Forum: Mikrocontroller und Digitale Elektronik Wechselstrom - Phasenbedingung


von Gerd (Gast)


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Hallo,
letzte Woche gabs in der FH eine Hausaufgabe, wo ich leider nicht weiter 
komme und das Skript grade auch nicht viel hilft.
Ich hoffe, ihr könnt mir einen Tipp geben!
Noch was: wir haben grade erst mit Wechselstrom angefangen, also bitte 
nicht hauen ;-)

Folgende Schaltung liegt vor:

A------- R1 -----+-------+
                 |       |
                 L       R2
                 |       |
B----------------+-------+

An den Klemmen A und B liegt eine Wechselspannung von 100V, 50Hz an. R1 
beträgt 50 Ohm, L 10 mH.
Die Frage ist jetzt: wie gross muss R2 sein, damit der Strom durch die 
Spule der Gesamtspannung (also an A und B) um 45° nacheilt?

Ich habe mir mal ein Leitwertdreieck aufgezeichnet. G2 (also der 
Leitwert von R2) ist dabei auf der horizontalen, BL (Blindleitwert der 
Spule) zeigt senkrecht nach unten. Die Phasenverschiebung soll 45° sein, 
also muss doch der Leitwert des Widerstands gleich gross sein wie der 
Blindleitwert der Spule, dann sind die beiden Katheten des 
Leitwertdreiecks gleich lang und die Hypotenuse liegt unter einem Winkel 
von 45°.
Somit bekomme ich für R einen Wert von 3.14 Ohm. Das ist aber falsch. Wo 
liegt mein Denkfehler?

von Ben _. (burning_silicon)


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vergiss R1 nicht.

konnte sowas mal rechnen, war ein ziemliches gewirr mit imaginären 
zahlen und ist lange her. aber nicht im studium, sondern schon beim abi.

von Gerd (Gast)


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Ah ja, stimmt, wie muss ich R1 berücksichtigen?
Genau mit den komplexen Zahlen wollte ich das auch rechnen. Das wäre ja 
ansich nicht so schwer, schliesslich hatten wir die schon sehr 
ausführlich. Nur fehlt mir momentan noch irgendwie der Einstieg bei 
dieser Aufgabe... :o

von Alex E. (tecnologic) Benutzerseite


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hi,

Keine Ahnung obs dir hilft, aber das geht so nicht. Erstens mal mal in 
deiner Zeiger Zeichnung, den R1 mit ein. Dann siehst du schon so das du 
mit einer 10mH Spule nix aus richten kannst wenn du der noch n 
Widerstand parallel schaltest. Selbst wenn du den r2 0 setzt kommst du 
nur auf eine Phase von 3.6° das wird also nix. das kannst du rechnerisch 
prüfen,
wenn du den Winkel von R1+1/(1/(3.14159*j)+1/r2) berechnetst.
phi=Tan(Imag/real) nur zur Erinnerung. Ich glaube du hast da einen 
Fehler in der Aufgabenstellung

MfG

Tec

von Gerd (Gast)


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Hi Tec,
ich bin mir nicht sicher. Simuliere ich das ganze in LTSpice, dann kann 
ich da durchaus Phasenverschiebungen von gefühlten 45° erzeugen, durch 
herumbasteln mit R2 und ausprobieren. Leider weiss ich nicht, wie man es 
mathematisch macht.... Dass die Aufgabenstellung einen Fehler hat, kann 
natürlich schon sein, aber ich gehe mal nicht davon aus.

von Alex E. (tecnologic) Benutzerseite


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hi

wie ich oben schon beschrieben habe du stellst die Übertragungsfunktion
Ausgang zu Eingang auf bei dir also I/U nach U=R*I ergibt das 1/R
Jetzt nimmste den gesamt Widerstand der Schaltung als R mit R2 als 
Variable
und berechnest die Phase der Funktion und dann suchst du nach dem R2 für 
den die Phase Pi/4 =45° ist. ICh hoffe das hilft

MfG

Tec

von Dennis (Gast)


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Ich werde zur Zeit Elektromeister und wir haben das ganze recht einfach 
gerechnet, die Spule in Ohmschen und induktiven Widerstand aufteilen, 
sozusagen als Ersatzschaltbild zwei Widerstände in Reihe anstatt der 
Spule. Dann gibts im Tabellenbuch Formeln, das du die beiden Widerstände 
in parallele umrechnen kannst. Dann hast du erstmal mit deinem R1 und 
deiner neuen errechneten Spule drei parallele Widerstände, zwei ohmsche 
und einen induktiven. Die ohmschen kannst du normal zusammen fassen nach 
dem ohmschen Gesetz und dann rechnest du die Werte der Parallelschaltung 
von induktiven und ohmschen Widerstand wieder in eine Reihenschaltung. 
So hast du erstmal die Spule und den R1 zusammengefasst. Jetzt hast du 
also eine Reihenschaltung von einem induktiven Widerstand, einem 
ohmschen Widerstand, den du gerade ausgerechnet hast, und deinem 
gesuchten R2. Und ab da ist es ja nur noch eine Formelumstellung das du 
auf deinen gesuchten Wert kommst und das kannst du denke ich mal schon 
selber hinbekommen.

Ich hoffe geholfen zu haben.


MfG Dennis

von Dennis (Gast)


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Ich habe gerade gesehen, das ich in den Bezeichnungen R1 und R2 
verwechselt habe, sry.


MfG Dennis

von Gerd (Gast)


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Danke, ich muss mich da nochmal hinsetzen und das nochmal versuchen zu 
rechnen.

Tec,
Übertragungsfunktion heisst sowas, oder:

Z = R1 + ((XL * R2) / (XL + R2)) mit XL = j*2*Pi*f*L.

Dann ist

I_tot = U / Z, und die Spannung über der Spule ist

UL = U - I_tot * R1

und der Strom durch die Spule somit

IL = UL / XL.

richtig?
Und jetzt von dieser komplexen Zahl den Arcus nehmen, der soll 45° sein 
und dann das ganze Gedöns wieder rückwärts rechnen. Macht man das 
wirklich so?

von Helmut L. (helmi1)


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Bei 45 Grad ist der Rechenweg sehr einfach. Dann muss die 
Parallelschaltung aus R1 und R2  genau so gross sein wie der Induktive 
Blindwiderstand.

XL = 2  PI  f * L = 3.14 Ohm

R1 = 50 Ohm

R2 = (R1 * XL) / (R1 - XL) = 3.35 Ohm.

von Gerd (Gast)


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Wow, Helmut, vielen Dank.
Wie bist du darauf gekommen, dass die Parallelschaltung von R1 und R2 
ausschlaggebend ist?

von Helmut L. (helmi1)


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Gerd schrieb:
> Wie bist du darauf gekommen, dass die Parallelschaltung von R1 und R2
> ausschlaggebend ist?

Die Spannungsquelle kannst du mit 0 Ohm annehmen. Dann siehst du die 
Parallelschaltung direkt. Nur die Spannung teilt sich auf aber da wurde 
ja nicht nach gefragt.

von new_berlin (Gast)


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Also mein Vorschlag is zwar erheblich komplizierter, tut's aber auch:

1. Erst die Übertragungsfunktion aufstellen, wie Gerd es schon getan 
hat.
2. tan(45°) = Im(Z)/Re(Z) setzen, vereinfachen.
3. Da kommt ne quadratische Gleichung raus, lösen.

Ich hatte für R2 einen Wert von ~ 3,3488 Ohm raus. Stimmt hoffentlich :)

von Achim M. (minifloat)


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Tec Nologic schrieb:
> Selbst wenn du den r2 0 setzt kommst du
> nur auf eine Phase von 3.6° das wird also nix.

Mit R2 = 0 fließt der ganze Strom der Parallelschaltung R2 und L durch 
R2. Es ist also nur R1 als einziges Element enthalten und die Phase des 
Stromes durch R1, sofern man die 100V, 50Hz als rein real ansetzt(phi  = 
0°), auch 0.
Der Strom durch die Spule ist dann 0.

mf

von Gerd2 (Gast)


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Worin besteht eigentlich der Unterschied zwischen komplexen und 
imaginären Zahlen?

von minifloat (Gast)


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Gerd2 schrieb:
> zwischen komplexen und
>
> imaginären Zahlen

komplex werden alle Zahlen oder auch Rechenwege/Rechenmethoden genannt, 
die mit einer Zahl (Schreibweise z.B. z = a + b * j mit a,b element |R 
und der imaginären Einheit j² = -1) umgehen, diese enthalten oder als 
Ergebnis hervorbringen können.

Imaginär oder besser rein imaginär ist eine Zahl, wenn sie nur einen 
Imaginärteil b = Im(z) und a = Re(z) *= 0* enthält.

mfg mf

von minifloat (Gast)


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... b = Im(z) und a = Re(z) = 0 enthält.

von Helmut L. (helmi1)


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Gerd2 schrieb:
> Worin besteht eigentlich der Unterschied zwischen komplexen und
> imaginären Zahlen?

Die imaginaeren Zahlen sind die Erweiterung der reellen Zahlen zur 
komplexen Zahl.

z.B. ist die Gleichung  X^2 + 1 = 0 im reellen nicht loesbar da 
aufgeloest nach X

X = sqrt(-1)

Sie ist damit nur im komplexen loesbar in dem man die Gaussische 
Zahlenebene mit imaginaeren Zahlen neben den reellen Zahlen einfuehrt.

Dann ergibt sich als Loesung:

X = j  mit j = sqrt(-1)

Eine komplexe Zahl wird in 2 verschiedenen Formen dargestellt:
einmal als Real und Imaginaerteil oder als Betrag und Phase.
Wobei man die verschiedenen Formen gegeneinander umrechnen kann.

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