstadtlage. Neusser 
Str. 27, Innenstadt Nord, nur ein paar Meter vom Ebertplatz. Aber eine 
angenehme Gegend, mit allem, was man täglich braucht. Ich vergesse sowas 
nicht. Mußte im Hinterhof auf den Gebäudevorsprüngen aufpassen, daß ich 
nicht in der 5cm hohen Taubenscheiße ausrutsche. Vielleicht hatte er da 
wenigstens seine Wohnung gut eingerichtet, oder es war ihm völlig Wurst. 
Immerhin hatte er das Dachgeschoß. Die Kölner wußten auch ein Lied davon 
zu singen. Er traute sich vor seinem eigenen Haus nicht mehr auf die 
Straße, wurde überall von Leuten angespuckt und beschimpft. Der Kölner 
ist ja etwas temperamentvoller, und ehrlich und sehr direkt. Die 
regionale Boulevardpresse tat dann ein übriges, damit auch jeder in der 
Stadt gut informiert war. Ja, und eines Tages, Ende der 1980-er, hing er 
in seiner Dachgeschoßwohnung am Seil. Er konnte wohl nicht ertragen, daß 
er seine geliebte Heimat und die Mitmenschen für immer verlor, obwohl er 
noch mitten drin lebte. Das war ebenfalls riesig groß in der 
Boulevardpresse.

Das war bei mir hautnah alles, da ich im selben Viertel wohnte und dort 
im Kundenservice arbeitete.

Durch die Geschichten in der Boulevardpresse, erfuhr man so am Rande 
mal, daß er nicht gerade ein Bettler war: Besitz z.B. 5000 Mietwohnungen 
in San Francisco USA, die auch nicht in ausgezeichnetem Zustand waren, 
und wohl große Immobilienbesitze in verschiedenen deutschen Großstädten, 
vor allem auch in Köln selbst...

Autor: Rufus Τ. Firefly (rufus) (Moderator) Benutzerseite
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Jörg Wunsch schrieb:
> Auch, wenn's nun endgültig OT ist: Ostberlin hatte auch keine NVA.

Mag sein. Zu verschiedenen Anlässen marschierten die aber mit allem Drum 
und Dran in der Stadt herum, was Bundeswehrsoldaten definitiv nie taten.

Wilhelm Ferkes schrieb:
> Der alte Kaußen war wohl Kölner.

Ja, aber dem gehörten eben auch Häuser in Berlin. Ich wohne in einem, 
das er kurz vor seinem selbstinduzierten Ableben noch in 
Eigentumswohnungen umwandeln ließ, die Bausubstanz hat ihn 
glücklicherweise ganz gut überstanden.

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