siehe c't Artikel: http://www.heise.de/newsticker/meldung/Zuse-Reparierer-verzweifelt-gesucht-1214866.html Hier sollte es doch noch Experten geben.
Was wollten die? Die wollten mit dieser Anlage Ausbildung machen? "Angewandte Informatik"? Das ist doch grob fahrlässig! Lasst die alte Dame in Ruhe, sucht ihr ein trockenes Plätzchen, an der sie bestaunt werden kann und ansonsten schliesst das Kapitel Zuse-Rechenanlagen ein für alle mal ab.
Wollte ich auch gerade schreiben ... Ist ja ein nettes Museumsstück, aber Ausbildung mit sowas? Hat weder praktische Relevanz noch ist das in irgendeiner Weise öknonomisch. Ansonsten hätte der alte Herr wohl spätestens mit dem Eintritt ins Rentenalter mal für Nachwuchs sorgen sollen.
Eine ganze Universität mit ihren vielen Möglichkeiten und hunderten interessierten angehenden Ingenieuren schafft es nicht so einen einfachen Rechner zu reparieren ? Da kommt dann ein Rentner ? Unglaublich. Der alte Zuse würde sich heute im Grabe umdrehen.
Die sollen doch mal bei abacus industries nachfragen! Was für ein Studiengang war das noch einmal - Kulturpädagogik?
Einen Rentner braucht man immer dann, wenn etwas kostenlos instandgesetzt werden muss. Inzwischen sind auch Studentische Hilfskräfte oder "Ein Euro-Jobber" zu teuer. In die Materie einarbeiten müssen sich inzwischen alle, da diejenigen, die wirklich noch mit den Geräten gearbeitet haben, über 70 Jahre alt sein dürften.
Silvia A. schrieb: > Eine ganze Universität mit ihren vielen Möglichkeiten und hunderten > interessierten angehenden Ingenieuren schafft es nicht so einen > einfachen Rechner zu reparieren ? Ja ne ist klar, hast du so ein Teil schon mal gesehen? Ich habe an verschiedener Stelle bewundern dürfen (in nicht funktionsfähigem Zustand, von daher Respekt, das die das noch funktionsfähig haben), und einfach ist an diesem Rechner sicher nichts, das ist eine riesen Wand aus Röhren und einer Unmenge an Kabeln dicht an dich verlegt, das repariert man nicht "mal eben so" wie ein durchgebranten IC oder ein Röhrenradio.
Ich denke die Uni muss sich entscheiden: 1. Sie WILL, dass das Dingens funkioniert, dann muss sie aber auch dafür bezahlen. Wenn man sich einarbeiten muss, muss das auch bezahlt werden. Vielleicht richten sie ja einen Studiengang "Zuseologie" ein. 2. Sie HÄTTE GERNE, dass das Dingens für lau am Laufen gehalten wird. Dann kann sie sich ausrechnen, wann der letzte Rentner gestorben sein wird. Ohne Investition wird nix auf Dauer laufen. 3. Sie ist zufrieden, wenigstens die Altteile in einem Raum stehen zu haben, der sonst anderweitig genutzt werden könnte. Dann brauch man nichts zu tun, die Raummiete taucht nicht in den Kostenstelle auf (eh da). Und es kostet nix. 4. Die Uni blickt nach vorne, dann stellt sie das Dingens bei ebay rein oder macht ne Privatauktin oder sonst etwas. Dann kommt ein wenig Geld rein, der Raum wird frei und vor allem hat man den Kopf frei für neue Dinge. Dies erfordert jedoch eine Entscheidung, die emotional nicht ganz einfach ist. Wie ich Unis kenne, wird es auf eine Mischung von 2 und 3 hinauslaufen. Da kann man jammern und es kostet nix. Alle paar Jahre kann man einen Reporter ins Haus holen der über die Notsituation beim alten Zuse-Rechner nen Artikel schreibt. Ist doch prima.
Ich verstehe den "pädagogischen Gedanken" hinter dieser Aktion nicht!? Was genau will die Uni den Studenten beibringen? Zugegen, ich bin kein Z22-Spezialist, aber die Funktionsweise einer röhrenbasierender Rechnenmaschine unterscheidet sich doch "grundlegend" von der Funktionsweise eines µC resp. eines Computers? Okay, 1 und 0 und so, aber was genau kann ich an dieser Zuse-Anlage erlernen was ich dann später auf meinen µC übertragen kann?
Jeffrey Lebowski schrieb: > Zugegen, ich bin kein Z22-Spezialist, aber die Funktionsweise einer > röhrenbasierender Rechnenmaschine unterscheidet sich doch "grundlegend" > von der Funktionsweise eines µC resp. eines Computers? Nö, ist genau das gleiche. Hat bloß keine Northbridge, keinen Cache, kein Hyperthreading usw. Also nur ne CPU + Speicher. Es sollte daher deutlich leichter zu verstehen sein, als heutige Quad-Core Mainboards. Erstmal würde ich diese grüne Kiste durch ein modernes Digitaloszi ersetzen. Man muß ja nicht auch für die Reparatur antiquarische Geräte benutzen. Wie es aussieht, sind die Becher Flipflops mit ner Doppeltriode. Falls es das noch nicht gibt, dafür erstmal ein Testgerät (mit nem MC) bauen. Und wenn die Röhren ausgehen, heimlich 2 Transistoren reinpappen und ne orange LED, um die Heizung zu simulieren. Peter
(1) Richtig ist, dass man bei der Ausbildung mit den Grundlagen anfangen soll. Eine Intal-CPU mit Milliarden Gattern ist einfach Druckbetankung. (2) Ja, es muss unbedingt eine ZUSE sein, denn der Name ist prominent. Das schafft Vorteilseffekte ohne dass man mehr Aufwand damit hat. (3) Wer mal versucht, einen Job an der UNI zu bekommen, erlebt sicher ziemlichen Mangel. Ausschreibungs-Zwang und so. (4) Es macht sich gut, einen großen Artikel zu schreiben, denn dann bekommt man viele Bewerber und der Personaler kann seinem alten Hobby nachgehen, dem Sieben. (5) Was passiert, wenn eine Student (nennen wir ihn Alfred Zweistein) mal eine genialere Idee hat? Nun der Name ZUSE wäre einfach wichtiger. Wenn überhaupt, dann kann man seine Idee nur der eigenen UNI schmackhaft machen. Für Fremdideen wirft doch niemand Forschungsmittel raus. (6) Chaos - Computer - Club: Wenn man den ruft handelt man sich am Ende Leute ein, die nach getaner Arbeit an der Uni bleiben wollen; na und wie wird man die dann wieder los? (7) Viele Wissenschaftler dürfen an der Uni ihrem Spieltrieb nachgehen, nur ich darf das nicht. Als ich mal Leute dort wegen einer Mathe-Idee fragen wollte, da hatten sie keine Zeit.
Claus W. schrieb: > (1) Richtig ist, dass man bei der Ausbildung mit den Grundlagen anfangen > soll. Eine Intal-CPU mit Milliarden Gattern ist einfach Druckbetankung. Geb ich dir recht. Aber mit diesem Rechner kannst du keine Grundlagen vermitteln. Wenn du Grundlagen willst, dann pappe ein paar 74xx Gatter an eine Pappendeckelplatte, LED dazu, Schalter dazu und du kannst wunderbar die Grundlagen der Gatter demonstrieren. Und im Endeffekt ist ein 8080 oder irgendein anderer Rechner in dieser Leistungsklasse deutlich leichter zu verstehen als diese damaligen Rechner. Die sind nämlich tatsächlich ausgetüfftelt, da hat jede Schraube ihren Sinn und muss genau dort sitzen wo sie sitzt, weil sonst die Logik des Rechners gestört ist. Warum das so ist, kann dir nur noch Zuse selber oder seine Mitstreiter sagen, als heute Aufgewachsener hast du keine Chance, die ausgeklügelte Verdrahtung ohne jahrelanges Studium auch nur im Ansatz zu verstehen. Oder wer von uns kapiert denn noch, wie man ein serielles Rechenwerk aus einer Magnettrommel und 25 Röhren baut, dass 32 Bit Zahlen addieren, subtrahieren und multiplizieren kann (überspitzt ausgedrückt. Solche Recheneinheiten gab es tatsächlich aber ob das jetzt 25 oder 45 Röhren waren kann ich nicht mehr sagen)
Karl Heinz Buchegger schrieb: > Oder wer von uns kapiert denn noch, wie man ein serielles Rechenwerk aus > einer Magnettrommel und 25 Röhren baut, dass 32 Bit Zahlen addieren, > subtrahieren und multiplizieren kann (überspitzt ausgedrückt. Solche > Recheneinheiten gab es tatsächlich aber ob das jetzt 25 oder 45 Röhren > waren kann ich nicht mehr sagen) In meiner Ausbildung hatte ich es mal mit einer W1/5 zu tun. Das ist eine alte Telefonanlage mit einer Amtsleitung und 5 richtig über den Ziffernblock des Telephonapparates anwählbare Nebenstellen, Entwicklung wohl aus den 1950-er Jahren. Hatte einen riesigen Relaisblock aus ungefähr 40-50 großen Flachrelais aus der Fernmeldetechnik, wobei viele Relais vielfache Kontaktsätze hatten. Hinten an der Lötseite einen dicken Kabelbaum, das knisterte immer schon beim Öffnen der Kiste. Die Anlage hatte unter den vielen Relais einige, die miteinander verknüpft die automatische Wahl der Wählscheibe des Telefons übernahmen, und keinen Drehwähler. Die Relais schalteten sich je nach gewählter Ziffer in einen bestimmten Zustand (State). Mann, das war auch noch sehr schräg. Wählkette nannten wir das. Hatte mit digitalen Gattern wenig zu tun. Alleine um diese Funktion richtig zu verstehen, brauchte es mehrere Ausbildungsstunden, wenn nicht sogar Tage. So ganz genau hab ich das nicht mehr im Kopf, aber hier noch in vergilbten Büchern.
Die finden das halt geil, so ein Ding funktionsfähig zu halten. Ist es ja auch. Und damit nicht irgendein Ignorant im Kultusministerium seinen Bleistift spitzt und das Teil verschrotten lässt, müssen sie dem Ganzen einen Sinn geben. mfg.
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