Forum: Offtopic Zuse Reparierer gesucht


von JojoS (Gast)


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siehe c't Artikel:
http://www.heise.de/newsticker/meldung/Zuse-Reparierer-verzweifelt-gesucht-1214866.html

Hier sollte es doch noch Experten geben.

von Michael_ (Gast)


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Die sind hier schon alle gestorben!

von Karl H. (kbuchegg)


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Was wollten die?
Die wollten mit dieser Anlage Ausbildung machen? "Angewandte 
Informatik"?

Das ist doch grob fahrlässig!

Lasst die alte Dame in Ruhe, sucht ihr ein trockenes Plätzchen, an der 
sie bestaunt werden kann und ansonsten schliesst das Kapitel 
Zuse-Rechenanlagen ein für alle mal ab.

von Jörg W. (dl8dtl) (Moderator) Benutzerseite


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Wollte ich auch gerade schreiben ... Ist ja ein nettes Museumsstück,
aber Ausbildung mit sowas?  Hat weder praktische Relevanz noch ist
das in irgendeiner Weise öknonomisch.

Ansonsten hätte der alte Herr wohl spätestens mit dem Eintritt ins
Rentenalter mal für Nachwuchs sorgen sollen.

von Silvia A. (silvia)


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Eine ganze Universität mit ihren vielen Möglichkeiten und hunderten 
interessierten angehenden Ingenieuren schafft es nicht so einen 
einfachen Rechner zu reparieren ? Da kommt dann ein Rentner ? 
Unglaublich. Der alte Zuse würde sich heute im Grabe umdrehen.

von Michael K. (charles_b)


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Die sollen doch mal bei abacus industries nachfragen!

Was für ein Studiengang war das noch einmal - Kulturpädagogik?

von Hanna P. (hanna_p)


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Einen Rentner braucht man immer dann, wenn etwas
kostenlos instandgesetzt werden muss.

Inzwischen sind auch Studentische Hilfskräfte oder
"Ein Euro-Jobber" zu teuer.
In die Materie einarbeiten müssen sich inzwischen alle,
da diejenigen, die wirklich noch mit den Geräten gearbeitet haben,
über 70 Jahre alt sein dürften.

von Läubi .. (laeubi) Benutzerseite


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Silvia A. schrieb:
> Eine ganze Universität mit ihren vielen Möglichkeiten und hunderten
> interessierten angehenden Ingenieuren schafft es nicht so einen
> einfachen Rechner zu reparieren ?
Ja ne ist klar, hast du so ein Teil schon mal gesehen? Ich habe an 
verschiedener Stelle bewundern dürfen (in nicht funktionsfähigem 
Zustand, von daher Respekt, das die das noch funktionsfähig haben), und 
einfach ist an diesem Rechner sicher nichts, das ist eine riesen Wand 
aus Röhren und einer Unmenge an Kabeln dicht an dich verlegt, das 
repariert man nicht "mal eben so" wie ein durchgebranten IC oder ein 
Röhrenradio.

von Michael K. (charles_b)


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Ich denke die Uni muss sich entscheiden:

1. Sie WILL, dass das Dingens funkioniert, dann muss sie aber auch dafür 
bezahlen. Wenn man sich einarbeiten muss, muss das auch bezahlt werden. 
Vielleicht richten sie ja einen Studiengang "Zuseologie" ein.

2. Sie HÄTTE GERNE, dass das Dingens für lau am Laufen gehalten wird. 
Dann kann sie sich ausrechnen, wann der letzte Rentner gestorben sein 
wird. Ohne Investition wird nix auf Dauer laufen.

3. Sie ist zufrieden, wenigstens die Altteile in einem Raum stehen zu 
haben, der sonst anderweitig genutzt werden könnte. Dann brauch man 
nichts zu tun, die Raummiete taucht nicht in den Kostenstelle auf (eh 
da). Und es kostet nix.

4. Die Uni blickt nach vorne, dann stellt sie das Dingens bei ebay rein 
oder macht ne Privatauktin oder sonst etwas. Dann kommt ein wenig Geld 
rein, der Raum wird frei und vor allem hat man den Kopf frei für neue 
Dinge. Dies erfordert jedoch eine Entscheidung, die emotional nicht ganz 
einfach ist.

Wie ich Unis kenne, wird es auf eine Mischung von 2 und 3 hinauslaufen. 
Da kann man jammern und es kostet nix. Alle paar Jahre kann man einen 
Reporter ins Haus holen der über die Notsituation beim alten 
Zuse-Rechner nen Artikel schreibt. Ist doch prima.

von Jeffrey L. (the_dude)


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Ich verstehe den "pädagogischen Gedanken" hinter dieser Aktion nicht!?
Was genau will die Uni den Studenten beibringen?

Zugegen, ich bin kein Z22-Spezialist, aber die Funktionsweise einer 
röhrenbasierender Rechnenmaschine unterscheidet sich doch "grundlegend" 
von der Funktionsweise eines µC resp. eines Computers?

Okay, 1 und 0 und so, aber was genau kann ich an dieser Zuse-Anlage 
erlernen was ich dann später auf meinen µC übertragen kann?

von Peter D. (peda)


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Jeffrey Lebowski schrieb:
> Zugegen, ich bin kein Z22-Spezialist, aber die Funktionsweise einer
> röhrenbasierender Rechnenmaschine unterscheidet sich doch "grundlegend"
> von der Funktionsweise eines µC resp. eines Computers?

Nö, ist genau das gleiche.
Hat bloß keine Northbridge, keinen Cache, kein Hyperthreading usw.
Also nur ne CPU + Speicher.
Es sollte daher deutlich leichter zu verstehen sein, als heutige 
Quad-Core Mainboards.

Erstmal würde ich diese grüne Kiste durch ein modernes Digitaloszi 
ersetzen. Man muß ja nicht auch für die Reparatur antiquarische Geräte 
benutzen.

Wie es aussieht, sind die Becher Flipflops mit ner Doppeltriode.
Falls es das noch nicht gibt, dafür erstmal ein Testgerät (mit nem MC) 
bauen.

Und wenn die Röhren ausgehen, heimlich 2 Transistoren reinpappen und ne 
orange LED, um die Heizung zu simulieren.


Peter

von Claus W. (Gast)


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(1) Richtig ist, dass man bei der Ausbildung mit den Grundlagen anfangen 
soll. Eine Intal-CPU mit Milliarden Gattern ist einfach Druckbetankung.

(2) Ja, es muss unbedingt eine ZUSE sein, denn der Name ist prominent. 
Das schafft Vorteilseffekte ohne dass man mehr Aufwand damit hat.

(3) Wer mal versucht, einen Job an der UNI zu bekommen, erlebt sicher 
ziemlichen Mangel. Ausschreibungs-Zwang und so.

(4) Es macht sich gut, einen großen Artikel zu schreiben, denn dann 
bekommt man viele Bewerber und der Personaler kann seinem alten Hobby 
nachgehen, dem Sieben.

(5) Was passiert, wenn eine Student (nennen wir ihn Alfred Zweistein) 
mal eine genialere Idee hat? Nun der Name ZUSE wäre einfach wichtiger. 
Wenn überhaupt, dann kann man seine Idee nur der eigenen UNI schmackhaft 
machen. Für Fremdideen wirft doch niemand Forschungsmittel raus.

(6) Chaos - Computer - Club: Wenn man den ruft handelt man sich am Ende 
Leute ein, die nach getaner Arbeit an der Uni bleiben wollen; na und wie 
wird man die dann wieder los?

(7) Viele Wissenschaftler dürfen an der Uni ihrem Spieltrieb nachgehen, 
nur ich darf das nicht. Als ich mal Leute dort wegen einer Mathe-Idee 
fragen wollte, da hatten sie keine Zeit.

von Karl H. (kbuchegg)


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Claus W. schrieb:
> (1) Richtig ist, dass man bei der Ausbildung mit den Grundlagen anfangen
> soll. Eine Intal-CPU mit Milliarden Gattern ist einfach Druckbetankung.

Geb ich dir recht.
Aber mit diesem Rechner kannst du keine Grundlagen vermitteln.

Wenn du Grundlagen willst, dann pappe ein paar 74xx Gatter an eine 
Pappendeckelplatte, LED dazu, Schalter dazu und du kannst wunderbar die 
Grundlagen der Gatter demonstrieren.

Und im Endeffekt ist ein 8080 oder irgendein anderer Rechner in dieser 
Leistungsklasse deutlich leichter zu verstehen als diese damaligen 
Rechner. Die sind nämlich tatsächlich ausgetüfftelt, da hat jede 
Schraube ihren Sinn und muss genau dort sitzen wo sie sitzt, weil sonst 
die Logik des Rechners gestört ist. Warum das so ist, kann dir nur noch 
Zuse selber oder seine Mitstreiter sagen, als heute Aufgewachsener hast 
du keine Chance, die ausgeklügelte Verdrahtung ohne jahrelanges Studium 
auch nur im Ansatz zu verstehen.
Oder wer von uns kapiert denn noch, wie man ein serielles Rechenwerk aus 
einer Magnettrommel und 25 Röhren baut, dass 32 Bit Zahlen addieren, 
subtrahieren und multiplizieren kann (überspitzt ausgedrückt. Solche 
Recheneinheiten gab es tatsächlich aber ob das jetzt 25 oder 45 Röhren 
waren kann ich nicht mehr sagen)

von Wilhelm F. (Gast)


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Karl Heinz Buchegger schrieb:

> Oder wer von uns kapiert denn noch, wie man ein serielles Rechenwerk aus
> einer Magnettrommel und 25 Röhren baut, dass 32 Bit Zahlen addieren,
> subtrahieren und multiplizieren kann (überspitzt ausgedrückt. Solche
> Recheneinheiten gab es tatsächlich aber ob das jetzt 25 oder 45 Röhren
> waren kann ich nicht mehr sagen)

In meiner Ausbildung hatte ich es mal mit einer W1/5 zu tun. Das ist 
eine alte Telefonanlage mit einer Amtsleitung und 5 richtig über den 
Ziffernblock des Telephonapparates anwählbare Nebenstellen, Entwicklung 
wohl aus den 1950-er Jahren. Hatte einen riesigen Relaisblock aus 
ungefähr 40-50 großen Flachrelais aus der Fernmeldetechnik, wobei viele 
Relais vielfache Kontaktsätze hatten. Hinten an der Lötseite einen 
dicken Kabelbaum, das knisterte immer schon beim Öffnen der Kiste.

Die Anlage hatte unter den vielen Relais einige, die miteinander 
verknüpft die automatische Wahl der Wählscheibe des Telefons übernahmen, 
und keinen Drehwähler. Die Relais schalteten sich je nach gewählter 
Ziffer in einen bestimmten Zustand (State). Mann, das war auch noch sehr 
schräg. Wählkette nannten wir das. Hatte mit digitalen Gattern wenig zu 
tun. Alleine um diese Funktion richtig zu verstehen, brauchte es mehrere 
Ausbildungsstunden, wenn nicht sogar Tage. So ganz genau hab ich das 
nicht mehr im Kopf, aber hier noch in vergilbten Büchern.

von Thomas E. (thomase)


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Die finden das halt geil, so ein Ding funktionsfähig zu halten. Ist es 
ja auch. Und damit nicht irgendein Ignorant im Kultusministerium seinen 
Bleistift spitzt und das Teil verschrotten lässt, müssen sie dem Ganzen 
einen Sinn geben.

mfg.

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