Hallo Leute, durch die ständige Präsenz der europäischen Schuldenkrise, neu hinzugekommen die Erwartung einer weltweiten Rezession, bin es es so langsam leid, mir jeden Tag in den Medien die Hiobsbotschaften anzusehen, anzuhören oder darüber zu lesen. Seit einige Wochen vermeide ich es deshalb, meine Tageszeitung zu lesen, Nachrichten im Radio zu hören oder Nachrichtensendungen und "themenkompatible" Polit- und Talkshows im Fernsehen zu schauen. Mein Leben wird nicht besser, wenn ich täglich zigfach darüber "informiert" werde, wie schlecht es um den Euro, Europa, die Weltwirtschaft, unsere Jobs, das Klima, die Kernkraftwerke, die Energieversorgung, die Aktienbörsen, unsere Rente, das Gesundheitssystem etc. bestellt ist. Fast täglich prangt auf unserer Tageszeitung ein passendes Panikthema aus dem genannten Themenpool, und auch die entsprechende Auswahl in den Fernsehnachrichten und anderen Sendungen ist reichhaltig. Wird eine Krise besser handhab- oder berechenbar, wenn diese zum hundertsten Mal bei Maischberger & Co. durchgekaut wurde? Schon allein der Wetterbericht rührt ja in den letzten Jahren kräftig die Paniktrommel. Da genügt es schon, bei jedem aufziehenden Gewitter von "Unwetter" zu sprechen. Ich kann mich nicht erinnern, dass in Wetterberichten vor 20 Jahren mal der Begriff "Unwetter" verwendet wurde. Vielleicht bin ich ja inzwischen ein wenig zu dünnhäutig. Allerdings scheint mir auch, dass die Medien immer drastischere Darstellungen der Sachverhalte benötigen, um die erforderliche Anzahl von Kunden anzulocken. Und das Schlimme: man kann sich, vor allem im Internet, kaum noch vor den News retten: vor kurzem prangte selbst auf der Kundenseite von 1&1, wo ich lediglich einige Vertragsdaten ändern wollte, eine Newsabteilung. Thema: Börsencrash. In Zeiten, in denen weltweite News genau einen Link auf einer Webseite kosten, findet eine inflationäre Verbreitung von Nachrichten mit einem entsprechenden subjektiven Multiplikationseffekt statt. Wie gesagt, an Krisen kann ich, auch wenn vorher angekündigt, nichts ändern. Inzwischen bin ich sogar soweit, meine einstmals geliebte Tageszeitung, die wir seit dem Einzug in unsere Wohnung abonniert haben, zu kündigen. Seit der Finanzkrise 2009 ist es für mich entspannter, die Zeitung nicht aufzuschlagen. Ich denke auch nicht, dass ich durch meinen Nachrichtenverzicht irgend einen Nachteil gegenüber den, ich will es mal ein wenig überzogen ausdrücken, Newsjunkies, habe. Besonders nach dem mehrfachen Besuch von Seiten wie ftp, teleboerse oder finanzen.net etc. kann ich inzwischen nachvollziehen, dass die Leute an den "Märkten", die solche Medien täglich von morgends bis abends verfolgen, irgend wann Panikausbrüche bekommen und/oder in die Klapse müssen. Mich würde mal interessieren, wie ihr mit dem Thema "Nachrichten" so umgeht. Einigen Threads hier zu urteilen lassen sich nicht wenige Leute auch hier in den Foren von der allgemeinen Panik und Resignation anstecken, anstatt einfach den Tag zu leben und die Dinge auf sich zukommen zu lassen.
Klingt ja sehr resigniert. Vielleicht doch mal zur Apotheke? http://www.sakurai-cartoons.de/actual.php5?gross=4057 :)
Ganz auf Medien zu verzichten ist falsch. Vor 15 Jahren, las man Nachrichten, musste diese für wahr halten. Durch das Internet kann jeder seine Meinung zu allem Kund tun, manches schaukelt sich auf. Die Lebens-Kunst ist es, diese Nachrichten zu verfolgen und trotzdem das Leben zu geniessen. Es ist oft schwer, es ist eben eine Kunst des Lebens. Ich versuche mich zu informieren, manches regt mich auf und wenn bei Maischberger&Co. zu X-ten Male die gleichen Politiker rumlabern, schalte ich ab, gehe ins Bett, trinke mir ein Bier oder schaue mir eine unpolitische Reportage/Film auf ARTE an.
> Klingt ja sehr resigniert. Vielleicht doch mal zur Apotheke?
ymmd!
Dank für den Tipp! :-) Ich gehe morgen gleich in die Apotheke. Mal
sehen, was die von dem Zeug da haben ;-)
Ich sehe das übrigens nicht als Resignation, sondern eher als Protest.
Rick McGlenn schrieb: > Ganz auf Medien zu verzichten ist falsch. Warum? > Vor 15 Jahren, las man Nachrichten, musste diese für wahr halten. > > Durch das Internet kann jeder seine Meinung zu allem Kund tun, manches > schaukelt sich auf. Manches? Was denn bitte nicht? > > Die Lebens-Kunst ist es, diese Nachrichten zu verfolgen und trotzdem das > Leben zu geniessen. Es ist oft schwer, es ist eben eine Kunst des > Lebens. OK, dann muss ich eingestehen, dass ich diese Kunst (noch) nicht beherrsche. > > Ich versuche mich zu informieren, Es ist extrem schwierig, noch den Wahrheitsgehalt von News festzustellen. Das Internet bietet IMO nicht unbedingt ein echtes "Mehr" an Informationen, sondern dient vielmehr als millionenfacher Multiplikator einer Nachricht. Besonders deutlich sieht man das auf den im Eröffnungsposting genannten Finanzseiten: Die Texte der Nachrichten sind zumeist identisch, kommen also unbearbeitet aus derselben Quelle. Oft findet sich das eine Nachricht auf einer Seite im Log mehrfach, keine Ahnung, warum manche News mehrfach auf eine Seite gestellt werden. Besonders problematisch für einen aktuellen Überblick ist häufig auch, dass aktuelle Meldungen mit solchen, die vielleicht schon ein oder zwei Jahre alt sind, fröhlich auf einer Seite oder unter "passend zur Meldung" erscheinen. Natürlich stellt man auch erst dann, wenn man eine Meldung anklickt, fest, dass die Meldung schon zwei Jahre alt ist (wenn man Glück hat, und das Erscheinungsdatum der Meldung überhaupt irgend wo angegeben ist). Erstaunlicherweise wird gerade der Bodensatz an Hiobsbotschaften immer dicker. Würde man den ganzen Ballast von diversen Newsseiten entfernen, bliebe nur sehr wenig übrig. Ich war immer der Meinung, zu einem mündigen Bürger gehöre, brav die Tageszeitung zu lesen und die Tagesschau anzusehen. Inzwischen sehe ich das entspannter. Viel wichtiger für einen mündigen Bürger halte ich es, gelegentlich mal den eigenen Verstand einzuschalten und über die Dinge, die einen täglich erreichen, nachzudenken. Vieles von dem, was in den Medien subjektiv, überzogen und reißerisch dargestellt wird (wobei das auch immer mehr in den als seriös geltenden Medien zu beobachten ist), wird von den Menschen 1:1 geglaubt und im Gedächtnis abgespeichert. In meiner Tageszeitung z.B. hat mich seinerzeit genervt, wie subjektiv, unsachlich und manipulativ zum Thema Glühlampenverbot berichtet wurde. Es wurde z.B. niemals geschrieben, dass nur 1%-2% des Endenergieverbrauchs in Deutschland für Beleuchtungszwecke verwendet werden. Dann wurde (und wird noch immer) der Begriff "Stromfresser" inflationär verwendet und fortwährend betont, wie ineffizient Glühlampen Licht erzeugen. >manches regt mich auf und wenn bei > Maischberger&Co. zu X-ten Male die gleichen Politiker rumlabern, schalte > ich ab, gehe ins Bett, trinke mir ein Bier oder schaue mir eine > unpolitische Reportage/Film auf ARTE an. Hmm, na ja, ab und zu brauche ich auch mal ein wenig "leichte Kost". Vielleicht gehöre ich damit nicht mehr unbedingt zur sogenannten "Bildungsoberschicht", aber ich denke, man kann auch bei einem leichten Abdriften ins Proletariat durchaus ein "solides" Leben führen.
Marcus Woletz schrieb: > > Es ist extrem schwierig, noch den Wahrheitsgehalt von News > festzustellen. Das trifft auf jede Art von Information zu, außer man ist zufällig Insider auf dem jeweiligen Gebiet. > Viel wichtiger für einen mündigen Bürger halte ich es, > gelegentlich mal den eigenen Verstand einzuschalten und über die Dinge, > die einen täglich erreichen, nachzudenken. Nicht nur gelegentlich, sondern per default. Man muß jede Information erstmal als Aussage betrachten, mit anderen Informationen vergleichen und auf Plausibilität prüfen. Nur so kommt man der "Wahrheit" näher. Klingt einfach, ist in der Praxis aber sehr schwierig. Manipulation funktioniert zu 99% über Emotionen, bspw. hat die Werbeindustrie das Verfahren perfektioniert. Paßt die Information in mein emotionales Konzept, dann tue ich mich schwer, sie nicht zu glauben. Es erfordert ein gerüttelt Maß an Objektivitätswillen, um TRUE von FALSE unterscheiden zu können. Völlige Medienabstinenz halte ich aber nicht für den richtigen Weg, außer man hat mit der Welt abgeschlossen und will als Einsiedler leben. Ohne Input keine Information und ohne Information keine Chance auf Wahrheitsfindung.
>Völlige Medienabstinenz halte ich aber nicht >für den richtigen Weg OK, das ist vermutlich allgemeiner Konsens. Aber wo genau ist das Problem zu sehen? Ich stehe übrigens mit beiden Beinen mitten im Leben. Aber es tut mir einfach nicht gut, wenn täglich Panik- Horror- und Katastrophenmeldungen auf mich einprasseln. Ich sehe auch keine praktische Notwendigkeit dafür. Nur weil es heute durch die elektronischen Medien (Radio, Fernsehen, Mobilfunk, Internet) möglich ist, Nachrichten in Millisekunden milliardenfach rund um den Globus zu senden, muss es noch lange nicht notwendig oder gar positiv für die Menschen sein, das auch mitzumachen. Ganz schlimm finde ich heute, dass sich in den Medien jeder noch so unbekannte, selbsternannte Experte zu aktuellen Themen äußern muss. Es ist doch so, die modernen Medien erlauben milliardenfache Inhalte, und die wollen auch gefüllt werden und werden gefüllt. In meinen Augen hat das inzwischen geradezu perverse Ausmaße angenommen. Warum muss jeder Betreiber einer Website krampfhaft einen Newsbereich einrichten, auch wenn die ganze Site eigentlich gar nichts mit Nachrichten zu tun hat? Außerdem: dass im Internet jeder x-beliebig angebliche "Nachrichten" verbreiten kann, beliebige Zahlen und "Fakten", mit welchem Hintergrund auch immer, macht die Sache nicht einfacher. Besonders fällt bei Themen, bei denen man gewisses Fachwissen besitzt, bei einer Recherche im Internet auf, wie oft völlig falsche Zusammenhänge dargestellt werden und z.B. in Foren oft ohne Widerspruch als Faktum angenommen werden. Ich bin natürlich für Argumente offen, sich nicht dem Nachrichtenkonsum zu verschließen.
Marcus Woletz schrieb: > Es ist extrem schwierig, noch den Wahrheitsgehalt von News > festzustellen. Stimmt. Und die Nachrichten sind heute viel eher Meinungen und keine Informationen. Da passieren "erschütternde Unglücke". Es mag sein, dass manche Menschen erschüttert werden aufgrund des Unglücks. Aber das Unglück findet erst mal so statt. Gibt es auch Unglücke die nicht erschüttern? Beliebt ist auch das Schaffen von Fakten mit Worten. Da ist dann schnell mal z. B. von einem Abhörskandal zu hören. Es wurde also jemand abgehört - was nicht in Ordnung sein mag. Ob es ein Skandal ist oder nicht ist eine Entscheidung, die der Mitbürger vielleicht gerne selber treffen möchte. Man braucht nur mal Bayern 5 zu hören, die ja jetzt sogar nen Preis für das beste Nachrichtenmagazin erhalten haben. Ein Großteil der Nachrichten ist mit solchen halbseidenen Dingen durchsetzt, Grammatikfehler sind ebenfalls an der Tagesordnung.
Marcus Woletz schrieb: > Aber wo genau ist das Problem zu sehen? Im Cally Bandysymptom (inputpufferoverflow) wegen zu vieler schwer filterbarer sowie redundanter und/oder nutzloser Informationen. dagegen hilft: 1. Den Input vorab filtern, nach Menge. Dazu auf Redundanz verzichten, da wie du schon bemerkt hast, copy und paste zu einem Scheinnachrichtenwust führen. Am Besten nur ein mal pro Tag updaten. Das hält eine Menge Redundanz vom Inbuffer fern. Die Gelegenheit dadurch etwas Wichtiges zu verpassen ist gering siehe C&P-Syndrom. 2. Lokal informieren, erspart dir das filtern für dich eh irrelvanter Infos. "Wichtiges" wird dank C&P sowiso auch lokal ausposaunt. 3. unregelmäßig "Nachrichtenfasten". Stattdessen schaffen. Das bringt positive Bestätigung. Oder relaxen. Das bringt Erhohlung und Genuß Das alles Zusammengenommen erlaubt mir ausreichend informiert zu bleiben, und so Zufriedenheit durch selbstbestimmtes Tun zu erlangen, da ich mich nicht Tagein Tagaus in der Hirnwaschtromel befinden muss. Namaste
Marcus Woletz schrieb: > Hallo Leute, > > durch die ständige Präsenz der europäischen Schuldenkrise, neu > hinzugekommen die Erwartung einer weltweiten Rezession, bin es es so > langsam leid, mir jeden Tag in den Medien die Hiobsbotschaften > anzusehen, anzuhören oder darüber zu lesen. > Auch hier wieder: Es ist seit Jahrzehnten bekannt, wie hoch der Schuldenstand ist. Doch auf einmal wird dies zur "Krise" hochstilisiert. Und so wird das letzte Vertrauen sinnlos zerredet. Ich will die Lage nicht beschönigen, schon vor Jahrzehnten hätte man umlenken müssen, das ist klar. Aber warum auf einmal einen Begriff wie "Krise" einführen, wenn die aktuelle Entwicklung einfach die logische Folge der vergagenen Jahre ist? Fukushima: DAS ist eine Krise, weil plötzlich ein Tsunami und plötzlich ein Erdbeben kam.
Komplette Nachrichtenabstinenz halte ich nicht für sinnvoll. Hab auch immer wieder Leute getroffen die meinten: "Nein sie lesen jetzt keine Zeitung mehr sie können das alles nicht mehr hören usw. usw.". Aber lang durchgehalten hats keiner. ;-) Sich zu informieren ist auf jeden Fall wichtig, aber das sollte aus unterschiedlichen Quellen erfolgen. Wobei man sich klar sein muss, dass heutzutage sehr viele Medien voneinander abschreiben oder die gleichen Quellen benutzen. Sehr deutlich hab ich das vor ca. 4 Jahren mal bemerkt, als ein klassischer Übersetzungsfehler (Noise als "Geräusch") quer durch alle Medien ging: http://www.stern.de/wissen/kosmos/internationale-raumstation-geraeusch-allergie-legt-bordcomputer-lahm-591142.html Epic Fail ;-) Generell ist auch die Auswirkung von Terrorgefahr-Meldungen sehr unterschiedlich. Viele Bekannte sind da nicht gerade empfindlich und lassen sich dadurch nicht aus der Ruhe bringen. (richtig so!) Aber andere Bekannte nehmen das wieder ganz anders auf: Die wollten im letzten Advent mit uns nichtmal auf nen etwas größeren Weihnachtsmarkt gehen, da ihnen das schon nicht mehr geheuer war. Man erinnere sich nur an die ganze Panik, Polizeipräsenz wurde erhöht usw. Und was ist passiert? ABSOLUT NICHTS! War auch mal interessant anzusehen wie ein Karton eines DVD-Spielers(?), der am Münchener Hbf im Untergeschoß neben einem Mülleimer abgestellt war, von den Polizisten genau untersucht wurde. Es wurde "weiträumig" abgesperrt (also ca. 20 Meter aussenrum => total sinnlos falls es wirklich eine Bombe wäre). Dann wurde ein Hund geholt der sich aber überhaupt nicht für den Karton interessierte. (welch wunder..) Dann wurde beschlossen das Ding zu öffnen. Gaaaanz vorsichtig hat einer der Polizisten den Karton dann geöffnet. Der war dann übrigens leer... Viel Panik um nichts.
Ich habe die Tageszeitung vor 15 Jahren abbestellt, weil mir das endlose Politikergezänk leid wurde. Der Fernseher wird ausschließlich von meiner besseren Hälfte benutzt, da mir einfach die Zeit zu schade ist, mir von den ständig gleichen Talkmastern die Welt erklären zu lassen. Nachrichten: Auf der Tonlinestartseite komme ich an denenen nicht vorbei, reicht völlig, die zu überfliegen. Montags lese ich als Zusammenfassung der vergangenen Woche das sattsam bekannte Journal mit dem roten Rahmen. Hier kommt der Quatsch wenigstens journalistisch ansprechend verpackt daher. Das ist für mich mehr als ausreichend.
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