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Forum: Platinen Technologie: Via-Metallisierung


Autor: Johannes H. (menschenskind)
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Hallo

Mich würde mal interessieren, wie die Fertiger Kupfer an den Innenwänden 
der Bohrungen anlagern. Weiß das einer von euch?
Und in welcher Reihenfolge werden die einzelnen Schritte beim 
Platinenfertigen angewandt?

Danke euch.

Autor: Michael S. (technicans)
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Durch eine chemische Ablagerung von leitfähigen Materialien mit
wenigen µ Schichtstärke. Das kann z.B. Paladium, Kupfer, oder
Graphit sein.
In einem weiterem Arbeitsgang verstärkt man die leitfähige
Beschichtung galvanisch mit Kupfer auf mehrere 10µ, so das
dann eine Hülse ausgebildet wird.
Noch Fragen?

Autor: Sebastian (Gast)
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Die Bohrungen sind rauh. Durch ein Tauchbad in einer palladiumhaltigen 
Lösung "aktiviert" man diese, so daß sich im nächsten Bad dort Kupfer 
abscheidet.
Prozeßschritte sind je nach Verfahren unterschiedlich, bei der 
hobbyüblichen Methode dient organischer Fotolack als Ätzresist, in der 
Industrie gibt es auch die Metallresisttechnik: Negativfotolack, 
aufgalvanisieren einer Zinn- oder Goldschicht, entlacken, ggf. chemisch 
durchkontaktieren, ätzen. Bei Zinnresist danach strippen, d.h. Kupfer 
wieder freilegen. Zwischendurch kann die Oberfläche galvanisch verstärkt 
werden. Gegebenenfalls dann Lötstopp aufbringen, Oberfläche 
heißverzinnen falls nötig. Die Industrie bohrt die rohen Platten, der 
Hobbyätzer nach dem Ätzen.

Autor: Philipp (Gast)
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Die platinen werden gebohrt, die betroffenen bohrungen werden mit 
leitendem material dünn beschichtet, damit dann im 
elektrogalvanisierungsbad sich in den bohrungen das kupfer 
ablagert.manche hersteller beschichten auch noch mit gold. deshalb sind 
die rohplatten dünner mit kupfer beschichtet als die sollkupferstärke 
ist. dann werden die platinen beschichtet,belichtet,geätzt und mit 
lötstoplack behandelt. dann werden die augen verzinnt

Autor: Michael S. (technicans)
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@Sebastian
Den ganzen Fertigungsprozess wollte der To wahrscheinlich gar
nicht wissen.
Warum sich Kupfer abscheidet hast du leider unzureichend erläutert.
In der Industrie gibt es üblicherweise die Metallresistechnik
(mit Ausnahmen) damit das unter anderem IN der Bohrung galvanisch 
abgeschiedene Kupfer nicht wieder weg geätzt wird.
"Chemisch galvanisieren" steht vom Prozessablauf an der falschen Stelle.

Leider ist das alles bei dir etwas im Ablauf DURCHEINANDERGERATEN.

@ Philipp

>dann werden die augen verzinnt
Deinen Aufschrei möchte ich hören, wenn das passiert.

 @Johannes Hofmann
Bemühe bitte mal die Forensuche, denn der ganze Prozess ist
schon bis ins Kleinste mal beschrieben worden.

Weiterführende Literatur erhält man vom Leuze-Verlag.

Autor: Reinhard Kern (Gast)
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Michael S. schrieb:
> Durch eine chemische Ablagerung von leitfähigen Materialien mit
> wenigen µ Schichtstärke. Das kann z.B. Paladium, Kupfer, oder
> Graphit sein.

Hallo,

da sind schon 2 (mindestens) Arbeitsgänge zusammengeschmissen: zuerst 
wird die Oberfläche mit einer Palladium-Lösung behandelt, dabei werden 
aber nur einzelne Atome angelagert, keineswegs eine Schicht messbarer 
Dicke (das wäre kaum bezahlbar). Diese Palladium-Atome wirken aber im 
nächsten Schritt als Katalysator, um aus einem chemischen Kupferbad eine 
etwas dickere, leitfähige Schicht aus Cu abzuscheiden, da genügen etwa 1 
bis 2 µ. Im dritten Schritt wird diese dünne Schicht galvanisch (also 
mit Strom) durch Cu verstärkt auf die gewünschte Endstärke der Hülse. 
Zwischenschritte wie Entfetten oder Spülen habe ich dabei weggelassen, 
unwichtig sind sie deshalb aber nicht.

Weiter unten:
"Chemisch galvanisieren" ist ein Widerspruch in sich - Galvanisieren ist 
Behandlung mit Strom, Chemisch meint Metallabscheidung explizit ohne 
Strom. Die meisten wissen aber wohl, was gemeint ist.

Gruss Reinhard

Autor: Loonix (Gast)
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Reinhard Kern schrieb:
> Chemisch meint Metallabscheidung explizit ohne
> Strom

Ohne elektrischen Strom.

Autor: Michael S. (technicans)
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@Reinhard Kern

Schöne ausführlich kompetente Beschreibung.
Hoffentlich ist das nicht zu viel an Information,
das der TO da überfordert wird.
Klar kann man alles äußerst genau beschreiben, aber
es muss auch Sinnvoll sein.
Schon mal dran gedacht ein Buch oder Wiki zu schreiben?

Autor: Jörg Wunsch (dl8dtl) (Moderator) Benutzerseite
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Michael S. schrieb:
> Schon mal dran gedacht ein Buch oder Wiki zu schreiben?

Nun, daraus einen Wiki-Artikel hier im Wiki generieren kannst doch
auch du.  Wenn er fertig ist, rufst du einfach zur Diskussion auf,
und Leute wie Reinhard können dann noch korrigieren, wo nötig, ohne
dass sie deshalb selbst ihre Zeit noch opfern müssen für den Artikel.

Wenn die Frage wieder auftaucht, kann man dann einfach auf den
Wikiartikel verweisen.

Autor: Reinhard Kern (Gast)
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Michael S. schrieb:
> Schon mal dran gedacht ein Buch oder Wiki zu schreiben?

Hallo,

gedacht schon. Ich kenne aber Menschen, die in der Verlagsbranche 
arbeiten, gerade auch im Bereich technischer Publikationen. Verglichen 
damit wird bei Putzkolonnen fürstlich gezahlt.

Gruss Reinhard

Autor: Reinhard Kern (Gast)
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Loonix schrieb:
> Reinhard Kern schrieb:
>> Chemisch meint Metallabscheidung explizit ohne
>> Strom
>
> Ohne elektrischen Strom.

Ob das die Verwirrung bei einem Laien beseitigt?

Gruss Reinhard

Autor: daniel(root) (Gast)
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Reinhard Kern schrieb:
>> Ohne elektrischen Strom.
>
> Ob das die Verwirrung bei einem Laien beseitigt?

vielleicht noch etwas abstrakter .. "ohne Ladungstransfer"
denn wer weiss schon ob Ionenfluss auch als elektrischer
Strom durchgeht. :)

Autor: Michael S. (technicans)
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@ Jörg Wunsch
Klar könnte ich das und hab da auch schon drüber nachgedacht,
aber, wenn, dann sollte da auch praktisches und erprobtes Know-How
dahinter stehen und nicht nur graue Theorie und da hat der
Reinhard mehr zu bieten, wie man lesen kann.

Autor: Loonix (Gast)
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Reinhard Kern schrieb:
> Ob das die Verwirrung bei einem Laien beseitigt?

Sorry, konnts nicht zurückhalten...

daniel(root) schrieb:
> denn wer weiss schon ob Ionenfluss auch als elektrischer
> Strom durchgeht. :)

...obwohl ich das besser hätte tun sollen, wie mir gerade bewusst wird. 
:)

Autor: Jörg Wunsch (dl8dtl) (Moderator) Benutzerseite
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Michael S. schrieb:

> Klar könnte ich das und hab da auch schon drüber nachgedacht,
> aber, wenn, dann sollte da auch praktisches und erprobtes Know-How
> dahinter stehen und nicht nur graue Theorie und da hat der
> Reinhard mehr zu bieten, wie man lesen kann.

Es hindert dich doch aber keiner, die von Reinhard bereits
gebrachten Erklärungen einfach mal in einen Artikel zu übernehmen und
ihn dann um einen Review zu bitten.  Das verteilt die Last: nicht
derjenige, der sowieso das know-how hat, die kompetenten Antworten zu
geben, muss sich danach auch noch hinsetzen und den Wiki-Artikel
tippen, sondern jemand, der von der Kompetenz geistig profitiert,
bringt sich mit seiner eigenen Arbeit für alle ein.

Du vergisst, dass Leute wie Reinhard halt nebenbei auch noch ihre
Brötchen verdienen müssen, und nach Feierabend hat auch nicht jeder
die Muße, sowas dann noch zu tippen.  Man hat auch mal 'ne Familie,
ein Hobby, will mal ins Theater oder Kino gehen ...

Autor: Michael S. (technicans)
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Dann müsste der Reinhard aber für Fragen oder Korrekturlesen
zur Verfügung stehen, bzw. müsste das bis zum Schluss mit
durchziehen. Das ist für einen Brötchenverdiener eben
nicht so einfach. Ich werde es mir überlegen und dann den
Reinhard mal fragen ob er dran Interesse hat.

Autor: Jörg Wunsch (dl8dtl) (Moderator) Benutzerseite
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Dann bedanke ich mich schon mal im Voraus dafür. ;-)

Autor: Reinhard Kern (Gast)
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Jörg Wunsch schrieb:
> Es hindert dich doch aber keiner ...

Hallo Jörg,

hast du denn Erfahrungen mit Wikipedia? Oder sonstwer hier?

Nach verschiedenen Kommentaren muss man wohl zum "inneren Kreis" 
gehören, um was zu erreichen. Ich hab nur einmal probiert, eine Aussage 
über Schaltjahre der nächsten Jahrtausende zu korrigieren, also nichts 
Lebenswichtiges, aber solche "Fremdeinwürfe" verschwinden einfach 
innerhalb kurzer Zeit wieder ohne jeden Kommentar. Ob mein Text nun 
falsch war oder was sonst, weiss ich bis heute nicht, es war mir dann 
auch zu dumm, das endgültig und zweifelsfrei zu klären.

Mein Eindruck ist also, ohne Beziehungen zu einem etablierten 
Wiki-Mitarbeiter kann man eigene Wikitexte höchstens als Klopapier 
verwerten.

Gruss Reinhard

PS übrigens finde ich den Artikel Durchkontaktierung in Wikipedia ganz 
in Ordnung, man könnte nur zu den Blind und Buried Vias noch einiges 
ergänzen.

Autor: Johannes H. (menschenskind)
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Vielen Dank für die zahlreichen Antworten.
Bin keinesfalls damit überfordert.
Mein Kollege und ich kamen auf die Frage, als wir uns beim Design einer 
Platine über die Positiononierungsbohrungen eines Konnektors 
unterhielten. Was wohl passieren würde wenn man im Layout-Programm 
vergessen würde, das Häkchen bei "Plated" rauszunehmen.
Und da stellten wir fest, dass wir keinen Schimmer hatten, wie die 
Kupferanlagerung abläuft.
Der Rest der Fertigung ist klar.

Autor: Frank Lorenzen (florenzen)
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Reinhard Kern schrieb:
[...]
> Hallo Jörg,
>
> hast du denn Erfahrungen mit Wikipedia? Oder sonstwer hier?
[...]

Jörg hat mit größter Wahrscheinlichkeit das mikrocontroller.net Wiki 
gemeint.


Gruß
Frank

Autor: Jörg Wunsch (dl8dtl) (Moderator) Benutzerseite
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Frank Lorenzen schrieb:

>> hast du denn Erfahrungen mit Wikipedia? Oder sonstwer hier?
> [...]
>
> Jörg hat mit größter Wahrscheinlichkeit das mikrocontroller.net Wiki
> gemeint.

Ja, habe ich.  Allerdings habe ich auch bei de.wikipedia.org schon
ein paar Dinge editiert, habe auch nervige Erlebnisse gehabt (ein
Bildschirmfoto eines logic analyzers wurde mit der Begründung
zurückgewiesen, dass man da ja Stilelemente des zu Grunde liegenden
MS-Windows sehen könne, die copyrightbehaftet seien), aber im Großen
und Ganzen kann ich mich dem allgemeinen Gemecker nicht anschließen.
Sind am Ende aber jeweils eher Kleinigkeiten gewesen, vielleicht mal
ein Absatz, mehr nicht.

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