Immer wieder hört man ja gern aus dem Bekannten-/Eltern-/whateverkreis,
dieses oder jenes Essen lernt man erst später schätzen.
In meinem konkreten Fall z.B. Fisch, den ich beileibe nicht abkann oder
auch Oliven.
Nun interessiert mich mal: Gibt es bei euch Speisen die ihr früher (als
Kind oder Jugendlicher) nicht mochtet und ihr nun gerne esst? Oder
umgekehrt Sachen die ihr nun nicht mehr sehen könnt aber als Kind gerne
gegessen habt?
Darüberhinaus: Steht ihr euch unbekannten Speisen restriktiv oder
aufgeschlossen gegenüber?
Ich habe über die Frage einige Zeit mal nachgedacht und bin bei mir nur
drauf gekommen, dass sich Weißwurst aus meiner Speiseliste dünn gemacht
hat, nach einem heillosen Überfressen an Weißwurst mit Ketchup im
Kindesalter. Neuen Geschmäckern stehe ich eher restriktiv gegenüber
quasi "Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht", so dass sich meine
Speisekarte von damals bis heute nicht nennenswert geändert hat.
Wie siehts bei euch aus?
Knoblauch und Zwiebel war im Kindesalter ein No-Go. Jetzt finde ich das
echt lecker. In letzter zeit habe ich etwas mehr Kontakt zu Personen
ausländischen Ursprungs, über die ich viele hier total unbekannte
Speisen, Würzungen und Zubereitungsarten kennengelernt habe. Wer hier
zum 0815-Chinesen geht und denkt, dass das chinesisches Essen ist, liegt
echt extrem daneben. Dadurch bin ich häufig mit mir unbekanntem
konfrontiert und mein Rat an euch: probiert es! Auch, wenn euch nicht
alles schmecken wird (Tofu in seinen verschiedenen Arten finde ich nach
wie vor nicht essbar), ihr werdet viele leckere Sachen finden.
Als kind war ich sehr heikel, ich habe z.b. sehr wenig obst und gemüse
gegessen. Heute gibt es kaum noch etwas, was ich nicht esse. Das ein
oder andere brauch ich zwar nicht, aber falls es das mal gibt esse ich
es auch.
Obst und Gemüse esse ich mittlerweile täglich, nicht weil ich meine auf
meine ernährung achten zu müssen, sondern weil es einfach schmeckt.
Frittierte heuschrecken z.b. habe ich auch schon probiert und ich musste
feststellen, dass es gar nicht so schlimm ist diese zu essen. :)
Ich wurde vom heiklem kind zum erwachsenem allesfresser der gern neues
ausprobiert, auch wenn das bei meiner mutter immer noch nicht angekommen
ist^^
Als Kind ekelte mich bis zum Würgen Speck und Schinken heute esse ich so
gut wie keine Wurst mehr. Dagegen, ihr werdet es kaum erraten, liegt
immer genug Baecon im Kühlschrank und täglich auf dem Brot.
Namaste
In den 1960-er Jahren bekamen wir als Schulkinder nach der Schule schon
mal Nudeln mit Senf aus der Tube, oder Nudeln mit Tomatenmark aus der
Tube. Die Zeit war noch etwas ärmlich, eben Nachkriegszeit. Meine Eltern
hatten das Geld nicht, und irgendwie kann ich das heute verstehen.
Manchmal gab es auch Leberwursttunke, das war in Wasser aufgekochte
breiige zur Soße kleingedrückte Leberwurst. Als Soße zu Kartoffeln. Ich
mußte mich übergeben, bekam danach noch eine Tracht Prügel, um nicht zu
sagen, windelweich geklopft. Und es gab den ganzen Tag dann nichts mehr.
Oder Sülze, das gleiche Spiel. Welches Kind mag sowas?
Andere sehr einfache Lebensmittel aus der schlechteren Zeit hingegen
waren wieder gut: Mehlknödel in Fett gebraten mit Zwiebeln in Essigsoße.
Das kann man essen. Oder Braunmehlssoße, das waren Kartoffeln, und eine
braune Soße aus Mehlschwitze und Zwiebeln und mit Essig gesäuert.
Heute habe ich es sehr mit der südländischen Küche, selbst gemachte
Pizza, Pasta, und Salate z.B. mit Thunfisch oder Schafskäse. Auch sehr
gerne Oliven und eingelegte Peperoni. Vor allem auch Olivenöl, aber
nicht das kräßliche Zeug vom Discounter. Das ist zweite Wahl, und im
Nachgeschmack stechend scharf. Kleines Meeresgetier wie Shrimps muß es
auch nicht sein.
Wenn was schnell gehen soll, mache ich sehr gerne mal Spaghetti Aglio e
Olio. Die Soße mit einer halben oder ganzen Knoblauchknolle, Butter,
Olivenöl. Und reichlich Öl. Ich wurde bisher auch nicht wirklich fett.
Italiener werden es auch nicht. Man kann noch je nach Geschmack anderes
Gemüse in kleinen Mengen hinzu fügen, was man möchte.
Fisch: Eingelegter Hering in Sahnesoße ist völlig in Ordnung, und mit
Kartoffeln lecker. Fischstäbchen auch. Die Tiefkühl-Aufbackdinger
Schlemmerfilet Bordelaise oder Italiano gehen auch.
Herrlich war es bei meiner Oma: Die war nach dem 1. Weltkrieg
Klosterschülerin und Köchin in Belgien. Für einen Sonntagsbraten
brauchte die keinen Bratensoßenextrakt von Maggi. Das war reine Natur.
Fleisch mochte ich als Kind auch nicht. Aber da wurde immer massiv
nachgeholfen, mit der Gabel und einem Stück Fleisch vor dem Mund, so daß
man selbst nicht frei weiter essen konnte: Das muß jetzt endlich mal
sein, daß der Fleisch ißt...
@ Winfried J. (Firma: Nisch-Aufzüge) (winne)
>Als Kind ekelte mich bis zum Würgen Speck und Schinken
Ich mochte es und mag es heute noch.
Brot mit dünnen Scheiben Speck und Senf. Hmmmmm, lecker !!!
@ Wilhelm Ferkes (ferkes-willem)
>Manchmal gab es auch Leberwursttunke, das war in Wasser aufgekochte>breiige zur Soße kleingedrückte Leberwurst. Als Soße zu Kartoffeln. Ich>mußte mich übergeben, bekam danach noch eine Tracht Prügel, um nicht zu>sagen, windelweich geklopft. Und es gab den ganzen Tag dann nichts mehr.
Naja, dass viele "Eltern" mit Pädagogik nicht viel am Hut haben und nur
ihre eigenen Defizite und Traumata ihrer Kindheit vererben ist leider
nur allzuoft der Fall.
>Oder Sülze, das gleiche Spiel. Welches Kind mag sowas?
Ich, damals wie heute. Mit Essig und Zwiebel, hmmmm!!!
>Olivenöl. Und reichlich Öl. Ich wurde bisher auch nicht wirklich fett.>Italiener werden es auch nicht.
Jaja, die lieben Klischees. Auch Italien hat wie alle Industrienationen
ein Problem mit Übergwicht. Ob das vom Olivenöl kommt glaub ich aber
eher nicht.
>man selbst nicht frei weiter essen konnte: Das muß jetzt endlich mal>sein, daß der Fleisch ißt...
Siehe oben.
MFG
Falk
Also ich habe früher nie gerne Gemüse gegessen. Tomaten, Gurken,
Blumenkohl... Das blieb bei mir immer alles auf dem Teller.
Mittlerweile liebe ich Tomaten mit Joghurtdressing, Gurkensalat und
Blumenkohl. Auch Spargel, den ich gehasst habe esse ich mittlerweile.
Aber Essen wie bei Muttern geht bei mir genau so wenig durch wie früher.
Dazu macht sie da immer noch zu viele sachen, die ich überhaupt nicht
abkann. Z.B. die Zweibeln in den Rouladen die immer viel zu groß sind
oder Nudeln mit angebratenem Paniermehl :-@
Sie wundert sich nur immer daß ich selber genau die Dinge koche, die mir
bei Ihr nie geschmeckt haben und es auch immer noch nicht un.
Frank
Falk Brunner schrieb:> Naja, dass viele "Eltern" mit Pädagogik nicht viel am Hut haben und nur> ihre eigenen Defizite und Traumata ihrer Kindheit vererben ist leider> nur allzuoft der Fall.
es ging wohl eher darum, dass der bub das teuer gekauft essen wieder
ausgespuckt hat. Damals wars halt nicht so, dass man sich mal schnell
ins auto hockt ins nächste mc fährt und n burger futtert.
Dazu schadet es nicht ab und an mal eine aufen hintern zu bekommen, oder
sind alle menschen (sagen wir so ab 50+) missraten?
Ist wohl eher andersherum und das obwohl man heute ein kind ja nur noch
mit samthandschuhen anfassen darf
@ Klaus Ausderkasse (gustavgans)
>es ging wohl eher darum, dass der bub das teuer gekauft essen wieder>ausgespuckt hat.
Würde ich anders interpretieren.
"Manchmal gab es auch Leberwursttunke, das war in Wasser aufgekochte
breiige zur Soße kleingedrückte Leberwurst. Als Soße zu Kartoffeln. Ich
mußte mich übergeben, bekam danach noch eine Tracht Prügel, um nicht zu
sagen, windelweich geklopft."
Die Leberwursttunke hat Brechreiz ausgelöst, er hat gekotzt. Nicht aus
Trotz und böser Absicht sondern aus Reflex der Unverträglichkeit. Die
Rabeneltern wollten/haben das unbekömmliche Essen in ihn reinprügeln.
"Fleisch mochte ich als Kind auch nicht. Aber da wurde immer massiv
nachgeholfen, mit der Gabel und einem Stück Fleisch vor dem Mund, so daß
man selbst nicht frei weiter essen konnte: Das muß jetzt endlich mal
sein, daß der Fleisch ißt..."
Gibt es in verschiedensten Abstufungen heute auch noch. Weil ja auch
kein Mensch auf die Idee kommen könnte, dass a) Kinder einen vollkommen
anderen Geschmack haben und b) auf bestimmte Lebensmittel direkt oder
indirekt allergisch sind. Immer schön Schema F, alle Kinder mögen
Griesbrei und Spinat. Jaja.
Bei mir sind es rohe Tomaten, macht prima Brechreiz, damals wie heute.
Hat man mir Gott sei dank nicht reingestopft, wenn gleich das
Unverständnis der Sache nach wie vor existiert. An Käse kam ich als Kind
nicht ran, erst später in Grenzen. Heute esse ich gern Frischkäse und
Feta etc, gern auch Schmelzkäse wenn er geschmolzen auf Pizza, Nudeln
oder Karlsbader Schnitte liegt. Aber die große Masse der Käse, geht gar
nicht.
>Dazu schadet es nicht ab und an mal eine aufen hintern zu bekommen, oder
Ohje, eines der älltesten und dümmsten Argumente schlechthin. Siehe
oben! Problem völlig verkannt!
>sind alle menschen (sagen wir so ab 50+) missraten?
Jaja, früher beim Kaiser war die Welt noch in Ordnung. Unsinn!
http://de.wikipedia.org/wiki/Kognitive_Verzerrung>Ist wohl eher andersherum und das obwohl man heute ein kind ja nur noch>mit samthandschuhen anfassen darf
Problem völlig verkannt die II.!
MFG
Falk
P S Ich bin auch kein Freund der Weichspülerei und des
"Waldorfgefasels". Aber solche "Argumente" ala "ein bissel Prügel hat
uns auch nicht geschadet" sind einfach DUMM!
Das ganze liegt an der Unfähigkeit des kindlichen Hirns bestimmte
Geschmäcker als appetitlich anzuerkennen. Kinder mögen im Prinzip süß,
sauer und salzig. Aber alles was bitter ist, und dazu gehören die
meisten antrainierten Geschmacksrichtungen, schmecken ihnen viel
seltener.
Bei mir warens als Kind die folgenden Sachen, die ich gehasst habe:
Mineralwasser, Oliven, Tonic, Alkohol, Kaffee, Kaviar
Heute mag ich die alle mit Ausnahme des Alkohols, den trinke ich bis
heute nicht. Dagegen konnte ich als Kind Salzgurken essen, an die ich
heute absolut gar nicht mehr ran kann.
@ Mike Strangelove (drseltsam)
>Das ganze liegt an der Unfähigkeit des kindlichen Hirns bestimmte>Geschmäcker als appetitlich anzuerkennen.
Über Geschmack lässt sich bekanntlich gut streiten. Auch du willst
anderen Leuten und kleinen Kindern das Essen reinwürgen!
>meisten antrainierten Geschmacksrichtungen, schmecken ihnen viel>seltener.
EBEN! ANTRAINIERT. In vielen Fällen auch indoktriniert.
>Heute mag ich die alle mit Ausnahme des Alkohols, den trinke ich bis>heute nicht.
Aha. Das ist deine Unfähigkeit, den Alkohol als appetitlich
anzuerkennen.
MfG
Falk
D. I. schrieb:> Nun interessiert mich mal: Gibt es bei euch Speisen die ihr früher (als> Kind oder Jugendlicher) nicht mochtet und ihr nun gerne esst? Oder> umgekehrt Sachen die ihr nun nicht mehr sehen könnt aber als Kind gerne> gegessen habt?
Oh ja, da hat sich schon im Studium vieles geändert.
Als Kind mochte ich nur Frischkäse -> heute bin ich schon großer
Käsefan. Und je älter man wird, desto reifer werden auch die Käsesorten
:-)
Wein mochte ich bis 23 gar nicht - dann haben wir mal bei einem Winzer
mit einem exzellenten Mosel-Riesling übernachtet - und seitdem trinke
ich gerne Weisswein.
Mit Oliven ist es ähnlich wie bei Dir: früher war alles daraus bäh,
heute esse ich die schon in Putanesca - aber noch nicht roh aus dem
Glas.
> Darüberhinaus: Steht ihr euch unbekannten Speisen restriktiv oder> aufgeschlossen gegenüber?
Eher sehr aufgeschlossen - nur Meeresfrüchte sind nicht so mein Ding
(wobei ich durchaus gerne Fisch esse).
Generell stelle ich fest, dass ich jetzt deutlich mehr Wert auf Qualität
und Frischgekochtes lege. Ganz nebenbei ist diese Art des Kochens auch
noch sehr preiswert.
Fertiggerichte gibt es bei uns fast gar nicht mehr - selbst Pizza wird
selbst belegt (ist übrigens eine praktische Form der Resteverwertung
:-).
Hefeteig ist nicht schwer zu machen und kann wunderbar portioniert und
eingefroren werden -> sehr lecker (und extrem preiswert).
> Ich habe über die Frage einige Zeit mal nachgedacht und bin bei mir nur> drauf gekommen, dass sich Weißwurst aus meiner Speiseliste dünn gemacht> hat, nach einem heillosen Überfressen an Weißwurst mit Ketchup im> Kindesalter. Neuen Geschmäckern stehe ich eher restriktiv gegenüber> quasi "Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht", so dass sich meine> Speisekarte von damals bis heute nicht nennenswert geändert hat.
Sehr schade!
Ich gehe z.B. einmal im Monat mit "meinen" Männern kochen. Da wir um die
12 Leute sind und immer drei ein Gericht kochen, hat man so jeden Monat
sehr viel Neues zu probieren. Und man kann den Aufwand trotzdem
abschätzen. So etwas gibt es sich auch bei Euch.
Chris D.
P.S.: Es gibt nicht viel Schöneres, als bei Flammkuchen und einem guten
Tropfen im Sommer an der Mosel in der Strausswirtschaft zu sitzen, und
mit seiner Frau und Freunden den Sonnenuntergang zu genießen. Und da ist
man mit 5 Euro pro Nase dabei ...