Micha schrieb:
> Tendiere zu "deutscher Sicherheit" - also dazu, die Stelle nicht zu
> wechseln u.a. wegen Familie.
> Beide Stellen sind in meiner Nähe. Das höhere Gehalt lockt jedoch
> sehr...
>
> Stand jemand vor ähnlichen Entscheidungen? Wie habt ihr euch entschieden
> und warum?
Ich frage mich wirklich, warum Du das hier zur Diskussion stellst. Ich
für meinen Teil würde das erst mal mit meiner Frau bereden, und NUR mit
Ihr.
Das ist ja kein Minijob, sondern schon eine Tätigkeit, in der Du den
Großteil Deiner Zeit verbringen wirst. Daher würde ich mir zu aller erst
nicht die Frage stellen, ob Du dafür geeignet wärst, ob sich das
kohletechnisch oder vom workload her lohnt, sondern ob es
familienverträglich ist.
In meinem Fall ist es so, dass wir das 'Berliner Modell' fahren: beide
40 Stunden, unsere Tochter hat im Sommer Einschulung, mit momentan
Ganztagskita und später Ganztagsschule und Hort alles im Lot. In Berlin
kein Thema und völlig normal.
In Westfalen, da wo wir ursprünglich her kommen, wirst du dagegen als
asozial hingestellt, wenn beide arbeiten 'müssen' (ob beide nach einer
akademischen Ausbildung gar 'wollen', wird gar nicht in Betracht
gezogen). 'Och, die arme Frau, bringt denn der Mann nicht genug nach
Hause?!'
Fakt ist aber, dass 2x Vollzeit selbst bei guter externer Betreuung
schon grenzwertig sind, vor allem wenn Kinder älter werden. Wg. der
anstehenden Einschulung der Kurzen wird das bei auch eher runter- statt
hochgefahren (obwohl wir beide mehr 'könnten').
Meine Eltern stammten eher aus 'einfachen' Verhältnissen. Als Kind
empfindet man es vielleicht anders, aber im Rückspiegel betrachtet kann
ich froh sein, dass sie stets die Gelegenheit hatten, zur Stelle zu
sein, wenn es mal 'brannte'.
Wenn Du stattdessen als einziger verdienst, macht mehr Verantwortung die
Sache aber auch nicht einfacher. Gut, es ist vielleicht 1 Urlaub mehr
drin, aber dann kann es gut sein, dass du im Hotelzimmer an der Telko
teilnimmst, während Deine Lieben am Strand braten. Gerade solche Männer
sind der Kassenschlager der Scheidungsanwälte. Je größer die Diskrepanz
zwischen Dir und Deinem Partner ist, desto größer auch die Gefahr, dass
es Dir unbemerkt aus dem Ruder läuft.
Wir Männer machen sehr viel mit uns selbst aus bzw. argumentieren gern
mit der Karriere unter dem Deckmantel der 'Verantwortung'. Unabhängig
Deiner persönlichen Situation (die hier keiner kennt), würde ich das
ernsthaft familienintern prüfen.
Natürlich kann Dir hier jeder die Meinung geigen, sicherer Job auf der
einen Seite, Krise oder Nicht-Krise, Probezeit beim anderen Arbeitgeber,
blabla... aber die einzig wichtige Antwort bekommst du zuhause. Und nur
dort.
Ein Job lässt sich immer ersetzen, Deine Familie nicht.