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Forum: Ausbildung, Studium & Beruf Equal Pay Prinzip


Autor: XXX (Gast)
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Nach dem Gleichstellungsgrundsatz sollen doch die Leiharbeiter genauso 
bezahlt und behandelt werden wie im eingesetzten Betrieb.
Nun wissen wir doch alle, dass es so nicht ist. Welche rechtliche 
Grundlage hat es?
Es heißt, dass die Regelung nicht gilt, wenn die Zeitarbeitsfirma einen 
anderen Tarifvertrag hat. Wie ist es denn, wenn im Arbeitsvertrag nichts 
vom Tarifvertrag steht? Ausserdem soll der Zeitarbeitstarifvertrag auf 
der Kippe stehen soweit ich weiß.

Autor: wurst (Gast)
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Fast alle haben mit Gewerkschaften einen Tarifvertrag ausgehandelt. Die 
Gerichte haben nur die Tarifverträge mit der "christlichen Gewerkschaft" 
oder so ähnlich für ungültig erklärt.

Autor: Michael H. (mueckerich)
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Es kann vom Prinzip des Equal Pay abgewichen werden, wenn ein gültiger 
Tarifvertrag geschlossen ist. Damit ist es rechtlich möglich dass 
Zeitarbeiter weniger Lohn als die Mitarbeiter der Stammbelegschaft in 
der Entleiherfirmen bekommen. Es sind nicht alle Tarifverträge in der 
Zeitarbeitsbranche strittig. Im Augenblich wurde nur der Tarifvertrag 
der "Tarifgemeinschaft Christlicher Gewerkschaften für Zeitarbeit und 
PersonalService-Agenturen" per Gerichtsurteil für ungültig erklärt, da 
laut Gerichtsurteil des Bundesarbeitsgerichts in Erfurt die 
Tariffähigkeit der CGZP verneint wurde.

Siehe Wiki:

In Deutschland gibt es drei Flächentarifverträge für die 
Zeitarbeitsbranche, die zwischen den folgenden Tarifvertragsparteien 
geschlossen wurden:

Bundesverband Zeitarbeit Personal-Dienstleistungen e.V. (BZA) und die 
DGB-Tarifgemeinschaft Zeitarbeit
Interessenverband Deutscher Zeitarbeitsunternehmen e. V. (iGZ) und die 
DGB-Tarifgemeinschaft Zeitarbeit
Arbeitgeberverband Mittelständischer Personaldienstleister e.V. (AMP) 
und die Tarifgemeinschaft Christlicher Gewerkschaften für Zeitarbeit und 
Personal-Service-Agenturen (CGZP)

Der Verleiher ist nach § 9 Nr. 2 AÜG grundsätzlich verpflichtet, dem 
Leiharbeitnehmer die gleichen wesentlichen Arbeitsbedingungen 
einschließlich des Arbeitsentgelts zu gewähren, wie sie im Betrieb des 
Entleihers für einen vergleichbaren Arbeitnehmer des Entleihers gelten 
(so genanntes Equal Treatment/Equal Payment). Dies bezieht sich auch auf 
Sondervergütungen, Jahreszahlungen (Weihnachtsgeld, Urlaubsgeld, 
Prämien) sowie Zuschläge für Schicht- und Mehrarbeit. Zur Durchsetzung 
seiner Rechte kann der Leiharbeitnehmer von dem Entleiher Auskunft über 
die bei ihm geltenden Arbeitsbedingungen der vergleichbaren Arbeitnehmer 
verlangen.

Der Grundsatz des Equal Treatment kann aber durch einen Tarifvertrag 
abbedungen werden, wovon in Deutschland in der gesamten 
Zeitarbeitsbranche Gebrauch gemacht worden ist.

Autor: Jens (Gast)
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Was ich so sehe, sind die Leiharbeiter, die es in großer Zahl gibt, eher 
stark unterbezahlt, während die guten eigentlich mehr bekommen.

Autor: Gerald H. (Gast)
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Habe zu dem Thema Leiharbeit vorhin eine interessante Diskussion 
gefunden zu der ich Folgendes festgestellt habe:

Thema "Zeitrabeit Chance vs. Risiko" Gruppe "Bewerbung und Recruiting"

Ich bin selbst regelmäßig in die Vergabepraxis solcher Fachstellen 
involviert, sei es in eigener Sache, wenn ich als AN für Stellen 
angefragt werde, oder die Besetzung von temporären Stellen bei meinem 
Kunden verfolge. Dabei treten einige Dinge ganz klar hervor:

1) Es ist offensichtlicher Wettkampfsport unter den Dienstleistern, sich 
gegenseitig Consultants und potenzielle Mitarbeiter abzujagen und sie 
mit Knebelverträgen an sich zu binden und auszutricksen. Das reicht von 
Nichtauszahlungen von zuvor versprochenen Boni und Jahresvergütungen, 
die niemals kommen, weil man schon zuvor aus dem zeitlich begrenzten 
Projekt gekündigt wird, bis hin zur Nutzung extrem kurzer 
Kündigungszeiten und dem Herausnötigen der nicht mehr benötigten 
Mitarbeiter, durch Versetzen an ungünstige Standorte und Wegfall der 
Auslöse und Fahrtkosten bei "Einsatz im internen Projekt".

2) Gleichzeitig werden die Kunden belogen und betrogen. Es wird 
getäuscht, wo es nur geht und beschönigt, wo es nicht nachvollziehbar 
ist. Den Kunden wird suggeriert, man habe nur die besten Leute im Land, 
bearbeite ausschließlich Oberklasseprojekte und sei der beste und 
zuverlässigste Dienstleister weltweit. Die Hochglanzprospekte stellen 
dar, man habe es mit einem herausragenden Ingenieurbüro zu tun, das 
umfassendes Knowhow in der Branche besitzt, in Wirklichkeit bestehen die 
meisten nur aus einem temporär zusammengewürfelten Haufen von schnell 
fluktuierenden Frustarbeitern. Die Leistung der meisten Dienstleister 
besteht nur in der geschickten Vermittlung und Schnelligkeit.

3) Denn sobald eine Fachabteilung eine Anforderung herausgibt, taucht 
diese in x-facher Ausfertigung mit geringen Modifikationen bei wenigsten 
5-10 Dienstleistern am Ort auf der Webseite oder deren Stellenanzeigen 
in den Stellenbörsen auf. Dazu tauchen antizipierte Stellen, die sich 
von einer solchen Position ableiten lassen, auf. Z.B. werden sofrt auch 
Tester gesucht, wo der Kunde gerade 3 Entwickler haben wollte, weil der 
Kunde mit hoher Wahrscheinlichkeit in einigen Wochen oder Monaten 
Testbedarf auf einem bestimmten Gebiet haben wird. Während dann später 
für diese Testerstellen in der Tat die Bewerber eingestellt werden, die 
auf diese Stellen reagiert hatten, ist es bei den vorher zu besetzenden 
Stellen so, dass der genommen wird, der von dem schnellst reagierenden 
Dienstleister aus der Datenbank gezogen wird. Es wird genommen, wer da 
ist, weil die Sache eilt. Die Naiven, die sich auf die ausgeschriebenen 
Stellen bewerben, sind viel zu spät dran. Die ganze Sache beruht also 
oft mehr auf Zufall, als auf zielführender Besetzung

4) Mehr noch: Die Zeitarbeitsfirmen besetzen diesbezüglich taktisch: 
Weder bekommt man als Bewerber die für sich beste Stelle, noch kriegt 
die Firma den für sie optimalen Mann. Im Gegenteil: Es wird versucht, 
ein insgesamt wirtschaftlich optimales Vermittlungsergebnis zu erzielen. 
Wenn z.B. ein Bewerber auf zwei Kundenanfragen passt, und ein weiterer 
nur auf eine der beiden, so wird versucht, beide zu besetzen auch wenn 
das zu einem für den Kunden schlechteren Bewerber führt. Vorzugsweise 
werden auch zunächst die eigenen, bereits Beschäftigten vermittelt, auch 
wenn der Markt aktuell bessere Leute hat. In den Fällen wiederum, in 
denen konzentriert auf optimales matching gesetzt wird, läuft es für den 
Angestellten auf hire and fire hinaus auch dann wird oft noch der 
Bewerber bevorzugt, der die geringste Gehaltsforderung hatte, weil man 
mit diesem mehr verdienen kann. Daher ist es eine Utopie, annehmen zu 
wollen, man bekäme durch Zeitarbeit gute Stellen.

5) Auch ich mache die Erfahrung, dass man als Zeitarbeiter die Aufgaben 
erhält, die Interne nicht machen wollen, die einen Einmalcharakter haben 
oder so universell sind, dass sie künftig auch durch andere zu 
bewältigen sind. Vor allem aber sind des die Arbeiten, die die 
integralen Themen und das eigentliche Knowhow des Aufraggebers nicht 
tangieren. Auf diese Weise ist es nahezu unmöglich, eine zentrale und 
bedeutsame Position in der Firma zu gewinnen. Selbst in den 
hochgestellten Expertenpositionen bleibt man im Grunde aussen vor, mag 
man noch so viel können, sein oder verdienen.

6) In der überwiegenden Zahl der Zeitarbeitspositionen erhält der 
Angestellte deutlich weniger Gehalt, als den Festangestellten in 
vergleichbaren Stellen gezahlt wird. Nur bei bestimmten Fachpositionen 
und zu sehr guten Zeiten ist das manchmal anders herum. Dann allerdings 
richtig :-) Schon aus wirtschaftlichen Gründen können sich aber die 
Endkunden so hoch überzahlte Mitarbeiter nur ein geringer Zahl und auf 
kurze Dauer leisten. Die weitaus meisten Stellen sind die in der unteren 
Kategorie und kein Vermittler kann es sich leisten, auf 90% des Marktes 
zu verzichten. Die Aussage mancher Vermittler, sie konzentrierten sich 
angeblich nur auf das obere Marktsegement ist daher lächerlich. Die 
allermeisten bewegen sich bestenfalls im mittelklassigen Bereich der 
Positionen und das, was aus Sicht mancher Arbeitnehmerüberlasser ein 
"Spitzengehalt" ist, entpuppt sich als sehr mittelmäßig. Es ist eben nur 
für einen Zeitarbeiter ein Spitzengehalt. Die gleiche Fehleinschätzung 
und Falschdarstellung findet man auch bei der Beschreibung der Stellen 
wieder, wenn man wieder mal von DER Topposition beim "namhaften Kunden" 
lesen muss.

Wirklich namhafte Kunden arbeiten kaum mit Zeitarbeit, weil sie in der 
Lage sind, ihren Personalbestand so zu regeln und Projekte so zu 
steuern, dass es nur wenige Situationen gibt, in denen teure 
Feuerwehrmänner und Aushilfsarbeiter gebraucht werden. Da gibt es keine 
langfristigen Projekte mit der Dauer von 6M. Diese Leute sind nämlich 
aufgrund des hohen Einarbeitungsanteils praktisch immer 
unwirtschafltich, es sei denn, sie sind deutlich billiger. Und hier 
schließt sich der Kreis:

Für meine Qualifikation erhalte ich regelmäßig Anfragen über die 
einschlägigen Stellenbörsen und auch hier über Xing. Die meisten sind 
Zeitarbeitsstellen und liegen in einem Gehaltsbereich weit unterhalb 
meines jetzigen Einkommens. Wir reden da von regelmäßig >1.000 p.m. Sie 
bieten i.d.R. auch deutlich weniger an, als festangestellte Entwickler 
mit meinem Erfahrungsspektrum so im Schnitt haben. Die wirtschafltiche 
Entwicklungs ist aber wohl so, dass immer mehr Firmen auch einsehen, 
dass sie bei einer Abwerbung mehr zahlen müssen, als es dem 
durchschnittlichen Marktwert entspricht. Gfs dauert es bei einigen noch 
bis zu dieser Erkenntnis. Solange setzen einige weiter (oder wieder) auf 
noch weiter überteuerte Zeitarbeit, um wenigstens die Lastspitzen etwas 
abzubauen. Mal schauen, was so geht. :-)

Autor: einbesucher (Gast)
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Hi, deine Ausführungen decken sich mit meinen Erfahrungen.

Auch ich bewarb mich auf eine Zeitarbeitsstelle (mangels Alternativen), 
beim Vorstellungsgespräch kam heraus, dass die Stelle angeblich nicht so 
gut zu mir passen würde bzw. gar nicht existent ist, aber man würde mich 
in die Datenbank aufnehmen (warum dann eigentlich das 
Vorstellungsgespräch?). Über ein paar glückliche Zufälle kam ich dann 
tatsächlich in eine gute Stelle, aber wie schon gesagt: völlig andere 
Stelle als die ursprünglich ausgeschriebene. Mein Sachbearbeiter bei der 
Zeitarbeitsfirma hatte da den richtigen Riecher und so sollte es ja auch 
sein. Trotzdem war ich mit den Konditionen der Stelle nicht zufrieden 
bzgl. Behandlung, Bezahlung usw...

Im Endeffekt behandeln die Zeitarbeitsfirmen ihr Personal wie Arbeiter 
2. Klasse, äähh 4. Klasse. Wenn man sich beschwert prallt das einfach an 
den Leuten ab, im Endeffekt wird dann als Entschädigung eine 
Gehaltserhöhung versprochen, und dann wird das Versprechen nicht 
eingelöst. So war es bei mir. Ich bin dann so schnell weg von der Firma 
wie ich konnte.

Autor: Mark Brandis (markbrandis)
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XXX schrieb:
> Nach dem Gleichstellungsgrundsatz sollen doch die Leiharbeiter genauso
> bezahlt und behandelt werden wie im eingesetzten Betrieb.
> Nun wissen wir doch alle, dass es so nicht ist. Welche rechtliche
> Grundlage hat es?

Das Arbeitnehmerüberlassungsgesetz:
http://bundesrecht.juris.de/a_g/BJNR113930972.html

Autor: Ottone (Gast)
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@Gerald:

Hast Dich ja in der Xing-Diskussion echt ins Zeug gelegt, aber ich 
befürchte, dass die Argumentation an der Zeitarbeiterlobby abprallt.

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