Hi, Hans,
> Großartig! Den Kapitalismus einfach-weglachen. Darauf muss man erst
> einmal kommen. Gratulation! Mit Humor und einer positiven Haltung macht
> auch die Knechtschaft wieder Freude.
Deine Kritik des Illusionären an den Ratschlägen trifft.
Die Autorin ist halt Psychologin.
Ihr Rat, dem drohenden Burn-Out mit Lachen vorzubeugen, ist ganz gewiss
besser als die Einnahme von Heroin oder die Verabreichung von
Psychodrogen.
Aber als Erich Honecker meinte: "Den Sozialismus in seinem Lauf halten
weder Ochs noch Esel auf", da mag er innerlich vielleicht noch gelacht
haben - die paar Wochen bis zum Fall der Mauer - aber ein Lachen gegen
die Realität ist immer ein schlechter Rat.
Wir Ingenieure wissen mit der Realität auf unserem Labortisch und im
Teststand recht gut umzugehen. Das Fälschen des Testprotokolls, damit
man sich wieder besser fühlen kann, ist verpönter Pfusch. Sondern unser
Vertrieb darf halt nur Merkmale anbieten, die wir auch realisieren
können.
Wir wissen halt, Probleme mit dem Testergebnis beugen wir vor, indem wir
die Ursachen der bösen Abweichungen vorher abstellen. Indem wir
beispielsweise innovativer sind als unsere härteste Konkurrenz und so
die besseren Lösungsansätze zur Verfügung haben.
Ursachenbekämpfung schlägt Symptombekämpfung.
Das ist meine Kritik am bei oberflächlichem Lesen vielleicht gefällig
klingenden, aber wirklch gar nicht so guten Rat der Psychologin: Mit dem
Rat zum Lachen schlägt sie Symptombekämpfung vor. Danke, Nein zu diesem
Pfusch, lasst Euch nicht überreden zu diesem Pfusch.
Sondern besser wenden wir unsere Diagnose- und Vorbeugungsfähigkeiten
an, die wir in der Technik (FMEA, 8-D-Report!) gewohnt sind (sein
sollten :-)), aber mal nicht auf die Technik, sondern auf die Lage in
Büro und Beruf: Empfinden wir Ärger, was könnten dessen Ursachen sein?
Welche liegen in unserer eigenen Wahrnehmung, in unserer Deutung des
Wahrgenommenen, in unseren Entscheidungen, in unserem eigenen Verhalten?
(Bei sich selbst anzufangen ist besser als Forderungen zu stellen, die
niemand hören will.)
Proaktiv handeln ist immer besser als nachher das Übel mit einem Lachen
zur Tugend zu erklären. Aber einer Psychologin fehlt halt das Können
eines Ingenieurs....
Ciao
Wolfgang Horn