Forum: Offtopic Fachkräftewanderung-Staatspleiten-Finanztransfers


von ansich Eurofan (Gast)


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Irgendwie bekomme ich immer mehr das Gefühl, dass das alles sehr 
miteinander zu tun hat. Wie sieht eigentlich der aktuelle Arbeitsmarkt 
in Griechenland aus? Sind die Fachkräfte dort schon längst alle 
abgehauen, oder warum stecken die derart in der Klemme? Gestern wurde in 
einem interessanten Gespräch im Bayrischen Rundfunk angemerkt, dass 
Griechenland eine extrem niedrige Produktivität hat und keinesfalls aus 
eigener Kraft ihren Schuldenabbau betreiben könnte. Im Gegenteil, sie 
bräuchten noch mehr Geld von der EU in Form von NEUEN Rettungspaketen 
und womöglich eine komplette oder wenigstens teilweise Entschuldung. In 
diesem Fall bleiben aber erneut einige unserer Banken auf der Strecke 
und geraten schon wieder in Schieflage, weil sie wohl griechische 
Staatsanleihen halten. Dann müssen wir wieder unsere eigenen Banken 
retten. Auf uns kommt aber gerade die neue Arbeitnehmer-Freizügigkeit 
zu, deren Auswirkungen wir noch nicht kennen, weil noch zu früh. Auch 
wenn es momentan bei uns einigermaßen gut läuft, das muss beileibe nicht 
so bleiben und was wird erst los sein, wenn wie einen großen Ansturm von 
Fachkräften aus diesen quasi Pleite-Ländern erleben, die unseren 
Arbeitsmarkt schwer belasten könnten und die Situation in diesen von 
Schulden gezeichneten Ländern noch dramatischer wird? Wo soll das alles 
noch hinführen? Sollen wir etwa den Euro aufgeben und uns wieder 
abschotten und die Griehcne zurück zur Drachme? Momentan sind wir doch 
das Land das halb Euro am laufen hält mit unserer Export-orientierten 
Wirtschaftskraft. Aber was tun eigentlich die anderen? Sie protestieren 
heute im Generalstreik gegen unausweichliche Sparmaßnahmen. Wo soll das 
alles noch hinführen bzw. warum geht so viel schief in diesen Ländern? 
Wie reagieren die dorttigen gut ausgebildeten Fachkräfte? Kommen die 
noch unter oder haben die schon längst das Weite gesucht? Aber was wird 
dann aus diesen staatsbankrotten Eurostaaten?

von Klaus (Gast)


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ansich Eurofan schrieb:
> Sollen wir etwa den Euro aufgeben und uns wieder
> abschotten ...

Wieso abschotten? Ich denke nicht, das wir von England oder der Schweiz 
abgeschottet sind. Und die Chinesen fahren BMW und wir haben die Regale 
voll mit Sachen aus Asien, alles ohne das die den Euro haben.

MfG Klaus

von Alex R. (Gast)


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DAS GELD REGIERT DIE WELT, NICHT DIE POLITIKER.

von Axel (Gast)


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>Momentan sind wir doch
>das Land das halb Euro am laufen hält mit unserer Export-orientierten
>Wirtschaftskraft.

So einiges davon exportieren wir aber gerade in diese Länder.

Gruss
Axel

von Klaus (Gast)


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Axel schrieb:
>>Momentan sind wir doch
>>das Land das halb Euro am laufen hält mit unserer Export-orientierten
>>Wirtschaftskraft.
>
> So einiges davon exportieren wir aber gerade in diese Länder.
>
So wie die Griechen bei uns U-Boote bauen lassen, die mit dem Geld 
bezahlt werden, das wir ihnen leihen (abzüglich dem, was so an den 
vielen Händen kleben bleibt). Da wärs doch billiger, die Werftarbeiter 
bleiben bei vollem Gehalt zu Hause. Kostet uns weniger und schont die 
Umwelt.

MfG Klaus

von ansich Eurofan (Gast)


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Axel (Gast) schrieb:

>>Momentan sind wir doch
>>das Land das halb Euro am laufen hält mit unserer Export-orientierten
>>Wirtschaftskraft.

> So einiges davon exportieren wir aber gerade in diese Länder.

> Gruss
> Axel

Ja eben, das meinte ich doch. Damit wird der Erfolg der deutschen 
Exportwirtschaft begründet. Aber warum gelingt es einem Land wie 
Griechenland nicht auf die Beine zu kommen und wie stellt sich das für 
die dortigen Fachkräfte und deren Chancen dar? Wir können doch nicht 
deren Schulden übernehmen und auch noch denen die Fachkräfte entziehen, 
was auch für andere Länder gilt die jetzt sich frei den Arbeitsplatz 
suchen können. Wenn diese Arbeitnehmer dort massig ihre Heimatländer 
verlassen geht doch deren Wirtschaftskraft immer wieder den Bach runter. 
Wie können diese dann im Wettbewerb zu uns stehen bzw. bestehen?

von Angehender Dipl. Inf3000 (Gast)


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>>Momentan sind wir doch
>>das Land das halb Euro am laufen hält mit unserer Export-orientierten
>>Wirtschaftskraft.
>
>
>So einiges davon exportieren wir aber gerade in diese Länder.
>
>Gruss
>Axel

Naja, die BRD war ja eigentlich schon seit eh und je ein Exportland. 
Nicht erst seit der Einführung der Gemeinschaftswährung Euro.

von klaus (Gast)


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Wie waers damit:

wir schreiben Griechenland ab  (mein Gott, die paar Milliarden)
und interpretieren die Verluste als spaete Weltkrieg 2 - Reparationen.

Es ist wirklich ein Witz,  die Knete  werden wir von G-Land sowieso nie 
wieder bekommen.  Und dann noch ein neues Hilfspaket schnueren?

Wenn denn unbedingt noch ein paar deutsche Banken gerettet  werden 
muessen weil ihnen nicht klar war dass ein Balkanstaat  der nur Oliven 
exportiert  und tsaziki keine Milliardenkredite zurueckzahlen kann - 
dann muss man  sie eben retten.

Oder wissen hier alle die  hier Erspartes  auf der Bank haben ob selbige 
Bank nicht zufaellig auch in G-Land ein  paar Aussenstaende hat?

von ansich Eurofan (Gast)


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Angehender Dipl. Inf3000 (Gast) schrieb:

> Naja, die BRD war ja eigentlich schon seit eh und je ein Exportland.
> Nicht erst seit der Einführung der Gemeinschaftswährung Euro.

Für uns steht aber die Frage ob Euro oder nicht momentan nicht im Raum, 
wohl aber für die Griechen. Allerdings wird beim Ausscheren von 
Griechenland aus dem Währungsverbund das Ende des Euros selbst als Folge 
in den Raum gestellt. Das ist mir aber so bisher nicht wirklich 
einsichtig, es sei denn es geht dabei wieder im Spekulation gegen den 
Euro etc.

Nur wie stellt sich das Szenario für die griechesche Wirtschaft und 
deren Arbeitnehmer dar? Wollen die überhaupt aus dem Euro raus? Wollen 
die lieber Transfers? Oder denken die schon daran als Arbeitskraft 
lieber woanders sein Glück zu probieren? Man erfährt so wenig ..

von Angehender Dipl. Inf3000 (Gast)


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ansich Eurofan schrieb:

>Angehender Dipl. Inf3000 (Gast) schrieb:
>
>> Naja, die BRD war ja eigentlich schon seit eh und je ein Exportland.
>> Nicht erst seit der Einführung der Gemeinschaftswährung Euro.
>
>Für uns steht aber die Frage ob Euro oder nicht momentan nicht im Raum,
>wohl aber für die Griechen.

Wo und wann habe ich gesagt, dass Deutschland aus dem Euro aussteigen 
soll oder nicht?

Den Deutschen wird immer vorgehalten, dass sie Hauptprofiteure des Euros 
seien, weil sie relativ viel ins EU-Ausland exportieren.
Ich habe in meinem obigen Posting nur darauf hinweisen wollen, dass 
diese verbreitete These nicht ganz stimmig ist, weil die Deutschen schon 
seit eh und je einen grossen Exportüberschuss erzielt haben.
Das heisst, das Argument, dass Deutschland der Hauptprofiteur des Euros 
sei, kann meiner Ansicht nach nicht dazu verwendet werden, damit 
Deutschland die Staatsschulden anderer EU-Staaten begleichen muss.

>Allerdings wird beim Ausscheren von
>Griechenland aus dem Währungsverbund das Ende des Euros selbst als Folge
>in den Raum gestellt. Das ist mir aber so bisher nicht wirklich
>einsichtig, es sei denn es geht dabei wieder im Spekulation gegen den
>Euro etc.

Man kann auch das Gegenteil in den Raum stellen. Nämlich falls 
Griechenland weiterhin in der Währungsunion bleiben würde, müssten die 
wirtschaftsstarken Länder in der EU (darunter Deutschland) auf Dauer 
Transferzahlungen an die wirtschaftsschwachen EU-Staaten (insbesondere 
an Griechenland) leisten oder es müsste der Euro abgewertet werden. 
Beide Optionen wären nicht gut für unser Land.


>Nur wie stellt sich das Szenario für die griechesche Wirtschaft und
>deren Arbeitnehmer dar?

Die Griechen haben im Prinzip die letzten 10 Jahre über ihren 
Verhältnissen gelebt. D.h. sie haben Kredite für konsumptive Zwecke 
aufgenommen und haben jetzt gemerkt, dass sie das Geld nicht mehr 
zurückzahlen können.

>Wollen die überhaupt aus dem Euro raus? Wollen
>die lieber Transfers?

Offenbar will die Mehrheit der Griechen, wie es scheint, nicht aus dem 
Euro-Währungsraum heraus, weil es ihnen natürlich mit einer Hartwährung 
(wie es der Euro noch ist) kaufkraftmässig besser geht als mit einer 
Weich-Währung. Das ist irgendwie verständlich und auch menschlich.

Wenn sie akzeptieren würden, dass ihre jetzt höheren Einkommen 
entsprechend der  Wirtschaftsleistung ihres Landes nach unten angepasst 
werden müssen, dann bräuchten sie in Zukunft auch keine 
Transferzahlungen. Allerdings sieht es nicht danach aus.

>Oder denken die schon daran als Arbeitskraft
>lieber woanders sein Glück zu probieren? Man erfährt so wenig ..

Sicherlich werden einige junge Leute, die mit ihrem Einkommen nicht 
zufrieden sind, ihr Glück woanders versuchen. Warum auch nicht.

von Klaus (Gast)


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Angehender Dipl. Inf3000 schrieb:
> Wenn sie akzeptieren würden, dass ihre jetzt höheren Einkommen
> entsprechend der  Wirtschaftsleistung ihres Landes nach unten angepasst
> werden müssen, dann bräuchten sie in Zukunft auch keine
> Transferzahlungen. Allerdings sieht es nicht danach aus.

Sie können das nicht akzeptieren, weil nicht nur ihre Einkommen 
Euro-Niveau haben, sondern auch ihre Preise, auch die der inländischen 
Produkte. Hätten sie noch die Drachme, könnten sie abwerten, BMW und 
Miele würden teurer, Brot und Miete blieben aber gleich. Damit kann man 
leben, mit dem Euro geht das nicht.

MfG Klaus

von Klaus (Gast)


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ansich Eurofan schrieb:
> Allerdings wird beim Ausscheren von
> Griechenland aus dem Währungsverbund das Ende des Euros selbst als Folge
> in den Raum gestellt. Das ist mir aber so bisher nicht wirklich
> einsichtig, es sei denn es geht dabei wieder im Spekulation gegen den
> Euro etc.

Die Spekulation ist nicht das Problem, sondern nur eine Folge der 
wirklichen Ursache: alle Staaten, auch wir, kommen mit dem Geld, das 
eingenommen wird nicht aus. Ohne jeden Tag etwas zu borgen, können keine 
Renten, keine Gehälter im öffentlichen Dienst und auch sonst wenig 
bezahlt werden. Die Staaten sind also auf die "Spekulanten" angewiesen, 
denn von denen bekommen sie das Geld. Der Pate schießt in die Knie, die 
Bänker schlachten ein Land.

Wer keinen Kredit braucht, dem kann die Spekulation egal sein.

MfG Klaus

von Negerfaust (Gast)


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Diese Staatspleiten haben nichts mit Fachkräftewanderung oder 
Börsenspekulationen zu tun, sondern mit Korruption. Und damit meine ich 
nicht hier und da, sondern tiefgreifende, das komplette System 
durchsetzende Korruption. Korruption bedeutet auch, daß sich komplette 
Gesellschaftsschichten Geld und Privilegien durch entsprechende 
Gesetzgebung zuschanzen.

Beispiel Griechenland: 
http://www.civitas-institut.de/index.php?option=com_content&view=article&id=1127:17-prozent-aller-griechen-sind-beamte&catid=1:neuestes&Itemid=33

Das Beste daran ist: unter bestimmten Bedingungen können griechische 
Beamte mit 50! in Rente gehen. Der Staat als Selbstbedienungsladen.

Und das ist nicht nur Griechenland. Auch Deutschland hat einen riesigen 
Beamtenapparat, der gigantische Pensionsansprüche nach sich zieht, auf 
Kosten der Allgemeinheit. Auch hier in Deutschland sorgen die Beamten 
dafür, daß sie nicht zu kurz kommen. 36 Prozent aller 
Bundestagsabgeordneten sind Beamte! Dafür tragen unsere Beamten, ebenso 
wie die in Griechenland oder sonstwo, nichts zur Wirtschaftsleistung 
bei. Manche verringern sie sogar.

"When the people find that they can vote themselves money, that will 
herald the end of the republic."

--Benjamin Franklin

von Ing Zocker (Gast)


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spätestens ab frühjahr 2012 ist schluss mit lustig, denn dann muss sich 
der Grieche am Kapitalmarkt wieder refinanzieren, wenn die EU denn die 
vollen 110 MRD. überhaupt auszahlt, sonst ist schon früher schluss. 
Könnt euch ja mal die Zinsen Anleihen ankucken, letzte Woche wären sie 
bei 17% gewesen für 10 Jährige.

von Mr Hale (Gast)


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Die Griechen arbeiten hier bei uns in der Firma. Dipl Ing Software zu 
32k

von Ralf Kimme (Gast)


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Jo, bei uns auch: 4 griechische Ingenieure im letzten Jahr eingestellt. 
Sitzen alle beisammen und sprechen leidlich Englisch ansonsten nur 
Grichisch. Quasi eine Art Mini-Ausländer-Ghetto. Heisset bei uns "die 
Sirtake-Ecke."

von Klaus (Gast)


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Ing Zocker schrieb:
> spätestens ab frühjahr 2012 ist schluss mit lustig, denn dann muss sich
> der Grieche am Kapitalmarkt wieder refinanzieren, wenn die EU denn die
> vollen 110 MRD. überhaupt auszahlt, sonst ist schon früher schluss.
> Könnt euch ja mal die Zinsen Anleihen ankucken, letzte Woche wären sie
> bei 17% gewesen für 10 Jährige.

Leider nicht. Junkers und co. haben letztes Wochenende beschlossen, die 
für dieses Jahr fehlenden 27 Milliarden und 33 für 2012 zusätzlich zu 
zahlen. Schäuble und Merkel (also wir) haben zugestimmt.

MfG Klaus

von Angehender Dipl. Inf3000 (Gast)


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Klaus schrieb:
>Angehender Dipl. Inf3000 schrieb:
>> Wenn sie akzeptieren würden, dass ihre jetzt höheren Einkommen
>> entsprechend der  Wirtschaftsleistung ihres Landes nach unten angepasst
>> werden müssen, dann bräuchten sie in Zukunft auch keine
>> Transferzahlungen. Allerdings sieht es nicht danach aus.
>
>Sie können das nicht akzeptieren, weil nicht nur ihre Einkommen
>Euro-Niveau haben, sondern auch ihre Preise, auch die der inländischen
>Produkte. Hätten sie noch die Drachme, könnten sie abwerten, BMW und
>Miele würden teurer, Brot und Miete blieben aber gleich. Damit kann man
>leben, mit dem Euro geht das nicht.
>
>MfG Klaus

Wenn das so ist, wie Du das hier beschreibst, dann war der Euro von 
vornherein eine Fehlkonstruktion.

von Klaus (Gast)


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Angehender Dipl. Inf3000 schrieb:
> Wenn das so ist, wie Du das hier beschreibst, dann war der Euro von
> vornherein eine Fehlkonstruktion.

Ja

MfG Klaus

von Purzel H. (hacky)


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Die Chinesen waren etwas klueger, die haben sich den Hafen von Piraeus 
fuer ein paar Jahrzehnte gesichert, gegen ein paar Miliarden. Egal, 
welche Waehrung es wird, egal ob das Land kracht, den Hafen haben sie.

von Sascha (Gast)


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Die Griechen haben das Problem, dass ein unverhältnismäßig hoher 
Prozentsatz der Bevölkerung für den Staat arbeitet. Dagegen sind unsere 
paar Beamten Peanuts.
Staatsangestellte muss man allerdings realistisch entlohnen, ansonsten 
ist das ein Freibrief für Korruption. Kaum einer ist 'korrupt aus 
Leidenschaft. Die Leute sind ja nicht blöd, sie können nur nicht anders. 
Griechenland hat Jahrzehnte lang gepennt.
Dazu kommt noch das fast völlige Fehlen von unabhängiger Industrie, 
Forschung und Hochtechnologie. Fast alles muss importiert werden, zu 
entsprechenden Preisen.
Gerade ziehen entsprechend alle Lebensbereiche dramatisch an; Mieten, 
Lebensmittel, Nutzung öffentlicher Dienstleistungen etc.
Ich hab kürzlich mit jemandem gesprochen, der seit Jahren auf einer der 
kleineren Inseln lebt. Der Bekannte hat sich (mit seiner griechischen 
Frau) in Deutschland beim Besuch kürzlich erst mal mit Konsumgütern 
eingedeckt. Selbst einfache Dinge wie eine billige Hautcreme kosten in 
manchen Gegenden das 5-fache der hiesigen Preise.
Die Lebensmittelpresie sind exorbitant gestiegen. Er sagt, ohne einen 
Teil Selbstversorgung hinterm Haus kommt ein Normalgrieche nicht mehr 
über die Runden. Erst recht nicht in ländlichen Gegenden, abseits vom 
Tourismus.

Wenn sie zur Drachme übergingen, würden alle binnen Tagen ihr letztes 
Geld von der Bank holen, das letzte Mal den harten Euro nutzen, und das 
war's dann. Totaler Staatsbankrott.
Man darf die Wut und Ohnmacht der Leute nicht unterschätzen. Ein 
Bürgerkrieg inmitten der EU wäre fatal. Und die Signalwirkung auf andere 
Länder, denen es (bald) ähnlich geht, darf man auch nicht unterschätzen.

Die EU und GR müssen jetzt sehr besonnen handeln. Das ganze ist ein 
Pulverfass.

von Klaus (Gast)


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Sascha schrieb:
> Wenn sie zur Drachme übergingen, würden alle binnen Tagen ihr letztes
> Geld von der Bank holen, das letzte Mal den harten Euro nutzen, und das
> war's dann. Totaler Staatsbankrott.
> Man darf die Wut und Ohnmacht der Leute nicht unterschätzen. Ein
> Bürgerkrieg inmitten der EU wäre fatal. Und die Signalwirkung auf andere
> Länder, denen es (bald) ähnlich geht, darf man auch nicht unterschätzen.
>
> Die EU und GR müssen jetzt sehr besonnen handeln. Das ganze ist ein
> Pulverfass.

Richtig, ein Pulverfass, aber mit brennender Lunte. Portugal und auch 
Irland sind in einer ähnlichen Situation. Spanien wird auch noch 
drankommen und dann...

Die Situation ist wie auf der Titanic. Es ist klar, daß sie untergeht. 
Es ist auch klar, daß nicht genug Rettungsboote für alle da sind (bei 
einem "unsinkbaren" Schiff braucht man eigentlich gar keine). Also 
spielt die Kapelle im Ballsaal weiter, während das Wasser steigt. Was 
also tun? Als kleiner Passagier habe ich keine Chance auf einen Platz im 
Boot, also gehe ich am besten gleich mit einer Schwimmweste von Bord, so 
machen es gerade die Finnen. Wenn ich Merkel und Schäuble so höre, 
werden wir auf der Brücke salutierend mit untergehen.

MfG Klaus

von Angehender Dipl. Inf3000 (Gast)


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Klaus schrieb:
>Die Situation ist wie auf der Titanic. Es ist klar, daß sie untergeht.
>Es ist auch klar, daß nicht genug Rettungsboote für alle da sind (bei
>einem "unsinkbaren" Schiff braucht man eigentlich gar keine). Also
>spielt die Kapelle im Ballsaal weiter, während das Wasser steigt. Was
>also tun? Als kleiner Passagier habe ich keine Chance auf einen Platz im
>Boot, also gehe ich am besten gleich mit einer Schwimmweste von Bord, so
>machen es gerade die Finnen. Wenn ich Merkel und Schäuble so höre,
>werden wir auf der Brücke salutierend mit untergehen.

Das Problem ist auch, dass die handelnden bzw. nicht handelnden Personen 
(kommt auf die Perspektive an, aus der man das ganze sieht) in unserer 
Regierung letztlich nur Getriebene sind, und nicht Akteure.
Wenn Griechenland sozusagen auf Druck von bestimmten EU-Staaten 
(insbesondere Deutschlands) ausgeschlossen oder selbst aussteigen würde, 
dann würden vielleicht noch andere Staaten (wie z.B. Frankreich) sich 
überlegen, auszusteigen. Das wäre für den Europäischen Einigungsprozess 
eine mittlere Katastrophe. Deshalb sind Merkel und Schäuble in einer 
Zwickmühle, und sind letztlich selbst Opfer der Umstände.

von MaWin (Gast)


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> Sollen wir etwa den Euro aufgeben und uns wieder
> abschotten und die Griehcne zurück zur Drachme?

Hätte Griechenland die Drachme, würde die jetzt abwerten,
d.h. deren Löhne im Vergleich zum Ausland sinken, deren
Importe teurer werden, so daß das Land ärmer wird, auch
Werte von Häusern sinken.

Allerdings müssten sie ihre Auslandsschulden nach wie vor in
EUR abbezahlen, also dafür mehr schuften, z.B. mit Oliven
(blödes Beispiel weil massiv EU-subventioniert) oder mal
die ganzen Kriegsgeräte verkaufen.

Ohne Drache kannst du davon ausgehen, das die niemals
eine Lohnsenkung, Preisexplosion und Wertverfall akzeptieren
würden (allerdings: Die Preise sind in Griecheland schon gesunken,
Urlaub ist dort nicht mehr exorbitant teuer sondern inzwischen
erschwinglich).

Also bleibt nur ein Ausweg: Die anderen Ländern (wie
Deutschland) müssen ihre Löhne deutlich steigern,
gleichteure Importe sind dann viel erschwinglicher,
und Preise von Immobilien etc. würden stark steigen.

Im Prinzip also eine galoppierende Inflation, aber
wie bei jeder Inflation mit Preisverschiebungen.

Normal ist bei Inflation, daß die Preise erst steigen
und die Löhne eher später oder gar nicht. Nun müsste es
andersrum erfolgen, daß die Löhne stark steigen, und die
Preise kaum, denn nur der inländische Anteil würde teurer
werden, Importe, vor allem Energie, würden gleich bleiben
und damit erschwnglicher.

Auch so ein Szenario ist politisch undenkbar.

Aber inhaltlich wäre es richtig, denn 90% des Geldes
kursiert derzeit in Spekulationsgeschäften, 90% des Geldes
stehen keine Waren und Arbeitsleistungen gegenüber.
Also ist eigentlich eine Inflation um 1000% unausweichlich.

Die Krise, in die Neoliberale und Banken uns gestürzt haben ,
in dem sie regelmässig und gegen alle Warnrufe aus der
Bevölkerung seit Jahrzehnten über ihre Verhältnisse Geld
drucken "monetary easing", ist viel grösser, als ein kleines
Griechenland.

Falls du heute glaubst, du hättest was gespart (für die Rente,
wie dir alle Politiker seit 20 Jahren weismachen wollen daß das
unverzichbar und absolut notwendig ist), Geld auf der hohen
Kante: Es ist nur 1/10 wert und reicht niemals für deine Rente,
es wurde schon von Vorstandsvorsitzenden Ackermanns und Bankstern
verfrühstückt.

von Andreas S. (andreas) (Admin) Benutzerseite


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ansich Eurofan schrieb:
> Irgendwie bekomme ich immer mehr das Gefühl, dass das alles sehr
> miteinander zu tun hat. ...Arbeitsmarkt...

Netter Versuch, aber das Thema gehört trotzdem ins Offtopic-Forum, nicht 
nach Ausbildung & Beruf.

von Walther Z. (chilipower)


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>Ja eben, das meinte ich doch. Damit wird der Erfolg der deutschen
>Exportwirtschaft begründet. Aber warum gelingt es einem Land wie
>Griechenland nicht auf die Beine zu kommen
Weil sie mit dem Euro als Gemeinschaftwährung künstlich am Boden 
gehalten werden

>Wenn diese Arbeitnehmer dort massig ihre Heimatländer
>verlassen geht doch deren Wirtschaftskraft immer wieder den Bach runter.
>Wie können diese dann im Wettbewerb zu uns stehen bzw. bestehen?
Gar nicht mehr aber das ist ja gerade der Trick derjenigen, die den Euro 
eingeführt haben. (Das werden aber nur wenige Befürworter gewusst 
haben.)

>Den Deutschen wird immer vorgehalten, dass sie Hauptprofiteure des Euros
>seien, weil sie relativ viel ins EU-Ausland exportieren.
Nur die Banken und die exportierende Industrie. Der Steuerzahler zahlt 
als Bürge für die Schuld inflationär drauf - ist also Verlierer.

>Offenbar will die Mehrheit der Griechen, wie es scheint, nicht aus dem
>Euro-Währungsraum heraus, weil es ihnen natürlich mit einer Hartwährung
>(wie es der Euro noch ist) kaufkraftmässig besser geht als mit einer
>Weich-Währung. Das ist irgendwie verständlich und auch menschlich.
Die wollen schon raus (fängt mit der Unterschicht an) aber man wird sie 
nicht lassen.

Der Euro als Gemeinschaftswährung, ohne eine nationale 
Ausgleichswährung, schafft für exportorientierte Länder drei Vorteile: 
Schaffung von Humankapital, Schaffung neuer Absatzmärkte sowie 
Ausschalten der Konkurrenz durch Transparenz. Da Deutschland eine stark 
subventionierte exportorientierte Wirtschaft betreibt, die sich keine 
andere Volkswirtschaft (Zuschüsse wie Kurzarbeitergeld, Bürgschaften 
usw.) leisten kann, ist es absoluter Nutzniesser des Euro. Für die 
Kredite bürgt der Steuerzahler (der zahlt es versteckt über Inflation) 
und die Schulden die ein anderes Land macht, halten seine Wirtschaft 
durch hohe Abgaben weiter am Boden und berauben es seiner Souveränität. 
Das erklärt auch die neuen Exportüberschüsse, denn schliesslich muss 
Deutschland für diejenige Industrie mitproduzieren, die sie in anderen 
Ländern mit dem Euro kaputtgemacht hat. Das unternehmerische Monopol 
sowie das freigewordene Personal sorgen für weiteres Lohndumping und 
sehr hohe Gewinnmargen seitens der deutschen Unternehmen/Banken.

Griechenland kann nur wirtschaftlich stark werden, wenn es wieder eine 
eigene Währung einführt. Aber das werden deutsche Poltiker zu verhindern 
wissen.

von Rüdiger K. (sleipnir)


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Wie schon andere bemerkt haben - profitieren tut davon höchstens die 
Großindustrie. Wenn man "Deutschland" auf diese reduziert mag die 
Aussage, daß Deutschland vom Euro profitiert, stimmen.

Sie stimmt aber garantiert nicht für den kleinen Michel, der jetzt bis 
ins hohe Greisenalter schuften darf und anschließend wohl von einer 
Rente träumen darf - denn die Geldentwertung nimmt massiv zu, so daß 
selbst für den Fall, daß die Altersvorsorgen nicht wie in Ungarn und 
Portugal eingezogen werden, kaum etwas zum überleben da sein wird.

Das "kürzlich erst gerettete Griechenland" ist, ebenso wie das "kürzlich 
gerettete Irland", de facto wieder Pleite. Mit der Konkursverschleppung 
durch weitere Milliarden (eigentlich verboten...) erhöht sich nur die 
Summe, die der deutsche Staat als Bürge dann rausgeben muß - schon jetzt 
90% des Gesamthaushalts 2009.

Nicht zu vergessen ist übrigens die Rolle der Bank Goldmann&Sachs, 
welche Griechenland professionell beim Frisieren der Bilanzen geholfen 
hat - und sich dafür große Teile der griechischen Infrastruktur unter 
den Nagel gerissen hat.

Der Euro war eine Totgeburt, ein idealistisches Hirngespinst. Es ist ja 
nicht das erste mal daß große Teile der Welt in ideologischer 
Verblendung ihrem Untergang entgegenjagen.

Der Euro war das Hirngespinst gewisser Ideologen, die in Verachtung der 
europäischen Geschichte ihre "Vereinigten Staaten von Europa" oder 
treffender ihre EUdSSR gründen wollten.

Anhänger fanden sie schnell bei raffgierigen Wirtschaftsbossen, die von 
schnell verschiebbaren Armeen von Billigarbeitern träumten und natürlich 
den "Politikern", die so ihr Pöstchen bekommen haben.

Ohne die EU wären sie Drittligisten geblieben, ohne EU werden sie bei 
ihren Leistungen wohl die Straßenlaternen zieren.

Wie in allen Bereichen schuf die EU sich selbst als steriles Kunstobjekt 
von hinten - die EU-Wirtschaft, die sie hätte legitimieren können, wurde 
erst durch Subventionen geschaffen, ebenso die Forschungslandschaft - 
und die Staatlichkeit, die eine eigene Währung legitimiert hätte, sollte 
umgekehrt durch diese Zwangswährung erst begründet werden.

Nein, dem kleinen Mann hat der Euro nichts gebracht. Schon mit der 
Einführung war er rund die Hälfte seines Einkommens los, denn viele 
Preise wechselten nur das Währungssymbol.

Bis vor der Krise 2007 hatte der Euro schon 20% seines Werts verloren - 
und unsere Politik verhöhnte uns mit einer "gefühlten Inflation" - und 
ob wir sie zu fühlen kriegen....

Man erwarte von unserer Politik keine Hilfe wie bei den Dänen - die 
kriecht in Analogie zum DDR-Kurs nach Glasnost und Perestroika 
zuverlässig nach den Vorgaben ihrer Meister.

Ein Finanzminister, der am liebsten heute als morgen die deutschen 
Steuereinnahmen samt Beschlußgewalt darüber an Brüssel abtreten würde 
(s. Interview mit der "Financial Times"), eine Kanzlerin deren Reisen 
immer von einer saftigen Rechnung gekrönt sind und einem 
Bundestagspräsidenten, welcher nicht nur am Bundestags die 
Nationalflagge einholen und die EU-Flagge hissen will.

Bei der Euro-Einführung gab es ja so einen Werbespot für den Euro, wo 
ein typischer Börsenheini sich zwischen den Türmen der Frankfurter 
Geldmaschinerie fast einen runterholte - dazu die verbale Frage "Warum 
können sich nicht alle so über den Euro freuen?"

Nein, von einer Euro-Krise kann man wahrlich nicht sprechen - es sind 
nur alle (!) Euroländer in ernsten wirtschaftlichen Schwierigkeiten, die 
meisten defacto pleite.

In Griechenland brechen gerade bürgerkriegsähnliche Zustände aus aber - 
mein Gott, auch Paris hat ja kürzlich erst gebrannt.

Für den Ostdeutschen ist es ja nichts Neues, das ein mit ideologischen 
Scheuklappen ausgestattetes System lethal über die Realität stolpert, 
für den Westdeutschen besteht die Neuigkeit darin, daß er diesmal nicht 
uschauer ist.

von Michael L. (michaelx)


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Leicht verständliche Kost, warum das Ganze nicht dauerhaft funktioniert:

http://www.fabian-der-goldschmied.de/fabian-der-goldschmied.html

(Wer es schon kennt, bitte nicht herumnörgeln ;-) )

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