Moin! Ich habe da mal eine Frage zu GPS und die Zeit bis zum ersten Fix (TTFF): Für den ersten Fix braucht meine Platine im Moment ~40 sekunden. Ich stehe aber meistens am gleich Ort - das muss also irgendwie zu Beschleunigen gehen. Da gibt es ja das A-GPS. Ich kenne die Varianten mit "Daten per GSM runterladen" und "Daten vom GPS Empfänger vorausberechnen lassen". Das erste benötigt eine GSM Verbindung und kostet Energie (habe nur Batterien) das zweite kostet Zeit (und somit auch Batterien). Vom Prinzip her habe ich ein GSM Modul mit drauf, ich bin aber bzgl Zeit und Energie zu geizig zum Runterladen von GPS Daten. Gibts nicht irgendeinen Trick/Dienst, mit dem man das Ganze beschleunigen kann? Danke für Tipps! Dirk
Dirk schrieb: > Gibts nicht irgendeinen Trick/Dienst, mit dem man das Ganze > beschleunigen kann? Ja, aber der benötigt eigene Satelliten. Jedenfalls wenn der vorherige Fix schon etwas länger her ist.
Danke für die Tipps. Ich verstehe nicht, wie man den alten Fix ausliest und wieder rein schiebt!?!? Ich bekomme doch vom GPS Modul nach einiger Zeit über die Schnittstelle einen Fix (Positionen im Klartext!?). Wie soll ich den denn auslesen und wieder reinschreiben? Alten Fix verwenden und warten bis er den neuen hat ist nicht so gut... Prinzipiell ist soll das Teil so kurz wie möglich an sein, Fix suchen wird die längste Zeit sein. Gruß, Dirk
Dirk schrieb: > Gibts nicht irgendeinen Trick/Dienst, mit dem man das Ganze > beschleunigen kann? Nicht so lange ausschalten.
die sateliten sind nicht geostationär. Selbst wenn du die kennst, ist es recht wahrscheinlich, dass sie nicht mehr sichtbar sind, wenn der Empfänger längere Zeit aus wahr. 40s sind doch außerdem eine gute Zeit. Ältere Empfänger brauchen schon mal 5-10min.
Gibt es einen Online Dienst, dem ich meine Funkzelle vom GSM mitteile und der mir dann GPS Daten sendet? Diese Daten könte ich ja dann an das GPS Modul weiterreichen und das könnte dann einen schnellen Fix schaffen. Dirk
Dirk schrieb: > Prinzipiell ist soll das Teil so kurz wie möglich an sein, Fix suchen > wird die längste Zeit sein. Die Frage ist halt: wie oft, also in welchem zeitlichen Abstand? Die Basisdaten vom GPS veralten mit der Zeit und wenn sie veraltet sind, dann müssen sie ohne AGPS aus dem Signal gefischt werden. Das dauert eben seine Zeit und die Grössenordnung eine Minute ist da normal. Das liegt im Prinzip von GPS und ist ohne anderweitige Informationquelle (wie bei APGS) nicht vermeidbar. http://www.gps-camera.eu/wissen/29-hardware/66-gps-wissen-kaltstart-warmstart-wie-lange-braucht-ein-gps-zum-starten.html
Dirk schrieb: > Gibt es einen Online Dienst, dem ich meine Funkzelle vom GSM mitteile > und der mir dann GPS Daten sendet? Diese Daten könte ich ja dann an das > GPS Modul weiterreichen und das könnte dann einen schnellen Fix > schaffen. Du verwechselst da etwas. Die machen das ja nicht, um dich zu ärgern. Der GPS Empfänger muss im Funksalat die Freuenzen abhorchen, ob er irgendwo einen Satelliten entdeckt. Das ist aber nicht so einfach, denn die Satelliten plärren da nicht rum. Wenn man sich am Oszi das Frequenzband ansieht, dann wird man da die GPS Signale überhaupt nicht entdecken. Erst durch Kreuzkorrelation kann der Empfänger feststellen, ob da überhaupt ein Satellit ist, oder ob er die nächste Frequenz untersuchen muss. D.h. er muss eine Zeit lang zuhören und entscheiden, ob in dem was er empfängt das typische Muster eines GPS Signals zu finden ist. Dann hat er aber erst EINEN Satelliten. Erst dann, wenn er mindestens 4 Satelliten im Wellensalat gefunden hat, kann er daran gehen, das erste mal deine Position zu berechnen. Von daher hilft es auch nichts, wenn du ihm sagst, wo du bist. Denn dann hat er immer noch das Problem, dass er die Satelliten im Funksalat finden muss. Die 40 Sekunden sind also nicht deswegen, weil die Berechnung so schwierig ist, sondern weil erst mal genügend Satelliten aus den Funkfrequenzen zuverlässig herausgefischt werden müssen.
Karl Heinz Buchegger schrieb: > Die 40 Sekunden sind also nicht deswegen, weil die Berechnung so > schwierig ist, sondern weil erst mal genügend Satelliten aus den > Funkfrequenzen zuverlässig herausgefischt werden müssen. Und weil er beim Warmstart erst deren Bahndaten rauskriegen muss, weil nicht mehr hinreichend frisch. Ohne AGPS muss er die aus dem Satellitensignal selbst fischen und dessen Datenübertragung ist ersten nicht grad schnell und benötigt zweitens ein besseres Signal als für die Fixes selbst. Wenns ganz bös kommt und er rein garnix brauchbares mehr drüber weiss (Kaltstart), dann sind einige Minuten fällig, je nach Modul und Empfang auch mal zweistellig. Es kann sich deshalb auch lohnen, das GPS-Teil, wenn es lange Zeit aus war oder zuletzt ganz woanders, schon mal bisschen vorher testweise anzuheizen, damit es wenn man es dann braucht kein Kaltstart wird.
Karl Heinz Buchegger schrieb: > Erst durch Kreuzkorrelation kann der Empfänger feststellen, > ob da überhaupt ein Satellit ist, oder ob er die nächste Frequenz > untersuchen muss. Was meinst du mit "nächster Frequenz"? Bei GLONASS arbeiten die Satelliten auf verschiedenen Frequenzen. Die GPS Satelliten dagegen senden ihren Rauschencode alle auf der selben Frequenz. Indem der Empfänger mehrere Korrelatoren parallel laufen läßt, kann er sich gleichzeitig um mehrere Satelliten kümmern.
Michael A. schrieb: > Karl Heinz Buchegger schrieb: >> Erst durch Kreuzkorrelation kann der Empfänger feststellen, >> ob da überhaupt ein Satellit ist, oder ob er die nächste Frequenz >> untersuchen muss. > Was meinst du mit "nächster Frequenz"? Bei GLONASS arbeiten die > Satelliten auf verschiedenen Frequenzen. > Die GPS Satelliten dagegen senden ihren Rauschencode alle auf der selben > Frequenz. Indem der Empfänger mehrere Korrelatoren parallel laufen läßt, > kann er sich gleichzeitig um mehrere Satelliten kümmern. Habs grade nachgeschlagen. War ein Irrtum meinerseits. Ändert aber auch nichts daran, dass der Empfänger einen Satelliten erst mal finden muss.
Nabend Es gibt aber sehr wohl eine Dopplerverschiebung, so dass der Empfänger auch mal bisschen neben der eigentlichen Senderfrequenz horchen muss. Beste Grüße, Marek
A. K. schrieb: > Wenns ganz bös kommt und er rein granix halbwegs aktuelles drüber weiss > (Kaltstart), dann sind einige Minuten fällig, je nach Modul und Empfang > auch mal zweistellig. Empfang kommt ja auch auf die Sicht zum Sat an. Bei dicken Wolken und knapp am Horizont unten ist der Empfang weniger gut. Ob alle sichtbaren Sats immer ein brauchbares Signal liefern?? $GPGSV = $GP ist ein GPS - Signal, GSV ist die Info zu den (visible) sichtbaren Satelliten
Dirk schrieb: > Gibt es einen Online Dienst, dem ich meine Funkzelle vom GSM mitteile > und der mir dann GPS Daten sendet? Yep. A-GPS.
Marek N. schrieb: > Es gibt aber sehr wohl eine Dopplerverschiebung, so dass der Empfänger > auch mal bisschen neben der eigentlichen Senderfrequenz horchen muss. Das GPS-Signal ist 2 MHz breit. Wegen ein paar kHz Dopplerverschiebung muß der Empfänger da nicht die Empfangfrequenz ändern.
>> und der mir dann GPS Daten sendet? > Yep. A-GPS. Vergrößert den Aufwand und kostet zusätzlich wertvolle Batteriekapazität. Alte Daten aus Speicher holen und Gerät schon beim Batterieladevorgang zyklisch einschalten, könnte helfen, die nötigsten Daten schon rechtzeitig verfügbar zu haben.
oszi40 schrieb: > Vergrößert den Aufwand und kostet zusätzlich wertvolle > Batteriekapazität. Klar, aber eigene Satelliten hochzuschicken, um von der langsamen Datenübertragung vom GPS weg zu kommen, dürfte teurer sein. Zig GPS-Module auszuprobieren, um rauszukriegen welches das schnellste oder auch das energetisch günstigste ist (gibt ja Unterschiede in der internen Parallelisierung) könnte bei Einzelanwendung auch etwas ungüstig ausfallen. Man hat hier eben die Wahl. Mit A-GPS geht es wesentlich schneller, aber man muss GSM hochfahren. Ohne A-GPS muss man die Daten aus dem GPS selbst fischen und das dauert halt etwas. Was da summarum weniger Energie frisst wäre auszuprobieren. Bei meinem Handy frisst GSM ungefähr so viel wie GPS. Ich gehe daher davon aus, dass die A-GPS Variante beim Warmstart etwas günstiger abschneidet, beim Kaltstart beträchtlich günstiger.
A. K. schrieb: > Bei meinem Handy frisst GSM ungefähr so viel wie GPS. Je weiter Dein Handy sich vom Sendemast entfernt, desto mehr Leistung braucht es zum Senden. Bei GPS hast Du auch in der Wüste Empfang.
oszi40 schrieb: > Je weiter Dein Handy sich vom Sendemast entfernt, desto mehr Leistung > braucht es zum Senden. Bei GPS hast Du auch in der Wüste Empfang. Deshalb schrieb ich ja auch: ausprobieren. Da er sich als ziemlich ortsfest geoutet hat könnte das helfen. Andererseits könnte er natürlich auch einen hinreichend empfindlichen Bewegungssensor einbauen und sich den ganze Zirkus sparen, wenn der seit dem letzten Fix keinerlei Ortsveränderung anzeigt (Aufdruck für Amis: vor Gebrauch schütteln).
Bei mir käme ein Text:"Letzte Position: Hamburg Jungfernstieg" "GPS-Aktualisierung läuft" und dann für die Zeit oder jeden gefundenen Sat ein paar Punkte. Mehr kostet Strom.
Wow, ist ja richtig groß geworden der Thread! Vielen Dank für eure ausführlichen Antworten. Mein Verdacht bestätigt sich: Viele reden davon, man könne einem GPS Modul doch mitteilen, wo man steht, dann gehe der Fix schneller - das klappt aber in der Realität nur mit z.B. GSM/A-GPS. Aufgrund der Energie kommt das aber für mich nicht in Frage. Danke für die Vielen Tipps und Erklärungen, ich werde sehen, wie sich der Kaltstart in der Praxis bewährt. (4 Einschaltvorgänge pro Woche, Betriebsauer jeweils ~1 Minute zzgl GPS Fix., Batterielebensdauer 1 Jahr). Dirk
Bitte melde dich an um einen Beitrag zu schreiben. Anmeldung ist kostenlos und dauert nur eine Minute.
Bestehender Account
Schon ein Account bei Google/GoogleMail? Keine Anmeldung erforderlich!
Mit Google-Account einloggen
Mit Google-Account einloggen
Noch kein Account? Hier anmelden.