Forum: Offtopic Strahlenbelastung Personal Protonen-Therapie


von Filth _. (filth)


Lesenswert?

Hallo,

weiß jemand, welchen (oder ob überhaupt) Strahlendosen, das technische 
Personal bei solchen Anlagen ausgesetzt ist?

http://www.iba-protontherapy.com/facility-design/equipment

von Rufus Τ. F. (rufus) Benutzerseite


Lesenswert?

Das dürfte die Einrichtung wissen, die diesen Geräten die 
medizintechnische Zulassung erteilt, und natürlich ... Trommelwirbel ... 
der Hersteller.

von Filth _. (filth)


Lesenswert?

Ja das ist klar. Ich dachte, dass evtl irgendwo Erfahrungswerte bzw. 
Durchschnitte existieren. Mir geht es nicht um den exakten Wert, sondern 
um eine Schätzung über dem Daumen - ob es sich zB grundsätzlich eurer 
Meinung nach lohnt in solch einer Einrichtung zu arbeiten.

von Filth _. (filth)


Lesenswert?

Genauer gesagt geht es um einen 30MeV Protonen-Teilchenbeschleuniger. 
Ich soll da als Softwareentwickler arbeiten und will ein paar 
Informationen aus unabhängigen Quellen sammeln, bevor ich die gleiche 
Frage dem Betreiber stelle

von Tilo (Gast)


Lesenswert?

Ich habe als Zivi in einem Krankenhaus gearbeitet, in dem es LINACS gab, 
vergleichbar mit deinem Fall. Die Strahlenquellen sind in einem Raum mit 
sehr dicken Wänden und verwinkeltem Ausgang.
Die "Nachtrahlung" ist sehr gering.
Da kam fast nichts mehr raus. Die Mitarbeiter aus der Abteilung trugen 
zur Sicherheit alle Dosimeter.

Anderst sieht es im Bereich Nuklearmedizin aus, der ist man einer 
duetlich höheren Strahlendosis und mit radioaktiven Präperaten 
gearbeitet wird auch deutlich höherem Risiko ausgesetzt.
Nicht ohne Grund befinden sich in den Nuklearmedizinischen Stationen 
Bodycounter und es werden nur Krankenschwestern nach den Wechseljahren 
zugelassen.

Wende ich doch einfach an den lokalen Strahlenschutzbeauftragten, er 
kann dir bessere Informationen geben als wir hier mit unserem 
Halbwissen.

Du sollst doch bestimmt nicht direkt am Beschleuniger Software 
entwickeln oder?

von Filth _. (filth)


Lesenswert?

Hi,

danke für die Info. So wie ich es Vorgesprächen verstanden habe, soll 
die Entwicklung schon in räumlicher Nähe erfolgen. Der Beschleuniger 
befindet sich momenten in Entwicklung bzw in einer Testphase. Das ganze 
Ding besteht wohl aus mehreren "Zimmern" - eins für den Beschleuniger 
selbst, ein Patientenzimmer, in dem die Bestrahlung später erfolgt, und 
ein Kontrollraum in dem die IT für das Ding zusammenläuft. Das wäre wohl 
auch mein späterer Arbeitsplatz. Wie die Entfernungen konkret aussehen, 
weiß ich natürlich noch nicht.

von Filth _. (filth)


Lesenswert?

So jetzt war ich da.
Max Strahlenbelastung liegt bei 6mSv/ Jahr.

Im Kontrollraum lag ein Geigerzähler auf dem Tisch. Der Wert schwankte 
zwischen 100nSv/h und 120nSv/h

von Daniel -. (root)


Lesenswert?

damit deutlich besser dran als Piloten und Stewardessen
Kraftwerksmitarbeiter dürfen laut Gesetz max 20mSv.
Bergleute unter Tage bekommen wahrscheinlich auch mehr als 6 mSv ab.

btw: Geigerzähler muss meineswissens auch das richtige Zählrohr haben,
damit es auf bestimmten Spektrum der Strahlung überhaupt anspricht.
An sich ist der Wert 120nSv/h sehr klein. Sogar Vollschutzgeräte
für die Röntgenanalyse Geräte dürfen max 7.5uS/h herausstrahlen.

von Martin K. (Gast)


Lesenswert?

Die reale Belastung beträgt genau null!

Siehe hier:

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-79974033.html

von Michael L. (Firma: Desert Irrigation Systems) (overingenieur)


Lesenswert?

Aus der Praxis:

Strahlenschutz wird in D groß geschrieben, keiner möchte das Jemand 
verstrahlt wird.

Bei Entwicklung/Testbetrieb wird das aber mehr oder weniger notwendiger 
Weise etwas lax gehandhabt.
(So konnte ich den TÜV auch mal bitten in 14 Tagen nochmal zu kommen - 
und das war kein Problem nach der Pizza welche der TÜV gegessen hatte - 
empfehlen kann ich nur die gleichen Geigerzähler anzuschaffen welche der 
TÜV verwendet.)

Man geht dabei davon aus das die Leute wissen was sie tun und Niemanden 
unnötig gefährden.

Realistisch ist keine oder nur eine minimal erhöhte Jahresdosis, also +1 
mSv.

Die Dosimeter sagen nur hinterher das Jemand verstrahlt wurde, sind also 
für die Person reichlich nutzlos.

Besser immer einen Geigerzähler mit Klick-ton dabei haben.

Um eine teure Abschaltung zu vermeiden musste ich schon mal in einem 
Raum mit 20 mGy/h arbeiten - die Firmware musste manuell per Jumper neu 
gestartet werden - und das war in 2 min zu machen.

Wenn man weiss das es Gegenden in Frankreich gibt da ist die natürliche 
Radioaktivität 60fach höher als in D und daraus keine höheren Krebsraten 
resultieren - gerät man da nicht in Panik.
Wenn man ausserdem weiss das geringe radioaktive Bestrahlungen 
gesundheitsfördernd sind (was allerdings nicht veröffentlicht werden 
darf) - bleibt man da etwas länger cool als "Neulinge" ohne Ahnung.

PS: Mit den Einheiten und Formeln unbedingt vertraut machen.

von Michael K. (charles_b)


Lesenswert?

Filth __ schrieb:
> Ja das ist klar. Ich dachte, dass evtl irgendwo Erfahrungswerte bzw.
> Durchschnitte existieren. Mir geht es nicht um den exakten Wert, sondern
> um eine Schätzung über dem Daumen - ob es sich zB grundsätzlich eurer
> Meinung nach lohnt in solch einer Einrichtung zu arbeiten.

1. Dass der Strahlenschutz groß geschrieben wird in D wurde schon 
genannt.

2. Protonen sind recht große Teilchen, die sich im Vergleich zu 
Gammastrahlung recht leicht abschirmen lassen. Da sollte eigentlich 
schon das Aluminiumgehäuse langen. Trotzdem wird man da ne vernünftige 
Abschirmung anbringen.

3. Strahlenbelastung könnte auch von was anderem als den eigentlichen 
Protonen kommen. Hierzu müsste man aber den Aufbau des Gerätes genauer 
kennen.

4. Strahlenbelastung sollte eigentlich (wenn überhaupt) nur dann 
auftreten, wenn das Gerät in Betrieb ist und die Protonen erzeugt 
werden. Die könnte durchaus zu anderen Tages- und Nachtzeiten sein als 
deine eigentliche Arbeitszeit.

5. Dass man Dosimeter hinlegt zeigt, dass man das Thema wohl auch ernst 
nimmt und hier Verständnis für die Sorgen der dort tätigen Menschen hat.

von Kara B. (Firma: ...) (karabenemsi)


Lesenswert?

>Wenn man ausserdem weiss das geringe radioaktive Bestrahlungen
>gesundheitsfördernd sind (was allerdings nicht veröffentlicht werden
>darf)

Bist du wieder Inhaber von Geheimwissen, das angeblich nur dir 
zugänglich ist?

Demnach ist also der Wikipedia-Eintrag den Verschwörern durch die Hände 
gerutscht:

http://www.energie-fakten.de/pdf/hormesis.pdf


Aber selbst wenn Radioaktivität Krebs auslösen würde, hätten wir doch 
noch immer dein Allheilmittel zur Verfügung.

von Kara B. (Firma: ...) (karabenemsi)


Lesenswert?


von Michael K. (charles_b)


Lesenswert?

Kara Benemsi schrieb:
> Sorry, falscher Link:
>
> http://de.wikipedia.org/wiki/Hormesis

Wass es in wikepedia nicht alles gibt! Danke für den Link...jedoch

"Allerdings ist bekannt, dass eine arbeitende Population grundsätzlich 
gesünder ist als der allgemeine Bevölkerungsdurchschnitt, da dieser auch 
alle aus körperlichen Gründen arbeitsunfähigen Menschen beinhaltet, was 
man als Healthy worker effect bezeichnet."

Ach nee, die Binsenwarhheit, dass kranke Leute eher nicht zur Arbeit 
gehen,  wird hier gleich als neuer "Effekt " verkauft...

Das forsch ich doch gleich mal nach ob es auch einen 
"looked-to-deep-in-the-glass"-Effekt auch gibt...

von Icke ®. (49636b65)


Lesenswert?

Michael K-punkt schrieb:

> "looked-to-deep-in-the-glass"-Effekt auch gibt...

Wenn schon, dann "too deep". Ein Engländer würde dich aber genauso 
anschauen, als hättest du es. Man kann nicht alles wörtlich übersetzen.

von Eddy C. (chrisi)


Lesenswert?

Michael K-punkt schrieb:

> Ach nee, die Binsenwarhheit, dass kranke Leute eher nicht zur Arbeit
> gehen,  wird hier gleich als neuer "Effekt " verkauft...

Das mag eine Binsenweisheit sein, ja, aber wenn Du einfach nur die 
nackten Zahlen vergleichst, mag man nur zu allzu gerne solche Effekte 
unter den Tisch fallen lassen, um die Zahlen für sich sprechen zu 
lassen. Insofern finde ich die Bemerkung nicht nur angebracht, sondern 
auch notwendig.

von P. M. (o-o)


Lesenswert?

Michael K-punkt schrieb:
> Ach nee, die Binsenwarhheit, dass kranke Leute eher nicht zur Arbeit
> gehen,  wird hier gleich als neuer "Effekt " verkauft...

Natürlich ist es eine Binsenwahrheit. Aber man muss sie kennen und sich 
ihrer bewusst sein, ansonsten kommen allzuschnell Fehlschlüsse: Wenn die 
arbeitende Bevölkerung gesünder ist als die nicht arbeitende, so könnte 
man z.B. auf die Idee kommen, Arbeit mache gesund. Also einen 
Kausalzusammenhang "Arbeit macht gesund" erfinden. Hier ist es recht 
offensichtlich ein Fehlschluss, aber in anderen Bereichen kann es 
durchaus weniger übersichtlich sein.

Bitte melde dich an um einen Beitrag zu schreiben. Anmeldung ist kostenlos und dauert nur eine Minute.
Bestehender Account
Schon ein Account bei Google/GoogleMail? Keine Anmeldung erforderlich!
Mit Google-Account einloggen
Noch kein Account? Hier anmelden.