Clapp Oszillator

OP #2331572
Lesenswert?

Servus, ich versuche gerade etwas mehr über Oszillatoren zu erfahren und 
zu lernen. Genauer gesagt muss ich einen VCO bauen.
Nun versuch ich erst einmal Oszillatoren verstehen zu lernen, und bin 
gerade an einem Punkt angelangt wo ich nicht wirklich weiter komme.

Und zwar gibt es ja Schwingbedinungen für Phase und Amplitude 
(Rückkopplung)
Da der Clapp Oszillator in Kollektorschaltung gebaut ist, gibt es somit 
keine Phasenverschiebung zwischen Ein- und Ausgang was schon mal passt. 
Für die Amplitudenbedingung bzw. Rückkopplung gilt aber doch k*v = 1
was meines errachtens ja bei Kollektorschaltung nie erfüllt sein kann da 
dort die Verstärkung v nur annähernd 1 ist.

Jetzt meine Frage, wie kann das trotzdem schwingen? bzw wie funktioniert 
es, dass die Amplitudenbedinung erfüllt ist?
Vielleicht könnt ihr mir ja helfen, wäre sehr dankbar.

mfg Andy


Hier mal ein Bild mit einem Clapp Oszillator

http://upload.wikimedia.org/wikipedia/de/d/dd/Clapp_oszillator.GIF
Gast #2331600
Lesenswert?

Die Verstärkung v=1 bei der Kollektorschaltung gilt für eine 
Eingangsspannung zwischen Basis und Gnd. Als weitere Eingangsspannung 
tritt aber die Spannung zwischen Basis und Emitter auf. Diese ist 
(differentiell betrachtet) viel kleiner, so dass auch Verstärkungen v>1 
möglich sind.
OP #2331608
Lesenswert?

Ist diese Verstärkung dann auch berechenbar? Wenn ja wie?

Ich habe grad eben auch noch was gelesen, das in diesem Fall die ganze 
Oszillierende Wechselspannung auf den Eingang zurückgekoppelt wird um 
eben dadurch die Amplitudenbedinung noch zu erfüllen. Bin mir nur nicht 
sicher wo diese denn zurückgekoppelt wird?
Soll damit gemeind seind, das einfach der Schwingkreis so zu sagen an 
der Basis liegt und damit komplett an der Basis schwingt und wieder in 
die Basis gekoppelt wird?
Sorry, für die vll doofen fragen aber ich steh total auf dem Schlauch
#2331684
Lesenswert?

Andy Andy schrieb:
> Soll damit gemeind seind, das einfach der Schwingkreis so zu sagen an
> der Basis liegt und damit komplett an der Basis schwingt und wieder in
> die Basis gekoppelt wird?

Ja. Wobei die frequenzbestimmenden Komponenten L1 und die 
Serienschaltung aus C1, C2 und C3 sind. Der Witz an der Sache ist, dass 
der Emitterfolger einen sehr niederohmigen Ausgang hat, mit dem in den 
Schwingkreis eingekoppelt wird. Damit und der erforderlichen hohen Güte 
des Schwingkreises wird die eingekoppelte Spannung vervielfacht: Über C2 
und C3 entsteht die theoretisch doppelte Spannung, womit die Verstärkung 
<1 des Emitterfolgers kompensiert wird.
OP #2331929
Lesenswert?

Danke euch habt mir schon sehr weitergeholfen.

Das einzige was ich noch nicht so ganz versteh is, wo denn jetzt 
eigentlich die Rückkopplung stattfindet? Ist das jetzt zwischen den 
beiden Kondensatoren oder ist dass an der Basis. Wie funktioniert das 
mit der Rückkopplung.
#2331977
Lesenswert?

Stelle Dir vor, was passieren würde, wenn Du an der Basis auftrennst und 
dort einen Sinus mit der Resonanzfrequenz des LC-Kreises einspeist:

Der LC-Kreis würde anfangen mitzuschwingen. Jetzt lassen sich die 
Spannungen an den einzelnen Kondensatoren C1/C2/C3 nach dem Prinzip des 
kapazitiven Spannungsteilers ausrechnen:

An C3 liegt knapp die eingespeiste Amplitude an, über C2 ebenso (das ist 
der springende Punkt!). Die Spannung über C2 und C3 ist also schon 
doppelt so hoch wie die Spannung des Generators. Die Spannung an C1 
beträgt nochmals ein Vielfaches der Generatorspannung (ca. Faktor 20!). 
All das ist theoretisch und setzt voraus, dass Bauteile mit hoher Güte 
verwendet werden, insbesondere die Spule.

Aber es sollte klar sein, dass, wenn Du die Basis oben an C2 anschliesst 
ein Mitkopplung stattfindet, womit die Anordnung zum Oszillator wird. 
Obacht: Der Eingangswiderstand an der Basis bedämpft den Schwingkreis, 
was bei falscher Dimensionierung ein Anschwingen verhindern kann.
OP #2332130
Lesenswert?

Das ist ja echt eine Wissenschaft für sich :-) Aber so langsam glaub ich 
steig ich dahinter.

Die Formel um die Frequenz des Schwingkreises zu berechnen sollte doch 
folgendermaßen lauten oder?

http://upload.wikimedia.org/math/7/e/8/7e8b78201b1ddf2978e72a788dd01e26.png

Gibts eigentlich noch andere vielleicht einfachere Möglichkeiten einen 
VCO aufzubauen? Was ich am meisten finde ist ein VCO nach Clapp (also 
die oben genannte Schaltung und dann noch eine kapazitäts Diode)
OP #2332246
Lesenswert?

So nachdem ihm mir jetzt so einiges erklärt habt,  hab ich jetzt mal in 
LT-Spice einen clapp Oszillator aufgebaut.

Hab das alles mal Dimensioniert und getesetet.
Jedoch scheint etwas schief zu laufen da bei der Schwinung die Welle 
oben abgeschnitten ist. Ist das normal oder was kann das sein?

Dimensionierung:

    B = 220
    Ic sei 2mA
    URe sei 2V
    fres = 2Mhz (stimmt auch)

Einen Gedanken was ich hab ist, dass er vielleicht übersteuert aber 
warum?
(Firma: Nisch-Aufzüge) Persönliche Seite #2332298
Lesenswert?

na klar, das Programm macht nichts Anderes.

aber ehrlich es ist aufwendiger als mit spice tray and error zu spielen.

irgend wann habe ich auch mal gelernt das zu berechnen
zwischen 70k und 100k ist bezogen auf 30k auch nur ein marginaler 
Unterschied

Zumal der Verstärkungsfaktor (he21 bzw B ) sich auf die 
Emmitterschaltung bezieht ist vor der Berechnung erst mal eine 
Transformation auf die Kollektorschaltung fällig, frag mich bitte nicht 
nach der Lösung. Das habe ich vor 30 Jahren das letzte mal berechnet.
viel spas noch beim spielen.
OP #2332308
Lesenswert?

Ich hab jetzt alles nochmal neu berechnet und nochmal im Datenblatt nach 
gesehen.
Hab den Arbeitspunkt jetzt mal ganz an den Rand gelegt (Ic = 0,1mA)
R1 = 394k R2 = 86k und Re = 10k.
Es sieht schon besser aus, jedoch schwing es sich immer noch sehr 
komisch ein.
Anscheinend bekomm ich vom Schwingkreis her schon ein viel zu großes 
Signal.
Transformation in Kollektorschaltung wegen dem B sollte normal nicht 
nötig sein mit dem kann ich schon rechnen.
Angehängte Dateien:
OP #2332348
Lesenswert?

Sieht schon wieder besser aus Danke für den Tip :-) Bin nur neu in 
diesem Thema und jeder Tip ist hilfreich für micht.

Gibt es denn auch eine Möglichkeit die Amplitude der Schwinung zu 
berechnen? Ich muss ja vorher den Arbeitspunkt des Verstärkers 
einstellen und das ist ja nicht wirklich genau wenn ich nicht zuvor weiß 
wie hoch denn eigentlich die Amplitude meines Eingangssignals ist.
#2332362
Lesenswert?

Andy Andy schrieb:
> Gibt es denn auch eine Möglichkeit die Amplitude der Schwinung zu
> berechnen? Ich muss ja vorher den Arbeitspunkt des Verstärkers
> einstellen und das ist ja nicht wirklich genau wenn ich nicht zuvor weiß
> wie hoch denn eigentlich die Amplitude meines Eingangssignals ist.

Mehr schlecht als recht kann man die Amplitude berechnen. In der Praxis 
wird meistens das Verhaeltnis von C1,C2 angepasst bis es Ok ist. Das 
Problem bei der Berechnung der Amplitude ist das dass alles nachher sehr 
unlinear wird.
Deshalb geht es meistens schneller das auszuprobieren. Die Amplitude 
schauckelt sich meistens so weit auf bis die Basis-Kollektordiode 
leitend wird und die Sache begrenzt. Will man die Amplitude auf einen 
exakten Wert halten ist noch eine zusaetzliche Regelung einzubauen.
OP #2332371
Lesenswert?

Ok, deshalb hab ich beim googeln auch nicht wirklich was dazu gefunden.
Beim Dimensionieren des Schwinkreises gehts mir hauptsächlich darum das 
ich das Mathematisch irgendwie lösen könnte, z.b ich sag ich will einen 
Schwingkreis der mit 10Mhz schwingt. Das ist ja soweit kein Problem, 
jedoch liegt das Problem dann wohl eher darin die Bauteile sinnvoll und 
gut aufzuteilen, sprich wie groß muss die spule und die Kondensatoren 
sein, denn es sind ja nunmal 3 Kondensatoren. Gibts da eine Faustregel 
oder eher wieder nur probieren? Ich hoffe ihr versteht was ich mein.
OP #2332386
Lesenswert?

Das ist ja super :-) Hätte fast geglaubt das es komplizierter seit :-) 
Danke dir.

Jetzt muss ich nur noch mein Übersteuern irgendwie in den griff bekommen 
und dann schaut die Sache schon mal gut aus.

Reicht es denn normal nicht aus wenn ich den Arbeitspunkt meines 
Verstärkers so lege das an RE die halbe Betriebsspannung abfällt, somit 
hab ich zum Aussteuern nach oben und unten jeweils 5 V zur Verfügung, 
mehr geht doch eh nicht oder?

Antwort schreiben

Bitte melde dich an, um einen Beitrag zu schreiben.

oder

Mit Google-Account einloggen

Die Registrierung ist kostenlos und dauert nur eine Minute.

Jetzt registrieren