Irgendwie bekomme ich immer mehr das Gefühl, dass das alles sehr miteinander zu tun hat. Wie sieht eigentlich der aktuelle Arbeitsmarkt in Griechenland aus? Sind die Fachkräfte dort schon längst alle abgehauen, oder warum stecken die derart in der Klemme? Gestern wurde in einem interessanten Gespräch im Bayrischen Rundfunk angemerkt, dass Griechenland eine extrem niedrige Produktivität hat und keinesfalls aus eigener Kraft ihren Schuldenabbau betreiben könnte. Im Gegenteil, sie bräuchten noch mehr Geld von der EU in Form von NEUEN Rettungspaketen und womöglich eine komplette oder wenigstens teilweise Entschuldung. In diesem Fall bleiben aber erneut einige unserer Banken auf der Strecke und geraten schon wieder in Schieflage, weil sie wohl griechische Staatsanleihen halten. Dann müssen wir wieder unsere eigenen Banken retten. Auf uns kommt aber gerade die neue Arbeitnehmer-Freizügigkeit zu, deren Auswirkungen wir noch nicht kennen, weil noch zu früh. Auch wenn es momentan bei uns einigermaßen gut läuft, das muss beileibe nicht so bleiben und was wird erst los sein, wenn wie einen großen Ansturm von Fachkräften aus diesen quasi Pleite-Ländern erleben, die unseren Arbeitsmarkt schwer belasten könnten und die Situation in diesen von Schulden gezeichneten Ländern noch dramatischer wird? Wo soll das alles noch hinführen? Sollen wir etwa den Euro aufgeben und uns wieder abschotten und die Griehcne zurück zur Drachme? Momentan sind wir doch das Land das halb Euro am laufen hält mit unserer Export-orientierten Wirtschaftskraft. Aber was tun eigentlich die anderen? Sie protestieren heute im Generalstreik gegen unausweichliche Sparmaßnahmen. Wo soll das alles noch hinführen bzw. warum geht so viel schief in diesen Ländern? Wie reagieren die dorttigen gut ausgebildeten Fachkräfte? Kommen die noch unter oder haben die schon längst das Weite gesucht? Aber was wird dann aus diesen staatsbankrotten Eurostaaten?
ansich Eurofan schrieb: > Sollen wir etwa den Euro aufgeben und uns wieder > abschotten ... Wieso abschotten? Ich denke nicht, das wir von England oder der Schweiz abgeschottet sind. Und die Chinesen fahren BMW und wir haben die Regale voll mit Sachen aus Asien, alles ohne das die den Euro haben. MfG Klaus
DAS GELD REGIERT DIE WELT, NICHT DIE POLITIKER.
>Momentan sind wir doch >das Land das halb Euro am laufen hält mit unserer Export-orientierten >Wirtschaftskraft. So einiges davon exportieren wir aber gerade in diese Länder. Gruss Axel
Axel schrieb: >>Momentan sind wir doch >>das Land das halb Euro am laufen hält mit unserer Export-orientierten >>Wirtschaftskraft. > > So einiges davon exportieren wir aber gerade in diese Länder. > So wie die Griechen bei uns U-Boote bauen lassen, die mit dem Geld bezahlt werden, das wir ihnen leihen (abzüglich dem, was so an den vielen Händen kleben bleibt). Da wärs doch billiger, die Werftarbeiter bleiben bei vollem Gehalt zu Hause. Kostet uns weniger und schont die Umwelt. MfG Klaus
Axel (Gast) schrieb: >>Momentan sind wir doch >>das Land das halb Euro am laufen hält mit unserer Export-orientierten >>Wirtschaftskraft. > So einiges davon exportieren wir aber gerade in diese Länder. > Gruss > Axel Ja eben, das meinte ich doch. Damit wird der Erfolg der deutschen Exportwirtschaft begründet. Aber warum gelingt es einem Land wie Griechenland nicht auf die Beine zu kommen und wie stellt sich das für die dortigen Fachkräfte und deren Chancen dar? Wir können doch nicht deren Schulden übernehmen und auch noch denen die Fachkräfte entziehen, was auch für andere Länder gilt die jetzt sich frei den Arbeitsplatz suchen können. Wenn diese Arbeitnehmer dort massig ihre Heimatländer verlassen geht doch deren Wirtschaftskraft immer wieder den Bach runter. Wie können diese dann im Wettbewerb zu uns stehen bzw. bestehen?
>>Momentan sind wir doch >>das Land das halb Euro am laufen hält mit unserer Export-orientierten >>Wirtschaftskraft. > > >So einiges davon exportieren wir aber gerade in diese Länder. > >Gruss >Axel Naja, die BRD war ja eigentlich schon seit eh und je ein Exportland. Nicht erst seit der Einführung der Gemeinschaftswährung Euro.
Wie waers damit: wir schreiben Griechenland ab (mein Gott, die paar Milliarden) und interpretieren die Verluste als spaete Weltkrieg 2 - Reparationen. Es ist wirklich ein Witz, die Knete werden wir von G-Land sowieso nie wieder bekommen. Und dann noch ein neues Hilfspaket schnueren? Wenn denn unbedingt noch ein paar deutsche Banken gerettet werden muessen weil ihnen nicht klar war dass ein Balkanstaat der nur Oliven exportiert und tsaziki keine Milliardenkredite zurueckzahlen kann - dann muss man sie eben retten. Oder wissen hier alle die hier Erspartes auf der Bank haben ob selbige Bank nicht zufaellig auch in G-Land ein paar Aussenstaende hat?
Angehender Dipl. Inf3000 (Gast) schrieb: > Naja, die BRD war ja eigentlich schon seit eh und je ein Exportland. > Nicht erst seit der Einführung der Gemeinschaftswährung Euro. Für uns steht aber die Frage ob Euro oder nicht momentan nicht im Raum, wohl aber für die Griechen. Allerdings wird beim Ausscheren von Griechenland aus dem Währungsverbund das Ende des Euros selbst als Folge in den Raum gestellt. Das ist mir aber so bisher nicht wirklich einsichtig, es sei denn es geht dabei wieder im Spekulation gegen den Euro etc. Nur wie stellt sich das Szenario für die griechesche Wirtschaft und deren Arbeitnehmer dar? Wollen die überhaupt aus dem Euro raus? Wollen die lieber Transfers? Oder denken die schon daran als Arbeitskraft lieber woanders sein Glück zu probieren? Man erfährt so wenig ..
ansich Eurofan schrieb: >Angehender Dipl. Inf3000 (Gast) schrieb: > >> Naja, die BRD war ja eigentlich schon seit eh und je ein Exportland. >> Nicht erst seit der Einführung der Gemeinschaftswährung Euro. > >Für uns steht aber die Frage ob Euro oder nicht momentan nicht im Raum, >wohl aber für die Griechen. Wo und wann habe ich gesagt, dass Deutschland aus dem Euro aussteigen soll oder nicht? Den Deutschen wird immer vorgehalten, dass sie Hauptprofiteure des Euros seien, weil sie relativ viel ins EU-Ausland exportieren. Ich habe in meinem obigen Posting nur darauf hinweisen wollen, dass diese verbreitete These nicht ganz stimmig ist, weil die Deutschen schon seit eh und je einen grossen Exportüberschuss erzielt haben. Das heisst, das Argument, dass Deutschland der Hauptprofiteur des Euros sei, kann meiner Ansicht nach nicht dazu verwendet werden, damit Deutschland die Staatsschulden anderer EU-Staaten begleichen muss. >Allerdings wird beim Ausscheren von >Griechenland aus dem Währungsverbund das Ende des Euros selbst als Folge >in den Raum gestellt. Das ist mir aber so bisher nicht wirklich >einsichtig, es sei denn es geht dabei wieder im Spekulation gegen den >Euro etc. Man kann auch das Gegenteil in den Raum stellen. Nämlich falls Griechenland weiterhin in der Währungsunion bleiben würde, müssten die wirtschaftsstarken Länder in der EU (darunter Deutschland) auf Dauer Transferzahlungen an die wirtschaftsschwachen EU-Staaten (insbesondere an Griechenland) leisten oder es müsste der Euro abgewertet werden. Beide Optionen wären nicht gut für unser Land. >Nur wie stellt sich das Szenario für die griechesche Wirtschaft und >deren Arbeitnehmer dar? Die Griechen haben im Prinzip die letzten 10 Jahre über ihren Verhältnissen gelebt. D.h. sie haben Kredite für konsumptive Zwecke aufgenommen und haben jetzt gemerkt, dass sie das Geld nicht mehr zurückzahlen können. >Wollen die überhaupt aus dem Euro raus? Wollen >die lieber Transfers? Offenbar will die Mehrheit der Griechen, wie es scheint, nicht aus dem Euro-Währungsraum heraus, weil es ihnen natürlich mit einer Hartwährung (wie es der Euro noch ist) kaufkraftmässig besser geht als mit einer Weich-Währung. Das ist irgendwie verständlich und auch menschlich. Wenn sie akzeptieren würden, dass ihre jetzt höheren Einkommen entsprechend der Wirtschaftsleistung ihres Landes nach unten angepasst werden müssen, dann bräuchten sie in Zukunft auch keine Transferzahlungen. Allerdings sieht es nicht danach aus. >Oder denken die schon daran als Arbeitskraft >lieber woanders sein Glück zu probieren? Man erfährt so wenig .. Sicherlich werden einige junge Leute, die mit ihrem Einkommen nicht zufrieden sind, ihr Glück woanders versuchen. Warum auch nicht.
Angehender Dipl. Inf3000 schrieb: > Wenn sie akzeptieren würden, dass ihre jetzt höheren Einkommen > entsprechend der Wirtschaftsleistung ihres Landes nach unten angepasst > werden müssen, dann bräuchten sie in Zukunft auch keine > Transferzahlungen. Allerdings sieht es nicht danach aus. Sie können das nicht akzeptieren, weil nicht nur ihre Einkommen Euro-Niveau haben, sondern auch ihre Preise, auch die der inländischen Produkte. Hätten sie noch die Drachme, könnten sie abwerten, BMW und Miele würden teurer, Brot und Miete blieben aber gleich. Damit kann man leben, mit dem Euro geht das nicht. MfG Klaus
ansich Eurofan schrieb: > Allerdings wird beim Ausscheren von > Griechenland aus dem Währungsverbund das Ende des Euros selbst als Folge > in den Raum gestellt. Das ist mir aber so bisher nicht wirklich > einsichtig, es sei denn es geht dabei wieder im Spekulation gegen den > Euro etc. Die Spekulation ist nicht das Problem, sondern nur eine Folge der wirklichen Ursache: alle Staaten, auch wir, kommen mit dem Geld, das eingenommen wird nicht aus. Ohne jeden Tag etwas zu borgen, können keine Renten, keine Gehälter im öffentlichen Dienst und auch sonst wenig bezahlt werden. Die Staaten sind also auf die "Spekulanten" angewiesen, denn von denen bekommen sie das Geld. Der Pate schießt in die Knie, die Bänker schlachten ein Land. Wer keinen Kredit braucht, dem kann die Spekulation egal sein. MfG Klaus
Diese Staatspleiten haben nichts mit Fachkräftewanderung oder Börsenspekulationen zu tun, sondern mit Korruption. Und damit meine ich nicht hier und da, sondern tiefgreifende, das komplette System durchsetzende Korruption. Korruption bedeutet auch, daß sich komplette Gesellschaftsschichten Geld und Privilegien durch entsprechende Gesetzgebung zuschanzen. Beispiel Griechenland: http://www.civitas-institut.de/index.php?option=com_content&view=article&id=1127:17-prozent-aller-griechen-sind-beamte&catid=1:neuestes&Itemid=33 Das Beste daran ist: unter bestimmten Bedingungen können griechische Beamte mit 50! in Rente gehen. Der Staat als Selbstbedienungsladen. Und das ist nicht nur Griechenland. Auch Deutschland hat einen riesigen Beamtenapparat, der gigantische Pensionsansprüche nach sich zieht, auf Kosten der Allgemeinheit. Auch hier in Deutschland sorgen die Beamten dafür, daß sie nicht zu kurz kommen. 36 Prozent aller Bundestagsabgeordneten sind Beamte! Dafür tragen unsere Beamten, ebenso wie die in Griechenland oder sonstwo, nichts zur Wirtschaftsleistung bei. Manche verringern sie sogar. "When the people find that they can vote themselves money, that will herald the end of the republic." --Benjamin Franklin
spätestens ab frühjahr 2012 ist schluss mit lustig, denn dann muss sich der Grieche am Kapitalmarkt wieder refinanzieren, wenn die EU denn die vollen 110 MRD. überhaupt auszahlt, sonst ist schon früher schluss. Könnt euch ja mal die Zinsen Anleihen ankucken, letzte Woche wären sie bei 17% gewesen für 10 Jährige.
Die Griechen arbeiten hier bei uns in der Firma. Dipl Ing Software zu 32k
Jo, bei uns auch: 4 griechische Ingenieure im letzten Jahr eingestellt. Sitzen alle beisammen und sprechen leidlich Englisch ansonsten nur Grichisch. Quasi eine Art Mini-Ausländer-Ghetto. Heisset bei uns "die Sirtake-Ecke."
Ing Zocker schrieb: > spätestens ab frühjahr 2012 ist schluss mit lustig, denn dann muss sich > der Grieche am Kapitalmarkt wieder refinanzieren, wenn die EU denn die > vollen 110 MRD. überhaupt auszahlt, sonst ist schon früher schluss. > Könnt euch ja mal die Zinsen Anleihen ankucken, letzte Woche wären sie > bei 17% gewesen für 10 Jährige. Leider nicht. Junkers und co. haben letztes Wochenende beschlossen, die für dieses Jahr fehlenden 27 Milliarden und 33 für 2012 zusätzlich zu zahlen. Schäuble und Merkel (also wir) haben zugestimmt. MfG Klaus
Klaus schrieb: >Angehender Dipl. Inf3000 schrieb: >> Wenn sie akzeptieren würden, dass ihre jetzt höheren Einkommen >> entsprechend der Wirtschaftsleistung ihres Landes nach unten angepasst >> werden müssen, dann bräuchten sie in Zukunft auch keine >> Transferzahlungen. Allerdings sieht es nicht danach aus. > >Sie können das nicht akzeptieren, weil nicht nur ihre Einkommen >Euro-Niveau haben, sondern auch ihre Preise, auch die der inländischen >Produkte. Hätten sie noch die Drachme, könnten sie abwerten, BMW und >Miele würden teurer, Brot und Miete blieben aber gleich. Damit kann man >leben, mit dem Euro geht das nicht. > >MfG Klaus Wenn das so ist, wie Du das hier beschreibst, dann war der Euro von vornherein eine Fehlkonstruktion.
Angehender Dipl. Inf3000 schrieb: > Wenn das so ist, wie Du das hier beschreibst, dann war der Euro von > vornherein eine Fehlkonstruktion. Ja MfG Klaus
Die Chinesen waren etwas klueger, die haben sich den Hafen von Piraeus fuer ein paar Jahrzehnte gesichert, gegen ein paar Miliarden. Egal, welche Waehrung es wird, egal ob das Land kracht, den Hafen haben sie.
Die Griechen haben das Problem, dass ein unverhältnismäßig hoher Prozentsatz der Bevölkerung für den Staat arbeitet. Dagegen sind unsere paar Beamten Peanuts. Staatsangestellte muss man allerdings realistisch entlohnen, ansonsten ist das ein Freibrief für Korruption. Kaum einer ist 'korrupt aus Leidenschaft. Die Leute sind ja nicht blöd, sie können nur nicht anders. Griechenland hat Jahrzehnte lang gepennt. Dazu kommt noch das fast völlige Fehlen von unabhängiger Industrie, Forschung und Hochtechnologie. Fast alles muss importiert werden, zu entsprechenden Preisen. Gerade ziehen entsprechend alle Lebensbereiche dramatisch an; Mieten, Lebensmittel, Nutzung öffentlicher Dienstleistungen etc. Ich hab kürzlich mit jemandem gesprochen, der seit Jahren auf einer der kleineren Inseln lebt. Der Bekannte hat sich (mit seiner griechischen Frau) in Deutschland beim Besuch kürzlich erst mal mit Konsumgütern eingedeckt. Selbst einfache Dinge wie eine billige Hautcreme kosten in manchen Gegenden das 5-fache der hiesigen Preise. Die Lebensmittelpresie sind exorbitant gestiegen. Er sagt, ohne einen Teil Selbstversorgung hinterm Haus kommt ein Normalgrieche nicht mehr über die Runden. Erst recht nicht in ländlichen Gegenden, abseits vom Tourismus. Wenn sie zur Drachme übergingen, würden alle binnen Tagen ihr letztes Geld von der Bank holen, das letzte Mal den harten Euro nutzen, und das war's dann. Totaler Staatsbankrott. Man darf die Wut und Ohnmacht der Leute nicht unterschätzen. Ein Bürgerkrieg inmitten der EU wäre fatal. Und die Signalwirkung auf andere Länder, denen es (bald) ähnlich geht, darf man auch nicht unterschätzen. Die EU und GR müssen jetzt sehr besonnen handeln. Das ganze ist ein Pulverfass.
Sascha schrieb: > Wenn sie zur Drachme übergingen, würden alle binnen Tagen ihr letztes > Geld von der Bank holen, das letzte Mal den harten Euro nutzen, und das > war's dann. Totaler Staatsbankrott. > Man darf die Wut und Ohnmacht der Leute nicht unterschätzen. Ein > Bürgerkrieg inmitten der EU wäre fatal. Und die Signalwirkung auf andere > Länder, denen es (bald) ähnlich geht, darf man auch nicht unterschätzen. > > Die EU und GR müssen jetzt sehr besonnen handeln. Das ganze ist ein > Pulverfass. Richtig, ein Pulverfass, aber mit brennender Lunte. Portugal und auch Irland sind in einer ähnlichen Situation. Spanien wird auch noch drankommen und dann... Die Situation ist wie auf der Titanic. Es ist klar, daß sie untergeht. Es ist auch klar, daß nicht genug Rettungsboote für alle da sind (bei einem "unsinkbaren" Schiff braucht man eigentlich gar keine). Also spielt die Kapelle im Ballsaal weiter, während das Wasser steigt. Was also tun? Als kleiner Passagier habe ich keine Chance auf einen Platz im Boot, also gehe ich am besten gleich mit einer Schwimmweste von Bord, so machen es gerade die Finnen. Wenn ich Merkel und Schäuble so höre, werden wir auf der Brücke salutierend mit untergehen. MfG Klaus
Klaus schrieb: >Die Situation ist wie auf der Titanic. Es ist klar, daß sie untergeht. >Es ist auch klar, daß nicht genug Rettungsboote für alle da sind (bei >einem "unsinkbaren" Schiff braucht man eigentlich gar keine). Also >spielt die Kapelle im Ballsaal weiter, während das Wasser steigt. Was >also tun? Als kleiner Passagier habe ich keine Chance auf einen Platz im >Boot, also gehe ich am besten gleich mit einer Schwimmweste von Bord, so >machen es gerade die Finnen. Wenn ich Merkel und Schäuble so höre, >werden wir auf der Brücke salutierend mit untergehen. Das Problem ist auch, dass die handelnden bzw. nicht handelnden Personen (kommt auf die Perspektive an, aus der man das ganze sieht) in unserer Regierung letztlich nur Getriebene sind, und nicht Akteure. Wenn Griechenland sozusagen auf Druck von bestimmten EU-Staaten (insbesondere Deutschlands) ausgeschlossen oder selbst aussteigen würde, dann würden vielleicht noch andere Staaten (wie z.B. Frankreich) sich überlegen, auszusteigen. Das wäre für den Europäischen Einigungsprozess eine mittlere Katastrophe. Deshalb sind Merkel und Schäuble in einer Zwickmühle, und sind letztlich selbst Opfer der Umstände.
> Sollen wir etwa den Euro aufgeben und uns wieder > abschotten und die Griehcne zurück zur Drachme? Hätte Griechenland die Drachme, würde die jetzt abwerten, d.h. deren Löhne im Vergleich zum Ausland sinken, deren Importe teurer werden, so daß das Land ärmer wird, auch Werte von Häusern sinken. Allerdings müssten sie ihre Auslandsschulden nach wie vor in EUR abbezahlen, also dafür mehr schuften, z.B. mit Oliven (blödes Beispiel weil massiv EU-subventioniert) oder mal die ganzen Kriegsgeräte verkaufen. Ohne Drache kannst du davon ausgehen, das die niemals eine Lohnsenkung, Preisexplosion und Wertverfall akzeptieren würden (allerdings: Die Preise sind in Griecheland schon gesunken, Urlaub ist dort nicht mehr exorbitant teuer sondern inzwischen erschwinglich). Also bleibt nur ein Ausweg: Die anderen Ländern (wie Deutschland) müssen ihre Löhne deutlich steigern, gleichteure Importe sind dann viel erschwinglicher, und Preise von Immobilien etc. würden stark steigen. Im Prinzip also eine galoppierende Inflation, aber wie bei jeder Inflation mit Preisverschiebungen. Normal ist bei Inflation, daß die Preise erst steigen und die Löhne eher später oder gar nicht. Nun müsste es andersrum erfolgen, daß die Löhne stark steigen, und die Preise kaum, denn nur der inländische Anteil würde teurer werden, Importe, vor allem Energie, würden gleich bleiben und damit erschwnglicher. Auch so ein Szenario ist politisch undenkbar. Aber inhaltlich wäre es richtig, denn 90% des Geldes kursiert derzeit in Spekulationsgeschäften, 90% des Geldes stehen keine Waren und Arbeitsleistungen gegenüber. Also ist eigentlich eine Inflation um 1000% unausweichlich. Die Krise, in die Neoliberale und Banken uns gestürzt haben , in dem sie regelmässig und gegen alle Warnrufe aus der Bevölkerung seit Jahrzehnten über ihre Verhältnisse Geld drucken "monetary easing", ist viel grösser, als ein kleines Griechenland. Falls du heute glaubst, du hättest was gespart (für die Rente, wie dir alle Politiker seit 20 Jahren weismachen wollen daß das unverzichbar und absolut notwendig ist), Geld auf der hohen Kante: Es ist nur 1/10 wert und reicht niemals für deine Rente, es wurde schon von Vorstandsvorsitzenden Ackermanns und Bankstern verfrühstückt.
ansich Eurofan schrieb: > Irgendwie bekomme ich immer mehr das Gefühl, dass das alles sehr > miteinander zu tun hat. ...Arbeitsmarkt... Netter Versuch, aber das Thema gehört trotzdem ins Offtopic-Forum, nicht nach Ausbildung & Beruf.
>Ja eben, das meinte ich doch. Damit wird der Erfolg der deutschen >Exportwirtschaft begründet. Aber warum gelingt es einem Land wie >Griechenland nicht auf die Beine zu kommen Weil sie mit dem Euro als Gemeinschaftwährung künstlich am Boden gehalten werden >Wenn diese Arbeitnehmer dort massig ihre Heimatländer >verlassen geht doch deren Wirtschaftskraft immer wieder den Bach runter. >Wie können diese dann im Wettbewerb zu uns stehen bzw. bestehen? Gar nicht mehr aber das ist ja gerade der Trick derjenigen, die den Euro eingeführt haben. (Das werden aber nur wenige Befürworter gewusst haben.) >Den Deutschen wird immer vorgehalten, dass sie Hauptprofiteure des Euros >seien, weil sie relativ viel ins EU-Ausland exportieren. Nur die Banken und die exportierende Industrie. Der Steuerzahler zahlt als Bürge für die Schuld inflationär drauf - ist also Verlierer. >Offenbar will die Mehrheit der Griechen, wie es scheint, nicht aus dem >Euro-Währungsraum heraus, weil es ihnen natürlich mit einer Hartwährung >(wie es der Euro noch ist) kaufkraftmässig besser geht als mit einer >Weich-Währung. Das ist irgendwie verständlich und auch menschlich. Die wollen schon raus (fängt mit der Unterschicht an) aber man wird sie nicht lassen. Der Euro als Gemeinschaftswährung, ohne eine nationale Ausgleichswährung, schafft für exportorientierte Länder drei Vorteile: Schaffung von Humankapital, Schaffung neuer Absatzmärkte sowie Ausschalten der Konkurrenz durch Transparenz. Da Deutschland eine stark subventionierte exportorientierte Wirtschaft betreibt, die sich keine andere Volkswirtschaft (Zuschüsse wie Kurzarbeitergeld, Bürgschaften usw.) leisten kann, ist es absoluter Nutzniesser des Euro. Für die Kredite bürgt der Steuerzahler (der zahlt es versteckt über Inflation) und die Schulden die ein anderes Land macht, halten seine Wirtschaft durch hohe Abgaben weiter am Boden und berauben es seiner Souveränität. Das erklärt auch die neuen Exportüberschüsse, denn schliesslich muss Deutschland für diejenige Industrie mitproduzieren, die sie in anderen Ländern mit dem Euro kaputtgemacht hat. Das unternehmerische Monopol sowie das freigewordene Personal sorgen für weiteres Lohndumping und sehr hohe Gewinnmargen seitens der deutschen Unternehmen/Banken. Griechenland kann nur wirtschaftlich stark werden, wenn es wieder eine eigene Währung einführt. Aber das werden deutsche Poltiker zu verhindern wissen.
Wie schon andere bemerkt haben - profitieren tut davon höchstens die Großindustrie. Wenn man "Deutschland" auf diese reduziert mag die Aussage, daß Deutschland vom Euro profitiert, stimmen. Sie stimmt aber garantiert nicht für den kleinen Michel, der jetzt bis ins hohe Greisenalter schuften darf und anschließend wohl von einer Rente träumen darf - denn die Geldentwertung nimmt massiv zu, so daß selbst für den Fall, daß die Altersvorsorgen nicht wie in Ungarn und Portugal eingezogen werden, kaum etwas zum überleben da sein wird. Das "kürzlich erst gerettete Griechenland" ist, ebenso wie das "kürzlich gerettete Irland", de facto wieder Pleite. Mit der Konkursverschleppung durch weitere Milliarden (eigentlich verboten...) erhöht sich nur die Summe, die der deutsche Staat als Bürge dann rausgeben muß - schon jetzt 90% des Gesamthaushalts 2009. Nicht zu vergessen ist übrigens die Rolle der Bank Goldmann&Sachs, welche Griechenland professionell beim Frisieren der Bilanzen geholfen hat - und sich dafür große Teile der griechischen Infrastruktur unter den Nagel gerissen hat. Der Euro war eine Totgeburt, ein idealistisches Hirngespinst. Es ist ja nicht das erste mal daß große Teile der Welt in ideologischer Verblendung ihrem Untergang entgegenjagen. Der Euro war das Hirngespinst gewisser Ideologen, die in Verachtung der europäischen Geschichte ihre "Vereinigten Staaten von Europa" oder treffender ihre EUdSSR gründen wollten. Anhänger fanden sie schnell bei raffgierigen Wirtschaftsbossen, die von schnell verschiebbaren Armeen von Billigarbeitern träumten und natürlich den "Politikern", die so ihr Pöstchen bekommen haben. Ohne die EU wären sie Drittligisten geblieben, ohne EU werden sie bei ihren Leistungen wohl die Straßenlaternen zieren. Wie in allen Bereichen schuf die EU sich selbst als steriles Kunstobjekt von hinten - die EU-Wirtschaft, die sie hätte legitimieren können, wurde erst durch Subventionen geschaffen, ebenso die Forschungslandschaft - und die Staatlichkeit, die eine eigene Währung legitimiert hätte, sollte umgekehrt durch diese Zwangswährung erst begründet werden. Nein, dem kleinen Mann hat der Euro nichts gebracht. Schon mit der Einführung war er rund die Hälfte seines Einkommens los, denn viele Preise wechselten nur das Währungssymbol. Bis vor der Krise 2007 hatte der Euro schon 20% seines Werts verloren - und unsere Politik verhöhnte uns mit einer "gefühlten Inflation" - und ob wir sie zu fühlen kriegen.... Man erwarte von unserer Politik keine Hilfe wie bei den Dänen - die kriecht in Analogie zum DDR-Kurs nach Glasnost und Perestroika zuverlässig nach den Vorgaben ihrer Meister. Ein Finanzminister, der am liebsten heute als morgen die deutschen Steuereinnahmen samt Beschlußgewalt darüber an Brüssel abtreten würde (s. Interview mit der "Financial Times"), eine Kanzlerin deren Reisen immer von einer saftigen Rechnung gekrönt sind und einem Bundestagspräsidenten, welcher nicht nur am Bundestags die Nationalflagge einholen und die EU-Flagge hissen will. Bei der Euro-Einführung gab es ja so einen Werbespot für den Euro, wo ein typischer Börsenheini sich zwischen den Türmen der Frankfurter Geldmaschinerie fast einen runterholte - dazu die verbale Frage "Warum können sich nicht alle so über den Euro freuen?" Nein, von einer Euro-Krise kann man wahrlich nicht sprechen - es sind nur alle (!) Euroländer in ernsten wirtschaftlichen Schwierigkeiten, die meisten defacto pleite. In Griechenland brechen gerade bürgerkriegsähnliche Zustände aus aber - mein Gott, auch Paris hat ja kürzlich erst gebrannt. Für den Ostdeutschen ist es ja nichts Neues, das ein mit ideologischen Scheuklappen ausgestattetes System lethal über die Realität stolpert, für den Westdeutschen besteht die Neuigkeit darin, daß er diesmal nicht uschauer ist.
Leicht verständliche Kost, warum das Ganze nicht dauerhaft funktioniert: http://www.fabian-der-goldschmied.de/fabian-der-goldschmied.html (Wer es schon kennt, bitte nicht herumnörgeln ;-) )
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