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Forum: Platinen Lötzin mit oder ohne Blei


Autor: Holger P. (holg_i)
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Ich habe da mal eine Frage. Ich habe hier einen Bausatz und in der 
Anleitung wird darauf hingewiesene

„jedoch kann das Mischen von bleifreien- und bleihaltigen Loten auf 
einer Leiterplatte zu Problemen führen, wenn diese im direkten Kontakt 
zueinander stehen. Der Schmelzpunkt an der- Übergangsstelle kann sich 
verringern, wenn niedrig schmelzende Metalle, wie Blei oder Wismut mit 
bleifreiem Lot vermischt werden. Das unterschiedliche Erstarren kann zum 
Abheben von Leiterbahnen (Lift Off Effekt) führen. Des Weiteren kann der 
Schmelzpunkt dann an der Übergangsstelle unterhalb des Schmelzpunktes 
von verbleitem Lötzinn liegen. Insbesondere beim Verlöten von 
Leistungsbauelementen mit hoher Temperatur ist dies zu beachten.“

Muss ich mir nun anderes Lötzinn kaufen?

Autor: Dussel (Gast)
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Besteht die Gefahr, dass sich da was vermischt? Selbst wenn schon Teile 
vorgelötet sind, werden die noch zu lötenden Teile doch nicht mit denen 
in 'Lötverbindung' stehen. Es geht nicht darum, dass man keine zwei 
Sorten verwenden darf, sondern nur, dass die sich nicht vermischen 
dürfen.

Autor: Sebastian (Gast)
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Hängt davon ab, ob die Verzinnung des Bausatzes zum bereits vorhandenen 
Lot paßt. Im Hobbybereich übrigens ist der "Lift-Off-Effekt" eher zu 
vernachlässigen. In der Industrie mag das anders sein.

Autor: Johannes (Gast)
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> Muss ich mir nun anderes Lötzinn kaufen?

Was für ein Lötzinn hast Du denn?

Der Ratschlag ist eher so gemeint, dass man unterschiedliche Sorten 
Lötzinn (also bleifrei und verbleit) nicht mischen soll. Wenn du nur 
eine Sorte hast, gibt es kein Problem. Die Verzinnung der Bauelemente 
bzw. der Platine ist ziemlich dünn, das hat normalerweise keine 
Auswirkung.

Lediglich bei BGA-Bauteilen gibt es Probleme, wenn man z.B. bleifreie 
Balls mit verbleiter Lötpaste löten will; aber das wird in deinem 
Bausatz eher nicht drin sein. ;-)

Autor: Jörg Wunsch (dl8dtl) (Moderator) Benutzerseite
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Da hat mal einer was von jemandem gehört, der hat gehört dass ...

Allein Aussagen wie "niedrig schmelzende Metalle, wie Blei oder Wismut"
disqualifizieren das als Blödsinn.  Wie wir schon in der Schule
gelernt haben, hat Blei einen höheren Schmelzpunkt als Zinn.

Was einstmals als potenzielle Gefahr existiert hat, war das Mischen
bleihaltiger Legierungen mit bismuthaltigen, wie sie in der Anfangs-
zeit bleifreier Lote mal als Variante im Gespräch waren, um mit
den existierenden Verarbeitungstemperaturen weiter arbeiten zu können.
Das System Bismut/Blei/Zinn hat einen eutektischen Punkt von 98 °C,
sodass eine Lötstelle u. U. bereits weit unter dem erwarteten Schmelz-
punkt instabil werden kann.  Allerdings sind bismuthaltige Lote
mittlerweile komplett aus dem Rennen (bis auf Sonderfälle), da es
sich gezeigt hat, dass die ca. 30 K höhere Verarbeitungstemperatur
von (nahe) Reinzinn- oder Silber/Kupfer/Zinn-Loten in der Praxis kein
nennenswertes Problem darstellt.

Autor: Johannes (Gast)
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> Da hat mal einer was von jemandem gehört, der hat gehört dass ...

Prinzipiell ist es aber schon richtig, dass man hier aufpassen sollte.

Ich habe da durchaus schon Probleme miterlebt. Wenn z.B. eine Platine 
bleifrei gelötet ist und man dann mit bleihaltigem Lötzinn einen Draht 
an eine Lötstelle dran lötet, dann passiert es ziemlich leicht, dass 
dieser Draht erst mal hält, aber mit relativ wenig Kraftaufwand 
abgebrochen werden kann.

Selbst nach nochmaligem Nachlöten hat der Draht immer noch nicht 
gehalten. Erst nachdem das vorhandene Lötzinn abgesaugt wurde, hat es 
dann mit frischem Lötzinn funktioniert.

Wenn man unterschiedliche Lötzinnsorten verwendet, muss man darauf 
achten, dass beide Anteile komplett aufschmelzen und sich richtig 
vermischen, so dass sich keine Grenzschicht dazwischen bildet.

Autor: Jörg Wunsch (dl8dtl) (Moderator) Benutzerseite
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Johannes schrieb:
> Wenn z.B. eine Platine
> bleifrei gelötet ist und man dann mit bleihaltigem Lötzinn einen Draht
> an eine Lötstelle dran lötet, dann passiert es ziemlich leicht, dass
> dieser Draht erst mal hält, aber mit relativ wenig Kraftaufwand
> abgebrochen werden kann.

Kann es sein, dass du unter der Arbeitstemperatur des bleifreien Lots
gearbeitet hast?  Dann ist es natürlich kein Wunder.

Allerdings ist es ein Unterschied, ob die Platine damit bereits
verlötet ist und entsprechend größere Mengen an Lot hat, oder ob
es eine "nackte" Platine nur ist, die mit einer dünnen Zinnschicht
versehen ist.

Autor: Johannes (Gast)
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> Kann es sein, dass du unter der Arbeitstemperatur des bleifreien Lots
> gearbeitet hast?  Dann ist es natürlich kein Wunder.

Also der Lötkolben war schon so eingestellt, dass man damit bleifreies 
Lötzinn problemlos löten kann. Das Problem ist irgendwie, dass sich das 
geschmolzene Lötzinn nicht richtig vermischt. Ich hab diesen Effekt 
übrigens nicht nur einmal beobachtet und auch Kollegen von mir hatten 
schon das gleiche Problem.

> Allerdings ist es ein Unterschied, ob die Platine damit bereits
> verlötet ist und entsprechend größere Mengen an Lot hat, oder ob
> es eine "nackte" Platine nur ist, die mit einer dünnen Zinnschicht
> versehen ist.

Ja, so sehe ich das auch. Die Verzinnung der Platine und der Bauteile 
ist so dünn, dass die Lötzinn-Sorte, mit der gelötet wird, unkritisch 
ist.

Autor: Jörg Wunsch (dl8dtl) (Moderator) Benutzerseite
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Johannes schrieb:
> Das Problem ist irgendwie, dass sich das
> geschmolzene Lötzinn nicht richtig vermischt. Ich hab diesen Effekt
> übrigens nicht nur einmal beobachtet und auch Kollegen von mir hatten
> schon das gleiche Problem.

Wundert mich, habe ich noch nicht beobachten können.  Allerdings
würde ich eher in die andere Richtung arbeiten: Gerät ist bleihaltig
gelötet, wird aber mit bleifreiem Lot nachgearbeitet.  Funktioniert
selbst in 50 Jahre alten Röhrenradios problemlos. :-)

Autor: Johannes (Gast)
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> Allerdings würde ich eher in die andere Richtung arbeiten: Gerät ist
> bleihaltig gelötet, wird aber mit bleifreiem Lot nachgearbeitet.

Das kann man sich leider nicht immer aussuchen... ;-)

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