Hallo,
nach erfolgreichem Abschluß (Maschinenbau, Regelstudienzeit,
FH)gestaltet sich der Berufseinstieg extrem schwierig. In der Regel
scheitert es am technischen Verständnis. Welchen Weg könnte ich
einschlagen? Eventuell ein Aufbaustudium im Bereich
Wirtschaftswissenschaften?
Wenn es am "technischen Verständnis" scheitert, dann weiss ich nicht was
du mit einem Wirtschaftsstudium erreichen willst.
Denkst du dass dein Verständnis, trotz abgeschlossenem Studium, nicht
für eine Ing. Stelle reicht, und du lieber Richtung BWL wechseln willst?
Michael S. schrieb:> Vielleicht wäre ein Lehre das geeignete um mehr technisches Verständnis> zu bekommen. Dadurch bekommt man dann auch gleich Berufserfahrung.
Und wozu hat er dann bitte studiert? Eine Lehre macht man vor dem
Studium oder garnicht.
Absolvent123 schrieb:> Hallo,> nach erfolgreichem Abschluß (Maschinenbau, Regelstudienzeit,> FH)gestaltet sich der Berufseinstieg extrem schwierig. In der Regel> scheitert es am technischen Verständnis.
Wie kann man Maschbau in der Regelzeit schaffen und dann kein
technisches Verständnis haben?
Welche FH?
Und ein paar mehr infos wären hilfreich...
Absolvent123 schrieb:> Welchen Weg könnte ich> einschlagen?
Vertrieb, Einkauf und ähnliche Positionen kann man auch ohne
tiefgreifendes technisches Verständnis als Ingenieur besetzen. Ein
wirtschaftswissenschaftliches Aufbaustudium kann dabei natürlich nicht
schaden.
Michael Lieter schrieb:> Wie kann man Maschbau in der Regelzeit schaffen und dann kein> technisches Verständnis haben?
Manche Leute können durch pures Auswendiglernen irgendwie ein Studium
überstehen. Wie das geht habe ich auch nie wirklich verstanden, aber es
geht.
Stefan L. schrieb:> Manche Leute können durch pures Auswendiglernen irgendwie ein Studium> überstehen. Wie das geht habe ich auch nie wirklich verstanden, aber es> geht.
Für mich mit einem Gedächnis wie ein Sieb wäre das nicht möglich
gewesen.
Das ist natürlich Mist, wenn man zwar alles auswendig lernen kann, aber
von der Sache nichts begreift.
Schauspieler brauchen diese Fähigkeit.
Stefan L. schrieb:> Manche Leute können durch pures Auswendiglernen irgendwie ein Studium> überstehen. Wie das geht habe ich auch nie wirklich verstanden, aber es> geht.
Selbst wenn ich eine Formal auswendig ohne Formelsammlung korrekt
hinschreiben kann, heißt das aber noch lange nicht dass ich sie auch
korrekt anwenden kann und zum richtigen Ergebnis komme. Also ganz ohne
auch nur irgend etwas zu verstehen - halte ich bei einem MINT-Studium
nicht für möglich. Klar, es gibt auch genug Leute die die Klausuren
gerade so bestehen, aber in der Regel sind ja mindestens 50% der
erreichbaren Punkte dafür nötig.
Volle Zustimmung. Ich wollte nicht schon wieder über Mathematik reden -
aber das ist die Wissenschaft die man nicht erlernen, nicht verstehen
(bzw. erst auf hohem Level), sondern erüben muss und die Methoden muss
man aber von Anfang an verstehen.
Wobei man heute auch ne Menge Mathematik mit Maple oder Scilab machen
kann, ohne wirklich zu verstehen was man da tut - man klaviert einfach
die Befehle rein - wenn man programmieren kann.
Aber Prüfungen werden ja immer noch mit Papier geschrieben.
Michael Lieter schrieb:> Volle Zustimmung. Ich wollte nicht schon wieder über Mathematik reden -> aber das ist die Wissenschaft die man nicht erlernen, nicht verstehen> (bzw. erst auf hohem Level), sondern erüben muss und die Methoden muss> man aber von Anfang an verstehen.
Klar, die Mathematik muss man bis zu einem gewissen Level verstehen.
Aber deswegen muss man nicht auch technisches Verständnis mitbringen.
Wie gesagt, ich verstehe das auch nicht ganz. Aber es gibt doch einige,
die ein Ingenieursstudium ohne wirkliches technisches Interesse und
Verständnis schaffen. Zum Glück ist das relativ selten, aber man kann da
schon etwas am Bildungssystem zweifeln. Und es wird ja immer mehr
aufgeweicht...
Was mir sehr große Probleme bereit, sind die Grundlagen (Technische
Mechanik, Physik, ...), die dann aber eher auf Aufgaben der
Unternehmenspraxis bezogen werden. Auf Positionen im Vertrieb oder dem
Einkauf habe ich mich ebenfalls beworben, aber wird eher der
"kommunikative Teamplayer" (laut Aussage diverser Personaler) gesucht.
Bei einem Bachelor kann ich mir das vorstellen.
Einige FHs haben da mächtige Abflachung betrieben und das System auch
noch verschult als wäre es eine Akademie - auch wenn sie das Gegenteil
behaupten.
Das muss uns der TO dann mal genauer erklären.
Absolvent schrieb:> Michael S. schrieb:>> Vielleicht wäre ein Lehre das geeignete um mehr technisches Verständnis>> zu bekommen. Dadurch bekommt man dann auch gleich Berufserfahrung.>> Und wozu hat er dann bitte studiert? Eine Lehre macht man vor dem> Studium oder garnicht.
Um sich umfangreiches theoretisches Wissen anzueignen das aber in der
Praxis oft nicht reicht oder überflüssig ist. Dafür hat man aber den
Nachweis hoher Lernfähigkeit, aber die Firmen verlangen halt auch
Praxiswissen (Henne/Ei-Problem).
Natürlich macht man eine Lehre vorher, aber nur weil es so üblich ist
und weil das Studium u.a. zeitlich aufwändiger ist.
Besser wäre es wenn die Ausbildungsgänge Lehre/Studium kombiniert
würden. Dann könnte man als Absolvent auch anspruchsvolle Arbeitgeber
zufrieden stellen. In dieser Hinsicht sind da Techniker überlegen weil
hier in aller Regel bereits eine praktische Berufsausbildung die mit
dem Technikerstudium ergänzt wird, vorliegt, auch wenn es wegen der
knapperen Studienzeit vom Stoff nicht so in die Breite wie Tiefe geht.
Im Berufsleben ist das dann eine Aufholjagd die oft der Techniker
verliert, so meine Beobachtung, sowohl bei der Karriere wie auch beim
Einkommen.
Michael S. schrieb:> Besser wäre es wenn die Ausbildungsgänge Lehre/Studium kombiniert> würden.
Gibt es; viele duale Studiengänge arbeiten nach diesem Schema. Teilweise
wird eine komplette Berufsausbildung im Schnellverfahren durchgezogen (1
Jahr). Das bedeutet tagsüber arbeiten und abends in die Schule gehen -
ziemlich heftig, aber sicherlich sehr effektiv.
Die Praxissemester bieten auch eine gewisse Praxiserfahrung, die in der
Regel für den späteren Beruf relevanter ist als eine vorgegangene Lehre.
Absolvent123 schrieb:> Welchen Weg könnte ich> einschlagen? Eventuell ein Aufbaustudium im Bereich> Wirtschaftswissenschaften?
Entweder das oder Lagerist und Ähnliches. Ist normal dass, ein gewisser
Satz der Diplomanden nicht im Ingenieurnetz aufgefangen werden kann.
Gerade bei dem knüppleharten Ingenieurbranchen wie Maschinenbau und
Elektrotechnik, gibt es nach den Erfahrungswerten ca. ein Fünftel, die
es nicht packen - Trend zunehmend.
Hättest du was wie Umwelt/TGA studiert, wäre es bedeutend leichter
geworden. Vor allem käme noch der öffentliche Dienst in Betracht. Aber
als Maschinenbauer nicht.
Evtl. ins benachbarte Ausland gehen. Dort gibt es auf dem Jobmarkt für
Qualifzierte noch Chancen, da weniger Überangebot an Maschinenbauern
herrscht und auch mehr Geduld in Form von Einarbeitung entgegengebracht
wird. Deutschland ist total kaputt, das stellen auch momenten einige
Osteuropäer fest und wenden sich mit Grausen ab zurück in die Heimat.
Resultat mehr als 10 Jahre wirtschaftsfaschistischer Konzernpolitik.
Armes Deutschland.
Also,
ich sogar ein abgeschlossens Masterstudium mit dem Schwerpunkt
Technische Berechnung. Dort wurde aber nur Lehrbuchwissen verlangt und
dies war relativ einfach zu erlernen. Hatte eben noch ein VG bei einem
Automobilzulieferer. Der Vorgesetzte ist ein Dr.-Ing gewesen. Da hatte
ich schon vor dem VG verloren.
Absolvent123 schrieb:> @Prädator> Ein Fünftel der Absolventen? Wie kommt diese Zahl zustande?
Schätzwerte von manchen Professoren und Erfahrungen aus dem persönlichen
Umfeld. Verläuft sich alles wie das Wasser. Ein Fünftel ist auch nicht
wirklich viel, wenn man bedenkt, dass schon manche Dorf-Fhs pro Halbjahr
heute 70 und mehr Maschinenbauer auf den Markt loslassen. Noch ganz zu
Anfang des neuen Jahrtausends warens gerade mal 14.
Und bei den großen Unis will ich es erst gar nicht wissen.
Da kann nicht jeder eine Ingenieurstelle in Deutschland bekommen, ganz
natürlicher Vorgang.
Prädator schrieb:> Da kann nicht jeder eine Ingenieurstelle in Deutschland bekommen, ganz> natürlicher Vorgang.
Vor allem nicht, wenn er gar kein Ingenieur ist, nicht wahr?
a7x10 schrieb:> was definiert einen Ingenieur?
Jemand der was bauen kann wo mehr als handwerkliche Erfahrung gefordert
ist.
Also die Fähigkeit etwas neues zu erschaffen - was nicht ganz trivial
ist.
Was Literaturstudium und das Erschaffen zumindest neuer Theoriebausteine
beinhaltet - die nicht mal unbedingt aufgeschrieben werden müssen.
(Ich denke dabei an den Ursprung des Ingenieurs - den Kriegsbaumeister,
der Kriegsmaschinen (z.B. Steinschleuder) konstruieren und den Bau
überwachen musste, bis hin zu Test und Verbesserung der Konstruktion.)
So würde ich es etwa definieren.
(Der Dipl.Ing. ist wohl definiert)
Absolvent123 schrieb:> Also,> ich sogar ein abgeschlossens Masterstudium mit dem Schwerpunkt> Technische Berechnung. Dort wurde aber nur Lehrbuchwissen verlangt und> dies war relativ einfach zu erlernen. Hatte eben noch ein VG bei einem> Automobilzulieferer. Der Vorgesetzte ist ein Dr.-Ing gewesen. Da hatte> ich schon vor dem VG verloren.
Das hellt die Sache doch schon auf.
Du bist einfach an die falschen Leute geraten - kann passieren.
Neuer Versuch, neues Glück.
Was für technische Berechnungen hast du gemacht?
Absolvent123 schrieb:> Nichtlineare FEM.
Nichtlineare Algebra. Ein Gebiet der Mathematik welches erst seit etwa 3
Jahren existiert (wieso?). Entschuldige, wenn ich dir das nicht sofort
gleich abkaufe.
Mit welchem Werkzeug hast du das bearbeitet?
Und wenn es stimmt, was ich bezweifle, musst du über ein
fortgeschrittenes Verständnis der Mathematik verfügen, welches in diesem
Gebiet zur Zeit nicht 100 Leute mit 20 Jahren Berufserfahrung auf dem
Planeten haben - als Absolvent?
Vielleicht ein Beispiel?
Michael Lieter schrieb:> Absolvent123 schrieb:>> Nichtlineare FEM.>> Nichtlineare Algebra.
Lass mich Dir helfen Juri:
FEM steht für Finite-Elemente-Methode und mit dem (näherungsweisen)
Lösen von Differentialgleichungen beschäftigt man sich schon seit dem
18. Jahrhundert. Numerische Verfahren wie FEM werden seit den 50er
Jahren eingesetzt.
er meint "nicht lineare finite-elemente-methode". geht praktisch um
simulation und modellierung von physik. vorgängen (siehe wikipedia),
dass du da probleme mit der anwendungen bekommst wenn deine mathe und
physik fertigkeiten nicht richtig tief sind ist nachvollziehbar. der
schritt von der lehrbuchtheorie zur echten anwendung stell ich mir da
auch nicht einfach vor
Alter Hase schrieb:> FEM steht für Finite-Elemente-Methode
Danke das Sie mich darauf hingewiesen haben. Das war Hauptthema meiner
Diplomarbeit - aber gut es noch mal so einfach gesagt zu bekommen - fast
hätte ich es vergessen.
wäre interessant zu wissen nach welcher zeit du "aufgegeben" hast.
jemand mit FH-Abschluss müsste doch praktikas gemacht haben, die den
"praxisschock" nicht so heftig machen
Absolvent123 schrieb:
>Also,>ich sogar ein abgeschlossens Masterstudium mit dem Schwerpunkt>Technische Berechnung. Dort wurde aber nur Lehrbuchwissen verlangt und>dies war relativ einfach zu erlernen. Hatte eben noch ein VG bei einem>Automobilzulieferer. Der Vorgesetzte ist ein Dr.-Ing gewesen. Da hatte>ich schon vor dem VG verloren.
Mach dich nicht selber fertig. Du hast eine typische Situation
beschrieben. Der Vorgesetzter möchte am liebsten einen 1A Spezialist
haben, ohne was dafür zu investieren. Bei Vorgesetzten in
Privatwirtschaft mit Dr.-Ing vorne drauf ist es besonders schlimm. Das
sind zu 90% karrieregeile Typen, für die menschliche Gefühle längst
nicht mehr existieren. Sie orientieren sich nur an der Marktlage und was
diese hiergibt.
Ich habe auch selber miterlebt wie in fast genauso einer Situation der
Einsteiger regelrecht fertiggemacht wurde. Obwohl er von vorne rein
gesagt hat, dass er keine Erfahrung mit dem Tool hat und bräuchte eine
Einarbeitung. Nach zwei Wochen wurde er verabschiedet, mit der
Begründung es fehle diesem an Grundwissen. Dagegen haben die beiden
Dr-Ingenieure für die Einarbeitung des Einsteigers ganze 2,5 Stunden in
zwei Wochen investiert!
Das es anders geht, weiß ich ganz genau. Da werden Absolventen mit ganz
schwachen Simulationskenntnissen eingestellt, mit dem Ziel aus diesem
nach 6-8 Monaten einen selbständigen und praktischen Anwender zu
erziehen. Mit einer Schülung und einer gut aufgestellten Einarbeitung
wird in guten Unternehmen gearbeitet.
Das was du grade erlebt hast, zeigt, dass der Markt für FEM-Absolventen
noch nicht reif genug ist. Zumindest nicht für dieses Untrnehmen, weil
man dort hofft einen Spezialist zu kriegen, ohne in diesen was zu
investieren.
blabla schrieb:> er meint "nicht lineare finite-elemente-methode". geht praktisch um> simulation und modellierung von physik.
Das ist mir schon bewusst. Nur macht Juri (Michael Lieter) hier mal
wieder ein Fass auf wo es keins aufzumachen gibt. Nicht lineare
FEM-Modelle kann man schon schon seit einiger Zeit mit Standard-Software
lösen. Hypermesh bietet z.B. den RADIOSS-Nonlinear finite element solver
an. Ich will nicht sagen, dass das Thema von der Modellierung her
trivial ist, aber wenn es für ein Problem Standard-Software gibt, gibt
es auch deutlich mehr als 100 Leute mit 20 Jahren BE die sich mit dem
Thema auskennen dürfen.
Numerische Verfahren zur Lösung nicht-linearer
Differenzialgleichungssysteme (nichts anderes ist FEM) wurden an meiner
TU bereits vor 5-6 Jahren zu mindest theoretisch behandelt. In meinen
Augen ist es nicht weniger Stand der Technik als z.B. Fuzzy Logic (aber
dadrüber kann sicherlich Michael Parallelowitsch aus seiner Doktorarbeit
noch etwas erzählen.)
Habe die Bachelor- wie auch die Masterthesis mit Ansys erstellt. Ich
bewerbe mich inzwischen überwiegend auf Positionen im QM, mit meinem
Studienschwerpunkt möchte ich beruflich nicht mehr in Kontakt kommen.
Absolvent123 schrieb:> Ich> bewerbe mich inzwischen überwiegend auf Positionen im QM,
Im QM benötigst du nicht vo viel technisches Verständnis - das sollte
also passen. Das Problem ist aber das du als Absolvent eher in der QS
landest, kannst dich dann aber in das QM hocharbeiten - sollte in 5-10
Jahren machbar sein.
Zuckerle schrieb im Beitrag #2181821:
>> Autor: Alter Hase (Gast)>> Datum: 12.05.2011 22:52>>>(aber dadrüber kann sicherlich Michael Parallelowitsch aus seiner>> Doktorarbeit noch etwas erzählen.)>> Ob er wohl alles abgeschrieben hat? Ist in letzter Zeit in Mode> gekommen!
Halt dein Maul du Hampelmann.